Agrippina (Händel)

Oper von Georg Friedrich Händel From Wikipedia, the free encyclopedia

Agrippina (HWV 6) ist eine Oper (Dramma per musica) in drei Akten von Georg Friedrich Händel, die in der Karnevalssaison 1709–1710 im Teatro San Giovanni Grisostomo (heute: Teatro Malibran) in Venedig aufgeführt wurde. Sie ist heutzutage eine von Händels bekannteren Opern[1] (Stand 2026).

Schnelle Fakten Werkdaten, Personen ...
Werkdaten
Originaltitel: Agrippina

Titelseite des Librettos von 1709

Form: Opera seria
Originalsprache: Italienisch
Musik: Georg Friedrich Händel
Libretto: Vincenzo Grimani zugeschrieben
Uraufführung: 26. Dezember 1709 (?) oder früher
Ort der Uraufführung: Venedig, Teatro San Giovanni Grisostomo
Spieldauer: ca. 3 Stunden
Ort und Zeit der Handlung: Rom zur Zeit des Kaisers Claudius, vor 54 n. Chr.
Personen
  • Agrippina (Sopran), Gemahlin des Kaisers Claudio
  • Claudio (Bass), Kaiser von Rom
  • Poppea (Sopran), edle Römerin, später Nerones Frau
  • Ottone (Alt), Feldherr des Kaisers
  • Nerone (Sopran), Sohn der Agrippina aus erster Ehe
  • Pallante (Bass), Höfling
  • Narciso (Alt), Höfling
  • Lesbo (Bass), Diener des Kaisers
  • Giunone (Alt)
  • Hofstaat und Gefolge des Kaisers, Offiziere, Soldaten, Sklaven, Dienerschaft, Volk
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Entstehung

Über die Umstände der Entstehung und selbst der Aufführungen von Händels Agrippina gibt es einige offene Fragen.

Händels Autograph ist undatiert.[2] Auch sein erster Biograph John Mainwaring – der selber kein Augenzeuge war, sondern erst fünfzig Jahre später, entweder auf der Grundlage von Berichten durch Händel selber oder durch dessen Vertrauten John Christopher Smith d. J., über die Umstände berichtete – gibt kein genaues Datum an, behauptete allerdings, Händel sei nach knapp einem Jahr in Florenz – wo er seine Italienreise begann – nach Venedig gereist und habe dort nach einer Begegnung mit Domenico Scarlatti im Karneval den Auftrag für die Oper ganz kurzfristig und geradezu gegen seinen Willen angenommen und das Werk innerhalb von nur drei Wochen vor der Uraufführung komponiert.[3] Mainwarings Bericht steht nicht nur chronologisch in einem Widerspruch zu dem erhaltenen Libretto, das mit 1709 datiert ist, sondern wirft auch über die Mitwirkung der seinerzeit berühmten Sängerin Vittoria Tarquini Fragen auf. Diese soll bereits in Florenz in Rodrigo gesungen haben, wird aber im (erhaltenen) Libretto zu Agrippina nicht erwähnt; sie soll außerdem in Händel verliebt gewesen sein (und vielleicht sogar eine Beziehung mit ihm gehabt haben).[4][5][6][7][8][9]

Ein weiteres ungelöstes „Problem“ ist die in einem großen Teil der Literatur akzeptierte bzw. kolportierte Zuschreibung des Librettos an Kardinal Vincenzo Grimani, die keineswegs gesichert ist, sondern auf dunklen Andeutungen in Bonlinis erst 1730 in Venedig erschienenen Le glorie della poesia, e della musica[10] sowie auf Angaben einer 1755 publizierten erweiterten Ausgabe von Leone Allaccis Drammaturgia (Erstausgabe: 1667) beruht.[11] In diesem Kontext wurde immer wieder darauf hingewiesen, dass Händel den Kardinal Grimani 1707–1708 in Rom oder im Frühsommer 1708 in Neapel kennengelernt haben könnte, und dabei auch den Auftrag für die Komposition der Agrippina und vielleicht sogar das Libretto erhalten haben mag.[12] Grimani war neben einer politischen Karriere als habsburgisch-kaiserlicher Botschafter beim Heiligen Stuhl und ab 1708 als Vizekönig von Neapel ein kultivierter und besonders an Musik und Oper interessierter Mensch und seine Familie besaß das prächtigste Opernhaus von Venedig, das Teatro San Giovanni Grisostomo – also den Aufführungsort der Agrippina.[13]

Frühere Händelspezialisten, wie Chrysander, Lang, Strohm und Baselt vermuteten, dass Händel die Oper um 1707–1708 komponierte[14] (wobei Chrysander davon ausging, dass sie „Anfangs 1708“ auch uraufgeführt wurde und dass die Aufführungen 1709–1710 nur Wiederaufnahmen waren).[15] Nach Baselt könnte Händel in den Wochen vor der Premiere Ende 1709 in Venedig die Partitur nochmal überarbeitet haben, als Anpassung an die konkreten Verhältnisse vorort (Sänger usw.); dies würde erklären, dass im Autograph Teile der Musik nachträglich geändert oder gestrichen wurden.[16]

Letzteres steht allerdings in einem gewissen Widerspruch zu Mainwarings Bericht. Darüber hinaus ist mittlerweile bekannt, dass das Autograph auf venezianischem Papier geschrieben wurde. Das wiederum könnte einerseits bedeuten, dass die Oper tatsächlich Ende 1709 innerhalb weniger Wochen entstand – was ein für Händel keineswegs ungewöhnlicher zeitlicher Ablauf wäre, ganz besonders, da in der Partitur zahlreiche Selbstentlehnungen enthalten sind.[17]

Andererseits lautet eine neuere von Ursula Kirkendale auf der Basis von Dokumenten im Archivio Segreto Vaticano aufgebrachte Hypothese, dass Agrippina bereits früher als oft angenommen (eventuell Ende 1706 ?) in Venedig entstand und auch uraufgeführt wurde – und zwar (übereinstimmend mit Mainwaring) mit Vittoria Tarquini in der Titelrolle – und dass die durch erhaltene Libretti dokumentierten Aufführungen von 1709–1710 in Wirklichkeit eine spätere Wiederaufnahme einer revidierten Fassung der Oper gewesen sein könnten[18] (übereinstimmend mit Chrysander).[19] Auch dies liefert eine plausible Erklärung für die Änderungen im Autographen, würde allerdings bedeuten, dass die erwähnten Selbstentlehnungen gar nicht alle von früheren Werken in die Partitur der Agrippina übertragen wurden, sondern zumindest teilweise umgekehrt[20] (auch das vermutete schon Chrysander).[19]

Wie auch immer dem sei, das erhaltene gedruckte Libretto (in mehreren erhaltenen Exemplaren) ist nur pauschal mit 1709 datiert,[21][22] jedoch ist durch eine zeitgenössische handschriftliche Quelle der 26. Dezember 1709 als Tag der Premiere überliefert,[23][24] die im Teatro San Giovanni Grisostomo in Venedig stattfand, mit der folgenden Besetzung:[25]

Die Besetzungsliste im Original-Libretto

Laut John Mainwaring machte die Oper geradezu Sensation und erlebte während der Karnevalssaison 27 Aufführungen:

“The audience was so enchanted with this performance, that a stranger who should have seen the manner in which they were affected, would have imagined they had all been distracted. The theatre, at almost every pause, resounded with shouts and acclamations of ‘viva il caro Sassone!’ and other expressions of approbation too extravagant to be mentioned. They were thunderstruck with the grandeur and sublimity of his stile: for never had they known till then all the powers of harmony and modulation so closely arrayed, and so sorcibly combined.”

„Die Zuhörer bey der händelschen Vorstellung wurden dermaassen bezaubert, daß ein Fremder aus der Art, mit welcher die Leute gerühret waren, sie alle miteinander für wahnwitzig gehalten haben würde. So oft eine kleine Pause vorfiel, schryen die Zuschauer: Viua il caro Sassone, es lebe der liebe Sachse! nebst anderen Ausdrückungen ihres Beyfalls, die so ausschweiffend waren, daß ich ihrer nicht gedenken mag. Jedermann war, durch die Grösse und Hoheit seines Stils, gleichsam vom Donner gerührt: denn man hatte nimmer vorher alle Kräfte der Harmonie und Melodie in ihrer Anordnung, so nahe und so gewaltig miteinander verbunden gehöret. (Übersetzung von Johann Mattheson, 1761)“

John Mainwaring: Memoirs of the Life of the Late George Frederic Handel. London 1760.[28][29]

Aufführungsgeschichte

18. Jahrhundert

Agrippina wurde zwar in Venedig nach 1710 nicht mehr gespielt, erlebte jedoch mehrere Inszenierungen an anderen Orten. In Neapel wurde das Werk am 15. Februar 1713 im Teatro San Bartolomeo mit musikalischen Ergänzungen von Francesco Mancini und möglicherweise unter dessen Leitung gespielt. Auch in Hamburg im Theater am Gänsemarkt gab es zwischen 1718 und 1722 eine Produktion, die an fast dreißig Abenden unter Leitung von Matthias Christoph Wideburg lief. Anlass für die erste Aufführung dieser Serie war die Wiedereröffnung des Hamburger Opernhauses durch den neuen Theatermanager, den mecklenburgischen Hofrat Johann Georg Gumprecht. Schließlich war der Kaiserliche Ballsaal am Tummelplatz in Wien Schauplatz einer Aufführung eines Pasticcios im Jahre 1719, in dem neben der Musik von Händel auch Gesänge von Andrea Stefano Fiorè und Antonio Caldara eingebaut wurden.[30]

Seit dem 20. Jahrhundert

Nach einer Pause von über 200 Jahren wurde die Oper zuerst am 21. Februar 1943[31] in Händels Geburtsstadt Halle im Rahmen des 12. Hallischen Händelfestes (alte Zählung) im dortigen Stadttheater unter der Leitung von Richard Kraus auf die Bühne gebracht.

Die erste Aufführung des Stückes in historischer Aufführungspraxis sah man in Göttingen am 14. Juni 1991 mit der Capella Savaria unter der Leitung von Nicholas McGegan. Die Oper wird mittlerweile relativ regelmäßig aufgeführt und gehört heute zu Händels bekannteren Opern (Stand 2026).

Libretto

Gilt als Autor des Librettos: Kardinal Vincenzo Grimani

Das Leben des römischen Kaisers Nero, seiner Mutter Agrippina und seiner Geliebten und späteren Frau Poppaea war ein beliebtes Sujet der barocken Oper, bot es doch reichlich Stoff für mehr oder weniger reißerische, witzige, frivole und/oder moralisierende Intrigen-Handlungen. Händel war mit diesem Themenkomplex schon seit seiner Hamburger Jugendzeit durch zwei Opern von Reinhard Keiser vertraut: Die verdammte Staats-Sucht oder Der verführte Claudius (1703) und Die römische Unruhe oder Die edelmütige Octavia (1705). Darüber hinaus hatte Händel schon mit neunzehn Jahren seine eigene zweite Oper über Die durch Blut und Mord erlangte Liebe, oder: Nero (1705) komponiert, die jedoch nur wenige Aufführungen erlebte und deren Musik verschollen ist.

Die venezianische Oper konnte auf eine noch längere und ehrwürdigere Tradition von Nero-Opern zurückblicken, angefangen mit Monteverdis heute weltberühmter L’Incoronazione di Poppea (Venedig 1643; Text: Giovanni Francesco Busenello) bis zu Giacomo Antonio Pertis Nerone fatto Cesare (Venedig 1693; Text: Matteo Noris).[32]

Händels Agrippina hat jedoch eine ganz andere Handlung als die meisten dieser Opern und es konnte auch bisher kein direktes Vorgängerlibretto für das Textbuch identifiziert werden. Somit handelt es sich (wahrscheinlich) um eines der wenigen Libretti, die direkt für ihn geschrieben oder zumindest vorher noch nicht von einem anderen Komponisten vertont worden waren. Das Libretto mit seinen satirisch-komödiantischen und frivolen Untertönen entspricht der venezianischen Tradition des 17. Jahrhunderts, war also um 1709 bereits ein bisschen altmodisch. Es gilt jedoch als ausgesprochen geistreich und als eins der besten Textbücher, die Händel je vertonte.[33]

Alle Personen der Handlung, außer Ottone, sind moralisch korrupt, skrupellos, verdorben, unehrlich und/oder verlogen.[34] Dies wird besonders deutlich mithilfe vieler a parte – oft in „verschwörerischer“ Manier zum Publikum – gesprochener Rezitative dargestellt, wo die Figuren ihre wahren, meistens selbstsüchtigen, Gedanken und Absichten äußern.[35] Formal verkörpert die Oper ein Übergangsstadium mit einer Tendenz zur Abgangsarie am Ende einer Szene, ist in der Hinsicht allerdings weniger modern als die Vorgängeroper Rodrigo: wie in der älteren italienischen Oper gibt es in Agrippina noch relativ viele Arien am Beginn oder in der Mitte einer Szene, ohne dass die entsprechende Figur danach die Bühne verlässt.[36]

Ob eine Geschichte, in deren Mittelpunkt zwei Frauen (Agrippina und Poppea) stehen, ausgerechnet als Satire über den zeitgenössischen päpstlichen Hof gemeint sein soll, wie einst Reinhard Strohm vermutete,[33] erscheint durchaus fraglich; naheliegender wäre wohl eine allgemeinere Kritik zeitgenössischer Fürstenhöfe (mit Intrigen und Mätressenwesen). Auch wurde darauf hingewiesen, dass die Handlung im Grunde ein Topos ist.[37] Grundlage von Strohms Idee war außerdem die Zuschreibung des Textbuches an Vincenzo Grimani, da dieser politisch ein Gegenspieler des seinerzeit amtierenden Papstes Clemens XI. war;[33] Grimanis Autorschaft des Librettos ist jedoch, wie gesagt, gar nicht gesichert (siehe oben).[37]

Handlung

Agrippina krönt Nero.
1. Jahrhundert n. Chr., Museum von Aphrodisias

Historisch-literarischer Hintergrund

Im Argomento zum Libretto werden keine historischen Quellen genannt,[38] doch sind fast alle Personen der Handlung, bis auf den Diener Lesbo, durch die antiken Geschichtsschreiber Tacitus (12.–14. Buch der Annales) und Sueton (5. Buch von De vita Caesarum) dokumentiert. Die historischen Ereignisse, vor denen sich die Handlung abspielt, werden jedoch wie in den meisten Opern nur sehr frei behandelt und haben sich tatsächlich über einen größeren Zeitraum zugetragen.

In der historischen Realität fand die Eroberung Britanniens durch die Römer, bei der Kaiser Claudius auf der Seereise fast in einem Sturm ums Leben gekommen wäre (Sueton: Vita divi Claudi 17,2), im Jahre 43 n. Chr. statt. Anders als in der Oper heiratete er erst sieben Jahre später, im Jahr 49 n. Chr., seine Nichte Agrippina die Jüngere, die bereits zweimal verheiratet war und Alles daran setzte, dass Claudius ein Jahr später ihren dreizehnjährigen Sohn Nero aus erster Ehe adoptierte und zu seinem Nachfolger machte. Der Feldherr und spätere Kaiser Otho und Poppaea Sabina heirateten im Jahr 58 n. Chr., vier Jahre nach dem Tod des Claudius; Poppaea wurde später Neros Geliebte und Frau. Pallas und Narcissus waren die bekanntesten Freigelassenen des Claudius, ersterer soll auch Liebhaber Agrippinas gewesen sein.[39][40]

Das lieto fine der Oper erhält eine besonders ironische und pikante Note durch die Tatsache, dass keine einzige der historischen Personen eines natürlichen Todes starb: Nero und Otho begingen Selbstmord, die anderen wurden ermordet (Narcissus „in den Selbstmord getrieben“).[41]

Erster Akt

Agrippinas Gemach. Agrippina hat die Nachricht erhalten, dass Claudio bei einem Sturm auf See den Tod gefunden hat. Nun versucht sie Nero zu überzeugen, nach der Cäsarenkrone zu greifen. Er solle sich unter das Volk mischen, sich sympathisch machen, aber die Nachricht noch geheim halten. Nero will dem Rat der Mutter folgen und sie immer verehren (Con saggio tuo consiglio, Nr. 1).

Um dem Unternehmen zum Erfolg zu verhelfen, will Agrippina auch ihre Vertrauten Narciso und Pallante einsetzen, die nach ihrer Gunst heischen und daher willig erscheinen, ihre Pläne zu unterstützen. Zuerst erscheint Pallante bei ihr. Ihm trägt sie auf, zum Kapitol zu gehen und, wenn sie Claudios Tod bekanntgeben werde, den Namen Neros unter das Volk zu bringen. Wenn der Plan gelinge, werde auch Pallante in seinem Einfluss steigen. Pallante preist Agrippina dafür, dass sein glückliches Schicksal heute durch sie von den Sternen herabsteige (La mia sorte fortunata Nr. 2).

Als Nächstes lässt sie Narciso zu sich kommen, den sie auf die gleiche Weise instruiert. Auch er erhofft sich, an ihrer Seite zu regieren, da er sie liebt (Volo pronto, e lieto il core, Nr. 3). Agrippina bleibt allein zurück und hofft, dass sie aus den in Gang gesetzten Intrigen unversehrt wieder herauskommt (L’alma mia frà le tempeste, Nr. 4).

Nero verteilt auf dem Kapitol heuchlerisch Gaben an die Notleidenden und zeigt sich mitleidig mit ihnen (Qual pacer à un cor pietoso, Nr. 5). Auch Pallante und Narciso sind anwesend, nicht wissend, dass der jeweils andere von Agrippina eingeweiht wurde. Agrippina tritt auf, um die Nachricht von Claudios Tod öffentlich bekanntzugeben. Ein neuer Cäsar müsse jetzt gewählt werden. Sie holt Nero zu sich auf den Thron, da hört man Trompeten. Lesbo gibt bekannt, dass Claudio vom heldenhaften Ottone gerettet worden sei. Ottone erzählt von den Ereignissen und erklärt, dass er als Dank zu Claudios Nachfolger bestimmt worden sei. Sind Agrippinas Pläne geplatzt?

Ottone kommt zu ihr und offenbart, dass er am Thron nicht interessiert sei und dass er Poppea liebe. Agrippina verspricht, ihm zu helfen. Er sei des Thrones würdig, und seine Liebe solle nicht vergeblich sein (Tu ben degno, sei dell‘allor, Nr. 8). Ottone wünscht, dass sich seine Hoffnungen erfüllen (Lusinghiera mia speranza, Nr. 9).

Poppeas Zimmer. Poppea betrachtet sich eitel im Spiegel (Vaghe perle, eletti fiori, Nr. 10). Mit Claudio, Nero und Ottone hat sie drei Liebhaber, die sie bisher im Ungewissen gelassen hat. Claudio lässt durch Lesbo einen nächtlichen Besuch ankündigen (was Agrippina abseits mithört). Poppea vergleicht die Liebe mit einem Feuer, das das Herz durchdringt und es auffrisst (È un foco quel d’amore, Nr. 11).

Agrippina tritt ein und behauptet, dass Ottone Poppea verraten und im Tausch für den Thron an Claudio abgetreten habe. Als Beweis gibt sie an, dass Claudio nachts zu ihr kommen werde. Sie gibt ihr einen Rat: Poppea soll Claudio sagen, dass Ottone ihr verboten habe, mit ihm zu sprechen. Sie soll ihre Waffen als Frau einsetzen, um Claudio dazu zu bringen, Ottone die Thronnachfolge zu entziehen. Trotz ihrer Befürchtungen freut sich Agrippina, dass es gelingen wird (Ho un non so che nel cor, Nr. 12). Poppea ist von Ottone enttäuscht und schwört Rache (Fa quanto vuoi, Nr. 13).

Claudio kommt in Poppeas Zimmer und drückt seine Bewunderung aus (Pur ritorno à rimirarvi, Nr. 14). Poppea gibt sich verstockt und folgt Agrippinas Rat. Claudio verspricht, dass Ottone nicht Cäsar werden wird. Dann rückt er Poppea näher, um sein Begehren zu stillen (Vieni, o cara, Nr. 15). In letzter Sekunde wird Poppea durch das Herannahen Agrippinas „gerettet“.

Agrippina beschwört gegenüber Poppea ihre Freundschaft, die stets von Betrug, Verrat und Untreue frei sei (Non ho cor che per amarti, Nr. 17). Poppea sinnt darüber nach, dass Liebe sich in Wut verwandelt, wenn man gekränkt wird (Se giunge un dispetto, Nr. 18).

Zweiter Akt

Straße in Rom. Pallante und Narciso haben herausgefunden, dass sie beide getäuscht worden sind. Nun wollen sie es ihr mit gleicher Münze heimzahlen. Ottone rüstet sich zu seiner Rolle als Cäsar, bewundert aber eigentlich mehr das Schöne als den Thron (Coronato il crin d’alloro, Nr. 19).

Der Chor kündet Claudios Ankunft an (Di timpani, e trombe, Nr. 21). Er hat Britannien unterworfen und lobt das Reich, das dem Kapitol untersteht (Cade il mondo soggiogato, Nr. 22). Alle begrüßen ihn; als die Reihe an Ottone kommt, wird er von Claudio als Verräter bezeichnet. Ottone bittet Agrippina um Hilfe, die ihn zurückweist (Nulla sperar da me, Nr. 23). Das Gleiche tun Poppea (Tuo ben è’l trono, Nr. 24) und Nero (Sotto il lauro che hai sul crine, Nr. 25). Selbst Pallante, Narciso und Lesbo verlassen ihn jetzt, da er nicht mehr in Claudios Gunst steht. Ottone ist verzweifelt (Otton, Otton, qual portensoso fulmine, Nr. 26) und beklagt weniger den Verlust des Throns als den Verlust Poppeas (Voi, che udite il mio lamento, Nr. 27).

Garten. Poppea wünscht, dass ihr Liebster in Wirklichkeit unschuldig sei, und hat Mitleid (Bella pur nel mio diletto, Nr. 28). Ottone erscheint und besingt die Brunnen im Garten (Vaghe fonti che mormorando, Nr. 29). Währenddessen stellt sich Poppea schlafend und bezeichnet ihn im Traum als Verräter. Als sie „erwacht“, beschwört er seine Unschuld (Ti vo’ giusta e non pietosa, Nr. 31). Poppea fordert ihn auf, zu einem weiteren Gespräch später in ihr Zimmer zu kommen.

Nun ist für sie klar, dass Agrippina sie belogen hat. Ein weiteres Mal will sie sich nicht von ihr hintergehen lassen (Ingannata una sol volta, Nr. 32). Lesbo kommt und bittet um einen weiteren Besuch seines Herrn in Poppeas Gemach. Danach erscheint noch Nero, den Poppea ebenfalls für später in ihr Zimmer einbestellt und dem sie Versprechungen macht (Col peso del tuo amor, Nr. 33). Nero freut sich über den bevorstehenden Genuss der Liebe (Quando invita la donna l’amante, Nr. 34).

Agrippina sieht den Erfolg ihrer Intrigen gefährdet (Pensieri, pensieri, voi mi tormentate, Nr. 35/36). Ottone und Poppea können den Betrug aufdecken, und Pallante und Narciso hat sie zu sehr vertraut. Sie trägt nun Pallante auf, für den Tod Narcisos und Ottones zu sorgen. Pallante bekundet seine Treue ihr gegenüber (Col raggio placido, Nr. 37). Narciso befiehlt sie in der gleichen Weise, Ottone und Pallante zu töten. Er gibt vor, auf die Erfüllung ihrer Versprechungen zu hoffen (Spererò, poi che me dice, Nr. 38).

Claudio kommt bewundernd zu Agrippina. Sie warnt ihn vor Ottone, der angeblich nach seinem Leben trachte. Schnellstmöglich solle er Nero zu seinem Nachfolger machen, um Ottones Pläne zu durchkreuzen. Claudio werde alles tun, worum sie ihn bittet (Basta, che sol tu chieda, Nr. 39). Agrippina sieht sich ihrem Ziel näherkommen (Ogni vento, che al porto lo spinga, Nr. 40).

Dritter Akt

Zimmer der Poppea mit Türen in der Mitte und an den Seiten. Poppeas Racheplan kommt ins Laufen. Zunächst kommt Ottone zu ihr und schwört seine ewige Treue. Sie glaubt ihm und versteckt ihn hinter einer Tür. Er verspricht still zu sein und keine falschen Schlüsse aus ihrem nachfolgenden Gespräch zu ziehen (Tacerò, pur chè fedele, Nr. 41).

Als Nächstes kommt Nero zu ihr. Poppea gibt vor, dass sie Angst habe, dass Agrippina hereinkommen werde. Sie versteckt ihn hinter einer anderen Tür (aber so, dass er nicht zuhören kann). Nero gehorcht, immer noch lüstern auf sie (Coll’ardor del tuo bel core, Nr. 42).

Schließlich erscheint Claudio. Es gelingt ihr, ihn davon zu überzeugen, dass er sie bei ihrem letzten Gespräch falsch verstanden hat: Nicht Ottone sei es, sondern Nero, der ihr verboten hat, mit Claudio zu reden. Er ist verwirrt, verspricht aber, sie zu rächen. Sie versteckt ihn hinter einer dritten Tür und holt Nero hervor. Als Claudio Neros Stimme hört, erzürnt er und schickt ihn fort. Unter dem Vorwand, dass er Agrippina besänftigen solle, wird Poppea Claudio los. Claudio meint, dass er der Cäsar sei, dem niemand befiehlt (Io di Roma il Giove son, Nr. 43). Nun, da Poppea gezeigt hat, dass sie sich mit Mächtigen anzulegen bereit ist, verspricht Ottone, ihr um jeden Preis treu zu sein. Er ist glücklich, Poppea zu haben (Pur ch'io ti stringo al sen, Nr. 44), desgleichen Poppea (Bel piacere è godere fido amor!, Nr. 45).

Kaiserlicher Saal. Nero berichtet Agrippina von den Vorkommnissen (Come nube che fugge dal vento, Nr. 46). Anschließend berichten Pallante und Narciso Claudio von Agrippinas erster Intrige. Claudio stellt Agrippina zur Rede. Sie entschuldigt sich damit, dass sie Nero nur auf den Thron erhoben habe, weil sie geglaubt habe, Claudio sei tot. Als die Nachricht von Claudios Ankunft gekommen ist, sei Nero demütig wieder vom Thron gestiegen. All das wird von Pallante und Narciso bestätigt. Agrippina bittet Claudio, sich vom Hass zu befreien und ihre Liebe und Treue zu erkennen (Se vuoi pace, oh volto amato, Nr. 47).

Ottone, Nero und Poppea kommen hinzu. Da Claudio die Geschichte von der Liebe zwischen Nero und Poppea vorgespielt wurde, schlägt er eine Heirat zwischen den beiden vor; Ottone soll sein Nachfolger werden. Damit ist verständlicherweise keiner einverstanden: Nero zieht es vor, Cäsar zu werden; Ottone und Poppea wollen lieber heiraten. Also erfüllt Claudio alle Wünsche – auch Agrippina ist zufrieden, da sie ihr Ziel erreicht hat, ihren Sohn zum Cäsaren zu machen. Die Beteiligten versammeln sich zum Schlusschor (Lieto il trebo increspi l’onda, Nr. 48). Juno steigt mit ihrem Gefolge herab, um den Segen des Himmels zu erteilen (V’accendano le tede, Nr. 49).

Musik

Georg Friedrich Händel Stich von Harding nach dem Porträt von B. Denner

Händel erschuf mit der Musik zu Agrippina ein so hohes Maß an dramaturgischem Fluss und musikalischer Geschlossenheit, dass die Oper als ein Meisterwerk gilt. Wie bereits erwähnt, finden sich in der Partitur zahlreiche Sätze (laut Knapp etwa 85 % der Musik)[42], bei denen Händel entweder Material aus anderen, eigenen Werken seiner italienischen Zeit entlehnte, oder umgekehrt – je nachdem, wann die Oper komponiert wurde (siehe oben). Weiterhin gibt es sechs Arien, die musikalische Ideen aus Reinhard Keisers Die römische Unruhe oder: Die edelmüthige Octavia (Hamburg 1705) verwenden, sowie weitere Anleihen bei Johann Mattheson, Alessandro Scarlatti, Arcangelo Corelli und Jean-Baptiste Lully. Die Musik zu Agrippina diente Händel außerdem noch sein ganzes Leben als Quelle für musikalische Ideen, selbst noch bei einigen seiner Oratorien.[43][44]

Die Oper beginnt mit einer sogenannten „Sinfonia“ in g-moll,[45] die in Wirklichkeit, wie in Händels anderen Opern, formal eine französische Ouverture ist, mit einer feierlichen Einleitung in punktierten Rhythmen und einem Fugato über ein allerdings sehr italienisch wirkendes Thema in dramatischen Tonrepetitionen und mit Soli für Violine und Oboe; es folgt als weiteres italienisches „Zugeständnis“ ein kurzes Adagio der Oboe über vereinzelten Orchester-Akkorden. Es gibt ein einziges weiteres Instrumental-Preludio in Akt II (Nr. 20), mit Trompeten und Pauken zum offiziellen Einzug des Kaisers Claudio in Rom. Der darauf folgende Chor (Nr. 21 „Di timpani e trombe“) und der Schlusschor sind, wie in der italienischen Oper üblich, von den Solisten zu singen.

Ausschnitt aus Nerones „Con saggio tuo consiglio“ (Akt I, Nr. 1), mit zahlreichen neapolitanischen Eintrübungen. Druck: London 1795

Die Verwendung von Dur- und Moll-Tonarten ist relativ ausgewogen, es überwiegen B-Tonarten, vor allem F- und B-Dur sowie deren Paralleltonarten d- und g-moll.[46] Ein allgemeiner Einfluss durch Alessandro Scarlatti zeigt sich einerseits in einigen „Sicilianos“ (Nr. 1, 34, 44), vor allem aber in der teilweise auffällig gewagten Harmonik, manchmal auch unter Einbeziehung von neapolitanischen Sexten, die man in Arien für Nerone (Nr. 1 „Con saggio tuo consiglio“; Nr. 5 „Qual piacer“; Nr. 34 „Quando invita“), Claudio (Nr. 22 „Cade il mondo“), Ottone (Nr. 9 „Lusinghiera mia speranza“; Nr. 27 „Voi che udite“) und Agrippina (Nr. 35 „Pensieri“), aber auch in Poppeas „È un foco“ (Nr. 11) findet.

Da die Oper für ein italienisches Publikum entstand, enthält sie wesentlich mehr und längere Rezitative als Händels Londoner Opern (wo man Rücksicht auf das eingeschränkte Sprachverständnis des englischen Publikums nehmen musste). Die etwas altmodischen Tendenzen der Oper der spiegeln sich in einer relativ hohen Zahl von Arien, die allerdings oft eher kurz sind, und einem formalen Einfallsreichtum der Partitur. So gibt es über die Dacapo-Arien hinaus eine Reihe von kurzen Arienformen (Cavatina, Arietten, Ariosi), und außerdem im ersten Akt jeweils ein kurzes Quartett und Terzett (Nr. 6 und 16).[47] Auffällig ist in dieser Hinsicht zum Beispiel die vierte Szene des zweiten Aktes, wo Ottone sich nach der für ihn völlig überraschenden Ablehnung durch Claudio nacheinander an alle anderen Personen um Verständnis bzw. seelische Unterstützung wendet, aber jedes Mal abgewiesen wird, im Falle von Agrippina, Poppea und Nerone in Form kurzer Arien. Die Szene mündet schließlich in den tragischen Höhepunkt der Oper, Ottones Scena „Otton, Otton … Voi che udite il mio lamento“ (Nr. 26 & 27, Akt II, Szene 5) mit dem einzigen Accompagnato-Rezitativ der Oper.[48]

Formal frei und fantasievoll gestaltet ist auch die siebente Szene des zweiten Aktes, wo Ottone die scheinbar schlafende Poppea belauscht und schließlich Agrippinas Betrug entdeckt: Das Ganze ist nicht nur als eine Abfolge von mehreren kurzen, durch Seccorezitative verbundenen bzw. unterbrochenen Arien und Ariosi Ottones vertont (Nr. 29–31), sondern die Grenzen von Rezitativ und Arie werden regelrecht aufgelöst.[49]

Beherrscht wird die Oper dramaturgisch und musikalisch von den beiden weiblichen Figuren Agrippina und Poppea. Es gibt also zwei Primadonnen, was auch dem Status der damaligen Starsängerinnen Margherita Durastanti (oder Vittoria Tarquini ?) und Diamante Maria Scarabelli entspricht. Sie haben nicht nur die meisten Arien zu singen – Agrippina acht, Poppea sogar neun –, auch die Qualität ihrer Musik, unter anderem hinsichtlich der Instrumentierung, ist besonders hoch, und jede darf den ersten bzw. den zweiten Akt mit einer Arie beenden.

Ausschnitt aus Agrippinas „Pensieri“ (Akt II, Nr. 35) ab Einsatz der Singstimme. Druck: London 1795

Besonders differenziert und gelungen ist die Charakterisierung der Agrippina, die von dem Ehrgeiz besessen ist, ihren Sohn Nerone auf den Kaiserthron zu bringen, ihr Ziel vor allem mithilfe von Lug und Trug und Heuchelei verfolgt, alle anderen Personen nur wie Schachfiguren behandelt und auch vor Mord nicht zurückschreckt. Ihr Partie zeichnet sich durch Abwechslungsreichtum und ein großes Ausdrucksspektrum aus, fünf ihrer Soli stehen in Dur, drei in Moll. Ihre erste Arie „L’alma mia frà le tempeste“ (Nr. 4) ist eine Sturmarie in C-Dur, die den selbstbewussten, ja kämpferischen Charakter der Figur darstellt, und wo die Stimme mit einer Solo-Oboe in streckenweise parallelen Koloraturen wetteifert. In ihrer an Ottone gerichteten zweiten Arie „Tu ben degno“ (Nr. 8) widersprechen die düstere Tonart c-moll und die simple Continuo-Begleitung ihren schmeichelnden, geheuchelten Worten. Zu den Glanznummern der Partitur gehört Agrippinas vierte Arie „Non hò cor che per amarti“ (Akt I, Nr. 17), die ein regelrechtes Concerto grosso mit mehreren Solo-Instrumenten (Cello, 2 Violinen, 2 Oboen) und Orchester ist, und deren Haupt-Motive von Händel später besonders häufig wiederverwendet wurden, unter anderem in Sonaten und zwei Orgelkonzerten.[50] Die in der Arie ausgedrückte Freude ist echt, aber die an Poppea gerichtete Freundschaftsversicherung pure Heuchelei.

Ein weiterer musikalischer Höhepunkt und ein kühner Geniestreich ist Agrippinas G-moll-Arie „Pensieri, voi mi tormentate“ (Akt II, Nr. 35): Der A-Teil ist ein Adagio im 3/4-Takt, bei der die harte und dramatische Unisono-Begleitung der Streicher in stärkstem Kontrast zu den sich windenden und miteinander verwobenen Kantilenen der Stimme und der Solo-Oboe steht, hinzu kommen überraschende, geradezu „verrückte“ harmonische Wendungen; insgesamt entsteht ein Eindruck von Gefahr oder Gefährlichkeit, der bereits auf Agrippinas in den Folgeszenen mit Pallante und Narciso offenbar werdende Mordpläne hinzudeuten scheint. Der B-Teil der Arie ist ein stark kontrastierendes Allegro im geraden Takt, in dem sie den Himmel um Hilfe für ihre Pläne anruft; doch das Dacapo des A-Teils folgt überraschenderweise erst nach einem Monolog in Secco-Rezitativ. Einige Szenen weiter sind die „dunklen Wolken“ über Agrippinas Geist verflogen und der zweite Akt schließt mit „Ogni vento“ (Nr. 40), einer fröhlichen G-Dur-Arie im 3/8-Takt, wo sie sich bereits der Hoffnung auf ihre gelungenen Intrigen und Mordaufträge (!) hingibt, streckenweise zu geradezu bizarr hüpfenden „Walzer“-Rhytmen – lange bevor dieser Tanz überhaupt erfunden war (!). Agrippinas letzte Arie „Se vuoi pace“ (Nr. 47) ist ein erstaunlich harmloses, schlichtes Menuett, das ursprünglich passend zum Text vom „Frieden“ („pace“) in E-Dur stand, aber – vermutlich wegen der für einen Sopran sehr tiefen Lage – später von Händel um einen Halbton höher nach F-Dur transponiert wurde.[51][52]

Ausschnitt mit Koloraturen aus Poppeas „Vaghe perle“ (Akt I, Nr. 10) Druck: London 1795

Poppea ist eine relativ sympathische Figur: Sie liebt Ottone aufrichtig, auch wenn sie eitel und kokett ist und sich als begabte Intrigantin erweist, was sie jedoch vor allem aus Gegenwehr gegen Agrippinas Ränke tut und um Ottone zu „rächen“; dabei ist sie jedoch nicht skrupellos wie Agrippina. Poppeas Arien sind meistens beschwingt, heiter, elegant und anmutig und zeichnen einen leichtfüßigen, kapriziösen, grundsätzlich liebenswerten Charakter, der Witz, Esprit und Charme besitzt und etwas von Commedia dell’arte an sich hat. Die Beweglichkeit der Stimme wird oft in Triolen-Koloraturen herausgestellt. Auch wenn sie einseitiger als Agrippina gezeichnet ist, ist ihre Musik fast immer von hoher Qualität, im wahrsten Sinne des Wortes „schön“ und eine angenehme Bereicherung der Partitur.

Von ihren neun Arien stehen sieben in Dur. Ihre Auftrittsarie „Vaghe perle“ (Nr. 10) hat etwas von einer idyllischem Pastorale: Sie steht in F-Dur und in einem 3/8-Takt mit Sechzehnteltriolen und hat eine besonders liebliche Instrumentierung mit Blockflöten und Streichern. Auch Poppeas nach einigen Seccorezitativen folgende zweite Arie „È un foco quel d’amore“ (Nr. 11) steht in einem lebhaften „triolischen“ Metrum (12/8), diesmal jedoch in g-moll und mit neapolitanischen Eintrübungen, passend zum Text, wo sie die Gefahren der Liebe besingt. Ihr drittes Solo „Fa quanto vuoi“ (Nr. 13a), nachdem sie von Ottones angeblichem Treuebruch erfahren hat, ist ein Wutausbruch mit virtuosen Sechzehntel-Koloraturen, doch die Tonart F-Dur und die reine Continuo-Begleitung bleiben noch im Rahmen von Anmut und Feminität. Auch Poppeas letzte Arie im ersten Akt „Se giunge un dispetto“ (Nr. 18) ist eine Rache- und Bravourarie, diesmal in B-Dur und mit Orchesterbegleitung; die virtuosen Koloraturen laufen teilweise in Terzparallelen mit einer Solo-Oboe.

In der vierten Szene des zweiten Aktes, als Ottone von Allen im Stich gelassen wird, ist Poppeas Antwort-Arie „Tuo ben è’l Trono“ (Nr. 24) im Gegensatz zu denjenigen Agrippinas und Nerones die einzige in (a-)moll, und eine Reihe von Seufzerfiguren scheinen zu verraten, dass es ihr selber leid tut, ihren Geliebten so zu behandeln. Poppeas weitere Solonummern bringen keine neuen Facetten, erwähnenswert ist jedoch noch ihre letzte Arie „Bel piacere“ (Akt III, Nr. 45) wegen der interessanten unregelmäßigen Rhythmik, die aus der abwechselnden Verwendung von 3/8 und 2/4-Takten entsteht.[53][54]

Ottones Accompagnato „Otton, Otton“ und Beginn seiner Arie „Voi che udite“ (Akt II, Nr. 26–27) Druck: London 1795

Die Figur des Ottone kann als der primo uomo der Oper verstanden werden. Er wurde 1709–10 nicht von einem Kastraten, sondern als „Hosenrolle“ von der Altistin Francesca Maria Vanini-Boschi gesungen. Er hat sieben Arien und ein Accompagnato; nur drei seiner Soli stehen in Dur, was ihm eine grundsätzlich tragische und melancholische Note verleiht. Dass er schon in seiner Auftrittsarie „Lusinghiera mia speranza“ (Nr. 9) darum bittet, dass seine „schmeichlerische Hoffnung“ ihn nicht betrügen möge, kann als Anspielung auf das Kommende gesehen werden. Musikalisch wird diese seine Angst vor Illusion bzw. Desillusionierung durch die auffällig melancholische Tonart d-moll und noch mehr durch zahlreiche überraschende und gewagte harmonische und melodische Wendungen, besonders im B-Teil der Arie, ausgedrückt.

Ottones Befürchtungen bewahrheiten sich im zweiten Akt, als er von Allen im Stich gelassen wird, und der emotionale Höhe-(bzw. Tief-)punkt der Oper ist seine Scena „Otton, Otton … Voi che udite il mio lamento“ (Nr. 26 & 27). Zu Beginn des Accompagnato-Rezitativs erklingt ein verminderter Akkord auf d über einem dissonierenden c, der angemessen den seelischen Schock ausdrückt. Auch der harmonisch extrem gewagte weitere Verlauf des Accompagnatos sowie die folgende Arie in der düsteren Tonart f-moll malen ein intensives Bild von Ottones Seelenschmerz, wobei die Alt-Stimme zu Beginn im tiefsten Register quasi als Bass unter einem Akkord-Teppich der hohen Streicher erklingt, danach setzt die Solo-Oboe mit einer schmerzvollen Kantilene ein, während der Continuo-Bass erst später hinzu kommt.[55][56]

Beginn von Nerones „Quando invita“ (Akt II, Nr. 34) Druck: London 1795

Nerone ist hier noch ein nicht ganz ausgereifter Jugendlicher, der noch unter dem (unguten) Einfluss seiner Mutter steht. Es handelt sich um eine Sopranpartie, die 1709–10 von dem Kastraten Valeriano Pellegrini gesungen wurde, der später auch in London mit Händel zusammenwirkte. Er hat sechs Arien, davon ein Arioso, von denen drei in Dur und drei in Moll stehen. Auffällig ist, dass seine beiden Arien im ersten Akt (Nr. 1 „Con saggio tuo consiglio“; Nr. 5 „Qual piacer“) sowie „Quando invita“ (Akt II, Nr. 34) eine auffällig kühne Harmonik mit vielen unerwarteten Wendungen aufweisen, manchmal auch unter Einbeziehung von Chromatik und/oder neapolitanischen Sexten. Das Arioso Nr. 5 „Qual piacer“ singt er, während er Almosen verteilt, aber sein Mitleid ist nur geheuchelt. Da ansonsten weder die Figur noch die Musik einen melancholischen Charakter aufweisen, scheint die gewagte Harmonik dieser Arien als Charakterisierung – wohl im Sinne von „unberechenbar“ oder „irgendwie verrückt“ – gemeint zu sein. Nr. 1 und 34 stehen außerdem in einem tänzerischen oder wiegenden 12/8-Takt, der zur Entstehungszeit als typisch italienisch oder neapolitanisch gelten kann. Einen „irgendwie verrückten“ Eindruck macht auch Nerones „Coll’ardor del tuo bel core“ (Nr. 42) im dritten Akt, wo die Violinen über schnellen Sechzehntel-Läufen der Bässe eine bizarr gezackte Linie aus großen Sprüngen spielen. Seine letzte Arie „Come nube“ (Nr. 46) ist eine besonders attraktive, koloraturenreiche Bravourarie in F-Dur im Concerto grosso-Stil, mit konzertierenden Violinen, Cello und Oboen.[57][58]

Claudios „Vieni, oh cara“ (Akt I, Nr. 15) Druck: London 1795

Claudio ist eine Partie für einen echten Bass und wurde 1709–10 von dem seinerzeit berühmten Antonio Francesco Carli gesungen. Er hat wie Nerone sechs Arien, darunter auch eine kurze Arietta und ein Arioso; zwei seiner Soli stehen in Dur. Die Rolle hat eindeutig komische Untertöne und die meiste Zeit über ist er in romantische Liebeshändel verstrickt. So sind bereits seine Auftrittsarie „Pur ritorno“ (Nr. 14) und die nach einigen Secco-Rezitativen folgende kurze Arietta „Vieni, oh cara“ (Nr. 15) schmachtende Liebes-„Romanzen“ für Poppea in Dreiertakten, die erste steht in g-moll und wird nur vom Continuo begleitet, die zweite, als er sich schon fast am Ziel seiner Wünsche glaubt, ist ein in Streicherklang eingebettetes schlichtes Adagio in G-Dur. Ähnliches wiederholt sich gegen Ende des zweiten Aktes, diesmal mit seiner Frau Agrippina: Auch hier singt er wieder zwei Liebesgesänge: Das lyrische F-Dur-Arioso „Vagheggiar de tuoi bei lumi“ (Nr. 39a) und die D-moll-Aria „Basta che sol tu chieda“ (Nr. 39), wo sich die Stimme zwischen weiten Sprüngen der Violinen und punktierten Linien des Continuo in einem merkwürdig bizarren Satz bewegt. Die beiden anderen Arien Claudios spiegeln seine offizielle Rolle als Eroberer und als Kaiser. „Cade il mondo“ (Nr. 22), bei seinem offiziellen Empfang im zweiten Akt, stellt zu einer herben Streicherbegleitung gleich zu Beginn den Zwei-Oktaven-Umfang und die beeindruckende Tiefe des Bassisten zur Schau, während er sich in seiner letzten Arie „Io di Roma il Giove sono“ (Nr. 43) zu aggressiv auftrumpfenden Staccato-Akkorden der Streicher selber pompös als Jupiter Roms feiert.[59] Schipperges sah in der letzten Arie eine Vorausahnung von Offenbach.[60]

Die Nebenfiguren Pallante und Narciso haben jeweils zwei Arien im ersten und zweiten Akt, jedes Mal nach Szenen mit Agrippina und nacheinander. In Schipperges’ geschliffenen Formulierungen ist Pallante „ein aufdringlicher Heros“ und Narciso „ein larmoyanter Schmeichler“.[61] Besonders schön ist Pallantes erste Arie „La mia sorte“ (Nr. 2), ein kontrapunktisch schön gearbeitetes Allegro in g-moll mit triolischen Koloraturen. Dramaturgisch gelungene Kabinettstücke sind ihre beiden Arien im zweiten Akt, nachdem sie von Agrippina zu insgesamt drei Morden – an Ottone und gegenseitig (!) – angestiftet wurden: Pallantes „Col raggio“ (Nr. 37) ist eine reine Unisono-Arie in einem düsteren, geradezu unheimlich wirkenden c-moll, während Narcisos „Spererò“ (Nr. 38) seine „fröhliche“ Hoffnung zu eindeutig symbolisch gemeinten absteigenden und punktierten Linien im Basso continuo ausdrückt. Der grundsätzlich komische Charakter der beiden Figuren wird hier durch die Musik geradezu aus den Angeln gehoben.[62]

Orchester

Zwei Blockflöten, zwei Oboen, zwei Trompeten, Pauken, Streicher, Basso continuo (ursprünglich wahrscheinlich: Violoncello, Erzlaute bzw. Theorbe, 2 Cembali[63]).

Struktur der Oper

Erster Akt

Scena I Recitativo. Agrippina, Nero Nerone, amato figlio!
1. Aria. Nerone (Str, BC) Con saggio tuo consiglio il trono ascenderò
Scena II Recitativo. Agrippina Per così grand’ impresa
Scena III Recitativo. Pallante, Agrippina A’cenni tuoi sovrani
2. Aria. Pallante (Str, BC) La mia sorte fortunata
Scena IV Recitativo. Agrippina Or che Pallante è vinto
Scena V Recitativo. Narciso, Agrippina Umile alle tue piante
3. Aria. Narciso (2 BlFl, 2 Vl, BC) Volo pronto, e lieto il core
Scena VI Recitativo. Agrippina Quanto fà, quanto puote
4. Aria. Agrippina (Ob, Str, BC) L’alma mia frà le tempeste ritrovar
Scena VII 5. Arioso. Nerone (Str, BC) Qual piacer a un cor pietoso
Recitativo. Nerone Amici, al sen vi stringo
Scena VIII Recitativo. Narciso, Pallante, Nerone Ecco chi presto
Scena IX Recitativo. Agrippina Voi, che dell’alta Roma
6. Quartetto. Agrippina, Nerone, Narciso, Pallante (2 Ob, Str, BC) Il tuo figlio merta sol scettro
Recitativo. Agrippina Ma qual di liete trombe
Scena X 7. Arietta. Lesbo (BC) Allegrezza, allegrezza! Claudio giunge
Recitativo. Pallante, Narciso, Agrippina, Nerone, Lesbo Che sento! Crudo ciel!
Scena XI Recitativo. Ottone, Agrippina, Narciso, Pallante, Nerone Alle tue piante, oh Augusta
Scena XII Recitativo. Ottone, Agrippina Augusta, amo Poppea
8. Aria. Agrippina (Vc solo, Str, BC) Tu ben degno sei dell’allor
Scena XIII Recitativo. Ottone L'ultima del gioir meta gradita
9. Aria. Ottone (Str, BC) Lusinghiera mia speranza
Scena XIV 10. Aria. Poppea (2 BlFl, Str, BC) Vaghe perle, eletti fiori
Recitativo. Poppea Otton, Claudio, Nerone
Scena XV Recitativo. Lesbo, Poppea Signora, oh mia Signora!
Scena XVI Recitativo. Lesbo, Agrippina, Poppea Di lieta nuova apportator
Scena XVII Recitativo. Poppea Perchè in vece di Claudio
11. Aria. Poppea (Vl, BC) È un foco quel d’amore
Scena XVIII Recitativo. Poppea, Agrippina Ma qui Agrippina viene
12. Aria. Agrippina (Vl, BC) Hò un non sò che nel cor
Scena XIX Recitativo. Poppea Cieli, quai strani casi
13a. Aria. Poppea (Str, BC) Fà quanto vuoi, li scherni tuoi non soffrirò
Scena XX Recitativo. Lesbo Non veggo alcun
Scena XXI 14. Aria. Claudio (BC) Pur ritorno a rimirarvi
Recitativo. Claudio, Poppea Ma, oh ciel, mesta e confusa
15. Arietta. Claudio (Str, BC) Vieni, oh cara
Recitativo. Poppea, Claudio Che mai faro!
Scena XXII Recitativo. Lesbo, Claudio, Poppea Signor, presto fuggiamo!
16. Terzetto. Poppea, Claudio, Lesbo (Str, BC) E quando mai/Quando vorrai
Recitativo. Poppea Pur al fin se n’ando
Scena XXIII Recitativo. Poppea, Agrippina Oh mia liberatrice
17. Aria. Agrippina (2 Ob, Str, BC) Non hò cor che per amarti
Scena XXIV Recitativo. Poppea Se Ottone m’inganno
18. Aria. Poppea (2 Ob, Str, BC) Se giunge un dispetto a’danni del cor

Zweiter Akt

Scena I Recitativo. Pallante, Narciso Dunque noi siam traditi?
Scena II 19. Aria. Ottone (Str, BC) Coronato il crin d’alloro
Recitativo. Pallante, Narciso, Ottone Roma piu ch’il trionfo
Scena III 20. Prelude. (Str, BC)
Recitativo. Agrippina, Poppea, Nerone, Ottone, Narciso Ecco il superbo!
21. Coro. (2 Trp, Pk, 2 Ob, Str, BC) Di timpani e trombe
Scena IV Recitativo. Claudio Nella Britannia vinta
22. Aria. Claudio (Vl, BC) Cade il mondo soggiogato
Recitativo. Agrippina, Claudio, Poppea, Nerone, Narciso, Pallante, Ottone Signor, quanto il mio core
23. Aria. Agrippina (2 Ob, Str, BC) Nulla sperar da me, anima senza fè
Recitativo. Ottone E tu, Poppea, mio bene?
24. Aria. Poppea (2 Ob, Str, BC) Tuo ben è’l Trono, io non son più tuo ben
Recitativo. Ottone Soccorri almen, Nerone!
25. Aria. Nerone (Str, BC) Sotto il lauro che hai sul crine
Recitativo. Ottone, Narciso, Pallante, Lesbo Scherzo son del destin
Scena V 26. Recitativo accompagnato. Ottone (Str, BC) Otton, qual portentoso fulmine e questi?
27. Aria. Ottone (Ob, Str, BC) Voi che udite il mio lamento
Scena VI 28. Aria. Poppea (2 Ob, Str, BC) Bella pur nel mio diletto
Recitativo. Poppea Il tormento d’Ottone
Scena VII Recitativo. Poppea Par che amor sia cagion
29. Aria. Ottone (2 BlFl, Str, BC) Vaghe fonti che mormorando
30. Recitativo ed Arioso. Ottone, Poppea (BC) Ma qui che veggo, oh cieli? / Voi dormite, oh luci care
Recitativo. Poppea, Ottone Fantasme della mente
31. Aria. Ottone (Str, BC) Ti vo’ giusta e non pietosa
Scena VIII Recitativo. Poppea Di quali ordite trame
32. Aria. Poppea (2 Ob, Str, BC) Ingannata una sol volta esser posso
Scena IX Recitativo. Lesbo, Poppea Pur al fin ti ritrovo
Scena X Recitativo. Poppea, Nerone A non pochi perigli
Scena XI Recitativo. Poppea, Nerone Oh come amica sorte
33. Aria. Poppea (2 Ob, Str, BC) Col peso del tuo amor
Scena XII Recitativo. Nerone Qual bramato piacere
34. Aria. Nerone (Str, BC) Quando invita la donna l’amante
Scena XIII 35. Aria. Agrippina (Ob, Str, BC) Pensieri, voi mi tormentate
Recitativo. Agrippina Quel ch’oprai è soggetto
36. Aria. Agrippina (Ob, Str, BC) Pensieri, voi mi tormentate
Scena XIV Recitativo. Pallante, Agrippina Se ben nemica sorte
37. Aria. Pallante (Vl, BC) Col raggio placido della speranza
Scena XV Recitativo. Agrippina Di giunger non dispero
Scena XVI Recitativo. Agrippina, Narciso Or è tempo, oh Narciso
38. Aria. Narciso (2 Ob, Str, BC) Spererò, poi ché mel dice
Scena XVII Recitativo. Agrippina Per dar la pace al core
Scena XVIII Recitativo. Claudio, Agrippina A vagheggiar io vengo
Scena XIX Recitativo. Lesbo, Claudio, Agrippina Signor, Poppea
39. Aria. Claudio (Vl, BC) Basta che sol tu chieda
Scena XX Recitativo. Agrippina Favorevol la sorte
40. Aria. Agrippina (2 Ob, 2 Vl, BC) Ogni vento ch’al porto lo spinga

Dritter Akt

Scena I Recitativo. Poppea Il caro Otton
Scena II Recitativo. Ottone, Poppea Ah mia Poppea! ti prego
41. Aria. Ottone (BC) Tacerò, pur che fedele
Scena III Recitativo. Poppea Attendo qui Nerone
Scena IV Recitativo. Nerone, Poppea, Ottone Anelante ti reco
42. Aria. Nerone (2 Vl, BC) Coll’ardor del tuo bel core
Scena V Recitativo. Poppea Amico ciel
Scena VI Recitativo. Lesbo, Poppea, Claudio, Nerone, Ottone Qui non v’e alcun, Signore
Scena VII Recitativo. Claudio, Nerone, Poppea, Ottone Temerario, insolente!
Scena VIII Recitativo. Poppea, Claudio Ora, Claudio, che dici?
43. Aria. Claudio (Str, BC) Io di Roma il Giove sono
Scena IX Recitativo. Poppea Pur al fin se n’andò
Scena X Recitativo. Poppea, Ottone Ora, Ottone, che dici?
44. Aria. Ottone (2 Vl, BC) Pur ch’io ti stringa al sen
Recitativo. Poppea Piega pur del mio cor
45. Aria. Poppea (2 Ob, Str, BC) Bel piacere è godere fido amor!
Scena XI Recitativo. Agrippina, Nerone Cotanto osò Poppea?
46. Aria. Nerone (2 Ob, 2 Vc solo, Str, BC) Come nube che fugge dal vento
Scena XII Recitativo. Pallante, Narciso Evvi donna più empia?
Scena XIII Recitativo. Claudio, Pallante, Narciso Agrippina, Nerone
Scena XIV Recitativo. Agrippina, Claudio, Narciso, Pallante Adorato mio sposo
47. Aria. Agrippina (2 Ob, 2 Vl, BC) Se vuoi pace, oh volto amato
Scena XV Recitativo. Agrippina, Poppea, Nerone, Ottone, Claudio Ecco la mia rivale
Scena XVI Recitativo. Giunone D’Ottone e di Poppea
48. Aria. Giunone (2 Ob, 2 Vl, BC) V’accendano le tede i raggi delle stelle
49. Coro (2 Ob, Str, BC) Lieto il Tebro increspi l’onda

Diskografie (Auswahl)

  • Mondo Musica MFOH 10810 (1983): Margarita Zimmermann (Agrippina), Günter von Kannen (Claudio), Carmen Balthrop (Poppea), Bernadette Manca de Nissa (Ottone), Martine Dupuy (Nerone), Giorgio Surjan (Pallante), Derek Lee Ragin (Narciso), Orazio Mori (Lesbo), Cinzia De Mola (Giunone), Orchestra Giovanile del Veneto „Pedrollo“ de Vicenza; Dir. Christopher Hogwood (209 min)
  • Harmonia Mundi HMU 907063-5 (1991): Sally Bradshaw (Agrippina), Nicholas Isherwood (Claudio), Lisa Saffer (Poppea), Drew Minter (Ottone), Wendy Hill (Nerone), Michael Dean (Pallante), Ralf Popken (Narciso), Béla Szilagyi (Lesbo), Gloria Banditelli (Giunone), Capella Savaria; Dir. Nicholas McGegan (206 min)
  • Philips 438 009-2 (1992): Della Jones (Agrippina), Alastair Miles (Claudio), Donna Brown (Poppea), Michael Chance (Ottone), Derek Lee Ragin (Nerone), George Mosley (Pallante), Jonathan Peter Kenny (Narciso), Julian Clarkson (Lesbo), Anne Sofie von Otter (Giunone), English Baroque Soloists; Dir. John Eliot Gardiner (218 min)
  • Dynamic DYN 533431 (2003): Véronique Gens (Agrippina), Nigel Smith (Claudio), Ingrid Perruche (Poppea), Thierry Grégoire (Ottone), Philippe Jaroussky (Nerone), Bernard Deletré (Pallante), Fabrice Di Falco (Narciso), Alain Buet (Lesbo), La Grande Écurie et La Chambre du Roy; Dir. Jean-Claude Malgoire (166 min: DVD)
  • Harmonia Mundi C952088.90 (2011): Alexandrina Pendatchanska (Agrippina), Marcos Fink (Claudio), Sunhae Im (Poppea), Bejun Mehta (Ottone), Jennifer Rivera (Nerone), Neal Davies (Pallante), Dominique Visse (Narciso), Daniel Schmutzhard (Lesbo), Akademie für Alte Musik Berlin; Dir. René Jacobs (203 min) – Diese Aufnahme enthält auch eine DVD (mit Erläuterungen von Vincent Boussard & René Jacobs zum Werk).[64]
  • Accent ACC 26404 (2015): Ulrike Schneider (Agrippina), João Fernandes (Claudio), Ida Falk Winland (Poppea), Christopher Ainslie (Ottone), Jake Arditti (Nerone), Ross Rambogin (Pallante), Owen Willetts (Narciso), Ronaldo Steiner (Lesbo), Festspielorchester Göttingen; Dir. Laurence Cummings (216 min)
  • Erato 9029533658 (2020): Joyce DiDonato (Agrippina), Luca Pisaroni (Claudio), Elsa Benoit (Poppea), Jakub Józef Orliński (Ottone), Franco Fagioli (Nerone), Andrea Mastroni (Pallante), Carlo Vistoli (Narciso), Biagio Pizzuti (Lesbo), Il pomo d’oro; Dir. Maxim Emelyanychev (230 min, inkl. Appendix)

Literatur

  • Bernd Baselt: Thematisch-systematisches Verzeichnis. Bühnenwerke. In: Walter Eisen (Hrsg.): Händel-Handbuch. Band 1, Deutscher Verlag für Musik, Leipzig 1978, ISBN 978-3-7618-0610-4.
  • Donald Burrows: Handel, Oxford University Press, 2. Edition 2010.
  • Friedrich Chrysander: Agrippina. 1708., in: G. F. Händel. Erster Band. Breitkopf & Härtel, Leipzig 1860, S. 189–208
  • Winton Dean, John Merrill Knapp: Handel’s Operas 1704–1726. The Boydell Press, Woodbridge 2009, ISBN 978-1-84383-525-7 (englisch).
  • Walter Eisen (Hrsg.): Händel-Handbuch. Band 4. Deutscher Verlag für Musik, Leipzig 1985, ISBN 3-7618-0717-1.
  • Ellen T. Harris u. a.: The librettos of Handel’s operas: a collection of seventy-one librettos documenting Handel's operatic career, volume ii, Garland, New York, 1989
  • Jonathan Keates: Handel – the Man and his music, Random House, 1985/2009
  • Ursula Kirkendale: Händel bei Ruspoli: Neue Dokumente aus dem Archivio Segreto Vaticano, Dezember 1706 bis Dezember 1708, in: Händel-Jahrbuch 50 (2004), S. 309–371
  • Paul Henry Lang: Georg Friedrich Händel. Sein Leben, sein Stil und seine Stellung im englischen Geistes- und Kulturleben. Bärenreiter-Verlag, Basel 1979, ISBN 3-7618-0567-5.
  • Silke Leopold: Händel. Die Opern. Bärenreiter-Verlag, Kassel 2009, ISBN 978-3-7618-1991-3.
  • John Mainwaring: Memoirs of the life of the late George Frederic Handel: to which is added, a catalogue of his works, and observations upon them, London: Printed for R. and J. Dodsley, 1760
  • John Mainwaring, Johann Mattheson: Georg Friderich Händels Lebensbeschreibung …, Hamburg 1761, Reprint Deutscher Verlag für Musik, Leipzig 1978
  • Albert Scheibler: Sämtliche 53 Bühnenwerke des Georg Friedrich Händel, Opern-Führer. Edition Köln, Lohmar/Rheinland 1995, ISBN 3-928010-05-0.
  • Thomas Schipperges: Agrippina (HWV 6), in: Arnold Jacobshagen, Panja Mücke (Hrsg.): Händels Opern – Das Handbuch. Teilband II. Laaber, (o. O.) 2009, ISBN 3-89007-686-6, S. 41–53.
Commons: Agrippina – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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