Schlachtfeld (Kurzgeschichte)
Kurzgeschichte von Stephen King
From Wikipedia, the free encyclopedia
Schlachtfeld, im englischsprachigen Original Battleground, ist eine Kurzgeschichte des amerikanischen Autors Stephen King aus dem Jahr 1972. Sie erschien erstmals in dem amerikanischen Männermagazin Cavalier und wurde dann in weiteren Zeitschriften und Geschichtensammlungen veröffentlicht. 1978 wurde sie in Kings Kurzgeschichtensammlung Nachtschicht (orig. Night Shift) aufgenommen. In der Geschichte bekommt der Auftragsmörder John Renshaw nach seinem Mord an einem Spielzeugproduzenten eine Kiste mit Spielzeugsoldaten zugeschickt, die lebendig werden und ihn angreifen.
Entstehung und Hintergrund
Schlachtfeld gehört wie alle Kurzgeschichten des Sammelbandes Nachtschicht zu den frühen Werken von Stephen King. Das 1952 gegründete Cavalier-Magazin, in dem die Geschichte im September 1972 gedruckt wurde, veröffentlichte in den ersten Jahrzehnten wie frühere Pulp-Magazine vor allem Kurzgeschichten und Novellen verschiedener Autoren; später entwickelte es sich zu einem Männermagazin ähnlich dem Playboy. King veröffentlichte in den 1970er Jahren noch mehrere seiner Kurzgeschichten in dem Magazin. Battleground erschien im gleichen Jahr auch im Cavalier annual, der ersten Jahresausgabe des Magazins.
Inhalt und formaler Aufbau
Bei Schlachtfeld handelt es sich um eine fiktive Kurzgeschichte. Sie wird aus der Position eines Erzählers wiedergegeben, der die Aktivitäten der Hauptperson aus dessen Perspektive begleitet und entsprechend die Aktivitäten der Spielzeugarmee nicht sieht, wenn sie nicht in seinem Blickfeld sind.[1]
Der Auftragsmörder John Renshaw erhält bei seiner Rückkehr von einem gut gelaufenen Job an der Rezeption seines Wohnhauses ein Päckchen, das er widerwillig entgegennimmt. Er fährt damit zu seinem Apartment in das 40. Stockwerk und erinnert sich an den Auftrag, bei dem er Hans Morris, Inhaber einer Spielwarenfabrik, mit einem gezielten Schuss eliminiert hat. Die Handschrift auf dem vor fünf Tagen aus Miami abgeschickten Päckchen kommt ihm bekannt vor und erinnert ihn an die Schrift auf einem Foto von Morris’ Mutter in dessen Wohnung. Nachdem er duschen war, öffnet er den Karton sehr vorsichtig, weil er eine Bombe vermutet.
Im Innern des Pakets findet er eine Metallbox mit der Aufschrift „Vietnam-Feldkiste“ und einer Liste enthaltener Spielzeuge wie Infanteristen und Hubschrauber. Während die Kiste auf dem Tisch steht, bewegt sie sich und fällt hinunter, dabei bricht sie auf und zwanzig winzige Soldaten laufen heraus. Renshaw wirft ein Kissen auf sie, wird jedoch mit Mini-Gewehren beschossen und kurz darauf greifen auch Hubschrauber an. Beim Abfangen eines Helikopters schneidet er sich an den Rotoren. Er tötet einen Fußsoldaten und wird am Bein von einem Granatwerfer getroffen. Daraufhin zieht er sich ins Schlafzimmer zurück, wo er einen Hubschrauber abschießt, bevor seine Waffe blockiert. Er verbindet seine Wunden notdürftig und beobachtet mit einem Spiegel ein Lager der Soldaten im Wohnzimmer. Er verliert den Spiegel allerdings, als er zerschossen wird. Anschließend wirft er eine Kiste ins Lager, worauf die Soldaten mit schweren Geschützen und einem Raketenwerfer angreifen.
Renshaw zieht sich ins Badezimmer zurück, schlägt zwei Helikopter ab und erhält einen Zettel mit „Gib auf“. Er antwortet beleidigend und weicht erneut dem Beschuss aus. Dann klettert er aus dem Badezimmerfenster nach draußen (40. Stock!) und klettert über die Außenfassade bis zum Wohnzimmerfenster. Aus Hemdstreifen und Feuerzeugbenzin baut er einen Molotow-Cocktail und stürzt damit ins Wohnzimmer, wirft seine Bombe und wird durch eine Explosion hinter ihm sofort getötet. Ein Paar auf der Straße flieht, als sein blutiges Hemd nach unten fällt; kurz darauf landet auch ein Zettel mit einer Auflistung der Überraschungen der „Vietnam-Feldkiste“ auf dem Boden und gibt auch eine „Wasserstoffbombe“ als Inhalt („nur für kurze Zeit!“) preis.[1]
Rezeption
Der Autor Marcel Feige gibt in seinem Großen Lexikon über Stephen King von 2001 zu der Geschichte eine Inhaltsangabe wieder und zieht Bezüge zu den „von King geschätzten Cartoons“, gibt jedoch keine Bewertung oder Interpretation ab.[2]
Nach der Darstellung von Tony Magistrale, der sich als einer der ersten Literaturwissenschaftler mit dem Werk von Stephen King befasste, ist Battleground ein Beispiel für eine Moralgeschichte, die sich auf die Vergeltung für das persönliche Fehlverhalten eines Individuums konzentriert. Der in der Geschichte als „Bussard in Menschgestalt“ (im englischen Original „human hawk“) bezeichnete Renshaw, der sich durch Auftragsmorde ein gutes Leben leisten kann, wird hier zum Gejagten. Seine Angreifer, die Spielzeugsoldaten, werden zu einer ironischen Version zu den Menschen und Autos, die Renshaw selbstzufrieden von seiner Terrasse aus dem 40. Stock beobachtet: „Wie ein Heer von Ameisen krabbelten die Autos unten in den Straßen“ („crawling beetle-like in the streets“).[3.1] Bei dem Kampf des Mannes mit den Miniatursoldaten zieht Magistrale Parallelen zu dem Film King Kong und die weiße Frau, dessen Protagonist King Kong von Soldaten angegriffen wird; anders als dort, wo der Affe immer mehr Opfer als Täter ist, erfahre der kalkulierte Attentäter Renshaw allerdings kein Mitleid der Leser, als er von den Plastikfiguren ohne Mitleid und Gewissen angegriffen und getötet wird.[3.1]
Kings Version der moralischen Allegorie und seine Darstellung der Bestrafung fußt nach Magistrale wie viele andere Bereiche seiner literarischen Arbeit auf Vorbildern des 19. und 20. Jahrhunderts, darunter Edgar Allan Poe, Nathaniel Hawthorne, H. P. Lovecraft, Wilbur Daniel Steele, Shirley Jackson, Anne Rivers Siddons und Flannery O’Connor, die er selbst unter anderem in seinem Sachbuch Danse Macabre mehrfach als seine Vorbilder darstellte. Dieser Linie folgend behandelt er Personen, die soziale Standards ignorieren oder gegen sie verstoßen und damit ihre eigene Zerstörung triggern. Kings Renshaw zeige den gleichen Persönlichkeitszerfall wie Poes „unruhige Erzähler“, Hawthornes „egozentrische Wissenschafts-Intellektuelle“ oder O’Connors „Materialisten und Traditionalisten“.[3.1]
Veröffentlichungsgeschichte

Als eine der frühen Geschichten von Stephen King entstand Battleground zu einer Zeit, als er noch weitgehend unbekannt war, und auch die Veröffentlichung in Herrenmagazinen wie dem Cavalier und dem Cavalier annual sowie der Literaturzeitschrift Read 1978 brachte ihm keine sonderliche Bekanntheit abseits der Leserschaft dieser Zeitschriften. Erst als Teil der Kurzgeschichtensammlung Nachtschicht von 1978, auf Deutsch 1984 veröffentlicht, wurde die Geschichte bekannter.
Englischsprachige Ausgaben:
- Battleground, In: Cavalier, September 1972
- Battleground, In: Cavalier annual, Dezember 1972
- Battleground, In: Read, November 1978
- Battleground In: Night Shift, Doubleday, Garden City 1978, ISBN 978-0-385-12991-6.
- Battleground In: Anthony Horowitz (Hrsg.): The Puffin Book of Horror Stories, Viking, London 1994, ISBN 0-14-036883-3
- Battleground In: Read If You Dare: Twelve Twisted Tales From the Editors of Read Magazine, Millbrook Press, Brookfield 1997, ISBN 0-7613-0046-5
Deutsche Ausgaben:
- Schlachtfeld, In: Nachtschicht. Lübbe, Bergisch Gladbach 1984 (Erstauflage), ISBN 978-3-404-13160-0. Das Buch wurde zudem in Lizenz in der Deutschen Buchgesellschaft bei Bertelsmann veröffentlicht.
Zudem gibt es sowohl auf Englisch wie auch auf Deutsch Hörbuchfassungen der Geschichtensammlung und damit auch der Geschichte. So veröffentlichte sie der Lübbe Audio Verlag von 1996 bis 2009 in drei Teilen. Schlachtfeld wurde auf dem zweiten Teil Nachtschicht von Uli Krohm gelesen.
Verfilmungen
Bereits 1986 wurde die Geschichte als kurzer Zeichentrickfilm und „Dollarbaby“ von Mikhail Titov unter dem russischen Titel Srajenie mit einer Lauflänge von etwa 10 Minuten verfilmt und in der Sowjetunion veröffentlicht.[4][5]
Im Jahr 2006 wurde die Kurzgeschichte unter dem Titel Battleground als erste Folge der Serie Nightmares & Dreamscapes mit William Hurt in der Hauptrolle für das US-Fernsehen verfilmt und später auch auf Deutsch in Nightmares & Dreamscapes: Nach den Geschichten von Stephen King gezeigt.[6]