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Das Leben und das Schreiben

Buch von Stephen King From Wikipedia, the free encyclopedia

Das Leben und das Schreiben[1] ist ein Doppelsachbuch des Autors Stephen King. Im ersten Teil erzählt er in großen Zeitsprüngen, reduziert auf die ihn für sein Schreiben prägenden Ereignisse und Erfahrungen aus seinem Leben; im zweiten Teil folgt in einer Art Werkstattgespräch ein Einblick in seine schriftstellerische Arbeit. Mit seinen Hinweisen zur Konstruktion guter Unterhaltungsliteratur gibt er zugleich Lesern aller Genres eine Fülle von Hinweisen für die Entwicklung ihrer Fähigkeiten des kritischen Lesens.

Zwei Motti sind dem Buch vorangestellten: „Ehrlichkeit kommt weiter“ und „Die Wahrheit leidet Not“, die er so erläutert: „Die Aufgabe von Literatur ist es, in einer fiktiven Welt die Wahrheit im Lügennetz der Geschichte zu finden.“ Wie er sich politisch als Anhänger der Demokraten outet, so plädiert er für Glaubwürdigkeit und eine authentische Schilderung auch der sozialen Verhältnisse.[2]

Drei Anhänge mit dem Bericht über die Entstehung dieses Sachbuches nach einem schweren Unfall, mit einem Textbeispiel für gründliche Korrekturen, einer Liste mit Buchempfehlungen und einem Namens- und Titelregister erhöhen dir Brauchbarkeit.

Stephen King 2024 beim Toronto International Film Festival 2

Lebenslauf

Im ersten Drittel des Buchs erzählt King sein Leben in einzelnen Bildern und „ausgewählten Schnappschüssen“: „Dies ist keine Autobiografie. Es ist eher eine Art Lebenslauf, mein Versuch, die Entwicklung zum Schriftsteller nachzuzeichnen.“[3] In einem oft selbstironischen Ton erzählt er von den mehr als fünfzig Jahren seines zunächst von finanziellen Engpässen und dann, nach den ersten Erfolgen, fast von Alkohol und Drogen zerstörten Lebens. King sieht einen engen Zusammenhang zwischen seinen prägenden Erlebnissen und der von ihm geschaffenen Unterhaltungsliteratur in Inhalt und Form.[4]

An seinen die Familie früh verlassenden Vater hat King keine Erinnerungen, aber seine Mutter, sein erfindungsreicher, zwei Jahre älterer Bruder David und er bildeten „unsere kleine Familien-Troika“.[5] Die Mutter, Nellie King, arbeitete in einer Wäscherei, stand als einzige Weiße unter anderen Frauen an einer Wäschemangel und kämpfte darum, die Familie über Wasser zu halten, „eine der ersten emanzipierten Frauen Amerikas, wenn auch nicht freiwillig.“[6]

King interessiert sich für Filme aus den Genres Science-Fiction, Horror und Fantasy, liest Comics und beginnt seine ersten kleinen Geschichten zu schreiben.[7] Er schickt sie an Magazine wie Writers Digest, Fantasy and Science Fiction, Ellery Queens Mystery Magazine, die sie über Jahre nicht veröffentlichen. Aber nach und nach zeigt sich die bessere Qualität seiner Geschichten in den hier und da ergänzten Bemerkungen der Redakteure: „Gute Geschichte. Nicht für uns, trotzdem gut. Sie haben Talent.“[8] Er verkauft eine seiner Geschichten für ein paar Cents an seine Klassenkameraden, wird Redakteur der Schülerzeitung und produziert mit einer naiven 4-seitigen Satire über die Lehrer seiner Schule großes Aufsehen – „die nützlichste Lektion in Sachen Schreiben, die ich je bekam.“[9]

Er wird Sportreporter einer wöchentlich erscheinenden Kleinstadtzeitung und lernte durch die radikalen Korrekturen des Herausgebers „in weniger als zehn Minuten“ mehr über das Schreiben als in Jahren auf dem College: „Es war reine Offenbarung.“[10] Er arbeitet in einer Weberei sogar in Doppelschichten, um sich das College leisten zu können, und schreibt weiter Geschichten, die er ab und zu verkaufen kann. Auf der Universität von Maine lernt er seine spätere Frau Tabitha Spruce kennen, beide stimmen darin überein, von Literatur mehr als das poetische Geschwurbel ihrer Mitstudenten und Dozenten zu erwarten.[11] Nach der Universität findet er als Lehrer zunächst keine Stelle, die Familie wohnt mit zwei Kindern in einem gemieteten Trailer, er arbeitet in einer Wäscherei und beide können die Familie gerade so über Wasser halten. Ihm kommt der Gedanke, „dass ich das Leben meiner Mutter“ wiederhole.[12]

King berichtet dann über die Entstehung und Formung der Ideen zu Carrie, seinem ersten großen Erfolg, durch den sie mit einem Schlag ihre finanziellen Probleme lösen. Wie auch schon vorher und entgegen seiner Leserwarnung, nicht vergeblich „zwischen den Zeilen lesen zu wollen“,[13] wird hier nachvollziehbar, wie „das Leben und das Schreiben“ einander umspielen, die wichtigste Botschaft beim Blick auf die Themen seiner Romane.[14]

Auf den letzten Seiten berichtet er von seiner Alkohol- und Drogenabhängigkeit, der er sich auch aus Angst vor dem Verlust seiner Kreativität und der Rückkehr in die Armut hingibt: „Sechs Jahre lang saß ich betrunken oder vollkommen zugeknallt hinter diesem Tisch, wie der Kapitän eines Schiffes, der nicht weiß, wohin die Reise geht.“ Er versucht, dem Horror zu entkommen, indem er ihn in seinen Romanen ausbreitet: Es habe Zeiten gegeben, in denen das Schreiben ein Kraftakt gewesen sei, „um der Verzweiflung ins Auge zu spucken“.[15]

Schreibwerkzeuge

King ordnet sich zwar zu den Autoren der Unterhaltungsliteratur, zu den „profanen Kritzlern“, aber für eine erfolgreiche Vermarktung benötigten auch sie Kompetenzen des Erzählens.[16] Aufgabe eines Schriftstellers sei es letztlich nur, Gedanken in die Köpfe seiner Leser zu transportieren, also diese „Telepathie“ zu beherrschen.[17] Um gut zu schreiben, müsse man vor allem die Grundlagen kennen und mit harter Arbeit die Entwürfe verbessern.[18] Letztlich sei Schriftstellerei „genauso eine Arbeit wie Rohre verlegen oder Fernlastwagen fahren“ und auch als erfolgreicher Schriftsteller schreibe er letztlich nur „etwas anspruchsvollere Versionen“ seiner ersten Horrorgeschichten.[19]

King wendet sich mit seinem „Werkzeugkasten“,[20] mit seinen Ratschlägen an Schriftsteller der Unterhaltungsliteratur, denen er Bausteine und Methoden seines Schreibens mit einer Fülle von kommentierten Beispielen und auch Übungen erläutert.[21] Er will erzählen, was er „über die Kunst weiß, gute Bücher zu schreiben“ und deren wichtigste Bedingung die ernsthafte Arbeit an Texten sei[22] – und das ausdauernde Lesen anderer Bücher, die permanente Beobachtung des making of.[23]

Auf der obersten, der am häufigsten zu nutzenden Ebene seines Werkzeugkastens platziert King den Wortschatz (möglichst kurze, klare Wörter), die Grammatik (Verbindung der Wörter nach anerkannten Regeln), die aktivische Darstellung und die Reduktion der Adverbien: Passivkonstruktionen und Überzeichnung durch Adverbien und Adjektive seien für Angsthasen.[24]

Die Notwendigkeit einer überlegten Anwendung von Absätzen demonstriert King auf der zweiten Ebene seines Werkzeugkastens: Absätze hätten eine notwendige innere Struktur, weil erst auf ihre einleitenden Thema-Sätze die näheren Ausführungen folgen dürften: „Ich bin der Meinung, dass nicht der Satz, sondern der Absatz die kleinste Einheit eines Textes darstellt“, da nur er dem Leser die notwendige Orientierung für die weiteren Informationen geben würde.[25]

Nach Kings Erfahrung lassen sich gute Romane vor dem Schreibanfang weder für eine bestimmte Marktlücke noch bis zum Ende planen – ein Roman schreibe sich von selbst oder gar nicht.[26] Denn die tragenden Themen würden vom Autor nie frei gewählt, sondern durch Vorlieben, Lebenserfahrungen und ungelöste Fragen mitbestimmt. Das Autorenleben spiele daher schon über die Thematik in ein Werk hinein, beispielsweise durch die Erfahrung der Technik als „Büchse der Pandora“ oder die der Attraktivität von Gewalt zur Durchsetzung von Interessen usw. Er sei daher als Autor nie von einer Thematik, nie von einer tieferen Bedeutung hinter den erzählten Ereignisse, nie von einer „Botschaft“ ausgegangen, sondern von einer (erlebten) Situation und der Idee zu einer interessanten Geschichte.

Die Thematik werde auch durch eine veranschaulichende Symbolik unterstützt, sofern man es nicht übertreibe.[27] Wenn aber eine fesselnde Ausgangssituation, der Keim einer Geschichte, mit dem Handlungsfaden, der Beschreibung der Umstände und den Dialogen ergänzt würde, dann bahne sich der Roman seinen eigenen Weg. Die Gestaltung der erfundenen Welt sei im Prinzip unbegrenzt, sofern sie glaubwürdig bleibe.[28]

Bei seinen Figuren ist King vor allem wichtig, alle Stereotype zu vermeiden und das Verhalten der Figuren mit anschaulichen Details (show, don‘t tell) lebensnah zu gestalten. Gerade auch die „bösen“ Außenseiter-Protagonisten müssten vom Leser in Handeln und Denken verstanden werden können.[29]

Entdeckendes Korrigieren und Testen

Nach der Fertigstellung der ersten Fassung eines Textes beginne die Phase der Überarbeitungen, der Korrekturen, in denen ein Autor manchmal seine „Lieblingsideen töten“ und den Umfang der 1. Fassung um etwa 10 % kürzen müsse.[30] Die größte Herausforderung für jeden Autor sei es, genügend Distanz zu seinem Entwurf zu gewinnen, um den eigenen Text „mit fremden Augen lesen“ und Verbesserungen notieren zu können: „Ich liebe diese Phase des Schreibens [...], weil ich mein eigenes Buch neu entdecke.“[31] So habe er manchmal erst nach der Rohfassung eines Romans das Thema seines Entwurfs erkannt. Diese hinter den Ereignissen stehenden Themen seien unwichtig für den Beginn des Schreibens, wichtig aber für die Überarbeitung eines Textes, in welchem Handlungsfäden entwirrt und die Darstellung bereinigt, ergänzt oder fokussiert werden müsse.[32]

Erst nach dieser ersten Überarbeitung öffne er mit der zweiten Fassung „die Tür des Arbeitszimmers“ und gebe seinen Entwurf seiner Frau und Freunden als Testleser.[33] Deren Kommentare helfen beim Finden des richtigen Maßes für Tempo, Vorgeschichten und die gegebenenfalls notwendigen Rückblenden, wann immer man den Leser am Anfang in medias res führe. Diese Rückblenden wie auch die voranschreitende Geschichte setzten oft eine Recherche des Rahmens der Handlung voraus, den auch ein Autor von Unterhaltungsliteratur sich zwar aneignen müsse, aber nur sehr dosiert in seinem Text ausbreiten dürfe, um seine Leser nicht zu langweilen.[34]

Rezeption

Rüdiger Wartusch las für die Frankfurter Rundschau am 15. Februar 2001 „eine Art Anleitung für alle, die sich eine Zukunft als Bestsellerautor erträumen. King plaudere aus dem Nähkästchen, gebe praktische Handlungsanweisungen, thematisiere die Frage, wo die Ideen herkommen und erkläre Funktionsweisen und Hintergründe des Buchmarktes. Er ist bei alledem, findet Wartusch, erstaunlich ehrlich, wenn er sich selbstkritisch.“[35]

Charlotte Richter-Peill urteilt in der Textmanufaktur, dass „sein humorvoller Ton [...] selbst seine Ausführungen über die Bedeutung der Grammatik in einen großes Lesevergnügen“ verwandle; das Buch sei „eine bereichernde Lektüre für Anfänger wie für erfahrene Autoren – und für die Fans von Stephen King sowieso.“[36]

Benedict Wells notiert, Stephen Kings Das Leben und das Schreiben sei „die Bibel für alle, die damit anfangen. [...] Aber vor allem war Kings Buch eine Offenbarung, weil er darin mit vielen Beispielen seinen Arbeitsprozess veranschaulicht.“[37]

Ausgaben

Englischsprachige Ausgaben
  • Stephen King: On Writing: A Memoir of the Craft. Scribner 2000, ISBN 978-0-684-85352-9.
  • Stephen King: On Writing: A Memoir of the Craft. Pocket Books 2002, ISBN 978-0-7434-5596-1.
  • Stephen King: On Writing: A Memoir of the Craft: Twentieth Anniversary Edition with Contributions from Joe Hill and Owen King. Hodder Paperbacks 2020, ISBN 978-1-4447-2325-0.
Deutschsprachige Ausgaben
  • Stephen King: Das Leben und das Schreiben. Ullstein, Berlin München 2000 (Übersetzung von Andrea Fischer), ISBN 3-550-07143-4.
  • Stephen King: Das Leben und das Schreiben. Heyne Verlag, München 2011 (Übersetzung von Andrea Fischer), ISBN 978-3-453435742.
  • Stephen King: Das Leben und das Schreiben. Wilhelm Heyne Verlag, durchgesehene und erweiterte Jubiläumsausgabe, München 2025 (Übersetzung von Andrea Fischer), ISBN 978-3-453-44297-9.

Belege

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