155. Mechanisierte Brigade (Ukraine)
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Die 155. Separate Mechanisierte Brigade benannt nach Anna von Kiew (Militäreinheit Nr. A5001; ukrainisch 155-та окрема механізована бригада імені Анни Київської, 155 ОМБр, в/ч: A5001) ist ein Verband des ukrainischen Heeres.[1] Sie ist bekannt für ihren Bezug zu Frankreich sowie für einen Skandal um eine hohe Zahl an Desertationen und schlechter Leistung im Kampfeinsatz, trotz der Ausbildung durch NATO-Streitkräfte, der bis zur Festnahme des Brigadekommandeurs führte.
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155. Mechanisierte Brigade | |
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| Aufstellung | März 2024 |
| Staat | |
| Streitkräfte | |
| Teilstreitkraft | |
| Truppengattung | |
| Typ | Brigade |
| Unterstellung | |
| Standort | Mala Ljubascha, Oblast Riwne |
| Spitzname | Anna von Kiew-Brigade |
| Schutzpatron | Anna von Kiew |
| Motto | Fortitudo. Honor. Victoria. (Latein) Stärke. Ehre. Sieg. |
| Schlachten | Russisch-Ukrainischer Krieg |
| Website | 155-ombr.mil.gov.ua |
| Führung | |
| Kommandeur | Oberstleutnant Stanislaw Lutschanow |
| Ehemalige Kommandeure |
Oberst Dmytro Rjumschyn |
Geschichte
Der Verband wurde im Mai 2024 als 155. Infanteriebrigade gegründet. Dies geschah im Rahmen der Erweiterung des ukrainischen Heeres um 10 Brigaden, aufgrund des anhaltenden russisch-ukrainischen Krieges.[2][1] Die personelle Aufstellung der Brigade begann im März 2024.[3] Die Brigade wurde gemäß eines Mobilmachungsgesetzes geschaffen, das das Einzugsalter von 27 auf 25 Jahre senkte und Strafen für Wehrdienstverweigerung einführte.[4]
Ausbildung und Bezug zu Frankreich

Das erste Mal offiziell erwähnt wurde die Brigade vom französischen Präsidenten Emmanuel Macron, während des 80. Jahrestages des D-Days am 6. Juni 2024, dem auch der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj beiwohnte.[5] Hintergrund dafür war die Entscheidung Frankreichs, eine ukrainische Brigade auszubilden und auszurüsten. Dies wurde ermöglicht durch finanzielle Unterstützung der EU, mit welcher bereits 60.000 ukrainische Soldaten ausgebildet wurden.[6] Im September 2024 wurde die Infanteriebrigade formell zu einer mechanisierten brigade umstrukturiert.[1] Am 9. Oktober wurde die Einheit von Emmanuel Macron besucht und inspiziert.[7] Zu selben zeit wurde bekannt, die Einheit mit 128 VABs, 18 AMX-10 RC und 18 CAESAR aus französischer Produktion, ausgerüstet werde.[8] Der Panzerverband der Brigade wurde hingegen mit Leopard 2 ausgestattet und in Polen ausgebildet.[9]
Bis November des Jahres hatten 2000 Soldaten der 155. Brigade auf dem Militärgelände bei Châlons-en-Champagne eine Ausbildung durchlaufen.[10]
Zusätzlich erhielt die Brigade den Titel benannt nach Anna von Kiew, Königin von Frankreich von 1051 bis 1060. Sie wurde vermutlich in Kiew geboren und war die zweite Ehefrau Heinrichs I. von Frankreich.[11]
Im Frühjahr 2025 änderte die Einheit zudem ihr Verbandsabzeichen zu einem Blau-Gelben Design mit drei Lilien und Trysub, in Anlehnung an ihren Ursprung und die ukrainisch-französischen Beziehungen.[12][13]
- Verbandsabzeichen
- Insigne bis 2025
- Flagge bis 2025
- Insigne ab 2025
- Flagge ab 2025
Pokrowsk-Offensive und Desertationen
Im November 2024 wurde die 155. Brigade dann zurück in die Ukraine verlegt.[14] Sie sollte bei der Verteidigung von Stellungen, südlich von Pokrowsk unterstützen, unter anderem bei Schewtschenko.[15] Doch bereits in den ersten Tagen ihres Einsatzes wurden schwere Verluste und Desertationen verzeichnet.[16]

Am 14. Dezember machte der ukrainische Journalist Jurij Butussow in einem Bericht auf seinem YouTube-Kanal auf die Probleme innerhalb der Brigade aufmerksam. Ein Artikel dazu erschien am 31. Dezember.[17][18][19] Laut diesem Artikel litt die Brigade seit ihrer Aufstellung unter gravierenden organisatorischen Problemen. Dem für die Bildung der Brigade zuständigen Operationskommando West fehlten die Ressourcen, das Personal und die Führungskräfte, um eine neue Einheit zu schaffen. Während der Ausbildung der Soldaten in Frankreich im Juli und August 2024 wurden über 2.550 Soldaten zur Verstärkung anderer Einheiten abgezogen, wodurch vier Monate Arbeit zunichtegemacht wurden. Bis Oktober gab es 935 Fälle von unerlaubter Abwesenheit und 50 bekannte Desertationen.[2]
Letzteres warf Fragen in der französischen Führung auf, woraufhin das ukrainische Hauptquartier des Oberbefehlshabers (Stawka) eine Untersuchung durch das staatliche Ermittlungsbüro einleitete, um herauszufinden wer für die Desertionen verantwortlich war. Infolgedessen wurde der Brigadekommandeur, Oberst Dmytro Rjumschyn, nur wenige Tage nach seiner Rückkehr aus Frankreich am 30. November seines Postens enthoben (anderen Quellen zufolge trat Rjumschin am 12. Dezember zurück). Während sich das Brigadekommando in Frankreich aufhielt, desertierten weitere 700 neu rekrutierte, in der Ukraine stationierte Soldaten, ohne ihre Kommandeure je gesehen zu haben. Nach der Absetzung des Kommandeurs entsandte der ukrainische Oberbefehlshaber Oleksandr Syrskyj eine Kommission, bestehend aus dem Kommandeur, Wolodymyr Schwedjuk, und Stabschef Oleksandr Selezkyj, des OK West um die Kampfkraft der Brigade zu verbessern. Am 30. Dezember starb Selezkyj, Berichten zufolge an einem Herzinfarkt. Weitere 198 Soldaten desertierten in der ersten Dezemberwoche. Berichten zufolge hatte die Brigade bis zum 4. Januar 2025 alle ihre CAESAR-Selbstfahrlafetten, den Großteil ihrer VAB-Schützenpanzer und einen Teil ihrer Leopard-2 anderen ukrainischen Verbänden zugeteilt. Einer der Erklärungsansätze für die miserable Leistung ist das Fehlen von Drohnen. Die Soldaten seien kaum bis gar nicht mit FPV-Drohnen ausgestattet worden.[20]

Der ukrainische Generalstab gab am 7. Januar bekannt, dass die 155. Brigade an der Pokrowsk-Front weiterhin Kampfeinsätze durchführe, nachdem sie mit Drohnen und zusätzlicher Ausrüstung verstärkt worden sei. Es seien Maßnahmen zur Verbesserung der Disziplin und zur Reduzierung von Desertionen ergriffen worden.[21] Der Befehlshaber des Heeres, Generalmajor Mychajlo Drapatyj, räumte am 8. Januar ein, dass die Probleme in der 155. Brigade real seien, zeigte sich aber zuversichtlich, dass die Brigade kampffähig werden würde.[22] Oberbefehlshaber Oleksandr Syrskyj besuchte am 23. Januar Stellungen der Brigade an der Pokrowsk-Front und erklärte, die Lage in der Einheit verbessere sich nach den Vorfällen von Desertionen, mangelhafter Führung und Ausbildung allmählich.[23][24]
Im Februar 2025 war die 155. Brigade noch immer südlich von Pokrowsk stationiert.[25] In einem Interview am 5. März behauptete ein Offizier des Verbands, dass sie weiterhin den nordwestlichen Teil von Schewtschenko hielten und dass russische Truppen aufgrund erheblicher Verluste, zugefügt durch die Brigade, nicht in der Lage waren, die ukrainische Verteidigungslinie zu durchbrechen.[26] Bis zum 14. März hatten ukrainische Truppen, Berichten zufolge schrittweise die Kontrolle über Siedlungen in der Nähe von Pokrowsk zurückgewonnen, wobei die 155. Brigade das 425. Sturmregiment bei der Rückeroberung eines Teils von Schewtschenko unterstützte.[27]
Mitte 2025 wurde der Verband Teil des 21. Armeekorps.[28]
Struktur

155. Mechanisierte Brigade[1]
- Hauptquartier
1. Mechanisiertes Bataillon
2. Mechanisiertes Bataillon
3. Mechanisiertes Bataillon- 1. Schützenbataillon
- 2. Schützenbataillon
Motorisiertes Bataillon
Panzerbataillon- Aufklärungskompanie
Bataillon für unbemannte Systeme Himmelsjäger- Artilleriegruppe
- Luftabwehrbataillon
Instandhaltungsbataillon- Logistikbataillon
- Pionierbataillon
Kompanie für elektronische Kriegsführung- Fernmeldekompanie
- Sanitätskompanie
Kommandeure
Einzelschicksale

- Oberst Dmytro Rjumschyn, der ehemalige Brigadekommandeur wurde am 20. Januar 2025 vom staatlichen Ermittlungsbüro festgenommen und wegen der Untätigkeit des Führungspersonals unter Kriegsrecht angeklagt. Darauf besteht eine Freiheitsstrafe von bis zu zehn Jahren. Das Büro gab an, Rjumschyn habe die Strafverfolgungsbehörden nicht über eine erhebliche Anzahl von Fahnenfluchtsfällen informiert und zudem keine Maßnahmen zu deren Verhinderung ergriffen. Insbesondere habe der Oberst unberechtigterweise unmotivierte Männer in die Listen der für eine Ausbildung in Frankreich vorgesehenen Personen aufgenommen, von denen einige zuvor wegen des Versuchs, die ukrainische Grenze illegal zu überqueren, festgenommen worden waren.[31] Am 6. Februar 2025 wurde Ryumshins Kaution von 90 Millionen Hrywnja (rund 1.763.000 €) auf 50 Millionen Hrywnja (rund 979.455 €) reduziert.[32]
- Serhij Malenko, ein Soldat der Brigade, wurde am 1. Mai 2026 von einem Angehörigen des 210. Bataillons (des 425. Regiments) angegriffen. Dieser, names Anatolij Rudenko, verhöhnte ihn verbal, bevor er ihn aus der Formation zerrte und ihn so lange schlug, bis er bewusstlos wurde.[33] Laut Ermittlern fesselte Rudenko Malenko und schlug ihn weiter, auch als dieser schon bewusstlos war. Malenko wurde später mit einem geschlossenen Schädel-Hirn-Trauma, einer Gehirnerschütterung, Prellungen und mehreren Hämatomen ins Krankenhaus eingeliefert.[34] Ein Video der Misshandlung wurde am 4. Mai 2026 online veröffentlicht. In dem Video schlägt Rudenko dem gefesselten Malenko auf den Kopf, während ein Dutzend anderer Soldaten in Formation zusehen. Anschließend befiehlt Rudenko Malenko, die Füße des Kommandeurs des 210. Bataillons zu küssen. Laut Malenkos Schwester arbeitete Malenko trotz seiner Gehirnerschütterung zwischen dem 2. und 4. Mai auf einem Übungsgelände und erhielt erst am 4. Mai medizinische Hilfe, nachdem das Video der Misshandlung öffentlich geworden war. Am 7. Mai 2026 meldete der Sicherheitsdienst der Ukraine die Festnahme Rudenkos in der Oblast Dnipropetrowsk.[33]