William Cotter
Seemann und Funktelegrafist
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William James Cotter (* 1885; † 1955) war ein Seemann und Funktelegrafist. Im Jahr 1912 wurde er ein Zeuge der Titanic-Katastrophe.
Leben

Über sein Leben ist nur wenig bekannt. In der Nacht vom 14. auf den 15. April 1912 war er als (einziger) „Marconist“ (Telegrafist in Diensten der Marconi Company) an Bord des R.M.S. Virginian. Dabei handelte es sich um einen 1905 in Dienst gestellten Transatlantikliner der britisch-kanadischen Reederei Allan Line mit Hauptsitz in Montreal sowie Nebensitzen in Liverpool und Glasgow. Der Kapitän des Schiffs war J. T. Gambell.
Am 14. April fuhr er im Nordatlantik ostwärts. Die Virginian befand sich auf dem Weg von Halifax in Nova Scotia nach Liverpool. Gegen Mitternacht, als die Titanic erste Notrufe aussendete, fuhr diese etwa 320 km südlich der Virginian in die entgegengesetzte Himmelsrichtung. Cotter empfing die Notrufe und informierte seinen Kapitän. Er ließ umgehend den Kurs ändern und das Schiff in Richtung Titanic fahren. Die Entfernung war jedoch so groß, dass die Virginian bei einer Höchstgeschwindigkeit von 18 kn (entsprechend 32 km/h) zehn Stunden bis zum Unglücksort brauchte.

Während dieser Zeit verfolgte Cotter aufmerksam den regen Funkverkehr zwischen den anderen Schiffen und auch Küstenfunkstellen wie Kap Race. Kurz vor 2:20 Uhr (Bordzeit) war er derjenige Funker, der das vermutlich letzte Funksignal des untergehenden Schiffes hörte und notierte: Es war der mehrfach hintereinander gesendete Buchstabe „V“ (im Morsecode: · · · – · · · – · · · – ), ein damals wie heute (unter Funkamateuren) gebräuchliches Signal, um die Funktionsfähigkeit der Anlage zu prüfen und die Antenne abzustimmen.
Man vermutet, dass in der letzten Phase des Schiffsuntergangs sich die Position der zwischen Bug- und Achtermast befestigten Antenne massiv veränderte. Dies zwang den Funker der Titanic, vermutlich war es Jack Phillips, deren Anpassung zu überprüfen und neu einzustellen. Cotton konnte diese letzte Aktion aus der Ferne verfolgen.[1] Kurz danach war es still.

Im Laufe der Nacht und am Morgen nahm er weitere Funktelegramme anderer Schiffe auf, unter anderem mit der Nachricht, dass die Carpathia mehrere hundert Überlebende an Bord genommen hatte. Wie er später erfuhr, verbreitete sich gegen Mittag, aufgrund der verwirrenden und teils widersprüchlichen Informationslage an Land, auch eine Falschnachricht, nämlich, dass die Titanic zwar beschädigt sei, aber noch schwamm und es kaum Verluste an Menschenleben gegeben habe. Um 13 Uhr gab die White Star Line hierzu eine offizielle Erklärung heraus:
“The Allan Line, Montreal Office, confirms that Virginian, Parisian and Carpathia are in attendance, standing by the Titanic.”
„Das Büro der Allan Line in Montreal bestätigt, dass die Schiffe Virginian, Parisian und Carpathia vor Ort sind und neben der Titanic stehen.“[2]
Die Parisian (Rufzeichen: MZN) war ein weiteres Schiff der Allan Line, tatsächlich aber nicht am Unglücksort, sondern etwa 85 km davon entfernt. Um 15 Uhr verbreitete sich plötzlich sogar eine noch extremere Falschnachricht, wobei nicht mehr nachvollzogen werden kann, wie sie entstand: „Um 14 Uhr wurde die Titanic, nachdem ihre Passagiere auf die Parisian und die Carpathia umgestiegen waren, von der Virginian nach Halifax geschleppt.“
Die Virginian erreichte den Unglücksort zu spät und konnte keine Menschen mehr retten.
Literatur
- Rupert Matthews: Saving the Survivors. The Ships that Raced to the RMS Titanic. Bretwalda Books, Surrey 2020, ISBN 978-1-909698-63-5 (englisch, tadshistory.com [PDF; 1,2 MB]).
Weblinks
- Lagekarte der beim Untergang der Titanic in deren Nähe befindlichen Schiffe.
- S.S. Virginian – Titanic Disaster and Post-Disaster messages – 14th April 1912. In: Christie’s. (englisch).