Reliant Supervan
kleiner dreirädriger Lieferwagen, den der britische Automobilhersteller Reliant von 1966 bis 1973 produzierte
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Der Reliant Supervan ist ein kleiner dreirädriger Lieferwagen, den der britische Automobilhersteller Reliant von 1966 bis 1973 produzierte. Das Auto ist die Nutzfahrzeugausführung der zeitgenössischen Stufenhecklimousine Reliant Regal 3/30, gehört formal aber nicht zur Regal-Reihe. Der Supervan ist der Nachfolger des weitgehend baugleichen 5 cwt Van. Er entstand in drei Serien. Das Auto erfuhr in späteren Jahren breite mediale Aufnahme in britischen Fernsehserien, vor allem in der Comedyserie Mr. Bean und in Only Fools and Horses.
| Reliant | |
|---|---|
Reliant Supervan III | |
| Supervan | |
| Produktionszeitraum | 1966–1973 |
| Klasse | Kleinstwagen |
| Karosserieversionen | Kastenwagen |
| Motoren | Ottomotoren: 0,6–0,75 Liter (12,5–23 kW) |
| Länge | 3430 mm |
| Breite | 1484 mm |
| Höhe | |
| Radstand | 1931 mm |
| Leergewicht | 430 kg |
| Vorgängermodell | Reliant 3/25 Super |
Entstehungsgeschichte
Die 1935 gegründete Marke Reliant bediente von Beginn an eine Marktnische, die auf eine Besonderheit im britischen Steuer- und Zulassungsrecht zurückzuführen ist. Mit dem „Motor Taxation Act“ von 1921 wurde im Steuerrecht des Vereinigten Königreichs eine Sonderstellung für motorisierte Dreiradfahrzeuge geschaffen. Bei einem Leergewicht unter 8 cwt (rund 406 kg) betrug die jährliche Abgabe pauschal vier Pfund Sterling, unabhängig von Hubraum und Leistung. Diese leichten Dreiradfahrzeuge durften in Großbritannien mit dem Motorradführerschein gefahren werden.[1] Nach dem Zweiten Weltkrieg setzte Reliant das Produktkonzept mit dem Regent fort, der vorn noch eine unverkleidete Motorradgabel hatte. Als Nachfolger des Regent brachte Reliant 1952 den Regal auf den Markt, dessen Aufbau das Auto erstmals in der Reliant-Geschichte komplett verkleidete. Während der Regent ausschließlich als Lieferwagen ausgelegt war, gab es den Regal zusätzlich in einer Version für den privaten Personenverkehr.
Mit Erscheinen der siebten Regal-Generation, die als Regal 3/25 verkauft wurde, gliederte Reliant die Van-Variante aus der Regal-Reihe aus. Von 1963 bis 1966 stand die Van-Variante des Regal 3/25 unter der Bezeichnung Reliant 5 cwt im Programm; der Begriff bezog sich auf die in Hundredweight (cwt) gemessene Zuladung des Autos (umgerechnet ca. 250 kg). Ab Sommer 1966 hieß das Auto dann nach einem Facelift an der Frontpartie Reliant Supervan. Bis 1973 gab es drei Generationen des Supervan. In der Automobilliteratur wird die formal eigenständige Rolle des Supervan nicht immer zutreffend wiedergegeben; stellenweise wird das Auto – unzutreffend – als Reliant Regal Supervan bezeichnet.
Modellbeschreibung
Der Reliant Supervan ist ein Lieferwagen mit einem gelenkten Vorderrad und zwei angetriebenen Hinterrädern.
Karosserie
Die Karosserie des Regal besteht aus glasfaserverstärktem Kunststoff. Die Frontpartie mit der abgesenkten Motorhaube und der fast vollständig verkleideten Frontmaske entspricht der des Regal 3/30. Auch die Windschutzscheibe und die Türen stimmen mit dem Reliant Regal überein. Hinter den Türen ist der Supervan als Kastenwagen mit voll verkleideten Seitenteilen gestaltet. Er hat eine große Hecktür, die an der rechten Seite angeschlagen ist. Das Volumen des Laderaums wurde mit 50 Kubikfuß (etwa 1,4 Kubikmeter) angegeben.[2]
Chassis und Fahrwerk
Der Supervan hat den gleichen aus Stahl gefertigten Kastenrahmen wie der Reliant Regal. Das Vorderrad ist an einer geschobenen Schwinge aufgehängt. Die Fingerlenkung kommt von Burman-Douglas. Hinten gibt es eine Starrachse mit Blattfedern.[3] Die Aufhängung wurde für den Einsatz als Nutzfahrzeug verstärkt. Konstruktionsbedingt neigte der Supervan wie seine Schwestermodelle bei schnell gefahrenen Kurven oder unsachgemäßer Beladung zum Kippen.
Motorisierung und Kraftübertragung
Als Antriebsquelle kommt ein wassergekühlter Reihenvierzylinder-Ottomotor von Reliant zum Einsatz, der über ein handgeschaltetes Vierganggetriebe die Hinterräder antreibt. Hubraum und Motorleistung variieren in den einzelnen Generationen des Supervan.
Die einzelnen Serien
Der Supervan wurde in drei Serien produziert. Die einzelnen Serien unterscheiden sich äußerlich kaum voneinander; Reliant gebrauchte für die Verkaufsprospekte der ersten und der zweiten Generation dementsprechend die gleichen Fotografien.[4] Die Unterschiede betreffen vor allem die Motorisierung.
Supervan (1966–1967)
Die erste Generation des Supervan wurde von Mai 1966 bis September 1967 produziert. Das Auto wurde – ebenso wie der Regal der gleichen Ära – mit Reliants eigenem Reihenvierzylindermotor ausgeliefert, der 598 cm³ Hubraum hat. Die Höchstleistung wurde mit 24 PS angegeben.
Supervan II (1967–1968)
Die zweite Supervan-Generation erschien im September 1967. Sie erhielt einen überarbeiteten Motor. Die Modifikationen betrafen vor allem den Zylinderkopf und die Abgasführung. Dadurch stieg die Höchstleistung auf 26 PS.
Supervan III (1968–1973)
Der Supervan III ist die am längsten und am häufigsten produzierte Generation dieses Modells. Die dritte Generation übernahm vom Regal 3/30 den neu konstruierten Vierzylindermotor mit einem Hubraum von 701 cm³ und einer Höchstleistung von 22 kW (29 bhp, 29 PS).
Ab 1969 gab es den Supervan III auch in der Ausstattungslinie „21 E“,[4] die zwei Jahre zuvor beim Regal eingeführt worden war. Die Bezeichnung steht für „21 Extras“ und bezieht sich auf 21 zusätzliche Ausstattungsdetails, die über die Standardausstattung des einfachen Regal hinaus ab Werk eingebaut wurden. Dazu gehören unter anderem Teppich im Fußraum, ein in der Außenfarbe lackierter Armaturenträger im Innenraum, verchromte Einfassungen der Anzeigen und einiger Karosseriedetails wie z. B. der Scheinwerfer, Rückspiegel auf beiden vorderen Kotflügeln, Rammhörner an den Stoßstangen und Nebelscheinwerfer, die oberhalb des vorderen Kennzeichens montiert sind.
Produktion und Bestand

Reliant veröffentlichte keine Produktionszahlen speziell zum Supervan. Die verfügbaren Zahlen fassen die Regal Limousine und den Supervan zusammen, ohne im Detail zwischen den beiden Modellen zu differenzieren. In der Zeit von 1963 bis 1972 entstanden zusammengenommen insgesamt etwa 105.000 Autos der Baureihen Regal (Limousine) und Supervan.[5]
Staatliche britische Stellen nahmen teilweise größere Kontingente des Supervan ab. Zu ihnen gehörte der Postdienst Royal Mail. 1971 kaufte er 50 Supervans, die im Praxisbetrieb getestet wurden; Hintergrund waren Überlegungen, die bis dahin eingesetzten Morris-Minor-Vans, deren Produktion in diesem Jahr auslief, durch Reliant Supervans zu ersetzen. Nach der Testphase erwarb Royal Mail keine weiteren Supervans.[6]
Im ersten Quartal 2026 war die Existenz von 27 Reliant Supervan der Baureihen I bis III in Großbritannien belegt. 13 von ihnen waren zugelassen, 14 waren stillgelegt.[7]
Der Supervan in Film und Fernsehen

Only Fools and Horses
Die Reliant-Dreiradfahrzeuge nehmen in der Kultur Großbritanniens einen besonderen Platz als Symbole britischer Exzentrizität ein. Der bekannteste Regal ist der Lieferwagen, der Del Boy und Rodney Trotter in der langjährig von der BBC ausgestrahlten Sitcom Only Fools and Horses gehört. Der Lieferwagen wird oft und falsch als Reliant Robin bezeichnet, tatsächlich handelt es sich aber um einen Regal Supervan III. Trotters originaler Lieferwagen ist heute im Cars-of-the-Stars-Motormuseum ausgestellt, während eines der beiden Ersatzautos 2007 für über 44.000 £[8] an den bekannten britischen Boxer Ricky Hatton verkauft wurde.
Mr. Bean

In der Comedyserie Mr. Bean kommt der Titelheld öfter mit einem hellblauen Supervan III in Konflikt, der von ihm umgeworfen, angefahren oder aus der Parklücke geschoben wird. So traf der Charakter Mr. Bean, der üblicherweise einen hellgrün lackierten Mini fährt, in verschiedenen Verkehrssituationen – in einem Fall in einem öffentlichen Parkhaus – auf einen Supervan und zwang den Reliant-Fahrer durch einen kompromisslosen Fahrstil zum abrupten Ausweichen, woraufhin der Supervan auf die Seite kippte.[9] Damit wurde auf die notorische Kippneigung des Reliant-Dreirads und seine allgemeine Unsicherheit angespielt. Verschiedene Wagen wurden für die Mr.-Bean-Serie benutzt; zumindest einer von ihnen wurde später verschrottet.[10]
Sonstige Verwendungen
Im Animationsfilm Cars 2 basiert die Figur Tomber auf einem Regal.
Literatur
- David Culshaw, Peter Horrobin: The Complete Catalogue of British Cars 1895–1975, Veloce Publishing plc., Dorchester (1997), ISBN 1-874105-93-6.
- Don Pither: Reliant Regal and Robin, The History Press (2002), ISBN 978-0-7509-2521-1.
- John Wilson-Hall: Reliant Three-Wheelers. The Complete Story, Crowood Press (2014), ISBN 978-1-84797-807-3.
