Jauch (Hanseatengeschlecht)
Familie
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Jauch ist der Name einer ursprünglich bäuerlichen, später bürgerlichen Familie, die seit dem Ende des 15. Jahrhunderts im thüringischen Sultza Villa, den damals als Einheit verstandenen Orten Dorfsulza und Bergsulza, nachweisbar ist. Dort erscheinen Angehörige im 16. Jahrhundert als besessene Männer – freie, mit erblichen Gütern belehnte Bauern.[1] Von Thüringen aus führten Linien der Familie im 17. Jahrhundert nach Mecklenburg und im 18. Jahrhundert nach Polen sowie in das Kurfürstentum Braunschweig-Lüneburg. Über Lüneburg gelangte die Familie nach Hamburg, wo sie seit dem frühen 19. Jahrhundert zu den Hanseaten zählt. Seit dem späten 20. Jahrhundert wird der Name in der medial geprägten Öffentlichkeit vor allem mit Günther Jauch verbunden.


Die Familiengeschichte ist neben diesen räumlichen von sozialen Veränderungen geprägt, die mit dem Übergang vom bäuerlichen Stand zum Stadtbürgertum einsetzten – seit Beginn der gesicherten Stammfolge im 17. Jahrhundert sind die Angehörigen der Familie als Ackerbürger und zünftige Handwerker in Stadtsulza belegt. In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts verließ Johann Christian Jauch der Ältere das kriegs- und flutgeschädigte, wirtschaftlich geschwächte Stadtsulza und trat in den Kammerdienst der Herzogin von Mecklenburg-Güstrow ein; Söhne und Enkel wurden Offiziere in Diensten Augusts des Starken, später Augusts III. im Königreich Polen. Diese polnischen Zweige wurden seit dem Generalmajor Joachim Daniel Jauch in der polnischen,[2] teils auch deutschen[3] Literatur fälschlich dem Adelsstand zugerechnet;[A 1] sie erloschen im 18. Jahrhundert.
Nachdem das Herrscherhaus Mecklenburg-Güstrow ausgestorben war und seine Frau Ingeborg, Kammerfrau der letzten Herzogin, ebenfalls nicht mehr lebte, wechselte Johann Christian mit einem Teil seiner Kinder zu Beginn des 18. Jahrhunderts aus der Residenz Güstrow nach Lüneburg. Dort stieg die Familie in akademisch geprägte Bildungs- und Berufsstände auf; Familienmitglieder waren mehrheitlich als Geistliche und Juristen, aber auch als Kaufleute vertreten. Nach der Verlegung des Handelsgeschäfts von Lüneburg nach Hamburg in der Mitte des 18. Jahrhunderts, ausgelöst durch die wirtschaftliche Stagnation Lüneburgs nach dem Niedergang des Salzhandels, wurden die Jauchs Teil des hanseatischen Großbürgertums, das in der bürgerlich regierten Stadtrepublik Hamburg die Stadtherrschaft ausübte. In den folgenden Generationen erwarben sie Güter in Schleswig-Holstein und Kaffeeplantagen in Guatemala.
Überblick
Hanseaten
Aufstieg in die hanseatische Oberschicht

Hamburg hatte sich seit etwa 1650 zu einer der bevölkerungsreichsten Städte des Alten Reiches und zu einem führenden Handelsplatz entwickelt; als aus dem Dreißigjährigen Krieg wohlhabend hervorgegangene, bürgerlich regierte Stadtrepublik bot es Kaufleuten günstige Entfaltungsmöglichkeiten. Ungeachtet des in Hamburg untersagten Adels – Adelige konnten weder Grundbesitz in der Stadt erwerben noch städtische Ämter bekleiden[4] – und des Fehlens eines erblichen Patriziats, das sich aufgrund der fortlaufenden Fluktuation und Selbstergänzung der bürgerlichen Führungsschichten nie herausbildete, lag die politische und wirtschaftliche Leitung der Stadt bei einer kleinen, kaufmännisch geprägten Oberschicht, den Hanseaten, die den Rat und die maßgeblichen Ämter unter Ausschluss der bürgerlichen Mittelschichten[5] dominierte.[6]
Seit dem frühen 19. Jahrhundert zählt die Familie zu den Hanseaten, nachdem sie Mitte des 18. Jahrhunderts ihr Handelsgeschäft von Lüneburg nach Hamburg verlegt und dort zu einer der führenden Holzhandlungen mit internationalen Geschäftsverbindungen aufgebaut hatte. Für den Großhandel in Hamburg war das Großbürgerrecht maßgeblich, das unter anderem den Zugang zum bankmäßigen Zahlungs- und Kreditverkehr eröffnete. Johann Christian Jauch senior (1765–1855), letzter gemeinsamer Stammvater der heute lebenden Familienmitglieder, erwarb dieses erbliche Recht für sich und seine männlichen Nachkommen. Sein Enkel August Jauch (1848–1930) gehörte in der Folge bis 1915 zu den letzten ohne allgemeine Wahl in die Hamburgische Bürgerschaft entsandten Notabeln,[A 3] bevor mit der Novemberrevolution 1918/1919 die Stadtherrschaft der Hanseaten endete.


Erbgesessen in Hamburg, Grundherren im Königreich Dänemark
Der wirtschaftliche Schwerpunkt der Familie lag am Stadtdeich, wo sie mehrere Häuser im Bereich des Oberhafens besaß. Im westlichen, stadtnahen Abschnitt hatten Kaufleute aus der Innenstadt seit dem frühen 18. Jahrhundert reich ausgestattete Landhäuser errichtet, darunter den Barockbau Stadtdeich 9, das spätere Stammhaus der Familie, sowie der von Moritz Jauch (1804–1876) erworbene Stadtdeich 3. Von hier aus wurde der internationale Holzhandel betrieben; entsprechend ließen sich im 18. und frühen 19. Jahrhundert zunehmend Holzhändler am Stadtdeich nieder. Der westliche Stadtdeich wurde in dieser Zeit auch Krondiek beziehungsweise Kronendeich genannt, weil in diesem Teil vermögende Bürger wohnten.[9] Darüber hinaus besaß die Familie städtische Wohnhäuser an der Außenalster.

Im Umland, damals Teil des dänischen Gesamtstaats (später preußische Provinz Schleswig-Holstein), gelangten die Grundherrschaften Wellingsbüttel, Schönhagen und Krummbek sowie die Landgüter Fernsicht und Marienhof an der Stör sowie Schwonendahl in Familienbesitz. Wellingsbüttel war 1810 zunächst vom dänischen König an Herzog Friedrich Carl Ludwig von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Beck belehnt und zugleich zum Kanzleigut erhoben worden; dabei wurden das Dorf Wellingsbüttel und seine Armenlasten vom Gut getrennt[11] – ein Umstand, der im weiteren Verlauf noch eine Rolle spielt. Das im Norden Hamburgs gelegene Wellingsbüttel bildet seit dem Groß-Hamburg-Gesetz von 1937 – zusammen mit dem vormaligen Dorf Wellingsbüttel – den heutigen Stadtteil Hamburg-Wellingsbüttel.
Ein Ausdruck der fortschreitenden Feudalisierung des Lebensstils der Hanseaten[12] war die Jagd auf ihren Gütern, die nicht allein dem Zeitvertreib diente, sondern zugleich zur Bühne großbürgerlicher Selbstdarstellung wurde: Gestaltung und Wildwahl fungierten als Zeichen gesellschaftlicher Geltung.[13] Der betriebene Aufwand war zum Teil beträchtlich und übertraf den für manches Jagdschloss eines mecklenburgischen Landesherrn.[14] Johann Christian Jauch junior ließ – wie nach 1871 auch Bismarck im östlich von Hamburg gelegenen Sachsenwald[15] – auf Wellingsbüttel ein Wildgehege anlegen,[16] um das nicht heimische Rotwild zu jagen. Außerhalb der Jagdzeiten stand der Wildpark – nach eingeholter Erlaubnis[17] – Hamburger Ausflüglern offen.[18]
Kavallerieoffiziere im Hamburger Bürgermilitär
Zum Selbstverständnis der hanseatischen Führungsschicht gehörte die Übernahme von Offiziersstellen im Hamburger Bürgermilitär.[19] Im Unterschied zu Preußen, wo der Eintritt ins Offizierskorps gesellschaftlich Türen öffnete, bestimmten im Bürgermilitär gesellschaftlicher Rang und Vermögen die Waffengattung und den Dienstgrad;[20] mit der Konsequenz, dass jeder, der in Konkurs geriet, zum einfachen Gardisten degradiert wurde.[21] Mitglieder der Familie dienten als Oberleutnante in der von Rittmeister Adolph Godeffroy, später von Rittmeister Ernst Merck geführten Kavallerieeinheit, die schon wegen der selbst zu tragenden Kosten – bis hin zu eigenen Pferden – praktisch den Söhnen von Großbürgern vorbehalten war.[22]
Mitwirkende in der hamburgischen Selbstverwaltung
Im Gegensatz zu den Fürstenstaaten des Alten Reiches, deren Verwaltung von einer landesherrlichen Beamtenhierarchie getragen wurde (→ z. B. den Hübschen Familien) und deren Einwohner rechtlich Untertanen waren, beruhte Hamburgs Ordnung auf ehrenamtlicher Selbstverwaltung durch freie, angesehene Bürger.[23] Dabei verband sich innerstädtisches Elitenbewusstsein mit stadtrepublikanischer Freiheitstradition. An dieser Selbstverwaltung beteiligten sich zahlreiche männliche Familienmitglieder, vornehmlich in der Armenfürsorge: als Armenpfleger, als Mitglieder des Großen und Kleinen Armenkollegiums sowie als Provisoren des Werk- und Armenhauses.[24]
Stifter in hamburgischer Stiftertradition


Hamburg weist traditionell eine besonders hohe Zahl rechtsfähiger Stiftungen auf, was in der hanseatischen Tradition bürgerlicher Wohltätigkeit wurzelt.[25] In dieser Linie unterhielten die Jauchs in der Stadt eine tägliche Armenspeisung[26] und errichteten dort zwei Armenhäuser[27] sowie ein Damenstift in Kiel.[28] Da Frauen nach den zeitgenössischen Verhältnissen die Mitarbeit in den städtischen Selbstverwaltungsgremien nicht offenstand, erfolgte ihr Beitrag je nach den eigenen wirtschaftlichen Möglichkeiten entweder durch Tätigkeit in Vereinen wie dem von der selbst nicht begüterten Amalie Sieveking gegründeten Weiblicher Verein für Armen- für Krankenpflege oder wie im Fall der Jauchs durch Stiftungen und eigene Einrichtungen, in denen sie auch praktisch mitwirkten. Die Stiftungshäuser in Hamburg wurden 1943 im Zuge der Operation Gomorrha durch den Feuersturm in den östlichen Stadtteilen vernichtet, ihr Stiftungskapital dem ebenfalls zerstörten Wohnstift Gast- und Krankenhaus übertragen, das später in Poppenbüttel neu errichtet wurde. Nach der Zerstörung auch des Jauchschen Damenstifts während der Luftangriffe auf Kiel 1944 wurde mit dem Stiftungskapital das ebenfalls stark zerstörte Stammhaus des inzwischen mit ihm vereinigten Stadtklosters Kiel wiederaufgebaut.[29]
Die Umgestaltung ihres Gutes Wellingsbüttel zum Jagdrevier hatte soziale Folgewirkungen in dem vom Gut getrennten Dorf Wellingsbüttel: Verarmte Bauernhöfe wurden zur Erweiterung des Gutes übernommen, die Hofstellen niedergelegt und die Landwirtschaft eingestellt, wodurch die Armenlasten des Dorfes anstiegen, an denen sich die Familie zur Hälfte beteiligte.[16]
1879 gründeten Angehörige der Familie den „Hülfsverein für Borgfelde, Hamm und Horn“, der bis 1929 nicht städtisch unterstützte Bedürftige in den schnell wachsenden Vorstädten versorgte.[30]
Dem hamburgischen Luthertum zugehörig

Zu den hamburgischen Vorfahren der Linie Jauch-Wellingsbüttel aus der Hansezeit zählt Johann Wetken (1470–1538), der als Bürgermeister die lutherische Reformation in Hamburg vorantrieb und seit 1529 erster evangelischer Bürgermeister der seitdem lutherisch geprägten Stadt war, in der die Zugehörigkeit zur lutherischen Kirche lange Zeit Voraussetzung für volle Bürgerrechte und politische Teilhabe bildete. Dabei kam der Familie zugute, dass sie seit der Reformation 1527/1528 in Sulza lutherisch war und in ihrer Lüneburger Zeit leitende Geistliche hervorbrachte; der Reformator Salomon Gesner, streitbarer Vertreter der Lutherischen Orthodoxie, zählt zu ihren Vorfahren. In dieser Kontinuität steht auch die später von Johann Christian Jauch junior errichtete Waldkirche auf Wellingsbüttel. August Jauch (1848–1930) wirkte als Mitglied von Synode und Konvent der Evangelisch-Lutherischen Kirche im Hamburgischen Staate und war als Gemeindeältester und Vorsitzender des Verwaltungsausschusses maßgeblich am Bau der 1943 zerstörten Erlöserkirche in Borgfelde beteiligt.
Andere Namensträger

Die neben den hier behandelten hanseatischen Jauchs namhaften, nicht verwandten Namensträger gehören überwiegend zu den älteren, insbesondere als Militärunternehmer hervorgetretenen Schweizer Jauchs (→ Jauch (Urner Geschlecht)).
Im sächsischen Raum sind seit dem 16. Jahrhundert Namensträger belegt, die genealogisch jedoch nur teilweise fassbar sind. Erschlossen ist eine Familie, die auf den Pfarrer Caspar Jauch (1566–1626) in Grimma zurückgeführt wird.[31] Auch Stamm- und Verwandtschaftstafeln einer Familie Jauch aus Leipzig sind überliefert.[32] Weitere genealogisch greifbare Namensträger finden sich seit dem 16. Jahrhundert im Raum Schwarzwald-Baar-Heuberg, von denen infolge von Armutsauswanderung im 18. und 19. Jahrhundert[33] ein Teil der in Nordamerika nachweisbaren Namensträger abstammt.[34]
Ewald Jauch, SS-Oberscharführer im Hamburger KZ Neuengamme und Lagerführer im Außenlager am Bullenhuser Damm,[A 4] gehörte den in Villingen-Schwenningen beheimateten Jauchs an; er wurde 1946 in einem der Curiohaus-Prozesse zum Tode verurteilt.
Nachkommen
Über Eleonora Maria Jauch (1732–1797) wirkte die Familie auch in der Hansestadt Lübeck. Sie ist die Stammmutter der Lübecker Bürgermeister- und Senatorenfamilie Overbeck, die zu jenen „Genie- und Talentfamilien“ zählt,[35] welche „durch drei bis vier Generationen hindurch Lübeck sein geistiges Gepräge“ gaben.[36] Zu ihren Enkeln gehört der Maler Friedrich Overbeck, einer der – neben Thomas Mann – bekanntesten Söhne der Stadt.

Über Nachkommen des in Polen erloschenen Zweiges entfaltete die Familie weiterhin Wirkung in der polnischen Geschichte. Constance Jauch (1722–1802) ist die Stammmutter des polnischen Adelsgeschlechts Lelewel. Ihr Enkel Joachim Lelewel setzte 1831 als Präsident der radikalen Patriotischen Gesellschaft im Sejm die Absetzung Zar Nikolaus’ I. als letztem gekrönten König von Kongresspolen durch.[37] Er gehörte während des Novemberaufstands der Polnischen Nationalregierung an. In der Forschung wird er zudem als wichtiger Vertreter des polnischen demokratischen Exils und als früher Kontakt- und Einflussfaktor im Umfeld von Karl Marx gesehen.[38][A 5] Sein Bruder Jan Paweł Lelewel nahm 1832 am Hambacher Fest teil und gehörte 1833 zu den führenden Beteiligten des Frankfurter Wachensturms, der eine nationale und demokratische Erhebung in ganz Deutschland auslösen sollte.[39] Zu den Nachkommen zählen außerdem der Nobelpreisträger Henryk Sienkiewicz und die selige Hanna Chrzanowska.
Trotz ihrer rein bürgerlichen Stellung in Hamburg und bereits zuvor im Umfeld Augusts des Starken gehören zu den Nachkommen der Familie neben deutschen auch Linien des europäischen Adels, darunter die Lords Bolton sowie Zweige polnischer Magnatengeschlechter, darunter der Fürsten Czartoryski.
Geschichte
Besessene Männer und Bürgermeister zu Sulza in Thüringen
1495 ist in Sultza Villa, den damals als Einheit begriffenen Orten Dorfsulza und Bergsulza, heute Teil von Bad Sulza in Thüringen, zunächst die Witwe Lena Joherrin genannt.[40] Der Name gehört sprachlich zu einer frühneuhochdeutschen Namensgruppe um Jaherr/Joherr, die in den Glossaren als Personenbezeichnung im Sinne von „Ja-Sager“ erklärt wird.[41]

(Ölgemälde Leopold von Kalckreuth)
Da in Sulza nur wenige Jahre nach der Nennung der „Joherrin“ mit Georg, Matthias und Nikolaus Jauch erstmals der Name Jauch erscheint, sprechen die zeitliche und örtliche Nähe dafür, dass beide Formen derselben Namensentwicklung angehören und auf dieselbe Familiengruppe zurückgehen – eine im Übergang vom Spätmittelalter zur Frühen Neuzeit häufig begegnende Namens- und Schreibvariation.
Die Genannten sind 1512 im Erbbuch des Amtschössers zu Niederroßla als Besessene Männer, grundbesitzende freie Vollbauern, in Sultza Villa verzeichnet; Matthias Jauch war dort mit Segelitzen Gut belehnt.[42] 1656 ist ein Jeremias Jauch als „Tümplingscher Bäcker zu Stadt Sulza“ überliefert.[43] Georg Jauch (1606–1675) wurde Bürgermeister von Stadtsulza. Von diesem oder dessen mutmaßlichem Bruder, dem Schumacher Hans Jauch († 1670), stammt Johann Christian Jauch der Ältere (1638–1718) ab, mit dem die lückenlos belegte Stammfolge beginnt.
Im herzoglichen Hofstaat von Mecklenburg-Güstrow
im 17. Jahrhundert |
Christian Jauch der Ältere (1638–1718) verließ das durch die Thüringer Sintflut sowie die Plünderung und Brandschatzung durch schwedische Truppen 1640 wirtschaftlich geschwächte Sulza und trat 1662 in den Dienst der Ehefrau des Herzogs Gustav Adolf von Mecklenburg-Güstrow, unter dem die höfische Kultur in der Residenzstadt Güstrow eine Blüte erlebte.[44] 1665 heiratete er im Güstrower Dom[A 6] die aus Husum stammende Kammerjungfer und Vertraute der Herzogin Magdalena Sibylla, Ingeborg Nicolai († 1702), die der Herzogin bereits auf Schloss Gottorf gedient hatte.[45] Bis 1669 standen beide im Kammerdienst der Herzogin und gehörten zu deren engerem Hofstaat;[46] anschließend wurde Christian Jauch „Erster Lacquay und Taffeldecker“[A 7] des Erbprinzen Karl zu Mecklenburg-Güstrow. Die Anstellung am Güstrower Hof galt als Lebensstellung: Man pflegte „nicht von öffterer Veränderung Ihrer Bedienten“ und „schaffte alte treue Diener“ nicht ab, sondern ließ ihnen „Gnade und Vertrauen“ zuteilwerden.[47] Die Stellung am Hof war nach damaligen Maßstäben mit privilegierten Lebensverhältnissen verbunden.[A 8] Das ermöglichte den Unterhalt von vierzehn Kindern. Anders als es die hohe Kindersterblichkeit des 17. Jahrhunderts erwarten ließe,[48] erreichten dreizehn von ihnen das Erwachsenenalter. Die Angehörigkeit zum herzoglichen Hofstaat ging mit standesübergreifenden Heiratsverbindungen einher; Töchter heirateten in die Adelsfamilien von Naumann und der Freiherrn von Schmiedel ein.

Die Söhne Christian Jauchs besuchten die Domschule Güstrow, die nach der Reform durch Herzog Gustav Adolf als eine der besten Schulen Mecklenburgs galt. Die Schule stand seit 1662 unter dem Kompatronat der Stadt und war für Bürger geöffnet, die Söhne von Hofbediensteten blieben zugelassen. Der älteste Sohn Johann Christoph Jauch (1669–1725) ergriff als „praestantissimus juvenum“ – der vorzüglichste der jungen Männer, der 1689 auf Latein die Festrede zum Geburtstag des Herzogs hielt[49] – gefördert von Herzog Gustav Adolf das Studium der Theologie; von Oktober 1694 bis 1695 versah er die vakante Funktion eines Herzoglich Mecklenburg-Güstrowschen Hof- und Schlosspredigers in Güstrow und gehörte damit ebenfalls dem herzoglichen Hofstaat an; er war der letzte Güstrower Schlossprediger vor dem Erlöschen des Hauses Mecklenburg-Güstrow 1695.[50]
Nach dem frühen Tod des Erbprinzen 1688 und dem Aussterben der Linie Mecklenburg-Güstrow mit Herzog Gustav Adolf verlor die Residenz Güstrow an Bedeutung. Christian Jauch war bereits vor 1695 vom herzoglichen Hof in die Stadt übergewechselt, hatte das Bürgerrecht erworben und sich als Herzoglich Mecklenburg-Güstrowscher Hofschuhmacher und Handelsmann betätigt. Die Herzogswitwe Magdalena Sibylla unterhielt bis zu ihrem Tod 1719 noch einen kleinen Hof; nach dem Tod Ingeborg Jauchs 1702 verließ Christian Jauch nach knapp vierzig Jahren, zunächst in Diensten des Hofes, später als Hoflieferant, Güstrow und folgte – wie bereits sein Sohn Christian Jauch der Jüngere – Johann Christoph nach Lüneburg. Dieser war, nachdem er von Herzog Gustav Adolf 1695 „nach gehaltener Abschieds-Predigt in der Schloßkirche gnädigst dimittiret“ worden war,[51] einem Ruf als Archidiakon an St. Lamberti in Lüneburg gefolgt. Die anderen unverheirateten Kinder Christian Jauchs des Älteren wechselten ebenfalls nach Lüneburg.
In königlich großbritannischen und kurfürstlich braunschweig-lüneburgischen Diensten

Christian Jauch der Jüngere († 1720) erwarb 1701 das Lüneburger Bürgerrecht. 1710 kaufte er das vormalige Haus des Bürgermeisters Statius II. von Töbing, das Haus Nr. 97 der Inneren Stadt.[53] Christian Jauch der Ältere, sein Vater, wurde 1703 Bürger zu Lüneburg.
Johann Christoph Jauch (1669–1725) war königlich großbritannischer und kurfürstlich braunschweig-lüneburgischer Stadtsuperintendent, Erster Pastor an St. Johannis zu Lüneburg und Inspektor des Johanneums, zuvor Erster Pastor an St. Nicolai.[54] Er war ein barocker Textdichter und wird in neuerer, noch nicht breit rezipierter Forschung als wahrscheinlicher Librettist eines wesentlichen Teils der geistlichen Werke Johann Sebastian Bachs in dessen frühen Leipziger Jahren, darunter der Urfassung der Matthäus-Passion, diskutiert.[55]
Sein Neffe Johann Christian Jauch (1702–1778) war Erster Domherr und Vizedekan mit der Stellung eines Stiftspropstes des nahegelegenen landtagsfähigen Domstifts Bardowick.[56] Er heiratete Clara Maria Rhüden (1710–1775), Ururenkelin des Reformationstheologen Salomon Gesner (1559–1605).[57] Ihr Onkel war der Lüneburger Superintendent Heinrich Jonathan Werenberg (1651–1713), ein Urenkel Philipp Melanchthons.[58]

Ludolph Friedrich Jauch (1698–1764)[A 9] wirkte 34 Jahre an der Michaeliskirche in Lüneburg, zunächst als Archidiakon, seit 1744 als Erster Pastor und als Inspektor der Michaelisschule.[59] Er baute eine umfangreiche Bibliothek auf, die nach seinem Tode mehrtägig versteigert wurde.[A 10] Sein Bruder, der Jurist Tobias Christoph Jauch (1703–1776), war Stadt-Secretarius beim Magistrat von Lüneburg.[60]
Friedrich August Jauch (1741–1796), Sohn des kaiserlichen Notars (Notarius publicus caesareus) Adolph Jauch (1705–1758),[61] wurde Ratsherr und Senator von Hannover-Calenberg.[62] Carl Jauch (1735–1818) war Gerichtshalter am Burggericht Horneburg im Bremischen, belehnter Burgmann ebendort[63] und weltlicher Domherr zu Bardowick.[64]

in Lüneburg, 1710 erworben
Carl Jauch (1680–1755), Kaufmann und Postagent der Freien Reichsstadt Lübeck in Lüneburg,[A 11] stand pietistischen Kreisen nahe: 1724 bot er August Hermann Francke an, alle seine durch Lüneburg reisenden Hallenser Studenten bei sich aufzunehmen,[65] und beherbergte nach dessen Ausweisung aus Dänemark den Pietisten, Arzt und Alchemisten Johann Konrad Dippel,[66] der in Teilen der Forschung als mögliches historisches Vorbild für Mary Shelleys Romanfigur „Frankenstein“ diskutiert wird. Unabhängig von der historischen Beweislage ist Dippel in der Populärkultur weithin als Prototyp Frankensteins rezipiert und literarisch verarbeitet worden. (→ Dippel als Vorbild für Frankenstein)
Während Lüneburg im 17. Jahrhundert den Glanz seiner Blütezeit noch zu bewahren vermochte, befand sich die Stadt im 18. Jahrhundert in einem zunehmenden wirtschaftlichen Niedergang: „Alles in Lüneburg war in Verfall, der Wohlstand nahm immer mehr ab.“[67] Die Bautätigkeit kam nahezu zum Erliegen, wodurch das historische Stadtbild erhalten blieb. Eine der wenigen Ausnahmen bildet das 1740 von dem Kaufmann Carl Daniel Jauch (1714–1795), Sohn Christian Jauchs des Jüngeren, barock umgestaltete Haus der Familie Nr. 97 der Inneren Stadt, heute Große Bäckerstraße 12.[68] 1752 verlegte Carl Daniel Jauch sein Handelsgeschäft aus dem wirtschaftlich stagnierenden Lüneburg nach Hamburg.
In Diensten Augusts des Starken

(1688–1754), Gemälde von
Johann Samuel Mock 1730[A 12]

Johann Christoph Jauch hatte außer am Hof zu Mecklenburg-Güstrow in der Hofkirche von Schloss Frederiksborg vor Prinz Carl von Dänemark und in Sachsen-Zeitz vor den Fürsten „mit großem applausu“ gepredigt. 1698 berief ihn die Kurfürstin von Sachsen und Titularkönigin von Polen Christiane Eberhardine auf Schloss Pretzsch. Nachdem ihr Mann August der Starke 1697 für seine Wahl zum polnischen König zum katholischen Glauben konvertiert war, predigte Johann Christoph Jauch der Königin im königlichen Zimmer[69] und galt als einer der maßgeblichen protestantischen Geistlichen, die zu ihrer Standhaftigkeit im lutherischen Bekenntnis beitrugen; die Königin wurde in der Folge von ihren protestantischen Untertanen als „die Betsäule Sachsens“ bezeichnet.
Johann Christophs jüngerer Bruder Joachim Daniel Jauch (1688–1754) organisierte am Hof in Warschau für August den Starken die großen höfischen Feste – Bälle, Jahrmärkte, Tierhetzen, Maskeraden, Illuminationen und Schützenfeste. Sie waren kostspielige Staatsaktionen und dienten wie die neuen Schlösser und Kunstsammlungen der königlichen Selbstdarstellung nach dem Vorbild Ludwigs XIV. von Frankreich. Während des Lustlagers von Zeithain 1730, das in der Forschung als „Spektakel des Jahrhunderts“ beschrieben worden ist,[70] verantwortete Joachim Daniel Jauch das fünfstündige Feuerwerk auf den Schiffen und an Land; ein orthographisch verunglücktes illuminiertes „VIVAT“ („FIFAT“)[A 14] brachte ihm seinen Scherznamen ein.[71] (→ Ein „FIFAT“ von nie gesehener Größe)
Joachim Daniel Jauch war mit Eva Maria Münnich verheiratet, über deren Herkunft unterschiedliche Auffassungen in der Literatur bestehen. Ein Teil der Autoren nimmt – ohne quellenmäßigen Nachweis – an, sie sei eine Tochter des 1716 bis 1721 am Sächsischen Bauamt in Warschau als Vorgesetzter und Amtsvorgänger Jauchs tätigen späteren Kaiserlich Russischen Generalfeldmarschalls, Türkenbezwingers und Premierministers Burkhard Christoph von Münnich (1683–1767) gewesen.[72] Der früh verstorbene Sohn August Jauch (* 1731) war Patenkind Augusts des Starken; die vom König zur Geburt gestiftete Wiege wird heute im Nationalmuseum Krakau aufbewahrt.
Joachim Daniel Jauch war kurfürstlich-sächsischer Generalmajor, königlich-polnischer Oberst, Kommandeur der Kronartillerie und der Weichselflottille sowie Direktor des sächsischen Bauamtes in Warschau. Als Organisator der Hoffeste Augusts des Starken, als Architekt und als leitender Verwaltungsbeamter zählte er zu den prägenden Gestalten der sächsischen Barockzeit Warschaus. Ungeachtet seiner herausgehobenen Stellung blieb er zum polnisch-katholischen Hofmilieu auf Distanz. Er sprach kein Polnisch, sondern bediente sich der Hilfe von Dolmetschern, konvertierte erst drei Tage vor seinem Tod zum Katholizismus und nahm anders als vergleichbare Funktionsträger wie Carl Friedrich Pöppelmann keinen Adelsstand an.
Joachim Daniel Jauch folgten mehrere Familienmitglieder als Offiziere in polnische Militärdienste, darunter sein Neffe und Adjutant, der spätere Capitaine der Artillerie Ernst Ulrich Jauch († nach 1764),[73] sowie sein Bruder Franz Georg Jauch (1682–1753), der 1724 als Capitaine des Infanterie-Regiments Garde des Königs und Kompaniechef in der Festung Thorn[74] am Thorner Blutgericht beteiligt war.[75] Franz Georg Jauch, „der zu den Günstlingen des Königs gehörte“,[76] wurde ebenso wie später sein Neffe Heinrich Georg Jauch (* 1709) einer der jeweils zwei Oberstleutnante der Königlich Polnischen Krongarde – beide als Gardeoffiziere mit dem Range eines Obersten der Linienregimenter. In Thorn erregte im Vorfeld der später blutig endenden konfessionellen Spannungen die evangelische Taufe einer Tochter des Capitaines Franz Georg Jauch Aufsehen, weil dabei zunächst liturgisch unzulässiges Rosenwasser verwendet wurde. „Die Untersuchung gegen einen Vornehmen war indes so mißlich, daß man sie lieber nicht begann“. Zugleich bestand die Sorge, die Jesuiten könnten den Vorfall zur Agitation gegen die Protestanten ausschlachten.[77]
Großbürger der Freien und Hansestadt Hamburg
1. Generation

Franz Jürgen Jauch und sein Bruder Christian Jauch der Jüngere († 1720) erlernten ab 1699 die Handlung in Hamburg. 1752 verlagerte Carl Daniel Jauch (1714–1795) seinen Handel aus dem wirtschaftlich verfallenden Lüneburg in das aufstrebende Hamburg.
Carl Daniel Jauchs Neffe Johann Georg Jauch (1727–1799), Kaufmann und Lackfabrikant zu Lauenburg/Elbe,[78] entführte und heiratete 1754 als seinerzeitiger königlich großbritannischer und kurfürstlich braunschweig-lüneburgischer Offizier Anna Mutzenbecher,[79] Tochter des vormaligen Hamburger Senatssyndicus’ und Herrn auf Horst Johann Baptista Mutzenbecher (1691–1759) und der Christiane Moller vom Baum sowie Großnichte des Senators Matthias Mutzenbecher (1653–1735). Die Entführung erklärt sich vor dem Hintergrund, dass Ehen hamburgischer Bürgertöchter mit Offizieren – bis in das frühe 20. Jahrhundert – „ein Ding der Unmöglichkeit“ waren.[80]
Sägerei von J. C. Jauch & Söhne am Stadtdeich
Lager von J. C. Jauch & Söhne mit geflößtem, in der Elbe lagerndem Stammholz
Flößer, die Holz auf der Elbe mit einem sogenannten Elboden[81] zum westlichen Jauchschen Lager bringen
2. Generation


Johann Christian Jauch senior (1765–1855), Sohn von Johann Georg Jauch, baute den Holzhandel seines Großonkels Carl Daniel unter der Firma J. C. Jauch & Söhne zum marktbeherrschenden Holzgroßhandel Hamburgs aus.[82] Johann Georg Jauch (1769–1840), Holzhändler in Pretzetze, organisierte und überwachte das Flößen des für den Hamburger Handel bestimmten Holzes auf der Elbe.
Johann Christian Jauch senior wurde Ende des 18. Jahrhunderts Bürger der Freien Reichsstadt Hamburg und nach dem Ende des alten Reiches 1806 Großbürger der Freien und Hansestadt Hamburg. Er erwarb das später „Jauchsches Haus“ genannte Anwesen Stadtdeich 9; sein Sohn Moritz (1804–1876) übernahm Stadtdeich 3, Carl Jauch (1828–1888) das gegenüber an der Elbseite gelegene Haus Stadtdeich 159. Durch Zukäufe wurde das Areal bis zur Bank- und zur Schleusenstraße erweitert, sodass „achter Jauch sin Plank“ zu einer geläufigen Ortsbezeichnung wurde.[83] Johann Christian Jauch senior übernahm das Amt des Ältesten Deichgeschworenen des Hammerbrook, zu dem der Stadtdeich gehörte. Sein Sohn Johann Christian Jauch junior (1802–1880) legte neben dem Haus ein Hirschgehege und einen Bärenzwinger an, in dem er von seinen Russlandreisen mitgebrachte Bären hielt.[84]
In der Hamburger Franzosenzeit überstand die Firma 1813 die Beschlagnahme ihrer gesamten Holzvorräte für Fortifikationsarbeiten, insbesondere den Bau der 15.173 Fuß langen hölzernen Elbbrücke über den Grasbrook, durch den französischen Marschall und Gouverneur Louis-Nicolas Davout. Zeitgenössische Berichte schildern, dass der Holzhafen am Stadtdeich „Balken und Bretter zu mehreren Millionen an Werth“ umfasste[85] und viele Holzhändler durch deren Requisition ruiniert wurden,[86] was zur jahrzehntelangen Vorrangstellung der Jauchschen Holzhandlung beitrug.[87]
3. Generation


Johann Christian Jauchs Söhne begründeten die Linien Wellingsbüttel, Schönhagen und Fernsicht. Der älteste Sohn Johann Christian Jauch junior (1802–1880) erwarb als Landsitz das Kanzleigut Wellingsbüttel, zuvor Sitz des letzten Herzogs von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Beck.
Während andere anglophile Hanseaten dem englischen Rudersport nacheiferten und den Hamburger Ruderclub gründeten, pflegte Johann Christian Jauch junior das pheasant shooting nach englischem Vorbild,[88] das sich seit Beginn der viktorianischen Epoche zu einem gesellschaftlichen Fixpunkt der landed gentry entwickelt hatte. Zu diesem Zweck pachtete er neben seinen eigenen Ländereien den Duvenstedter Brook als Jagdrevier und ließ dort Fasane einsetzen.[89][A 15]
Johann Christian Jauch junior zeichnete 1845 – ohne selbst Mitglied zu sein – mit Bürgermeister Abendroth, Alexis de Chateauneuf und Salomon Heine Aktien für den Neubau des Hauses der Patriotischen Gesellschaft von 1765.[90] 1848–1850 gehörte er der Hamburger Konstituante an.[91] 1856 wurde er mit Gustav Godeffroy und Robert Miles Sloman Ersatzvorstand des Hamburger Vereins für Handelsfreiheit, eines zentralen wirtschaftspolitischen Forums des liberalen Hamburger Bürgertums. 1863 war er Mitinitiator und Zeichner des Garantiefonds der Internationalen Landwirtschaftsausstellung auf dem Heiligengeistfeld[92] und 1864 Mitbegründer des Hamburger Comités zur Pflege von Verwundeten und Kranken im Deutsch-Dänischen Krieg, einer der Wurzeln des Deutschen Roten Kreuzes in Hamburg.[93]
August Hermann Jauch (1817–1859) lebte, wie auch weitere Angehörige der Familie, als Particulier von seinem Vermögen und wohnte im Kurbad Oldesloe, nachdem er in Heidelberg Jurisprudenz studiert hatte. Dort trat er in das Corps Hanseatia ein und war dessen Senior. Das von dem späteren Hamburger Bürgermeister Carl Friedrich Petersen und Gustav Lührsen, dem Ehemann von Charlotte Jauch (1811–1872), gestiftete Corps,[94] aus dem in der Folge das Corps Vandalia Heidelberg hervorging, galt als bevorzugtes Corps der Hamburger und Lübecker Großbürger sowie des mecklenburgischen Adels und zählte sich zum Goldenen Kreis – der nur aus ihm bestand.

Die Philanthropin Auguste Jauch (1822–1902), geb. Stubbe, unterhielt eine tägliche Armenspeisung, stiftete Armenhäuser in Hamburg und gründete das Jauchsche Damenstift in Kiel. Ihr Mann Heinrich Moritz Jauch (1804–1876) und ihr Schwager Carl Daniel Jauch (1806–1866) wirkten als gewählte Pfleger des Armenkollegiums für den Stadtdeich.[95] Sohn Hermann Jauch (1856–1916), Kavallerieoffizier, Herr auf Schönhagen und Schwonendahl, erbaute Schloss Schönhagen und war Mitstifter des Jauchschen Männerstifts am Stadtdeich; sein Sohn Erich Jauch (1883–1965) verlor das Vermögen, musste Schönhagen verkaufen und wurde 1934 als Vorstand des Männerstifts wegen Unterschlagung abgesetzt.[96] August Jauch (1848–1930), Besitzer von Fernsicht und Marienhof,[97] Rittmeister und Notabelnabgeordneter der Hamburgischen Bürgerschaft, und Robert Jauch (1856–1909), Herr auf Krummbek, zogen von ihren Gütern nach Hamburg und engagierten sich ebenfalls in der Armenfürsorge.
4. Generation

Johann Christian Jauch juniors Sohn Carl Jauch (1828–1888), Herr auf Wellingsbüttel und Großbürger zu Hamburg, heiratete Louise von Plessen,[99] Tochter des mecklenburgischen Oberlanddrosten Ulrich von Plessen und Ururenkelin des Handelsherrn der Niederländischen Ostindien-Kompanie Seneca Inggersen.[100] Carl Jauch bekleidete – wie sein Onkel Moritz Jauch – einen Offiziersrang in der hanseatischen Kavallerie. Er besaß eine umfangreiche Sammlung von Gemälden zeitgenössischer Künstler.[101]
5. Generation
Der Linie Jauch-Wellingsbüttel entstammte Gustav Adolf Jauch (1859–1907), Kaufmann in Firma Jauch Gebr. Im- und Export, die Überseehandel mit Guatemala, Barbados, Venezuela und Brasilien betrieb.[102] Er war Mitglied des Vorstands der Hamburger Börse und langjähriger Handelsrichter.[103] An der zum Mühlenteich aufgestauten Bille in Reinbek ließ er neben dem von der Familie mitbegründeten Wentorf-Reinbeker Golfclub ein Landhaus errichten. Sein Bruder Paul Jauch (1857–1915), ebenfalls Kaufmann in Jauch Gebr., nahm 1891 mit seiner Frau – was seinerzeit als „exotisch und überdies als ungehörig“ galt, da dies als „geistig und körperlich zu anstrengend für die Damen“ angesehen wurde[104] – an der weltweit ersten Kreuzfahrt auf der „Augusta Victoria“ teil.[105]


6. Generation
Paul Jauchs Sohn Alfred Jauch (1895–1966) fand im Billardsalon des großbürgerlichen Elternhauses, wie er in repräsentativen Villen des späten 19. Jahrhunderts nahezu unverzichtbar war,[106] Gefallen am Billard[107] und wurde mehrfacher Nordmarkmeister im Dreiband; sein Sohn Rudolf Jauch (1932–2008) errang mehrfach norddeutsche Meistertitel. Paul Jauchs weiterer Sohn Walter Jauch (1888–1976), Rittmeister der Reserve im 2. Hannoverschen Dragoner-Regiment Nr. 16, gründete die auf dem europäischen Festland führenden Versicherungs- und Rückversicherungsmakler Jauch & Hübener.[108]
Dessen Cousin Hans Jauch (1883–1965), Oberst und Freikorpsführer gegen die Rote Ruhrarmee, verheiratet mit Elsa von Othegraven, Großnichte des von Theodor Fontane literarisch verarbeiteten Generals Karl Thomas von Othegraven, begründete den katholischen Zweig des Geschlechts. Über Heiratsverbindungen zur Neusser Kaufmannsfamilie Werhahn verlagerte sich der Schwerpunkt dieses Zweiges ins Rheinland.
Rudolf Jauch (1891–1915) fiel als Zweiter Wachoffizier auf dem U-Boot U 40, das 1915 als erstes deutsches Unterseeboot von einer britischen U-Boot-Falle versenkt wurde. Carl Jauch (1892–1922) war Syndicus der Hamburg-Amerika-Linie und diente im Ersten Weltkrieg als Kavallerist bei den „Weißen Ulanen“.
Luise Jauch (1885–1933) war Oberschwester des Waldsanatoriums Berghof in Davos, dem Zauberberg Thomas Manns, unter anderem während der Behandlung von Katia Mann 1912.[109] Sie ist das Vorbild der Romanfigur der „Oberaufseherin dieses Schreckenspalastes“ Adriatica von Mylendonk.[110]
7. Generation

Hans Jauchs Sohn Robert (1913–2000) nahm als Oberleutnant und Vorgeschobener Beobachter im Panzer–Artillerie–Regiment 16 der 16. Panzer-Division an der Schlacht um Stalingrad teil, geriet am 2. Februar 1943 in sowjetische Kriegsgefangenschaft und gehörte 1950 zu den rund 6.000 zurückkehrenden Überlebenden der 6. Armee (→ Folgen der Schlacht von Stalingrad). Seine Brüder Hermann (1914–1943), Hauptmann im Stab des Artillerie-Regiments 69, und Hans-Günther (1919–1942), Oberleutnant und Abteilungsadjutant im Stab des Artillerie-Regiments 227, fielen in Russland. Jüngster Sohn war der Journalist Ernst-Alfred Jauch (1920–1991). In den beiden Weltkriegen verlor die Familie mit acht gefallenen oder verschollenen Kriegsteilnehmern etwa die Hälfte ihrer Stammhalter.
8. Generation
Enkel von Hans Jauch sind der Insolvenzverwalter Hans-Gerd Jauch (* 1953), verheiratet mit Monika Becker-Berke, der Franziskaner Pater Robert Jauch OFM (* 1954) und der Fernsehmoderator und Fernsehproduzent Günther Jauch (* 1956). Robert Jauch war mehrere Jahre Rektor der Kirche „Dominus flevit“ in Jerusalem, zuvor im Konvent der Grabeskirche, und wirkte 2010 an der Dokumentation „Im Haus meines Vaters sind viele Wohnungen“ über die Grabeskirche mit.[111]
Günther Jauch ist Eigentümer des Weinguts von Othegraven und des Wawerner Herrenbergs an der Saar, die aus dem Besitz des Jauchschen Ahnherrn Emmerich Grach (1753–1826) stammen. Mit seiner Stiftung für die Wiedererrichtung des Fortunaportals in Potsdam gab er den Anstoß zum Neubau des Potsdamer Stadtschlosses als Sitz des Brandenburgischen Landtages, der 2014 eröffnet wurde. 2000 gründete er die Fernsehproduktionsgesellschaft i&u TV, die er 2019 an den Finanzinvestor KKR verkaufte.


Großgrundbesitzer in Guatemala
Ein Familienzweig verlagerte seinen wirtschaftlichen Schwerpunkt nach Mittelamerika und betrieb Kaffeeplantagen in Guatemala. Otto Jauch (1874–1949) gehörte dort zu den deutschen Kaffeebaronen und Latifundienbesitzern.[112] Er leitete die Jauchschen Plantagen nebst Kaffeefabrik bei San Rafael Pie de La Cuesta im Departement San Marcos – Armenia Lorena, La Ceiba, La Lucha und Nueva Reforma.[113] Präsident Cabrera hatte die indianische Bevölkerung enteignet, den Verkauf des fruchtbarsten Landes an ausländische Investoren gefördert und „verhalf deutschen ‚Kaffeebaronen‘ … zu großem Reichtum.“[114] Exportiert wurde der Kaffee von Jauch Gebr. in Hamburg.[115]
Das Landgut Armenia Lorena mit der viktorianischen Jauchschen Villa sowie die anderen Besitzungen wurden im Zweiten Weltkrieg nach der Kriegserklärung Guatemalas 1941 an Deutschland beschlagnahmt, 1953 entschädigungslos enteignet und zur Finca Nacional erklärt.[116] „Der Krieg der Alliierten gegen den Faschismus ermöglichte es Guatemala, die gewaltigen Ländereien der deutschen Kaffeebarone zu konfiszieren, die Guatemalas Wirtschaft seit 1914 dominiert hatten.“[117]
In der Zeit des Nationalsozialismus
Heinrich Jauch, Erster Staatsanwalt zu Hamburg, und die Zerschlagung der Roten Marine

der Roten Marine
Heinrich Jauch (1894–1945) war Ankläger in dem 1934 vor dem Sondergericht Hamburg geführten „Rote-Marine-Prozess“ – auch als „Adlerhotelprozess“ bezeichnet – gegen 53 des Terrorismus Angeklagte, darunter der sowjetische Geheimagent Jan Valtin. Der Prozess endete mit neun Todesurteilen,[118] sieben lebenslangen Zuchthausstrafen sowie weiteren insgesamt 350 Jahren Zuchthaus und zerschlug die Rote Marine Hamburg, örtliche Sektion des paramilitärischen Rotfrontkämpferbundes. Der Schauprozess gilt als nationalsozialistischer Vorläufer der Moskauer Prozesse, in denen sich Josef Stalin 1936 bis 1938 der Politikergeneration der Oktoberrevolution von 1917 entledigte.[119] Heinrich Jauch soll bis zu seiner Abberufung nach Berlin 1937 die meisten Todesurteile in der Hansestadt erwirkt haben.[120]
„Der Staatsanwalt, ein großer, dünner, bleichgesichtiger Mann namens Jauch beherrschte die Verhandlungen. Sein Hass auf uns war unverhohlen. Seine Augen blitzten und seine farblosen Lippen zogen sich die Zähne entblößend zurück, wenn er den Tod forderte – und zwar nichts als den Tod.“

„Die Hinrichtung des Dettmer ist unter Leitung des Staatsanwalts Jauch von dem Scharfrichter Gröpler aus Magdeburg heute vormittag 6:10 Uhr durch Handbeil in dem Nordausgang des Hofes 8 der Anstalt HH I erfolgt.“
Die Hinrichtung von Jonny Dettmer inspirierte Arnold Zweig zu seinem Roman Das Beil von Wandsbek.[124]
1937 vertrat Heinrich Jauch die Anklage vor dem Sondergericht Hamburg in dem Schauprozess[125] gegen den von Gerd Bucerius verteidigten jüdischen Reeder Arnold Bernstein, Pionier des Autotransports in „Schwimmenden Garagen“,[126] wegen Vergehens gegen Devisenvorschriften.[127] Die Reederei war mit über 1.000 Seeleuten eines der größten jüdischen Unternehmen Deutschlands. Bernstein gilt als einer der ersten jüdischen Großindustriellen, die Opfer der Arisierung wurden. Heinrich Jauch führte auch die Untersuchungen gegen Alfred Toepfer, der wegen des Verdachts auf Verstoß gegen Devisengesetze 1937 verhaftet wurde und die Kontrolle über sein Unternehmen aufgeben musste.[128]
Jauch schied vor Kriegsende aus dem Staatsdienst aus; nach NS-Terminologie galt er als „Mischling ersten Grades“, da sein Vater August Jauch in zweiter Ehe mit der Jüdin Catharina Margaretha Mathiessen verheiratet war. Er wurde zum Frontdienst herangezogen und starb am 2. Juni 1945 im Lazarett Wetzlar.
Jauch & Hübener und der Widerstand

Generalmajor Hans Oster
Walter Jauch (1888–1976), Gründer von Jauch & Hübener in Hamburg, war angeheirateter Cousin des Generals und Widerstandskämpfers Hans Oster (1887–1945). Jauch & Hübener hatten schon zu Beginn der NS-Zeit einen Beauftragten der Geheimen Staatspolizei zugeordnet bekommen, weil in NS-Kreisen Zweifel an ihrer politischen Zuverlässigkeit bestanden. Über Walter Jauchs Cousin Oster hatten Jauch & Hübener gleichwohl Kontakt zum Widerstand.[129] Im Sommer 1939 wurde der Kreis der Militäropposition um Hans Oster unterstützt. Otto Hübener, Partner von Walter Jauch, knüpfte Verbindungen zu britischen Stellen, um den drohenden Krieg abzuwenden. Auch während des Krieges arbeitete die Firma für die Widerstandsgruppe um Hans Oster und dessen Mitarbeiter im Amt Ausland/Abwehr, Hans von Dohnanyi. Als nach dem Attentat vom 20. Juli 1944 der Gestapo die Verbindung zwischen dem Amt Ausland/Abwehr und den Verschwörern um Claus Schenk Graf von Stauffenberg deutlich geworden war, wurde im April 1945 Hans von Dohnanyi im KZ Sachsenhausen erhängt. Zwei Tage später wurde Oster zusammen mit Wilhelm Canaris und Dietrich Bonhoeffer im KZ Flossenbürg erhängt. Hübener wurde in Hamburg verhaftet und Ende April 1945 in Berlin erschossen.
Töchter der Jauch und ihre Nachkommen
Catharina Elisabeth Jauch, verheiratete von Naumann

Catharina Elisabeth Jauch (1671–1736) heiratete den kursächsischen Ingenieuroffizier und Architekten Johann Christoph von Naumann (1664–1742), der von 1710 bis 1715 erster Direktor des Sächsischen Bauamts in Warschau war und als Obrist des Ingenieurkorps von 1721 bis 1733 im Auftrag Augusts des Starken die erste Schlossanlage von Hubertusburg errichten ließ. Zuvor hatte er in kaiserlichen und sächsischen Diensten am Großen Türkenkrieg, am Pfälzischen Erbfolgekrieg und am Spanischen Erbfolgekrieg sowie am Großen Nordischen Krieg teilgenommen und sich in mehreren Schlachten ausgezeichnet, erstmals 1686, noch als Volontär im Range eines Capitaines, beim Sturm auf die Türkenfestung Ofen.
Ihr Enkel ist der Ingenieuroffizier und Vedutenmaler Franz Heinrich von Naumann (1749–1795). Über dessen Enkelin Antonie Keldorfer gehört die österreichische Musikerfamilie Keldorfer zu den Nachkommen.
Constance Jauch, verheiratete von Lölhöffel


Constance Jauch (1722–1802), Tochter des Generalmajors Joachim Daniel Jauch (1688–1754), heiratete den königlich-polnischen Hofrat und Leibarzt Augusts III. Heinrich Lölhöffel von Löwensprung (1705–1763) und ließ in Warschau aus ihrem väterlichen Erbe das Palais Lelewel errichten. Ihr Sohn Karol Maurycy (1750–1830) polonisierte den Familiennamen zu Lelewel, erlangte das polnische Indigenat und wurde Mitglied des Sejm; er war Hauptmann der Krongarde, Jurist und Generalschatzmeister der Komisja Edukacji Narodowej,[131] die als frühestes Bildungsministerium gilt, zuletzt Staatsrat.
Constance Jauchs Tochter Teresa Lelewelówna (1752–1814) heiratete den polnischen Adeligen Adam Józef Cieciszowski (1743–1783),[132] der das Hofamt eines Jagdmeisters von Livland innehatte und als Großnotar der Krone sowie als Berater des polnischen Königs und des Kanzlers tätig war. Er war Bruder des Erzbischofs Kasper Cieciszowski, römisch-katholischer Metropolit des Russischen Reiches.
Enkel Constance Jauchs war der Historiker und Revolutionär Joachim Lelewel (1786–1861), der 1831 als führender Kopf des Novemberaufstands Mitglied der polnischen Nationalregierung war. Sein Bruder Jan Paweł Lelewel (1796–1847) war Oberstleutnant des Ingenieurkorps, Freiheitskämpfer im Novemberaufstand und Architekt und wirkte in der Emigration als Kantonsingenieur in Bern.[133] Über die Linie ihrer Enkelin Aleksandra Franciszka Cieciszowska, die mit dem Innenminister des Herzogtums Warschau unter Napoleon Jan Paweł Łuszczewski (1764–1812) verheiratet war, gehören der Schriftsteller Henryk Sienkiewicz (1848–1916), Autor von Quo Vadis und Nobelpreisträger für Literatur, sowie die selige Krankenschwester Hanna Chrzanowska (1902–1973) zu den Nachkommen.
Eleonora Maria Jauch, verheiratete Overbeck



Eleonora Maria Jauch (1732–1797), Tochter des Domherrn Johann Christian Jauch (1702–1788), heiratete den Lübecker Advokaten und Konsulenten des Schonenfahrerkollegiums Georg Christian Overbeck, Sohn des Superintendenten Caspar Nicolaus Overbeck und Bruder des Rektors des Katharineums zu Lübeck, Johann Daniel Overbeck.[134][135][136] Die aus dieser Ehe hervorgegangene Lübecker Bürgermeister- und Senatorenfamilie Overbeck zählt in der Forschung zu den „Genie- und Talentfamilien“, die „durch drei bis vier Generationen hindurch Lübeck sein geistiges Gepräge“ gaben.[35]
Der älteste Sohn Christian Adolph Overbeck (1755–1821) war Lübecker Bürgermeister und gilt neben Georg Heinrich Sieveking und Johann Albert Heinrich Reimarus als einer der zentralen Exponenten der norddeutschen Aufklärung; er wird als „eine der wesentlichsten Erscheinungen in der Lübecker Geistesgeschichte des Jahrhunderts“ beschrieben.[35] Sein bekanntestes Gedicht ist das von Mozart vertonte Volkslied Komm, lieber Mai, und mache. Zu seinen Nachkommen zählen u. a. der Maler Friedrich Overbeck (1789–1869), führende Figur der Nazarener und Ritter des preußischen Ordens Pour le Mérite für Wissenschaften und Künste, der Oberappellationsrat Christian Gerhard Overbeck (1784–1846) am Oberappellationsgericht der vier Freien Städte sowie der Lübecker Senator Christian Theodor Overbeck (1818–1880).
Die Urenkelin Henriette Charlotte Harms (1842–1928) heiratete den Lübecker Senator Johannes Fehling. Deren Tochter Emilie Charlotte Adele Fehling (1865–1890) heiratete Bernhard von Hindenburg, Bruder des Reichspräsidenten Paul von Hindenburg.
Urenkelin war die unter dem Pseudonym O. Verbeck veröffentlichende Schriftstellerin Cilla Fechner (* 1857), Tochter des Ingenieurs Franz Reuleaux.
Ur-Urenkelin war die „Fin de siècle-Lesbe“ Agnes Elisabeth Overbeck (1870–1919), Komponistin und Pianistin, die unter dem Pseudonym „Baron Eugen Borisowitsch Lhwoff-Onégin“ die Opernsängerin Sigrid Onégin heiratete.
Zu Eleonora Marias weiteren Nachkommen zählt der SS-Gruppenführer und Generalleutnant der Waffen-SS Karl von Fischer-Treuenfeld. Als Befehlshaber der Waffen-SS im Protektorat Böhmen und Mähren ließ er nach dem Attentat auf Reinhard Heydrich (→ Operation Anthropoid) die Prager Kirche St. Cyrill und Method stürmen, in deren Krypta sich die Attentäter verborgen hielten. Die Kirche ist heute ein Symbolort des tschechischen Widerstands gegen den Nationalsozialismus.
Teile der Nachkommenschaft gelten als Vorbilder für Figuren in Thomas Manns Roman Buddenbrooks: So wird der Senator Georg Friedrich Harms (1811–1892), Ehemann der Ururenkelin Emma Wilhelmine Buck (1832–1896), mit der Romanfigur „Senator Möllendorpf“ identifiziert, seine Frau mit „Frau Möllendorpf geb. Langhals“, deren Sohn Lorenz Harms (1840–1915) mit „Konsul Kistenmaker“.[137]
Ludovica Jauch, verheiratete Deetz

Ludovica Jauch (1772–1805) heiratete in erster Ehe den Kaufmann Johann Carl Deetz, in zweiter Ehe den späteren Stammvater der in der königlichen Hofkapelle zu Berlin tätigen Musikerfamilie Griebel, den Königlich-Preußischen Kammermusikus Johann Heinrich Griebel (1769–1852), Lehrer des Komponisten Albert Lortzing.[138]
Ihr Sohn Albert Deetz (1798–1859) wurde preußischer Oberst, Chef des Zentralbureaus des Reichskriegsministeriums und von 1848 bis 1854 Stadtkommandant der Freien Stadt Frankfurt. Er gehörte der Frankfurter Nationalversammlung und der Kaiserdeputation an und war damit an dem vergeblichen Angebot der Kaiserkrone an Friedrich Wilhelm IV. beteiligt.
Ein Stiefenkel Ludovica Jauchs war der New Yorker Architekt George Henry Griebel (1846–1933), der das Dakota Building errichtete.

Wilhelmine Jauch, verheiratete Avé-Lallemant

Wilhelmine Jauch (1809–1893)[139] heiratete den für die norddeutsche Musikgeschichte des 19. Jahrhunderts maßgeblichen Musikkritiker und Schriftsteller Theodor Avé-Lallemant, einen Nachkommen des Hugenottenführers Gaspard de Coligny. Die Heirat mit seiner vermögenden, zudem, wie Robert Schumann urteilte, „sehr angenehme(n) und gebildete(n) Frau“,[140] ermöglichte es Avé-Lallemant, sich ganz der Förderung der Musik zu widmen. Seit 1838 war er Mitglied, später Erster Vorsitzender des Comités für die Philharmonischen Konzerte in Hamburg und stand „durch länger als ein Menschenleben“ im Mittelpunkt des dortigen Musiklebens. 1841 spielte er eine zentrale Rolle beim 3. Norddeutschen Musikfest, dem damals größten Musikfest Deutschlands, und gehörte 1847 zu den Mitbegründern des Hamburger Tonkünstlervereins. 1862/63 scheiterte sein Versuch, seinen mit der Linie Jauch-Wellingsbüttel verwandten Freund Johannes Brahms[141] als Direktor der Philharmonischen Konzerte oder zumindest als Chormeister der Singakademie durchzusetzen.
Die Söhne des Ehepaars, Carl Robert Christian Avé-Lallemant (1850–1896) und Johannes Avé-Lallemant (1855–1911), waren Patenkinder von Robert Schumann beziehungsweise Johannes Brahms. Enkel Hans Avé-Lallemant (1888–1945) wurde Vorstandsvorsitzender der Feldmühle Papier- und Zellstoffwerke AG. Pjotr Iljitsch Tschaikowski widmete Theodor Avé-Lallemant seine Fünfte Symphonie e-Moll.[142]
Die Tochter Emilie Elisabeth Avé-Lallemant (1846–1921) heiratete den Hamburger Assekuradeur Paul Clemens Duncker (1840–1909), Enkel von Johann Georg Kerner, Großneffe von Justinus Kerner und Cousin zweiten Grades von Wilhelm Hauff.
Charlotte Jauch, verheiratete Lührsen

Charlotte Jauch (1811–1872) heiratete den Juristen Gustav Lührsen, Verfasser der Hamburgischen Hypotheken-Ordnung und Befürworter eines einheitlichen deutschen Grundbuchwesens. Ihr Sohn Johannes Lührsen (1838–1903) war zunächst Syndicus der Familie Jauch und wurde später Kaiserlich Deutscher außerordentlicher Gesandter und Minister.[143] Herkunft und Vermögen seiner Mutter galten in Hamburg als Argument, ihn trotz fehlender Auslandserfahrung 1869 als Konsul nach Smyrna zu entsenden; der Hamburger Senat bescheinigte ihm gegenüber dem zweifelnden Bundeskanzleramt, er entstamme „einer sehr respektablen und wohlhabenden Familie“. Charlottes Tochter Anna Lührsen (1854–1890) heiratete ihren Cousin, den Gutsherrn und Politiker August Jauch.
Enkelinnen Charlottes waren die Zwillingsschwestern Irene Marie (1883–1968) und Ines Lührsen (1883–1978), beide Kunstmalerinnen. Ines heiratete den Freiherrn Vistallo Taxis di Bordogna e Valnigra, Sohn des letzten Obrist-Erbpostmeisters zu Trient und an der Etsch. Die Schwiegermutter von Irene Marie war die Schauspielerin Franziska Ellmenreich, Mitbegründerin und Ehrenmitglied des Deutschen Schauspielhauses in Hamburg. Die Enkelin Carmen Carlota Lührsen (1877–1958) war mit dem Königlich Großbritannischen Konsul Henry Montagu Villiers aus dem Haus der Earls of Clarendon verheiratet, Enkel des englischen Premierministers John Russell, 1. Earl Russell und Cousin des Philosophen Bertrand Russell; ihre Nachkommen sind die Barons Bolton.[144] Ihr angeheirateter Onkel war der Vizekönig von Indien Robert Bulwer-Lytton, 1. Earl of Lytton, dessen während der Großen Hungersnot in Indien verfolgte laissez-faire-Politik wegen der Millionen Hungertoten bis heute international umstritten ist.

Chef der Operationsabteilung im osmanischen Großen Hauptquartier
Weitere Enkel Charlottes stammten aus der Ehe ihrer Tochter Jenny (1841–1917) mit dem preußischen Generalmajor Adolf von Feldmann.[145] Hans von Feldmann wurde Generalleutnant und Staatssekretär; seine Tochter Wilhelma war Patenkind Kaiser Wilhelms II. Otto von Feldmann diente als Oberstleutnant i. G. in der Deutschen Militärmission im Osmanischen Reich als Chef der Operationsabteilung des Osmanischen Großen Hauptquartiers und enger Mitarbeiter von Enver Pascha. Er unterstützte Deportationspläne gegen die armenische Bevölkerung und war damit an den Verbrechen des Völkermords an den Armeniern beteiligt; in einem späteren Aufsatz räumte er eine Mitverantwortung deutscher Offiziere ein.[146] In der Weimarer Republik leitete Feldmann das „Sekretariat von Hindenburg“ und steuerte als „politischer Beauftragter“ des mit der Familie verschwägerten Paul von Hindenburg[147] dessen Wahlkampagne zum Reichspräsidenten.[148]
Luise Jauch, verheiratete Halske
Luise Jauch (1815–1881) heiratete den Großbürger zu Hamburg Adolf Halske (1814–1888), Cousin des Siemens-Mitbegründers Johann Georg Halske. Ihre Tochter Anna (1854–1909) heiratete den Oberstleutnant und Bezirkskommandeur Gustav Lichtenberg (1844–1906), Urgroßneffe von Georg Christoph Lichtenberg.
Bertha Jauch, verheiratete Knoop

Bertha Jauch (1860–1935) heiratete den aus Manchester stammenden Kaufmann William Oscar Knoop (1854–1938), Mitbegründer des Golfsports in Deutschland. Er zählte 1901 zu den Initiatoren des heutigen Wentorf-Reinbeker Golfclubs[149] und war 1906 an der Gründung des Hamburger Golf-Clubs beteiligt;[A 18] beide Clubs gehören zu den ältesten Golfanlagen des Landes.
Bertha Jauchs Tochter Alice Knoop war Anfang des 20. Jahrhunderts eine der führenden deutschen Golfspielerinnen. Bei den ersten Deutschen Meisterschaften des Verbandes 1907 wurde sie Vizemeisterin[150] und gewann 1908 als erste deutsche Spielerin die offene Deutsche Golf-Meisterschaft.[151]
Grabstätten
- Lt.z.S. Rudolf Jauch Seekriegsgrab U 40 vor Eyemouth in Schottland
- Oberleutnant Hans-Günther Jauch Soldatenfriedhof Sologubovka
Stammtafel
| Georg Jauch Bürgermeister von Sulza 1606–1675 | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Christian Jauch der Ältere Erster Lacquay und Tafeldecker des Erbprinzen Karl von Mecklenburg 1688 Hoflieferant zu Güstrow 1702 Kauf- und Handelsmann zu Lüneburg 1638–1718 | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Johann Christoph Jauch Superintendent zu Lüneburg 1669–1725 | Catharina Elisabeth Jauch 1671–1736 ⚭ Johann Christoph von Naumann | Christian Jauch der Jüngere 1699 verzeichnet im Zunftregister des Krameramts zu Hamburg 1701 Kauf- und Handelsmann zu Lüneburg † 1720 | Carl Jauch Kaufmann und Postagent Lübecks zu Lüneburg 1680–1755 | Franz Georg Jauch Oberstleutnant der Königlich-Polnischen Krongarde 1724 bei dem Thorner Blutgericht 1682–1753 | Joachim Daniel Jauch Generalmajor und Barockarchitekt zu Warschau 1688–1754 | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Ludolph Friedrich Jauch Hauptpastor an St. Michaelis zu Lüneburg 1698–1764 | Tobias Christoph Jauch Stadt-Secretarius zu Lüneburg 1703–1776 | Johann Christian Jauch Erster Domherr und Vize-Dekan zu Bardowick 1702–1778 | Carl Daniel Jauch Kaufmann zu Lüneburg 1752 Begründer der Jauchschen Handlung in Hamburg 1714–1795 | Adolph Jauch Kaiserlicher Notar zu Hannover 1705–1758 | Constance Jauch 1722–1802 ⚭ Heinrich von Lölhöffel | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Johann Georg Jauch Offizier a. D. und Kaufmann zu Lauenburg 1727–1799 | Eleonora Maria Jauch 1732–1797 ⚭ Georg Christian Overbeck Advokat zu Lübeck | Friedrich August Jauch Senator zu Hannover-Calenberg 1741–1796 | Heinrich Georg Jauch Oberstleutnant der Königlich-Polnischen Krongarde * 1709 | Carl Jauch Gerichtsverwalter zu Horneburg Domherr zu Bardowick 1735–1818 | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Johann Christian Jauch senior Großbürger zu Hamburg in Firma J. C. Jauch & Söhne Ältester Deichgeschworener 1765–1855 | Ludovica Jauch 1772–1805 ⚭ 1. Johann Carl Deetz 2. Joh. Heinr. Griebel | Christian Adolph Overbeck Bürgermeister von Lübeck und Aufklärer 1755–1821 | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Johann Christian Jauch junior Großbürger zu Hamburg Herr auf Wellingsbüttel 1802–1880 | Moritz Jauch Großbürger zu Hamburg Olt. d. Hanseat. Kavallerie 1804–1876 ⚭ Auguste Jauch | Wilhelmine Jauch 1809–1893 ⚭ Theodor Avé-Lallemant | Charlotte Jauch 1811–1872 ⚭ Gustav Lührsen | Luise Jauch 1815–1881 ⚭ Adolf Halske Großbürger zu Hamburg | Hermann Jauch Herr auf Fernsicht 1817–1859 | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Carl Jauch Großbürger zu Hamburg Herr auf Wellingsbüttel Olt. d. Hanseat. Kavallerie 1828–1888 | Hermann Jauch Herr auf Schönhagen und Schwonendal 1858–1916 | August Jauch Herr auf Fernsicht Repräsentant der Notabeln in der Hamburgischen Bürgerschaft Rittmeister a. D. 1848–1930 | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Robert Jauch Herr auf Krummbek 1859–1909 | Paul Jauch Kaufmann in Firma Jauch Gebr. Import & Export 1857–1915 | Gustav Adolf Jauch Kaufmann in Firma Jauch Gebr. Import & Export Vorstand der Hamburger Börse 1859–1907 | Bertha Jauch 1860–1935 ⚭ William Oscar Knoop | Heinrich Jauch Erster Staatsanwalt zu Hamburg 1894–1945 | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Hans Jauch Oberst und Freikorpsführer Fabrikant 1883–1965 | Luise Jauch Oberschwester auf dem „Zauberberg“ (Adriatica von Mylendonk) 1885–1933 | Walter Jauch Gründer von Jauch & Hübener Rittmeister d. Res.<> 1888–1976 | Rudolf Jauch Leutnant z.S. auf U 40 1891–⚔1915 | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Robert Jauch Kaufmann Oberleutnant d. Res. Teilnehmer der Schlacht um Stalingrad 1913–2000 | Hermann Jauch Hauptmann stv. Regimentsadjutant im Stab des Art.-Regts. 69 1914–⚔1943 | Günther Jauch Oberleutnant Abteilungs-Adjutant im Stab des Art.-Rgts 227 1919–⚔1942 | Ernst-Alfred Jauch Journalist Leiter des Landesbüros Berlin der KNA Leutnant d. Res. 1920–1991 | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Hans-Gerd Hermann Jauch Insolvenzverwalter * 1953 | Robert Jauch Priester Franziskaner (OFM) * 1954 | Günther Jauch Fernsehmoderator, Journalist und Produzent Eigentümer des Weinguts von Othegraven * 1956 | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
Wappen

1714 als Superintendent)
Wappen: In Gold ein Mann in schwarzer Kleidung mit schwarzem Haar und schwarzem Hut, Gesicht und Hände fleischfarben, die Unterarme erhoben; Kragen, Manschetten, Knöpfe und Gürtel golden; in der Rechten hält er eine fleischfarbene Hand, die aus einer schwarzen Wolke im rechten Obereck hervorkommt.
Helmzier: Auf einem en face gestellten ungekrönten Bügelhelm, um den Hals eine eiserne Kette mit goldenem Medaillon, mit eisernen Gitterstäben und schwarz-goldenen Decken ein goldenes Gottesauge im Dreieck mit Strahlenkranz um das Dreieck zwischen einem schwarzen offenen Flug.
Devise: „HERR DU LEITEST MICH NACH DEINEN RATH“ (Ps 73,24).[155]
Unzutreffend ist die abweichende Darstellung in der Hamburgischen Wappenrolle von 1912.[156]
Literatur
- Deutsches Geschlechterbuch, Bd. 200, 13. Hamburger, ISBN 3-7980-0200-2, S. 337–416; Bd. 209, 15. Hamburger, ISBN 3-7980-0209-6, S. 31–52, jeweils mit weiteren Literaturnachweisen.
- Conrad Nikolaus Lührsen: Stammtafel des Geschlechtes Jauch, Aachen 1949, in: Sächsisches Staatsarchiv, 22179 Genealogische Mappenstücke, Nr. Ma 4449
- Siegfried Koß: Jauch, Robert OFM. In: Friedhelm Golücke: Verfasserlexikon zur Studenten- und Universitätsgeschichte, Ein bio-bibliographisches Verzeichnis, Köln 2004 (= Abhandlungen zum Studenten- und Hochschulwesen. Band 13).
- Prot Lelewel: Pamiętniki i Diariusz Domu Naszego (Erinnerungen und Tagebuch meines Stammhauses), herausgegeben von Irena Lelewel-Friemannowa, Wrocław, Warszawa, Kraków 1966.
- Isabel Sellheim: Die Familie des Malers Friedrich Overbeck (1789–1869) in genealogischen Übersichten, Neustadt an der Aisch 1989, ISBN 3-7686-5091-X.
Weblinks
Anmerkungen
- Die adelige Einordnung in polnischen Herbarzen und auch bei Zschirke erklärt sich wohl aus Rang und Hofnähe: Franz Georg Jauch als Oberstleutnant der Krongarde und Joachim Daniel Jauch als Generalmajor, Artilleriekommandeur und königlicher Baumeister standen in Positionen, die in Polen-Litauen meist von Angehörigen der Szlachta oder nobilitierten Ausländern besetzt waren; daraus wurde offenbar ohne nachweisbare Standeserhebung fälschlich auf Adel geschlossen. Ein Nobilitierungsakt ist nicht nachgewiesen.
- Bürgerporträt im sachlichen Stil des Spätbiedermeiers von Otto Speckter aus dem Jahr 1847 mit schlicht gehaltener, atypischer Kopfbedeckung statt des üblichen Zylinders.
- 1913: Einwohner 1.037.275, zur Bürgerschaft wahlberechtigt 83.187, Gruppe I 28.479 Wähler für 48 Abgeordnete, Gruppe II 48.762 Wähler für 24 Abgeordnete, 5.946 Wähler im Landgebiet wählen 8 Abgeordnete, 8.731 Grundeigentümer wählen 40 Abgeordnete, 954 Notabeln wählen ebenfalls 40 Abgeordnete aus ihren Reihen.
- Abb. Ewald Jauch, KZ-Gedenkstätte Neuengamme
- 1847 war Lelewel mit Karl Marx und Friedrich Engels Gründungsmitglied und Vizepräses der Demokratischen Vereinigung mit Sitz in Brüssel.
- Am 12. Januar 1661 hatte Gustav Adolph verfügt, wer der Schloßkirche „eigentlich einverleibt“ sei und dort zu heiraten hatte; Ausnahmen – etwa für Hofbedienstete – waren möglich. Steffen Stuth: Höfe und Residenzen …, S. 241 Anm. 359.
- Für Güstow zur Zeit Gustav Adolfs ist folgende Livrée überliefert: „ ... den 8. May ist von dem Herzoglichen Hofe zu Güstrow ein großer Aufzug gewesen, darinnen die Diener in ihrer Livree erschienen, welche gelb gewesen und mit blauen und weißen Schnüren besetzt … … die Herren Officianten und Bedienten standen in der großen Gallerie gegen den Saal … … darauf die Tafel aufgetragen worden und man große Confecte und Früchte gesehen auf silbernen Platten …“, Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel, Cod. Guelf. 28 Blank., Tagebuch und Aufzeichnungen Ludwig Rudolfs, 1701, fol. bzw. S. 47. DFGviewer
- Für Hofbedienstete am Güstrower Hof sind neben Geldbesoldung regelmäßig Sach- und Naturalleistungen belegt (Livree/Kleid, Kostgeld/Freitisch, oft freie Wohnung). Wohn- und Steuerprivilegien ergaben sich aus Burg- und Domfreiheit; vgl. Clemens Meyer: Geschichte der Güstrower Hofkapelle, in: Jahrbücher des Vereins für Mecklenburgische Geschichte und Altertumskunde, Bd. 83, 1919, S. 1–46; Steffen Stuth: Güstrow als Residenz …, in: Mecklenburgische Jahrbücher, 114, 1999, S. 81–104.
- Kurzbiographie in: H. Reuter: Die St. Michaeliskirche in Lüneburg, Hannover und Leipzig 1918, S. 58.
- Bibliotheca b. Ludolph, Frider, Iauch: pastoris quondam ad D. Michaelis … publicae auctionis lege distrahetur Luneburgi, die 23. et sqq. m. Septembris a. 1765 …. Lüneburg 1765.
- „Archiv für deutsche Postgeschichte“ 1975, S. 125, zum Lübecker Postwesen und den „Lübschen Boten“, welche die Lübecker Post in anderen Städten besorgten.
- Repräsentatives Hofporträt in höfisch-militärischem Mischtyp, Halbfigur dreiviertel nach links mit weißem Halstuch mit Spitzenjabot, offen getragenem dunkelrotem Justaucorps und darunter getragenem Brustharnisch.
- "Auch ließ sich nach diesen der Obrist-Lieutenant von Jauch, welcher die Flotte commandirte, in einer Chalouppe, die von 6 auf vorgedachte Art propre gekleideten Matroßen geführet wurde, sehen", in: Ausführliche Beschreibung oder richtiges Journal, dessen was in dem welt-bekandten Königl. Pohlnisch- und Churfürstlich-Sächsischen Lust-Campement bey Mühlberg in Sachsen anno 1730 vom 30. May bis den 28. Junii jeden Tag öffentlich vorgegangen. 1730, S. 37.
- Vivat wurde [ˈfiːfat] ausgesprochen. Ein der lateinischen Sprache nicht mächtiger Untergebener hat dies wörtlich genommen und fälschlich [ˈfiːfat] auch Fifat geschrieben.
- Ludwig Frahm: Stormarns Bruch, in: Jahrbuch des Alstervereins 1903, S. 15.
- Luise Jauch (links), Sanitätsrat Friedrich Jessen (Mitte), Vorbild für Hofrat Behrens, und dessen Sohn Harald Jessen (rechts).
- Bis heute das weltweit auflagenstärkste Buch eines ehemaligen Kommunisten – Michael Rohrwasser: Der Stalinismus und die Renegaten. Die Literatur der Exkommunisten, Stuttgart 1991, S. 188.
- Beide Vereine waren 1907 Gründungsmitglieder des Deutschen Golf Verbandes.


