Reguläres Polytop

Reguläres vierdimensionales Polytop From Wikipedia, the free encyclopedia

Reguläre Polytope sind die Analoga der regelmäßigen Polygone und der regulären Polyeder (der platonischen Körper und der Kepler-Poinsot-Körper) in Räumen mit einer Dimension größer gleich vier. Sie bestehen aus sogenannten Zellen, die ihrerseits reguläre Polytope der nächstniedrigeren Dimension sind. Beispielsweise besteht ein reguläres vierdimensionales Polytop aus Zellen, die reguläre Polyeder sind (letztere kann man als reguläre Polytope der Dimension 3 auffassen). Ein reguläres fünfdimensionales Polytop besteht aus regulären vierdimensionalen Polytopen als Zellen. Ein Polytop ist regulär, wenn es aus identischen Zellen aufgebaut ist und die Zellen um jede seiner Ecken in identischer Weise angeordnet sind.

Definition der Regularität

Die oben angegebene Beschreibung der Regularität eines Polytops wird mathematisch wie folgt ausgedrückt. Ein -dimensionales Polytop () ist regulär, wenn seine -dimensionalen Zellen regulär sind und seine -dimensionalen Eckfiguren an jeder Ecke regulär sind. Dies impliziert, dass sowohl alle Zellen als auch alle Eckfiguren unter sich identisch sind.[1.1] Diese Definition wird rekursiv angewendet. Wie oben beschrieben, werden dabei Polyeder als Polytope der Dimension betrachtet. Für Polytope der Dimension , also für regelmäßige Polygone, wird die übliche Definition der Regularität verwendet: alle Seiten müssen gleich lang sein und alle Winkel an den Ecken müssen gleich sein.

Die Eckfigur ist eine Beschreibung der Umgebung einer Ecke eines Polytops. Die Forderung, dass die Eckfigur regulär sein muss, formalisiert daher die Bedingung, dass die Zellen um jede Ecke in identischer Weise angeordnet sind.

Schläfli-Symbol

Reguläre Polytope werden vollständig durch ihr Schläfli-Symbol beschrieben. Dabei sind die Zellen eines Polytops durch das Schläfli-Symbol und die Eckfiguren durch das Schläfli-Symbol gegeben.[1.2] Diese Beschreibung kann rekursiv angewendet werden: die Zellen der Zellen sind gegeben durch und die Eckfiguren der Eckfiguren durch . Die Eckfigur der Eckfigur gibt an, wie die Zellen um eine Kante des Polytops angeordnet sind.[1.3]

Beispielsweise wird das 8-Zell (das vierdimensionale Analogon des Würfels) durch das Schläfli-Symbol beschrieben. Es drückt aus, dass das 8-Zell aus Würfeln besteht. Die Eckfigur ist ein regelmäßiges Tetraeder . Dies bedeutet, dass beim 8-Zell vier Würfel um eine Ecke angeordnet sind. Die vier Würfel entsprechen den vier Flächen des Tetraeders. Die Eckfigur der Eckfigur gibt an, dass um eine Kante des 8-Zells drei Würfel angeordnet sind. Die Zellen des Würfels sind Quadrate . Die Eckfiguren des Würfels sind gleichseitige Dreiecke , was ausdrückt, dass um eine Würfelecke drei Quadrate angeordnet sind. Die drei Quadrate entsprechen den drei Seiten des gleichseitigen Dreieckes.

Dualität

Zu jedem regelmäßigen Polytop existiert ein duales Polytop. Dieses ist durch die Mittelpunkte der Zellen des Polytops gegeben.[1.4] Geometrisch entspricht die Berechnung der zu einer -dimensionalen Zelle eines Polytops dualen -dimensionalen Zelle der Berechnung der Polaren der Zelle in Bezug auf eine -Sphäre durch den Mittelpunkt des Polytops.[1.4] Einer Ecke des Polytops () entspricht daher eine -dimensionale Zelle, einer Kante () eine -dimensionale Zelle, … und einer Zelle () eine Ecke des dualen Polytops.

Das Schläfli-Symbol des zum Polytop dualen Polytops ist , also das Schläfli-Symbol des Ausgangspolytops in umgekehrter Reihenfolge.[1.5] Wenn das Schläfli-Symbol ein Palindrom darstellt, wenn also ist, ist das Polytop selbstdual.

Beispielsweise ist das duale Polytop des oben beschriebenen 8-Zells das 16-Zell . Dieses besteht aus regelmäßigen Tetraedern , den dualen Polyedern der Eckfiguren des 8-Zells. Das 16-Zell hat regelmäßige Oktaeder als Eckfiguren, die dualen Polyeder der Zellen des 8-Zells.

Reguläre vierdimensionale Polytope

Reguläre vierdimensionale Polytope können erzeugt werden, indem als Zellen und Eckfiguren platonische Körper oder Kepler-Poinsot-Körper verwendet werden. Wenn sowohl die Zellen als auch die Eckfiguren platonische Körper sind, ergeben sich konvexe reguläre vierdimensionale Polytope. Sie stellen die Analoga der platonischen Körper im vierdimensionalen Raum dar. Wenn die Zellen oder Eckfiguren einen Kepler-Poinsot-Körper beinhalten, ergeben sich sternförmige reguläre vierdimensionale Polytope. Sie stellen die Analoga der Kepler-Poinsot-Körper im vierdimensionalen Raum dar.

Die konvexen regulären Polytope wurden von Ludwig Schläfli entdeckt und in seiner in den Jahren 1850–1852 entstandenen[2][3] Arbeit Theorie der vielfachen Kontinuität vorgestellt.[4.1][5.1] Die Arbeit wurde erst 1901, sechs Jahre nach seinem Tod, veröffentlicht. In ihr beschrieb er auch alle Parkettierungen des vierdimensionalen euklidischen Raums, vier der zehn sternförmigen regulären vierdimensionalen Polytope und alle regulären höherdimensionalen Polytope und Parkettierungen. Edmund Hess entdeckte 1885 unabhängig von Schläfli alle zehn sternförmigen regulären vierdimensionalen Polytope.[6]

Konvexe reguläre vierdimensionale Polytope

Es existieren sechs konvexe reguläre vierdimensionale Polytope.[1.6] Sie sind in der folgenden Tabelle angegeben. Dabei sind die Anzahl der Ecken, die Anzahl der Kanten, die Anzahl der Flächen und die Anzahl der Zellen des Polytops. Außerdem enthält die Tabelle die Symmetriegruppe des Polytops sowie deren Ordnung. Letztere gibt an, wie viele vierdimensionale Kongruenzabbildungen es gibt, die das Polytop mit sich selbst zur Deckung bringen.

Wie oben beschrieben, lassen sich aus dem Schläfli-Symbol über die ersten zwei Zahlen die Zellen und über die letzten zwei Zahlen die Eckfiguren des jeweiligen vierdimensionalen Polytops ablesen. Die entsprechenden Schläfli-Symbole der platonischen Körper sind:

  • : Tetraeder
  • : Würfel
  • : Oktaeder
  • : Dodekaeder
  • : Ikosaeder
Weitere Informationen , ...
Name Schläfli-Symbol Symmetriegruppe Abbildung
5-Zell 5 10 10 5 120
8-Zell 16 32 24 8 384
16-Zell 8 24 32 16 384
24-Zell 24 96 96 24 1152
120-Zell 600 1200 720 120 14400
600-Zell 120 720 1200 600 14400
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Sternförmige reguläre vierdimensionale Polytope

Es existieren zehn sternförmige reguläre vierdimensionale Polytope.[1.7] Sie haben in der deutschsprachigen Literatur keine Namen, sondern werden durch ihre Schläfli-Symbole bezeichnet. Sie sind in der folgenden Tabelle angegeben. Dabei sind die Anzahl der Ecken, die Anzahl der Kanten, die Anzahl der Flächen und die Anzahl der Zellen des Polytops. Da alle die Symmetriegruppe mit der Ordnung 14400 besitzen, ist diese Information nicht in der Tabelle aufgelistet. Stattdessen ist die Dichte angegeben. Sie beschreibt, wie oft das Polytop durch seine Flächen überdeckt wird. Geometrisch bedeutet dies, wie viele Flächen ein Strahl vom Mittelpunkt des Polytops durchstoßen muss, um in sein Äußeres zu gelangen.[1.8]

Wie oben beschrieben, lassen sich aus dem Schläfli-Symbol über die ersten zwei Zahlen die Zellen und über die letzten zwei Zahlen die Eckfiguren des jeweiligen vierdimensionalen Polytops ablesen. Zusätzlich zu den Schläfli-Symbolen der platonischen Körper werden hierzu die Schläfli-Symbole der Kepler-Poinsot-Körper benötigt. Diese sind:

Weitere Informationen , ...
Schläfli-Symbol Abbildung
120 720 1200 120 4
120 1200 720 120 4
120 720 720 120 6
120 720 720 120 20
120 720 720 120 20
120 720 720 120 66
120 720 1200 120 76
120 1200 720 120 76
120 720 1200 600 191
600 1200 720 120 191
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Die ersten neun Polytope in der Tabelle haben dieselben Ecken wie das 600-Zell; das zehnte Polytop hat dieselben Ecken wie das 120-Zell.[1.9] Die folgenden Polytope haben dieselben Kanten:[1.10]

  • , , , ;
  • , , , ;
  • , .

Die folgenden Polytope haben dieselben Flächen:[1.11]

  • , ;
  • , ;
  • , ;
  • , .

Da in den Abbildungen nur die Ecken, Kanten und Flächen der Polytope dargestellt werden, haben die letzten drei Paare von Polytopen, die sich nur in ihren Zellen unterscheiden, dieselben Abbildungen in der Tabelle.

Reguläre Polytope höherer Dimensionen

Orthogonalprojektion eines fünfdimensionalen Hyperwürfels mit Projektionsrichtung entlang einer Eckendiagonalen

In Räumen der Dimension fünf oder höher existieren folgende reguläre Polytope:[1.12]

  • : das reguläre n-Simplex,
  • : der n-dimensionale Hyperwürfel und
  • : das n-dimensionale Kreuzpolytop.

Sternförmige reguläre Polytope existieren in fünf oder mehr Dimensionen nicht.[1.13]

Reguläre Parkettierungen des Raumes

Unter die regulären Polytope werden auch die Parkettierungen des Raums mit regulären Polytopen gerechnet. Diese können als degeneriertes Polytop mit unendlichem Radius in einem Raum einer Dimension höher als das parkettierende Polytop angesehen werden.

Im dreidimensionalen Raum gibt es folgende reguläre Parkettierung:[1.14]

  • : die Parkettierung mit Würfeln.

Im vierdimensionalen Raum existieren folgende reguläre Parkettierungen:[1.15]

  • : die Parkettierung mit 8-Zellen;
  • : die Parkettierung mit 16-Zellen;
  • : die Parkettierung mit 24-Zellen.

In Räumen der Dimension fünf oder höher gibt es folgende reguläre Parkettierung:[1.16]

  • : die Parkettierung mit Hyperwürfeln.

Einzelnachweise

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