Verwaltungsgliederung Malis

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Der westafrikanische Staat Mali gliedert in fünf Ebenen. Auf der höchsten Ebene in 19 Regionen (régions) und einen Hauptstadtdistrikt. Die Regionen teilen sich in insgesamt 159 Kreise (cercles). Diese wiederum sind in 466 Bezirke (arrondissements) unterteilt. Unterste Verwaltungsebene bilden die 819 Gemeinden (communes) und 12.712 VFQ (village, fractions, quartiers – Dörfer, Ortsteile, Stadtviertel).[1]

Mali (ab 2023) besteht aus 19 städtischen Kommunen und dem Distrikt Bamako: Kayes, Nioro, Kita, Koulikoro, Nara, Bougouni, Dioila, Nara, Ségou, Sikasso, Koutiala, San, Mopti, Bandiagara, Douentza, Tombouctou, Gao, Ménaka, Kidal und Taoudénit.

Eine Ausnahme bildet der Hauptstadtdistrikt. Er umfasst die Stadt Bamako und hat eine Unterteilung in 7 Bezirke.[2]

Im Gegensatz zu Gemeinden und Kreisen verfügen Bezirke weder über Verwaltungsbefugnisse noch über gewählte Amtsträger: Sie sind lediglich territoriale Einheiten oder dienen der Aufteilung von Verwaltungsaufgaben. Oft sind die Grenzen der Gemeinden und Bezirke deckungsgleich.

Geschichtliche Entwicklung

Mali, administrative divisions, 1964
Mali, administrative divisions, 1964

Kurz vor der Unabhängigkeit wurden 1960 mit dem Gesetz 3/AL-RS vom 7. Juni 1960 die Regionen Bamako, Kayes, Sikasso, Mopti, Ségou und Gao eingerichtet.[3] Damit wurde die koloniale Verwaltungsstruktur beendet und das Staatsgebiet offiziell in Regionen, Kreise (Cercles) und Bezirke (Arrondissements) aufgeteilt. Dabei wurde den sozio-ökonomischen Gegebenheiten der unterschiedlichen Kulturen Rechnung getragen und für die nomadischen Klans entsprechend Nomanden-Bezirke eingerichtet (arrondissements nomade).[4][5]

Der Wunsch nach Unabhängigkeit und Beilegung von Konflikten waren ein Motor zur Schaffung von neuen Verwaltungsregionen. Nach den Tuareg-Aufständen Mitte der 90er Jahre sahen Geberländer und Entwicklungshilfe-Organisation in der Dezentralisierung ein Mittel für Demokratisierung und Entwicklung. In vielen Regionen des Landes waren in Abwesenheit des Staates Funktionen, wie Gerichtsbarkeit und Sicherheit, von außerstaatlichen Akteuren übernommen worden. Perspektivisch wurde die Dezentralisierung daher als Möglichkeit gesehen, Verwaltung bürgernah zu gestalten und Legitimierung zurückzugewinnen.[6][7]

Mali, Regionen Aufteilung zwischen 1999 und 2012
Mali, Regionen Aufteilung zwischen 1999 und 2012

Am 29. Juli 1999 wurde durch die malische Nationalversammlung eine Aufteilung auf 8 Regionen und die Hauptstadt Bamako festgelegt.[8] Eine weitergehende Unterteilung der Regionen, Kreise, Bezirke und Gemeinden war bereits am 31. Januar 2012 beschlossen.[9] Doch gerade in den weiten Rückzugsräumen Nordmalis kam es durch aus Algerien verdrängte Terroristen und nach dem Sturz von Gaddafi zurückkehrende Kämpfer zu Konflikten und damit auch zur Verzörgungen in der weiteren Umsetzung.[10]

Mali, Regionen Aufteilung ab 2016 bis 2023

Die 2012 beschlossene Verwaltungsreform mit dem Ziel einer stärkeren Dezentralisierung wurde schließlich Bestandteil des Friedensabkommens von Algier, das im Juni 2015 vereinbart wurde.[7][11] Die UN-Mission MINUSMA etablierte am 19. Januar 2016 die beiden nordöstlichen Regionen Ménaka (zuvor ein Kreis der Region Gao) und Taoudenit (zuvor ein Bezirk der Region Timbuktu).[12][13] Verwaltungschefs und Transitions-Gremien wurden für beide Regionen ernannt.[14]

Internationale Akteure, die als Vermittler beteiligt waren, unterstützten in den Folgejahren den Dezentralisierungsprozess um die administrative Abdeckung zu stärken und das öffentliche Handeln bürgernäher zu gestalten.[15][16] „Weil das deutsche föderale System als beispielhaft gilt, berät die Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ, heute GIZ) malische Gemeinden auf dem Weg in die Dezentralisierung. Das Ziel: die Demokratie von unten aufzubauen.“ Dabei wird auf traditionelle Konzepte zurückgegriffen, bei denen auf Dorfebene Lokalkonventionen ausgehandelt werden.[17]

Aufgrund der instabilen Sicherheitslage konnte die neue Gebietsreform erst im Jahr 2023 abgeschlossen werden. Die Einteilung der Regionen für die letzte Reform wurde am 13. März 2023 konkretisiert und beschlossen.[18] Aufgrund der politischen Entwicklungen setzt der Staat in der Reform erneut auf mehr staatliche Kontrolle und Präsenz in den Regionen: Insbesondere den Kreisen wurde der Status als Gebietskörperschaft aberkannt und damit die Selbstverwaltung aufgehoben. Die Kreisräte wurden abgeschafft und die Kreise werden ab 2023 nur von einem staatlich eingesetzten Präfekten verwaltet. Die Distrikte in der Region Bamako behalten ihren Status als Gebietskörperschaft.[19] Damit wird die dreistufige Selbstverwaltung (Region – Kreis – Kommune) auf eine zweistufige (Region – Kommune bzw. Region – Distrikt in Bamako) reduziert. Gleichzeitig erfährt die staatliche Administration mit der Änderung einer dreistufigen Verwaltung (Region – Kreis – Kommune) in eine vierstufige (Region – Kreis – Bezirk – Kommune) regional mehr Präsenz. In der Vorbereitung zur endgültigen Umsetzung gab es 2023 zwar noch Widerspruch,[20] letztlich konnte sie jedoch am 23. September 2024 in Kraft gesetzt werden[21].

Regionen, Kreise und Gemeinden

Im Vergleich zu 1960 werden heute die Bezirke zur Unterteilung der Kreise eingesetzt. In der Hierarchie liegen die Gemeinden heute unterhalb der Bezirke (1960 umgekehrt)[4].[22][23][24][25]

Weitere Informationen Code, Region ...
Code Region Code Kreis Kreis Gemeinden / Untereinheiten
00 Bamako (Hauptstadtdistrikt) 01 Premier Arrondissement
02 Deuxième Arrondissement
03 Troisième Arrondissement
04 Quatrième Arrondissement
05 Cinquième Arrondissement
06 Sixième Arrondissement
07 Septième Arrondissement
01 Kayes 0101 Kayes
0102 Bafoulabé
0103 Yélimané
0104 Kéniéba
0105 Ambidédi
0106 Aourou
0107 Diamou
0108 Oussoubidiagna
0109 Ségala
0110 Sadiola
02 Koulikoro 0201 Koulikoro
0202 Banamba
0203 Kangaba
0204 Kati
0205 Kolokani
0206 Nyamina Nyamina
0207 Siby Siby
0208 Néguéla
03 Sikasso 0301 Sikasso
0302 Kadiolo
0303 Danderesso
0304 Kignan
0305 Klela
0306 Lobougoula
0307 Loulouni
0308 Niena
04 Ségou 0401 Ségou
0402 Bla
0403 Barouéli
0404 Niono
0405 Macina
0406 Dioro
0407 Farako
0408 Nampala
0409 Sokolo
0410 Markala
0411 Sarro
05 Mopti 0501 Mopti
0502 Djenné
0503 Ténenkou
0504 Youwarou
0505 Konna
0506 Korientzé
0507 Sofara
0508 Toguéré-Coumbé
06 Timbuktu 0601 Timbuktu
0602 Goundam
0603 Diré
0604 Niafunké Soumpi, Niafunké
0605 Gourma-Rharous Rharous
0606 Bintagoungou
0607 Saraféré
0608 Bambara-Maoudé
0609 Léré Léré
0610 Gossi Gossi
0611 Tonka Tonka
0612 Ber Ber
0613 Gargando
07 Gao 0701 Gao Gao, Anchawadi, Gabero, Gounzoureye, N'Tillit, Soni Aliber, Tilemsi
0702 Bourem Bourem, Taboye, Tarkint, Temera
0703 Ansongo Ansongo, Bara, Bourra, Tin-Hama
0704 Almoustrat
0705 Bamba Bamba
0706 Ouattagouna Ouattagouna
0707 Soni Aliber
0708 Djebock
0709 Talataye Talataye
0710 Téssit Téssit
0711 N'tillit
0712 Gabéro
0713 Ersane
0714 Tabankort Tabankort
0715 Tin-Aouker
0716 Kassambéré
08 Kidal 0801 Kidal Kidal, Essouk
0802 Abeïbara Abeïbara, Boghassa, Tinzawatene
0803 Tin-Essako Tin-Essako, Intadjedite
0804 Tessalit Tessalit, Timtaghene
0805 Achibogho
0806 Anéfif Anéfif
0807 Timétrine
0808 Aguel-Hoc Adjelhoc
0809 Takalote
ab 19. Januar 2016
09 Taoudenni 0901 Taoudenni
0902 Araouane
0903 Foum-Elba
0904 Boû-Djebeha
0905 Al-Ourche
0906 Achouratt
10 Region Ménaka 1001 Ménaka Ménaka
1002 Tidermène Alata
1003 Inékar Inékar
1004 Andéramboukane Andéramboukane
1005 Anouzagrène Anouzagrène
1006 Inlamawane (Fanfi) Inlamawane (Fanfi)
ab 23. September 2024
11 Nioro 1101 Nioro
1102 Diéma
1103 Diangounte Camara
1104 Sandare Sandaré
1105 Troungoumbe
1106 Bema Bema
12 Kita 1201 Kita
1202 Sagabari
1203 Sébékoro
1204 Toukoto
1205 Séféto
1206 Sirakoro
13 Dioïla 1301 Dioïla
1302 Banco
1303 Béléko
1304 Fana
1305 Massigui
1306 Ména
14 Nara 1401 Nara
1402 Ballé
1403 Dilly
1404 Mourdiah
1405 Guiré
1406 Fallou Fallou
15 Bougouni 1501 Bougouni
1502 Yanfolila
1503 Kolondiéba Kolondiéba
1504 Garalo
1505 Koumantou
1506 Sélingué
1507 Ouelessebougou
1508 Kadiana
1509 Fakola
1510 Dogo Dogo
16 Koutiala 1601 Koutiala
1602 Yorosso
1603 M’Péssoba
1604 Molobala
1605 Koury
1606 Konséguéla
1607 Kouniana
1608 Zangasso
17 San 1701 San
1702 Tominian
1703 Kimparana
1704 Yangasso
1705 Fangasso
1706 Mandiakuy
1707 Sy
18 Douentza 1801 Douentza
1802 Boré
1803 Hombori
1804 Ngouna
1805 Mondoro
1806 Boni
19 Bandiagara 1901 Bandiagara
1902 Koro
1903 Bankass
1904 Kendie
1905 Ningari
1906 Diallassagou
1907 Sangha
1908 Kani
1909 Sokoura
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VFQ

Das Dorf, der Ortsteil und das Stadtviertel bilden die grundlegenden Verwaltungseinheiten in der Republik Mali. Mit der Bezeichnung VFQ als Villages, Fractions, Quartiers für die unterste Verwaltungsgliederung wird den sozioökonomischen Unterschieden der Gesellschaft Rechnung getragen. Im Gesetz 06-023 ist die Definition für die Bezeichnungen festgehalten:[26]

  • Villages: Das Dorf repräsentiert die permanenten Siedlungen im ländlichen Raum. Es umfasst damit die ländliche Bevölkerung.
  • Fractions: Der Ortsteil repräsentiert die semi-permanenten Camps der nicht sesshaften Nomadenfamilien. Ein Ortsteil beherbergt nomadische Bevölkerungsgruppen.
  • Quartiers: Das Stadtviertel besteht aus Häusern und Wohnungen auf städtischem Gebiet. Es umfasst damit die urbane Bevölkerung.

Das Gesetz von 2006 regelte die Wahl der jeweiligen Verwaltungsvorsteher ebenfalls bemerkenswert mit „Die Ernennung des Dorf-, Ortsteil- oder Stadtviertelvorstehers erfolgt gemäß den in jeder Ortschaft anerkannten Bräuchen und Traditionen.“ Auf diese Art werden die kulturellen Unterschiede zwischen nomadischer und sesshafter Bevölkerung in der Staatsgliederung respektiert und berücksichtigt. Seit Mai 2025 sind jedoch alle politischen Aktivitäten durch die Militärjunta ausgesetzt.

Siehe auch

Einzelnachweise

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