Rosie Gaines
US-amerikanische Sängerin
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Rose Mary Gaines (* 26. Juni 1960 in Martinez, Kalifornien)[1][2] ist eine US-amerikanische Sängerin, Begleitsängerin, Songwriterin und Keyboarderin. Sie arbeitete unter anderem mit Prince zusammen und war Ende 1990 Gründungsmitglied seiner Begleitband The New Power Generation.
Gaines veröffentlichte neun Studioalben, die jedoch kommerziell nicht erfolgreich waren. Ihr musikalischer Stil ist den Genres Contemporary R&B, Funk, Popmusik und Rockmusik zuzuordnen. Zudem erschienen seit Mitte der 1990er Jahre EPs mit Remix-Versionen ihrer Songs aus den Genres Elektronische Tanzmusik, Eurodance und House. Darüber hinaus ist Gaines als Gastsängerin auf mehreren Tonträgern vertreten.
Von 2011 bis 2022 zog sich Gaines aus gesundheitlichen Gründen aus der Öffentlichkeit zurück und beendete ihre aktive Musikkarriere. Erst im Oktober 2023 gab sie im Rahmen eines Podcasts ein kurzes Interview, kehrt jedoch nicht in die Musikbranche zurück.
Leben
Kindheit und Jugend
Rose Mary Gaines wurde 1960 in Martinez, Nordkalifornien, geboren und wuchs dort als jüngstes von zehn Kindern auf,[3] von denen zwei bei der Geburt starben. Ihre Mutter Mattie Mae (* 20. August 1929; † 12. Juli 2019) war von 1944 bis 1961 mit Gaines’ Vater verheiratet,[1] der 1966 erstochen wurde.[3] 1974 heiratete sie Curtis West (* 5. Juli 1934; † 24. Juni 2011),[4] den Gaines ebenfalls als „Vater“ bezeichnete.[5] Von Rosie Gaines’ Geschwistern leben (Stand 2026) noch zwei Brüder und zwei Schwestern.
Familie
Gaines hat eine Tochter, Latoya (* 1978), die ebenfalls Sängerin ist und zwei Söhne hat.[3] Gaines war zudem zweimal verheiratet. Ihren ersten Ehemann, Curtis Ohlson (* 1957), lernte sie auf der High School in Pittsburg, Kalifornien, kennen. In der dortigen Marching Band spielte sie Piccoloflöte, während Ohlson Bandleader war. Beide waren insgesamt fünf Jahre in der Band aktiv, davon zwei Jahre als verheiratetes Paar. Später arbeitete Ohlson als Komponist, Musiker und Musikproduzent und veröffentlichte in den 1980er Jahren zwei Studioalben.[6]
Gaines war ein zweites Mal mit dem Niederländer und Songwriter Francis Jules verheiratet, den sie im Sommer 1990 während der Nude Tour kennenlernte.[7] Sie ist außerdem die Tante des US-amerikanischen R&B-Sängers Ro James.
Rosie Gaines glaubt an Reinkarnation und erklärte 1995, dass sie unter Berücksichtigung aller Leben, die sie bereits gelebt habe, „wahrscheinlich 400 bis 500 Jahre alt“ sei. Sie betrachtet ihr eigenes Lebensalter nicht im herkömmlichen Sinne und vertritt die Ansicht, dass Menschen niemals sterben.[8]
Gesundheitliche Probleme (seit 2009)
2009 wurde Gaines nach einer selbst verabreichten Überdosis Insulin zur stationären Behandlung in eine Psychiatrie in Rotterdam eingeliefert. Sie ist Diabetikerin und leidet seit Jahren an Übergewicht. 2014 verschlechterte sich ihr Gesundheitszustand, und Gaines verbrachte den Großteil des Jahres in Krankenhäusern, da sie eine Insulintherapie verweigerte. Infolgedessen kam es zu Schwellungen ihrer Beine, die sich infizierten.[3]
Neben ihren körperlichen Beschwerden beeinflussten im Laufe der Jahre auch Gaines’ psychische Probleme ihren Lebensstil. 2014 übernachtete sie gelegentlich vor dem U-Bahnhof in Bay Point (Kalifornien). Vorübergehend wohnte Gaines bei einem ihrer Brüder, ihrer Tochter Latoya und bei ihrer Mutter, die ihr Hilfe anboten, jedoch darauf bestanden, dass sie einen Arzt aufsucht. Dies lehnte sie wütend ab und verschwand. Ihre Tochter gab daraufhin eine Vermisstenanzeige auf und fand Gaines schließlich in einer Telefonzelle im Schlafanzug.
Laut Curtis Ohlson, Gaines’ erstem Ehemann, boten ihr Freunde eine Unterkunft an. Ein nicht genannter prominenter Musiker stellte ihr ein Haus in Hayward, Kalifornien, mit Klavier und Swimmingpool zur Verfügung. Gaines lehnte jedoch ab: „Ich mag Hayward nicht. Hayward ist böse.“
Die US-Sängerin Brenda Vaughn (* 1958), eine Freundin von Gaines, organisierte ihr eine Unterkunft in einem Gästehaus in Vallejo, Kalifornien, die sie ebenfalls ablehnte. Vaughn erklärte: „Sie hätte ihr eigenes Zimmer und drei Mahlzeiten pro Tag gehabt, aber sie hat psychisch nicht mitgemacht.“ Gaines wollte nur in Antioch oder Pittsburg leben. „Danach suchen wir“, ergänzte Vaughn.
Einige Musiker versuchten, Gaines zu erreichen. Da jedoch ihre Bankkonten geschlossen waren und sie weder Internet- noch Telefonanschluss besaß, „hat sie von nichts mitbekommen“. Vaughn berichtete, dass Bootsy Collins ihr für den Song Don’t Let ’Em (2002) Royaltys zukommen lassen wollte. Auch Prince habe Hilfe angeboten.[3]

2015 lebte Gaines in einem Obdachlosenheim in Richmond, Kalifornien, wo das Personal sicherstellte, dass sie regelmäßig ihre Medikamente einnahm.[3][9] Am 31. Januar 2015 fand ein Benefizkonzert zugunsten von Gaines im Musikklub Geoffrey’s Inner Circle in Oakland, Kalifornien, mit einer Kapazität von 1.255 Plätzen statt. Der Eintritt kostete je nach Kategorie 20 oder 30 US-Dollar. Moderatorinnen waren Luenell Campbell und Nikki Thomas.[10]
Das Benefiz-Motto lautete „I Am My Sister’s Keeper“ („Ich bin der Beschützer meiner Schwester“). Das Konzert organisierte Gaines’ Freundin Brenda Vaughn, die in Oakland geboren wurde.[9] Teilnehmer waren unter anderem D’wayne Wiggins (* 1961; † 2025) von Tony! Toni! Toné!, Otis Redding III (* 1963; † 2023) von The Reddings, Lenny Williams (* 1945) von Tower of Power, Maxine Jones (* 1962) von En Vogue und Levi Seacer Jr. (* 1961). Die Einnahmen des Konzerts sollten in ein Haus für Gaines in Pittsburg oder Antioch, Kalifornien, investiert werden, wo ihre Tochter mit ihren beiden Söhnen lebte.[3]
Anlässlich von Prince’ Tod im April 2016 fand am 29. April im California Theatre in Pittsburg ein Tribute-Abend zu seinen Ehren statt, bei dem Gaines hätte auftreten und singen sollen. Aus gesundheitlichen Gründen konnte sie jedoch nicht teilnehmen; ihre Tochter Latoya vertrat sie stattdessen. Latoya Gaines erklärte, dass ihre Mutter über Prince’ Tod „am Boden zerstört“ gewesen sei.[11]
2017 lebte Gaines im Haus ihrer Tochter. Im März kündigte Morris Hayes,[2] ehemaliger Keyboarder in Prince’ Begleitband, die Reunion der Urformation von The New Power Generation an; Gaines konnte aufgrund gesundheitlicher Probleme aber nicht teilnehmen.[12]
Im Oktober 2018 bestätigte Latoya Gaines, dass ihre Mutter weitere gesundheitliche Rückschläge erlitten habe und weiterhin an Diabetes sowie Depressionen leide.[13][14]
Im April 2019 sammelten lokale Künstler aus Minneapolis (Minnesota) Spenden für Rosie Gaines, die weiterhin an gesundheitlichen Problemen litt. Anlass war der dritte Todestag von Prince, an dem eine viertägige Feier im Paisley Park Studio in Chanhassen, Minnesota, stattfand.
Im Oktober 2023 gab Gaines erstmals seit 2011 wieder ein Interview und berichtete, dass sie mittlerweile in Richmond, Kalifornien, lebe. Sie bedankte sich für die „Unterstützung im Laufe der Jahre“. Ihre Tochter, die ebenfalls anwesend war, fügte hinzu, ihre Mutter freue sich, nun „ein normaler Mensch zu sein“ und es gehe ihr „viel besser“. Dennoch benötige „die Heilung Zeit“, weshalb sie nicht in die Musikbranche zurückkehren werde.[15]
Karriere
Musikalische Anfänge

Gaines’ musikalische Entwicklung begann in ihrer Kindheit: Ihre Mutter hörte Blues, Country und R&B, ihr Vater bevorzugte Funk. Als Einflüsse in ihrer eigenen Musik nennt Gaines Aretha Franklin, Bessie Smith, Billie Holiday, Chaka Khan, Ella Fitzgerald und Tina Turner. Darüber hinaus wurde sie von Bob Marley, Charlie Parker, Curtis Mayfield, Donny Hathaway, Duke Ellington, George Clinton und Stevie Wonder inspiriert. Ihr Keyboard-Spiel ist stark von Kirchenmusik geprägt. Noten kann Gaines nicht lesen.[3][16]
Ursprünglich wollte Gaines Musikerin werden. Als Kind erhielt sie von ihrer Mutter eine kleine Orgel und zugleich Förderung für ihren Gesang. Bereits im Alter von vier Jahren hatte sie ihren ersten Liveauftritt im Cotton Club in Pittsburg (Kalifornien). Ab diesem Zeitpunkt wusste sie, dass sie ihr Leben der Musik widmen wollte.[8] Mit fünf Jahren spielte und sang sie in der Familienband Unity: Ihr Bruder Carl spielte E-Bass, ihre Schwester Mal Schlagzeug, ihr Cousin Gitarre, ihre Schwägerin übernahm die Backing Vocals. Unity spielte Funk und Soul, veröffentlichte jedoch keine Alben oder Songs. Als Teenager war Gaines zudem Mitglied der Bands A Touch of Class, Flash und The Oasis.
Anfang der 1980er Jahre war Don Cornelius Gaines’ Musikmanager. In dieser Zeit arbeitete sie unter anderem mit The Whispers zusammen, konzentrierte sich jedoch hauptsächlich auf Auftritte als Solosängerin in Musikklubs Nordkaliforniens.[3][16]
1985 unterzeichnete Gaines einen Schallplattenvertrag bei Epic Records und veröffentlichte ihr Debütalbum Caring, das kommerziell nicht erfolgreich war. Auf dem Album wirkten unter anderem Dann Huff, Greg Phillinganes, Paulinho da Costa, Altsaxophonist Marc Russo von den Yellowjackets, Wilton Felder sowie E-Gitarrist Levi Seacer Jr. mit. Produzenten und Arrangeure waren Gaines’ erster Ehemann Curtis Ohlson und Don Cornelius.[17]
Ihr zweites Studioalbum No Sweeter Love sollte ursprünglich 1987 bei Epic Records erscheinen. Das bereits fertiggestellte Album wurde jedoch nicht veröffentlicht, und die Single Crazy wurde nach anfänglicher Verfügbarkeit zurückgezogen. Gründe für die Zurückhaltung wurden nicht öffentlich bekannt. Erst 2000 erschien das Album schließlich bei Expansion Records.
Für Curtis Ohlsons Debütalbum So Fast (1987) schrieb Gaines den Song You und übernahm den Hauptgesang im Titelsong. Auch auf Ohlsons zweitem Album Better Than Ever (1989) wirkte sie mit und sang unter anderem den Hauptpart im Stück A Thousand Years.
Zusammenarbeit mit Prince (1989–1992)

Mitte Dezember 1989 lud Levi Seacer Jr. Gaines nach Chanhassen in Minnesota in Prince’ Paisley Park Studio ein. Seacer, mittlerweile Gitarrist in Prince’ Begleitband, kannte Gaines von den Aufnahmen ihres Debütalbums Caring (1985). Gaines sollte den von Prince geschriebenen Song I Want U einsingen, den Seacer ursprünglich für The Pointer Sisters produziert hatte. Seacer arrangierte zudem ein Treffen zwischen Gaines und Prince: „Ich überzeugte Prince davon, dass er sich von ihr What’s Going On von Marvin Gaye anhören sollte. Er konnte nicht glauben, was er hörte“, erinnerte sich Seacer.[18] Prince fragte Gaines, ob sie seiner neu zusammengestellten Begleitband beitreten wolle. Gaines wollte zunächst als Solokünstlerin arbeiten,[19] worauf Prince antwortete: „Nimm bei uns teil und ich werde dann mit dir eine Platte aufnehmen.“[20] Sie willigte ein und wurde als Sängerin und Keyboarderin für die Nude Tour im Sommer 1990 engagiert.[16]
Gaines fühlte sich in der Begleitband zunächst unwohl: Im Tourbus war sie die einzige Frau und verbrachte die meiste Zeit nach den Konzerten oft allein. Sie empfand, dass einige Bandmitglieder auf sie neidisch waren, da sie als Sängerin eine prominente Rolle auf der Nude Tour innehatte. Zudem wurde sie wegen ihres Übergewichts gehänselt. Nachdem Gaines drohte, die Tour zu verlassen, reagierte Prince: Sie konnte nun gemeinsam mit Mavis Staples, die im europäischen Teil der Tour als Vorprogramm auftrat, in einem separaten Bus reisen.[21]
Im Sommer 1990 begann Prince mit den Aufnahmen für Gaines’ Album, das er ihr versprochen hatte. Es sollte den Titel Concrete Jungle tragen, und einige Songs nahm er in London auf.[22] Anfang Dezember 1990 wurde Gaines in Prince’ neue Begleitband The New Power Generation integriert.[23]
Mitte September 1991 gerieten Gaines und Prince in Streit: Sie hatte in Los Angeles mit Schallplattenfirmen über einen möglichen Vertrag verhandelt, obwohl sie zu diesem Zeitpunkt bei Prince’ Label Paisley Park Records unter Vertrag stand. Gaines war enttäuscht, da Prince nur wenig Arbeit in ihr Album Concrete Jungle investierte und sie nicht bei der Etablierung ihrer Solokarriere unterstützte. Prince hingegen war verärgert über Gaines’ Verhandlungen mit anderen Labels und bestand auf den bestehenden Vertrag. Beide einigten sich schließlich darauf, dass Gaines an der bevorstehenden Diamonds and Pearls Tour 1992 teilnimmt und anschließend The New Power Generation verlässt. Im Gegenzug stellte Prince die Arbeit an Concrete Jungle ein.[24]
Ab Oktober 1991 steigerte sich Gaines’ Bekanntheitsgrad deutlich. Zu dieser Zeit erschien das international erfolgreiche Prince-Album Diamonds and Pearls, auf dem sie als Sängerin bei mehreren Songs mitwirkte, darunter die Top-Ten-Singles Gett Off, Cream und der Titelsong Diamonds and Pearls. Rückblickend sagte Gaines zu den Aufnahmen: „Man musste sich daran gewöhnen, nur drei Stunden zu schlafen, neun Stunden zu proben und, wenn man Glück hatte, mittags etwas zu essen zu bekommen“.[25] Sie bezeichnete 1991 dennoch als ihre „schönste Zeit“ bei Prince, da die gesamte Band an dem Album beteiligt war.[19]
Unmittelbar nach Abschluss der Diamonds and Pearls Tour im Juli 1992 verließ Gaines The New Power Generation und kehrte in ihre Heimatstadt Pittsburg zurück. Sie fühlte sich in Prince’ Begleitband weiterhin unwohl und war der Ansicht, einige Bandmitglieder seien eifersüchtig auf ihre Zusammenarbeit mit ihm gewesen. Gaines habe Prince darauf hingewiesen, doch dieser habe dies unbeachtet gelassen.[8] Während der dreimonatigen Tournee verdiente sie etwa 2.200 US-Dollar pro Woche (damals circa 3.500 DM), von denen sie den Großteil nach Hause schickte. Am Ende der Tournee verfügte sie nach eigenen Angaben lediglich über 800 US-Dollar (etwa 1.286 DM).[26] Prince entließ sie zudem nicht aus dem Dreijahresvertrag, den sie bei ihm unterschrieben hatte, sodass sie zunächst keinen Vertrag bei Motown unterzeichnen konnte.[19] Erst 1996 arbeitete Gaines erneut mit Prince zusammen.[27]
Rückblickend beschrieb Gaines die Zusammenarbeit mit Prince als distanziert: „Wir haben nicht wirklich gesellschaftlichen Umgang miteinander gehabt.“[18] So habe sie ihn beispielsweise in ihr Haus eingeladen, damit er ihren damaligen Ehemann treffen könne, doch Prince sei nur einmal erschienen, habe sein Auto vor dem Haus geparkt und sie aus dem Wagen angerufen, damit sie sich in sein Auto setze und neue Songs anhöre. Ihr Haus habe er nie betreten. Gaines bezeichnete ihre Beziehung zu Prince als „Hassliebe“ und warf ihm vor, sie und The New Power Generation nicht ordnungsgemäß bezahlt zu haben.[28]
Gaines betonte jedoch auch die positiven Aspekte ihrer Zusammenarbeit mit Prince. Sie erklärte, dass er ihr Selbstbewusstsein gestärkt habe: Ursprünglich wollte sie nicht in seinen Musikvideos auftreten, weil sie sich aufgrund ihres Übergewichts unwohl fühlte. Heute schätze sie es, eine hervorragende Stimme zu besitzen, mehr als dünner zu sein.[18] Darüber hinaus habe Prince ihr die Möglichkeit gegeben, Dinge auszuprobieren, zu denen sie sonst nie gekommen wäre. Gaines bezeichnete ihn als „die vermutlich aufregendste und großartigste Erfahrung“, die sie in ihrem Leben gemacht habe.[29]
Die Zeit danach (1993–2023)

Im September 1993 wurde Prince’ Greatest-Hits-Kompilation The Hits/The B-Sides veröffentlicht. Darauf ist der Song Nothing Compares 2 U in einer Liveversion mit Prince und Gaines zu hören.
Als die Warner Bros. Records am 1. Februar 1994 die Zusammenarbeit mit Prince’ Label Paisley Park Records beendete, gründete Prince das neue Label NPG Records. Gaines’ Vertrag bei Paisley Park Records entfiel damit, und das Album Concrete Jungle konnte nicht veröffentlicht werden.[30][31] Ursprünglich war eine Veröffentlichung im März 1994 vorgesehen, als erste Single sollte My Tender Heart erscheinen.[32] Gaines nahm dennoch weitere Stücke für Concrete Jungle auf und benannte das Album später in Closer Than Close um. Die Songs, die nicht auf Closer Than Close platziert wurden, veröffentlichte sie 2005 auf ihrem Album Try Me.[33]
Nachdem ihr Dreijahresvertrag bei Prince abgelaufen war, unterzeichnete Gaines 1995 einen neuen Vertrag bei Motown. Am 13. Juni 1995 veröffentlichte sie bei dem Label das Album Closer Than Close, auf dem drei von Prince geschriebene Songs enthalten sind. Nach der Übernahme von Motown durch PolyGram wurden Mitarbeiter ausgetauscht, wodurch zuvor mit Motown vereinbarte Vertragsinhalte an Bedeutung verloren. Das schottische Label Big Bang erwarb einige Songs des Albums und veröffentlichte Remixe, die den Musikgenres Elektronische Tanzmusik, Eurodance und House zuzuordnen sind. Im selben Jahr erschien der Soundtrack des Walt-Disney-Films Goofy – Der Film, auf dem Gaines gemeinsam mit Tevin Campbell den Song I 2 I singt.[34]
1996 erschienen die beiden Prince-Alben Chaos and Disorder (Juli) und Emancipation (November), auf denen Gaines bei mehreren Songs als Gastsängerin mitwirkte. Sie erinnerte sich: „Wir hatten ein Jahr lang nicht miteinander gesprochen, als Prince anrief und sagte: ‚Das ist doch dumm. Wir lieben einander.‘“ Ihrer Aussage zufolge verlief die Zusammenarbeit an den beiden Alben „wesentlich ruhiger“ als 1992, da Prince mittlerweile alle Musiker der damaligen Besetzung ausgetauscht hatte. Für ihren Beitrag auf dem Song Jam of the Year (Emancipation) erhielt Gaines jedoch kein Honorar.[35][36]
1997 erschien Gaines’ Album Arrival, das zunächst ausschließlich über ihre damalige Homepage erhältlich war und auf 2.000 CDs limitiert war.[37] Am 10. November 1997 erhielt sie den britischen Musikpreis MOBO für die Single Closer Than Close in der Kategorie „Best International Single“.[38] Die Single verkaufte sich im Vereinigten Königreich über 400.000 Mal und ist weltweit auf mehr als 200 Kompilationen vertreten.[39][40] 2014 erklärte Grace Chatto von der Band Clean Bandit, dass ihr Hit Rather Be (2014) von Closer Than Close inspiriert worden sei. Clean Bandit habe gezielt Musik der 1990er Jahre gehört und einen Song in ähnlichem Tempo und Stil komponieren wollen.[41]
Von 1998 bis 2002 legte Gaines eine künstlerische Pause ein und widmete sich ihrer Familie.[39] In dieser Zeit trat sie nur selten in der Öffentlichkeit auf. Am 4. Januar 1998 gastierte sie jedoch auf Prince’ Jam of the Year Tour in Kansas City in der Kemper Arena.[42] Außerdem wirkte sie auf der von Gary Barlow im März 1998 veröffentlichten Single Hang On in There Baby mit. Im Februar 1999 erschien die Prince-EP 1999–The New Master, auf der sie ebenfalls als Gastsängerin zu hören ist.[43] Nach eigenen Angaben wurde sie von Prince erneut nicht bezahlt.[44] Am 18. Dezember 1999 wirkte Gaines bei einem Prince-Konzert in Chanhassen im Paisley Park Studio an vier Songs mit; das Konzert wurde im Juni 2000 unter dem Titel Rave Un2 the Year 2000 auf DVD veröffentlicht.[45] Am 29. April 2001 trat sie letztmals bei einem Prince-Konzert auf, bei dessen Aftershow im Fillmore Auditorium in San Francisco in Kalifornien.[46]
Erst 2002 kehrte Gaines wieder ins Musikstudio zurück und nahm mit Mousse T. den von ihm komponierten und produzierten Song 1 Touch auf, der im Juni auf dessen Album Gourmet de Funk veröffentlicht wurde. Zudem überarbeitete Gaines gemeinsam mit Bootsy Collins und Snoop Dogg den Song Don’t Let ’Em, der in der Originalversion auf ihrem Album Arrival (1997) zu finden war. Die neue Version veröffentlichte Collins im November 2002 auf seinem Album Play with Bootsy – A Tribute to the Funk. Gaines unterzeichnete außerdem einen neuen Vertrag beim britischen Independent-Label Dome Records. Dort erschien 2004 ihr fünftes Studioalbum You Gave Me Freedom. Ähnlich wie das Label Big Bang im Jahr 1995 überarbeitete auch Dome Records einige ältere Songs von Gaines und veröffentlichte diese als Remix-Versionen in den Genres Elektronische Tanzmusik, Eurodance und House.[39]
Im Jahr 2006 gründete Gaines ihr eigenes Musiklabel Dreadlix Records, das bis heute (2026) besteht. In einem damaligen Interview erklärte sie, in den Jahren zuvor keinen Kontakt mehr zu Prince gehabt zu haben. Am 15. Juli 2007 trat sie beim North Sea Jazz Festival in Rotterdam auf und spielte unter anderem gemeinsam mit Candy Dulfer.[47]
Ende 2009 veröffentlichte Gaines schließlich das Album Concrete Jungle, das ursprünglich 1994 erscheinen sollte. Das Album enthält alternative Versionen von I Want U (Purple Version) und My Tender Heart sowie eine leicht abgeänderte Version des Songs In the Socket, den Prince komponierte und der bereits am 15. Mai 2001 über seine damalige Homepage NPGMusicClub.com veröffentlicht worden war.[48]
Ihren letzten öffentlichen Auftritt hatte Rosie Gaines im Jahr 2011 in London.[3] In den folgenden Jahren zog sie sich aus der Musikbranche zurück. Erst am 26. Oktober 2023 trat Gaines wieder in der Öffentlichkeit auf, im Rahmen eines Podcasts anlässlich der Veröffentlichung der Diamonds and Pearls Super Deluxe Edition, einer Neuauflage des Albums Diamonds and Pearls (1991), auf dem sie bei einigen Songs mitwirkt, die bereits 1990 und 1991 aufgenommen worden waren. Im Podcast bestätigte sie noch einmal, dass die Albumaufnahmen zu Diamonds and Pearls in den Jahren 1990 und 1991 ihre „schönste Zeit mit Prince“ gewesen seien. Sie „vermisse ihn sehr“ und „schätze ihn sehr“, weil er sie „immer wieder angetrieben“ habe, wodurch sie gesanglich „das höchste Niveau“ erreicht habe, „das ich erreichen kann“, so Gaines.[15]
Diskografie
Studioalben
| Jahr | Titel Musiklabel |
Anmerkungen |
|---|---|---|
| 1985 | Caring Epic Records |
Erstveröffentlichung: 8. Oktober 1985 30. März 1999: Bonus-Tracks Crazy und In a Jam |
| 1995 | Closer Than Close Motown |
Erstveröffentlichung: 13. Juni 1995 |
| 1997 | Arrival Dredlix Records |
Erstveröffentlichung: 11. Februar 1997 Anfangs nur übers Internet käuflich zu erwerben |
| 2000 | No Sweeter Love Expansion Records |
Erstveröffentlichung: 21. September 2000 Das Album entstand bereits im Jahr 1987 |
| 2004 | You Gave Me Freedom Dome Records |
Erstveröffentlichung: 23. Februar 2004 |
| 2005 | Try Me Dredlix Records |
Erstveröffentlichung: 6. Februar 2005 Das Album entstand bereits im Jahr 1994 Nur als Download erhältlich |
| 2006 | Welcome to My World SuSu Records |
Erstveröffentlichung: 30. Oktober 2006 |
| 2009 | Concrete Jungle Dredlix Records |
Erstveröffentlichung: 19. Dezember 2009 Zusammenstellung aus Songs der Alben Closer Than Close und Try Me Nur als Download erhältlich |
| 2013 | Soul Survivor Dredlix Records |
Erstveröffentlichung: 16. Februar 2013 Nur als Download erhältlich |
Kompilationen
| Jahr | Titel Musiklabel |
Anmerkungen |
|---|---|---|
| 2015 | Essential Rosie Dredlix Records |
Erstveröffentlichung: 23. Januar 2015 |
| Dance With Me Dredlix Records |
Erstveröffentlichung: 23. Januar 2015 Nur als Download erhältlich |
EPs
| Jahr | Titel Musiklabel |
Anmerkungen |
|---|---|---|
| 1991 | Be Strong / I Only Wanna Be in your Arms / Heart Like Stone About Time Records |
|
| 1995 | I Want U – The Mixes Dredlix Records |
|
| I Want U – The Mixes Vol. 2 Dredlix Records |
||
| Are You Ready – The Mixes Dredlix Records |
||
| Are You Ready – The Mixes Vol. 2 Dredlix Records |
||
| 1997 | Closer Than Close – The Mixes Dredlix Records |
|
| Closer Than Close – The Mixes Vol. 2 Dredlix Records |
||
| I Surrender – The Mixes Dredlix Records |
||
| 2005 | Dance With Me – The Mixes Dredlix Records |
Erstveröffentlichung: 25. Juli 2005 |
| 2006 | Closer Than Close – The Mixes Vol. 3 Dredlix Records |
|
| 2010 | Closer Than Close 2010 Nod Factor Records |
Erstveröffentlichung: 22. November 2010 |
Singles als Leadmusikerin
| Jahr | Titel Album |
Höchstplatzierung, Gesamtwochen, AuszeichnungChartplatzierungenChartplatzierungen[49] (Jahr, Titel, Album, Platzierungen, Wochen, Auszeichnungen, Anmerkungen) |
Anmerkungen | |||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 1985 | Skool-ology (Ain’t No Strain) Caring |
— | — | — | — | — | R&B72 (6 Wo.)R&B |
Erstveröffentlichung: September 1985 |
| 1987 | Crazy No Sweeter Love |
— | — | — | — | — | — |
Die Single wurde aus unbekannten Gründen zurückgezogen |
| 1990 | Clean Up Woman non-Album-Track |
— | — | — | — | — | — |
Originalversion singt Betty Wright, veröffentlicht im Jahr 1971 |
| Hard Work non-Album-Track |
— | — | — | — | — | — | ||
| 1993 | After the Rain (feat. Kevin ‘The Loveman’ Nash) non-Album-Track |
— | — | — | — | — | — |
Erstveröffentlichung: 1. November 1993 |
| 1995 | I Want U Closer Than Close |
— | — | — | UK70 (2 Wo.)UK |
— | R&B90 (5 Wo.)R&B |
Erstveröffentlichung: 9. Mai 1995 |
| Are You Ready Closer Than Close |
— | — | — | — | — | — |
Erstveröffentlichung: 22. August 1995 | |
| 1997 | Closer Than Close Closer Than Close |
— | — | — | UK4 (12 Wo.)UK |
— | — |
Erstveröffentlichung: 19. Mai 1997 |
| I Surrender non-Album-Track |
— | — | — | UK39 (2 Wo.)UK |
— | — |
Erstveröffentlichung: 10. November 1997 | |
| 1998 | Be Strong No Sweeter Love |
— | — | — | — | — | — |
Erstveröffentlichung: 13. März 1998 |
| Honesty non-Album-Track |
— | — | — | — | — | — |
Erstveröffentlichung: 7. September 1998 | |
| 2003 | I Can’t Get You Off My Mind You Gave Me Freedom |
— | — | — | — | — | — |
Erstveröffentlichung: 16. November 2003 |
| 2004 | Run to My Heart You Gave Me Freedom |
— | — | — | — | — | — |
Erstveröffentlichung: 9. April 2004 |
Singles als Gastmusikerin
| Jahr | Titel Album |
Höchstplatzierung, Gesamtwochen, AuszeichnungChartsChartplatzierungen (Jahr, Titel, Album, Platzierungen, Wochen, Auszeichnungen, Anmerkungen) |
Anmerkungen |
|---|---|---|---|
| 1992 | I Don’t Want Nobody to Give Me Nothing Whatever Happened to the Blues |
— |
Erstveröffentlichung: 1992 Phil Upchurch feat. Rosie Gaines |
| 1998 | Hang On in There Baby Open Road |
DE69 (9 Wo.)DE |
Erstveröffentlichung: März 1998 Gary Barlow feat. Rosie Gaines |
| 2005 | Release the Pressure – The Mixes – |
— |
Erstveröffentlichung: 4. Oktober 2005 RED feat. Rosie Gaines |
| 2007 | Rock My Body – |
— |
Erstveröffentlichung: 23. Juli 2007 Funk Marauders feat. Rosie Gaines |
| 2010 | Never Quite the Same Miami Sampler |
— |
Erstveröffentlichung: 12. April 2010 Hippie Torrales feat. Rosie Gaines |
Gastsängerin auf Prince-Alben
- 1990: Graffiti Bridge
- 1991: Diamonds and Pearls
- 1993: The Hits/The B-Sides
- 1996: Chaos and Disorder
- 1996: Emancipation
- 2001: The Very Best of Prince
- 2006: Ultimate
- 2016: 4Ever
- 2018: Anthology: 1995–2010
- 2023: Diamonds and Pearls Super Deluxe Edition
Literatur
- Alex Hahn: Besessen – Das turbulente Leben von Prince. Hannibal Verlag, Höfen 2016, ISBN 978-3-85445-610-0, OCLC 949783967.
- Jason Draper: Chaos, Disorder, And Revolution. Backbeat Books, New York 2011, ISBN 978-0-87930-961-9, OCLC 778051220.
- Liz Jones: Slave to the Rhythm – The Artist Formerly Known As Prince. Warner Books, Little Brown and Company 1997, ISBN 0-7515-2393-3, OCLC 846586336.
- Matt Thorne: Prince. Faber and Faber, London 2012, ISBN 978-0-571-27349-2, OCLC 871310362.
- Ronin Ro: Prince – Inside the Music and the Masks. St. Martin’s Press, New York 2011, ISBN 978-0-312-38300-8, OCLC 767700446.
- Uptown: The Vault – The Definitive Guide to the Musical World of Prince. Nilsen Publishing, Linköping 2004, ISBN 91-631-5482-X, OCLC 186521364.
Weblinks
- Rosie Gaines bei AllMusic (englisch)
- Rosie Gaines bei Discogs
- Rosie Gaines bei IMDb
- Rosie Gaines bei MusicBrainz (englisch)