Wilhelm Zippel

deutscher Seemann und Funktelegrafist From Wikipedia, the free encyclopedia

Wilhelm Zippel (* um 1885 in Deutschland; † im 20. Jahrhundert) war ein deutscher Seemann und Funktelegrafist. Er war 1912 ein Zeuge der Titanic-Katastrophe.

Leben

Gemälde der Frankfurt (um 1900)
Eine Schiffs­funk­station von Tele­funken (um 1912), vermut­lich ähn­lich der von Zippel
Schiffe nahe der Titanic
Eine aus dem Trümmer­feld in 3800 m Tiefe geborgene Taschen­uhr, die um 2:28 Uhr stehenblieb

Über sein Leben ist nur wenig bekannt. In der Nacht vom 14. auf den 15. April 1912 fuhr er als Funker an Bord des Dampfschiffs Frankfurt im Nordatlantik. Dabei handelte es sich um ein am 17. Dezember 1899 vom Stapel gelaufenes Passagierschiff, das ab 1900 für die Reederei Norddeutscher Lloyd als Transatlantik-Passagierdampfer für den Verkehr von Deutschland nach den Vereinigten Staaten eingesetzt wurde. Es stand unter dem Kommando von Kapitän Hermann Hattorff.

Zippel war im Gegensatz zu den meisten anderen Funkern, die auch Zeugen der Titanic-Katastrophe wurden, kein „Marconist“, stand also nicht in Diensten einer der Marconi-Gesellschaften. Er benutzte auch keine Marconi-Funktechnik, sondern Hochfrequenztechnik von Telefunken (Bild). Dementsprechend war der erste Buchstabe des Rufzeichens der Funkstation auf der Frankfurt kein „M“, wie es bei allen Marconi-Funkstellen der Fall war, sondern es lautete „DFT“ (der Buchstabe „D“ war damals wie heute der Landeskenner für Deutschland).

Spät abends am 14. April 1912 befand sich die Frankfurt auf der Rückfahrt von Galveston ostwärts nach Bremerhaven. Nordöstlich von ihr, in knapp 300 km Abstand, fuhr die Titanic in die entgegengesetzte Himmelsrichtung mit Zielhafen New York.[1] Gegen Mitternacht (Bordzeit) empfing Zippel den Notruf der Titanic (Rufzeichen: MGY):[2]

CQD CQD CQD CQD CQD CQD DE MGY MGY MGY MGY MGY MGY POSITION 41.44N 50.24W

Die Bedeutung war: „Notruf von Titanic an Position 41° 44’ N, 50° 24’ W.“ Er bestätigte den Empfang der Nachricht und gab seine eigene Position mit 39° 47’ N und 52° 10’ W an. Das bedeutete einen Abstand von etwas mehr als 260 km. Sinngemäß gab es nun den folgenden Dialog mit der Titanic:[3]

  • MGY: Are you coming to our assistance? (Kommt ihr uns zu Hilfe?)
  • DFT: What is the matter with you? (Was ist los bei euch?)
  • MGY: We have struck an iceberg and sinking. Please tell Captain to come. (Wir haben einen Eisberg gerammt und sinken. Bitte sag dem Kapitän, er soll kommen.)
  • DFT: O.K. Will tell the bridge right away. (Okay. Ich werde die Brücke sofort informieren.)
  • MGY: O.K., yes, quick. (Okay, ja, schnell.)

Er eilte zur Brücke und informierte Kapitän Hattorff über den Notfall. Dieser zögerte nicht: umgehend ließ er den Kurs ändern und die Frankfurt mit Höchstgeschwindigkeit (13 kn entsprechend 24 km/h) auf die Titanic zusteuern.

Gegen 1:35 Uhr versuchte Zippel, die Titanic erneut zu erreichen, erhielt aber keine Antwort. Kurz nach 2:05 Uhr versuchte er es noch einmal und fragte: „What is the matter with you? (Was ist los bei euch?)“. Diesmal kam die Antwort: „You fool, standby and keep out (Du Narr, warte ab und halt’ dich raus)“.[4] Er tat es und verfolgte aufmerksam den weiteren Funkverkehr, während die Frankfurt weiterhin versuchte, das Schiff in Not zu erreichen.

Gegen 8:30 Uhr am nächsten Morgen war klar, dass sie zu spät waren und nichts mehr tun konnten. Zippel hatte über Funk gehört, dass die Carpathia viele hundert Gerettete an Bord hatte. Außerdem hatte sie der Mount Temple, die sich, wie die Frankfurt, noch immer auf dem Weg zum Unglücksort befand, mitgeteilt, dass nichts mehr getan werden könne und sie zu ihrem ursprünglichen Kurs zurückkehren solle. Zippel leitete diese Nachricht an Kapitän Hattorff weiter. Dieser ließ dennoch weiterhin auf die Unglücksstelle zusteuern. Doch die Frankfurt konnte keine Menschen retten.

Literatur

  • Lagekarte der beim Untergang der Titanic in deren Nähe befindlichen Schiffe.
  • Frankfurt. Norddeutscher Lloyd Line. In: Titanic inquiry. (englisch).
  • Susanne Störmer: Lichter in der Nacht – die Titanic und das Geisterschiff (2). Teil 2 von zwei Teilen. In: Titanicfiles. April 2012; (Die Aussage über ihn: „Indessen sitzt in der drahtlosen Station der Telegraphenbeamte Zippel mit dem Mikrophon am Ohr“ ist falsch, denn natürlich hatte er kein Mikrofon am Ohr, sondern einen Kopfhörer).

Einzelnachweise

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