Hexan

aliphatische organische Verbindung, Lösungsmittel From Wikipedia, the free encyclopedia

Hexan ist eine den Alkanen (gesättigte Kohlenwasserstoffe) zugehörige chemische Verbindung. Es ist eine farblose Flüssigkeit mit der Summenformel C6H14. Es ist das unverzweigte Isomer der fünf Hexan-Isomere.

Schnelle Fakten Strukturformel, Allgemeines ...
Strukturformel
Strukturformel von Hexan
Allgemeines
Name Hexan
Andere Namen

n-Hexan

Summenformel C6H14
Kurzbeschreibung

farblose, schwach benzinartig riechende Flüssigkeit[1]

Externe Identifikatoren/Datenbanken
CAS-Nummer 110-54-3
EG-Nummer 203-777-6
ECHA-InfoCard 100.003.435
PubChem 8058
Wikidata Q150440
Eigenschaften
Molare Masse 86,18 g·mol−1
Aggregatzustand

flüssig

Dichte

0,66 g·cm−3[2]

Schmelzpunkt

−95 °C[2]

Siedepunkt

69 °C[2]

Dampfdruck

162 hPa (20 °C)[2]

Löslichkeit
Brechungsindex

1,3727 (20 °C)[3]

Sicherheitshinweise
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung aus Verordnung (EG) Nr. 1272/2008 (CLP),[4] ggf. erweitert[2]
Gefahrensymbol Gefahrensymbol Gefahrensymbol Gefahrensymbol

Gefahr

H- und P-Sätze H: 225304315336361f372411
P: 202210273301+310303+361+353331[2]
Zulassungs­verfahren unter REACH

besonders besorgnis­erregend: ernst­hafte Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit gelten als wahrscheinlich[5]

MAK

DFG/Schweiz: 50 ml·m−3 bzw. 180 mg·m−3[2][6]

Toxikologische Daten

25.000 mg·kg−1 (LD50, Ratte, oral)[1]

Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen (0°C, 1000 hPa). Brechungsindex: Na-D-Linie, 20 °C
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Hexan kommt natürlich in Erdöl vor und ist ein Bestandteil von Benzin. Verwendet wird es außerdem als Lösungsmittel in chemischen Reaktionen, in Klebstoffen und für die Extraktion von Pflanzenölen genutzt. Im Gegensatz zu anderen verwandten Verbindungen (Pentan, Heptan) wirkt es neurotoxisch, weshalb es nach Möglichkeit durch andere Alternativen ersetzt wird.

Vorkommen

Hexan kann in Erdgas auftreten, sogenanntem "nassem" Gas, das flüssige Alkane bis einschließlich Hexan oder Heptan enthält.[7] Außerdem ist es Bestandteil von Erdöl und tritt dabei in der Benzinfraktion (C5–C8) auf.[8] Extraterrestrisch wurde Hexan im Rahmen der Rosetta-Mission im Schweif des Kometen Tschurjumow-Gerassimenko nachgewiesen.[9]

Gewinnung

Hexan kann bei der Verarbeitung von Erdöl aus der Leichtbenzin-Fraktion gewonnen werden.[10]

Eigenschaften

Hexan ist eine farblose, flüchtige Flüssigkeit, die leicht nach Benzin riecht. Der Siedepunkt unter Normaldruck liegt bei 68,8 °C.[11] Die Verbindung schmilzt bei −95,4 °C.[12] Die relative Dielektrizitätskonstante liegt je nach Druck und Temperatur etwa zwischen 1,9 und 2,1. Bei Normaldruck und 25 °C beträgt sie 1.8799.[13] In Wasser ist es praktisch unlöslich. In Ethanol, Diethylether und Benzol ist es gut löslich.[3]

Die Verbindung bildet mit einer Reihe anderer Lösungsmittel azeotrop siedende Gemische. Die azeotropen Zusammensetzungen und Siedepunkte finden sich in der folgenden Tabelle. Keine Azeotrope werden mit Cyclohexan, Pentan, Heptan, Octan, Toluol, Ethylbenzol, Xylol, Cyclohexanol und Diethylether gebildet.[14]

Azeotrope mit verschiedenen Lösemitteln (nach Smallwood[14])
Lösungsmittel WasserMethanolEthanol1-Propanol2-Propanol
Gehalt Hexan in Ma%9472799677
Siedepunkt in °C6250596663
Lösungsmittel 1-Butanoli-Butanol2-ButanolEthylenglycolethyletherAcetonitril
Gehalt Hexan in Ma%9798929572
Siedepunkt in °C6868676652
Lösungsmittel ChloroformEssigsäureAcetonMethylethylketonDiisopropylether
Gehalt Hexan in Ma%1695417147
Siedepunkt in °C6068506467
Lösungsmittel DioxanTHFMethylacetatEthylacetatIsopropylacetat
Gehalt Hexan in Ma%9850396291
Siedepunkt in °C6063526569

Thermodynamische Eigenschaften

Die Dampfdruckfunktion ergibt sich nach Antoine entsprechend log10(P) = A−(B/(T+C)) (P in bar, T in K) mit A = 3,45604, B = 1044,038 und C = −53.893 im Temperaturbereich von 177.70 bis 264.93 K[12] bzw. mit A = 4,00266, B = 1171,530 und C = −48,784 im Temperaturbereich von 286.18 bis 342.69 K.[15]

Weitere Informationen Eigenschaft, Typ ...
Zusammenstellung der wichtigsten thermodynamischen Eigenschaften
Eigenschaft Typ Wert [Einheit] Bemerkungen
Standardbildungsenthalpie ΔfH0liquid
ΔfH0gas
−198,7 kJ·mol−1[16]
−167,1 kJ·mol−1[16]
als Flüssigkeit
als Gas
Standardentropie S0liquid
S0gas
296,06 J·mol−1·K−1[17]
388,82 J·mol−1·K−1[18]
als Flüssigkeit
als Gas
Verbrennungsenthalpie ΔcH0liquid −4163,2 kJ·mol−1[16]
Wärmekapazität cp 194,97 J·mol−1·K−1 (25 °C)[17]
2,30 J·g−1·K−1 (25 °C)[17]
142,6 J·mol−1·K−1 (25 °C)[19]
1,65 J·g−1·K−1 (25 °C)[19]
als Flüssigkeit

als Gas
Kritische Temperatur Tc 507,5 K[20]
Kritischer Druck pc 29,9 bar[20]
Kritisches Volumen Vc 0,368 l·mol−1[21]
Kritische Dichte ρc 2,72 mol·l−1[21]
Azentrischer Faktor ωc 0,30126[22]
Schmelzenthalpie ΔfH0 13,08 kJ·mol−1[23] beim Schmelzpunkt
Verdampfungsenthalpie ΔVH0
ΔVH
31,73 kJ·mol−1[24]
28,85 kJ·mol−1[24]

beim Normaldrucksiedepunkt
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Die Temperaturabhängigkeit der Verdampfungsenthalpie lässt sich entsprechend der Gleichung ΔVH0=Aexp(−αTr)(1−Tr)βVH0 in kJ/mol, Tr =(T/Tc) reduzierte Temperatur) mit A = 43,85 kJ/mol, α = −0,039, β = 0,397 und Tc = 507,4 K im Temperaturbereich zwischen 298 K und 444 K beschreiben.[24]

Sicherheitstechnische Kenngrößen

n-Hexan bildet leicht entzündliche Dampf-Luft-Gemische. Die Verbindung hat einen Flammpunkt bei −20 °C. Der Explosionsbereich liegt zwischen 1 Vol.‑% (35 g/m3) als untere Explosionsgrenze (UEG) und 8,9 Vol.‑% (319 g/m3) als obere Explosionsgrenze (OEG).[25] Eine Korrelation der Explosionsgrenzen mit der Dampfdruckfunktion ergibt einen unteren Explosionspunkt von −28 °C sowie einen oberen Explosionspunkt von 7 °C. Die Explosionsgrenzen sind druckabhängig. Eine Erniedrigung des Druckes führt zu einer Verkleinerung des Explosionsbereiches. Die untere Explosionsgrenze ändert sich bis zu einem Druck von 100 mbar nur wenig und steigt erst bei Drücken kleiner als 100 mbar an. Die obere Explosionsgrenze verringert sich mit sinkendem Druck analog.[26]

Explosionsgrenzen unter reduziertem Druck (gemessen bei 100 °C)[26]
Druck in mbar10138006004003002502001501005025
Untere Explosionsgrenze (UEG) in Vol.‑%0,90,90,90,91,01,01,01,11,21,63,5
in g·m−330313233343537394358125
Obere Explosionsgrenze (OEG) in Vol.‑%8,98,78,37,87,67,57,47,37,26,04,7
in g·m−3319312297279272269265262258215168

Die untere Explosionsgrenze sinkt mit steigender Temperatur. Nach der linearen Funktion UEG(T) = UEG(T0)·[1+ku(T-T0)] (mit T0 = 20 °C) ergibt sich ein Temperaturkoeffizient ku von −0,0027 K−1.[27]

Untere Explosionsgrenzen mit steigender Temperatur[27]
Temperatur in °C20100150200250
Untere Explosionsgrenze (UEG) in Vol.‑%1,00,90,60,50,4

Die Sauerstoffgrenzkonzentration liegt bei 20 °C bei 9,1 Vol.‑%, bei 100 °C bei 8,3 Vol.‑%.[26] Tendenziell steigt der Wert mit sinkenden Druck bzw. verringert sich mit steigender Temperatur.[26] Der maximale Explosionsdruck beträgt 9,5 bar.[25] Der maximale Explosionsdruck verringert sich mit sinkenden Ausgangsdruck.[26]

Maximaler Explosionsdruck und Sauerstoffgrenzkonzentration unter reduziertem Druck [26]
Druck in mbar1013800600400300200150100
Maximaler Explosionsdruck in barbei 20 °C9,67,45,63,72,81,81,41,1
Sauerstoffgrenzkonzentration in Vol%bei 20 °C9,19,510,110,8
bei 100 °C8,38,38,8

Mit einer Mindestzündenergie von 0,24 mJ sind Dampf-Luft-Gemische extrem zündfähig.[25][28] Die Grenzspaltweite wurde mit 0,93 mm bestimmt.[25] Es resultiert damit eine Zuordnung in die Explosionsgruppe IIA.[25] Die Zündtemperatur beträgt 230 °C.[25] Der Stoff fällt somit in die Temperaturklasse T3.

Verwendung

Hexan ist eine Komponente von Benzin. Verwendet wird es ansonsten vor allem als Lösungsmittel, beispielsweise für die Extraktion von Pflanzenölen und in Klebstoffen. Wegen der Toxizität wird es jedoch bevorzugt durch alternative Verbindungen (zum Beispiel Cyclohexan) ersetzt. In der chemischen Industrie wird es zu Isohexan umgesetzt.[10] Hexan wird weiterhin in der organischen Chemie als Lösungsmittel und Reaktionsmedium bei Polymerisationen, als Verdünnungsmittel für schnelltrocknende Lacke und Druckfarben und als Elutions- und Lösungsmittel in der Dünnschichtchromatographie verwendet. Es wird weiterhin zur Herstellung von Kunststoffen und synthetischem Kautschuk eingesetzt.[2]

Sicherheitshinweise/Toxikologie

Hexan wird gasförmig rasch über die Lunge aufgenommen und wieder abgegeben (pulmonale Retention 22 bis 24 %). Auch bei dermalem Kontakt wird Hexan aufgenommen. Im Körper wird Hexan in der Leber zunächst zu 1-Hexanol, 2-Hexanol und 3-Hexanol verstoffwechselt. 2-Hexanol wird danach entweder über 2-Hexanon oder über 2,5-Hexandiol zu 5-Hydroxy-2-hexanon[S 1] oxidiert. Aus letzterem werden γ-Valerolacton und 2,5-Hexandion metabolisiert.[29] Das 2,5-Hexandion ist als eigentlich giftige Substanz für die Neurotoxizität verantwortlich.[30] Vergiftungen durch Hexan mit Polyneuropathie sind einerseits von Industriearbeitern bekannt, die der Verbindung im beruflichen Kontext ausgesetzt sind, andererseits von Personen die Klebstoff schnüffeln.[31] Die Neurotoxizität ist eine Besonderheit von Hexan. In einer vergleichenden Studie an Ratten wurden nur bei dieser Verbindung entsprechende Effekte festgestellt, bei den strukturell eng verwandten Verbindungen Pentan und Heptan jedoch nicht.[32]

Hexan wurde 2012 von der EU gemäß der Verordnung (EG) Nr. 1907/2006 (REACH) im Rahmen der Stoffbewertung in den fortlaufenden Aktionsplan der Gemeinschaft (CoRAP) aufgenommen. Hierbei werden die Auswirkungen des Stoffs auf die menschliche Gesundheit bzw. die Umwelt neu bewertet und ggf. Folgemaßnahmen eingeleitet. Ursächlich für die Aufnahme von Hexan waren die Besorgnisse bezüglich der Einstufung als CMR-Stoff, hoher (aggregierter) Tonnage, anderer gefahrenbezogener Bedenken und weit verbreiteter Verwendung. Die Neubewertung fand ab 2012 statt und wurde von Deutschland durchgeführt.[33] Hexan wurde insbesondere in Bezug auf Neurotoxizität und möglicher CMR-Gefahren untersucht. Die vorherige Einstufung zur Teratogenität mit H361f ("Kann vermutlich die Fruchtbarkeit beeinträchtigen) wurde beibehalten. Hinweise auf sonstige CMR-Eigenschaften (Kanzerogenität, Mutagenität) wurden gemäß Abschlussbericht nicht festgestellt. Nach Auswertung einschlägiger Literatur wurde festgestellt, dass Hexan als eindeutig neurotoxisch betrachtet werden muss. In diesem Zusammenhang wurde eine Änderung der Einstufung zur Zielorgantoxizität bei wiederholter Exposition befürwortet, von Kategorie 2 (H373, "Kann die Organe schädigen bei längerer oder wiederholter Exposition") zu Kategorie 1 (H373, "Schädigt die Organe bei längerer oder wiederholter Exposition").[34]

Hexan wurde am 4. Februar 2026 in der Liste der besonders besorgniserregenden Stoffe aufgenommen.[5]

Commons: Hexan – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary: Hexan – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

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