Belshazzar
Oratorium von Georg Friedrich Händel
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Belshazzar (HWV 61; dt. Belsazar) ist ein Oratorium in drei Teilen von Georg Friedrich Händel.

Entstehung
Die Entstehung des Belshazzar lässt sich anhand eines überlieferten Briefwechsels zwischen Händel und dem Librettisten Charles Jennens nachvollziehen. Für die 1745er Saison plante Händel zwei neue Oratorien. Die Komposition des ersten davon, Hercules begann er am 19. Juli 1744. Schon am 9. Juni hatte er Jennens um die Zusendung des ersten Akts des Belshazzar gebeten. Am Tag, als er Hercules begann, schrieb er abermals einen Brief an Jennens, bedankte sich für die Zusendung und meinte „Your reasons for the length of the first act are interely satisfactory to me, and it is likewise my opinion to have the following acts short“.
Offenbar konnte Jennens mit Händels Tempo nicht mithalten. Schon am 21. August stellte Händel Hercules fertig und teilte mit, dass er den Text für den zweiten Akt erhalten habe, und nun ungeduldig auf den dritten warte. Die Vertonung fing er am 23. August an und stellte den ersten Akt am 3., den zweiten am 10. September fertig. Drei Tage später drängte er den Librettisten, ihm den ausstehenden Akt zuzusenden.
Am 3. Oktober bedankte er sich schließlich für den Erhalt des übrigen Textes, den er aber kürzen musste, um das Oratorium nicht zu lang zu machen. Ein Datum für die Fertigstellung des 3. Akts fehlt, aber laut Jennens war das Oratorium am 23. Oktober beendet. Die Uraufführung fand am 27. März 1745 am King’s Theatre statt.
Libretto
Die Hauptquelle für das Libretto war das Buch Daniel (Dan 5), in dem die Ereignisse um das Sesachfest (siehe Menetekel) geschildert werden, daneben Jes 13 und Jer 25. Weitere historische Quellen sind Herodot (Historien I, 185 ff.), in dem insbesondere die Gestalt der Nitocris erscheint, die im Bibeltext nicht vorkommt, und Xenophon (Kyra paideia IV, 6 und XII, 13).
Personen
Händel komponierte das Oratorium für das folgende Ensemble:
- Belshazzar: John Beard (Tenor)
- Gobrias: Henry Theodore Reinhold (Bass)
- Nitocris: Élisabeth Duparc, genannt La Francesina (Sopran)
- Cyrus: Mrs. Robinson (Mezzosopran)
- Daniel: Susanna Maria Cibber (Alt)
Wegen der Erkrankung von Mrs. Cibber mussten für die Uraufführung mehrere Umbesetzungen vorgenommen werden. Mrs. Robinson sang nun den Daniel, dessen Part an die höhere Stimmlage von Robinson angepasst werden musste. Thomas Reinhold sang nun den Cyrus. Die Rolle des Gobrias wurde aufgeteilt: ein Teil wurde von John Beard gesungen, der auch für die Titelrolle zuständig war, eine Arie wurde dem Cyrus zugewiesen.
Handlung
Akt 1
Babylon im Jahr 538 v. Chr., die persisch-medische Armee unter König Kyros beginnt die Belagerung der Stadt. Die frühere Königin Babylons, Nitocris sinniert infolge der Gefahr und der unwürdigen Regentschaft ihres Sohnes Belshazzar über die Vergänglichkeit irdischer Reiche. Besorgt um das Schicksal Babylons und der Unzulänglichkeit der eigenen Götter wendet sie sich hilfesuchend an den jüdischen Propheten Daniel und dessen Gott. Daniel erwidert, dass sie nichts weiter tun können, als Tugend zu sammeln und den Rest Gott zu überlassen. Der babylonische General Gobrias, dessen Sohn auf Befehl von Belshazzar hingerichtet wurde, hat sich Kyros angeschlossen, um Rache zu üben. Nach einer Traumvision entwickelt Kyros einen Plan den Fluss Euphrat, der durch Babylon fließt, umzuleiten und das in Babylon stattfindende Scheschak-Fest zur Eroberung der Stadt zu nutzen.
Daniel zitiert aus den Büchern Jesaja und Jeremia, im Wissen, dass das Ende der Gefangenschaft nahe ist. Ein Chor mit Halleluja folgt. Im babylonischen Königspalast bereitet Belshazzar ein Festmahl vor. Aus Hass auf die Juden verwendet er für das Fest rituelle Gegenstände, die aus dem Jerusalemer Tempel entwendet wurden. Nitocris versucht, ihn aufzuhalten, doch Belshazzar verweist auf die eigenen Götter und verflucht seine Mutter. Der Chor der Juden singt von Gottes wachsendem Zorn.
Akt 2
Kyros kann den Euphrat durch Umleitung langsam absenken und infolge die Mauern Babylons überwinden. Die Perser und Meder fallen in die Stadt ein, die während des Festes unverteidigt bleibt.
Währenddessen feiern die Babylonier ein ausgelassenes Fest. Als Belshazzar anwesende Würdenträger der Juden beleidigt und zum Trunk ansetzt, erscheint plötzlich ein wunderliches Zeichen an der Wand. Belshazzar lässt seinen Becher fallen und beginnt zu zittern. Belsazar ruft seine Weisen, um die Zeichen zu deuten, doch sie können sie nicht lesen. Nitocris stellt Daniel Belshazzar vor. Nachdem Daniel Belshazzar böse Taten verurteilt hat, liest er die Zeichen als „Mene Mene Tekel Uparsin“ und deutet sie so, dass Belshazzar entthront und sein Gott das babylonische Reich fallen lässt, um es den Medern und Persern zu geben. Nitocris klagt.
Kyros Truppen haben Babylon bereits erobert und marschiert, angeführt von Gobrias, auf den Königspalast zu. Er erklärt, sein einziges Ziel sei der Tyrann Belshazzar und garantiert die Sicherheit des babylonischen Volkes. Der Akt endet mit einem von Trompeten begleiteten Chor, der Kyros preist.
Akt 3
Nitocris, die das Festmahl verlassen hat, hofft weiterhin auf die Reue ihres Sohnes, doch Daniel bleibt skeptisch. Arioch und sein Gefolge treffen bei Kyros ein und verkünden, dass Belsazar sein Festmahl ohne Reue fortgesetzt hat. In diesem Moment stürmt Kyros’ Heer mit lautem Getöse den Königspalast. Der jüdische Chor feiert die Vernichtung der falschen Götter.
Belshazzar, vom Zauber seines Gottes Sesach beflügelt, rüstet sich zum Kampf gegen die eingebrochenen Perser. Nachdem die beiden Heere aufeinandertreffen, fällt Belshazzar und Gobrias dankt Gott. Kyros befiehlt Gobrias, Nitocris und Daniel zu sich und nimmt Nitocris’ Kapitulation entgegen. Kyros verspricht den Glauben an den einen Gott, die Befreiung der Juden und den Wiederaufbau des Tempels in Jerusalem. Daniel und Nitocris preisen Gott, und das Stück endet mit einem strahlenden Amen.
Weblinks
- Belsazar: Noten und Audiodateien im International Music Score Library Project
- Partitur von Belshazzar (Händel-Werkausgabe, hrsg. v. Friedrich Chrysander, Leipzig 1864) im Münchener Digitalisierungszentrum
- Libretto auf opera.stanford.edu
Literatur
- Winton Dean: Handel's Dramatic Oratorios and Masques. Clarendon, Oxford 1989, ISBN 0-19-816184-0, (Originalausgabe: Oxford University Press, Oxford 1959).
- Hans Joachim Marx: Händels Oratorien, Oden und Serenaten. Ein Kompendium. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1998, ISBN 3-525-27815-2.
- Albert Scheibler, Julia Evdokimova: Georg Friedrich Händel. Oratorien-Führer. Edition Köln, Lohmar 1993, ISBN 3-928010-04-2.