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Cadillac DeVille (1971–1976)

Automodell From Wikipedia, the free encyclopedia

Der Cadillac DeVille der Modelljahre 1971 bis 1976 ist ein Oberklassefahrzeug der zum General-Motors-Konzern gehörenden Automarke Cadillac, das als zweitüriges Coupé DeVille und als viertüriger Sedan DeVille verkauft wurde. Diese Baureihe ist nach verbreiteter Zählung die vierte von Cadillacs insgesamt acht Generationen umfassender DeVille-Reihe. Eine schwächer ausgestattete Variante stand als Cadillac Calais im Programm, die teurere, nur als Viertürer angebotene Spitzenversion hieß 60 Special. Der DeVille dieser Generation war der am weitesten verbreitete Luxuswagen der Welt.[1] Mit Blick auf seine technischen und stilistischen Eigenheiten gilt er als typischer Vertreter der Malaise Era.

Schnelle Fakten DeVille ...
Cadillac
Bild
Bild
Cadillac Sedan DeVille (1973)
DeVille
Produktionszeitraum 1971–1976
Klasse Oberklasse
Karosserieversionen Limousine, Coupé
Motoren Ottomotoren:
7,7–8,2 Liter
Länge 5735–5860 mm
Breite 2027 mm
Höhe 1379–1387 mm
Radstand 3302 mm
Leergewicht 2200–2400 kg
Vorgängermodell Cadillac DeVille (1965–1970)
Nachfolgemodell Cadillac DeVille (1977–1984)
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Entstehungsgeschichte

Längeres und höherwertig ausgestattetes Schwestermodell: Cadillac 60 Special Brougham

Cadillac hatte 1949 ein als DeVille bezeichnetes Hardtop-Coupé eingeführt und vergleichbare Fahrzeuge in den folgenden Jahren durchgängig im Programm gehalten. Anfänglich war der DeVille kein eigenständiges Modell, sondern lediglich eine höherwertig ausgestattete Version des Cadillac Series 62.[2] Zum Modelljahr 1959 gliederte Cadillac den DeVille aus der Series-62-Reihe aus, sodass er zu einem eigenständigen Modell wurde.[2] Im markeninternen Programm war er über der Series 62, aber unter der teuren Baureihe Series 60 Special positioniert. Als die Series 62 durch die Modellreihe Calais ersetzt wurde, blieb der DeVille die mittlere Linie unter Cadillacs Full-Size-Modellen.

Die vierte DeVille-Generation kam 1971 auf den Markt. Sie wurde in einer Phase kontinuierlicher Änderungen von Sicherheits- und Verbrauchsregelungen verkauft. Im dritten Produktionsjahr kam es zur ersten Ölpreiskrise, die zu erheblichen Absatzeinbußen aller amerikanischen Full-Size-Autos führte. Die DeVilles, die zu den größten und schwersten Modellen dieser Klasse gehörten, litten deutlich darunter.[3] Die US-amerikanische Regierung erließ als Reaktion auf die Ölpreiskrise Regeln zur Begrenzung des Flottenverbrauchs, die 1975 unter der Bezeichnung Corporate Average Fuel Economy (CAFE) in Kraft taten und die US-amerikanischen Hersteller dazu zwangen, Maßnahmen zur Senkung des Treibstoffverbrauchs ihrer Fahrzeuge zu ergreifen. Diese Vorgaben wurden schrittweise strenger. Hinzu kamen Bestimmungen zur Verbesserung der passiven Verkehrssicherheit, die wiederholt Konstruktionsanpassungen verlangten. Der DeVille der vierten Generation machte alle diese Entwicklungen mit.

Konkurrenten des DeVille waren der Lincoln Continental des Ford-Konzerns und der Imperial LeBaron von Chrysler. Sie blieben jeweils weit hinter dem Produktionsumfang des DeVille zurück.

Zum Modelljahr 1977 wurde die vierte DeVille-Generation abgelöst. Der Nachfolger war erstmals in der Geschichte der DeVille-Reihe kürzer und leichter als sein Vorgänger. Seine Gesamtlänge ging um 250 mm zurück, der Radstand um 216 mm. Das Leergewicht lag bis zu 500 kg unter dem des 1976er DeVille.[4]

Modellbeschreibung

Plattform und Fahrwerk

Die DeVille der vierten Generation basieren auf der C-Plattform von General Motors. Sie ist eng mit der etwas kürzeren B-Plattform verwandt, die die Grundlage für die meisten Full-Size-Fahrzeuge der Schwestermarken Buick, Chevrolet, Oldsmobile und Pontiac war. Die Autos haben einen Kastenrahmen, dessen Grundmerkmale mit denen der vorherigen Generation übereinstimmen. Zu den Neuerungen der ab 1971 gebauten Generation gehören die vordere und hintere Aufhängung, die neu konstruiert wurden und die Autos „weicher“[3] machten.

Karosserie

Die Cadillac DeVille der Modelljahre 1971 bis 1976 haben Stahlblechkarosserien, die auf das Fahrgestell aufgesetzt wurden. Diese Generation ist im Vergleich zum Vorgängermodell nochmals größer und schwerer.

Der DeVille war wie der Calais als geschlossener Zwei- und Viertürer mit Stufenheck erhältlich, während es den teureren 60 Special der Tradition entsprechend nur als viertürige Limousine mit leicht verlängertem Radstand gab. Anders als in den vorangegangenen Generationen gehörte kein Cabriolet mehr zur DeVille-Reihe; offene Cadillacs gab es seitdem ausschließlich beim Fleetwood Eldorado.[3]

Coupé DeVille als echtes Hardtop Coupé (links, bis 1973) und als Pillared Coupé mit B-Säule (rechts, ab 1974)
Coupé DeVille als echtes Hardtop Coupé (links, bis 1973) und als Pillared Coupé mit B-Säule (rechts, ab 1974)
Coupé DeVille als echtes Hardtop Coupé (links, bis 1973) und als Pillared Coupé mit B-Säule (rechts, ab 1974)

Die Karosserien der großen Cadillacs wurden zum Modelljahr 1971 neu gestaltet. Der Aufbau des DeVille entspricht stilistisch im Wesentlichen dem des Calais und des 60 Special. Cadillac brachte nahezu jährlich Detailänderungen an der Front- und Heckpartie; die Grundstruktur der Karosserie blieb aber von 1971 bis 1976 im Wesentlichen erhalten. Etwas anderes galt nur für den Zweitürer, der bis 1973 ein Hardtop Coupé ohne B-Säule mit rahmenlosen, voll versenkbaren Seitenfenstern war. Mit der gesetzlichen Vorgabe, Fahrzeuge künftig nicht mehr ohne durchgehende Mittelsäule auf den Markt zu bringen, war die in den USA seit Jahrzehnten sehr beliebte Karosseriebauform künftig nicht mehr zulässig. Während der viertürige Sedan DeVille bis 1976 ein Hardtop ohne Mittelsäule blieb, erfüllte Cadillac die Vorgaben zur Seitenaufprallsicherheit beim Coupé bereits anlässlich eines Facelifts zum Modelljahr 1974. Bei den ab 1974 gebauten Zweitürern reicht die B-Säule vom Schweller bis zum Dach, die hintere Dachverkleidung setzt unmittelbar hinter den Türen an. Die Bauform wurde als Pillared Coupé bezeichnet.[3] Das hintere Seitenfenster ist in die seitliche Dachverkleidung eingelassen und in ein Vinyldach eingebettet. Der Vinylüberzug erstreckt sich je nach Kundenwunsch über das gesamte Dach oder erfasst nach Art eines Laudauers nur den hinteren Dachteil über den Rücksitzen; die letztgenannte Variante wurde als Cabriolet Treatment bezeichnet und war aufpreispflichtig.

Interieur

Interieur der Jahrgänge 1971 bis 1973 (links) und ab 1974 („Raumfahrtzeitalter“, rechts)
Interieur der Jahrgänge 1971 bis 1973 (links) und ab 1974 („Raumfahrtzeitalter“, rechts)
Interieur der Jahrgänge 1971 bis 1973 (links) und ab 1974 („Raumfahrtzeitalter“, rechts)

Der Cadillac DeVille der Modelljahre 1971 bis 1976 ist auch nach US-amerikanischen Maßstäben ein sehr großes Auto. Die Innenraumbreite dieser DeVille-Generation übertrifft die aller bis dahin produzierten Cadillacs. Die Schulterfreiheit beträgt vorn 1580 mm, hinten 1640 mm. Das Auto ist ein vollwertiger Sechssitzer. Vorn und hinten sind durchgehende Sitzbänke mit jeweils drei Sitzplätzen eingebaut. Einzelsitze waren nicht erhältlich; allerdings konnte gegen Aufpreis eine Teilung der vorderen Sitzbank im Verhältnis 40:60 bestellt werden. Im teureren 60 Special war diese Variante Teil der Serienausstattung, im preiswerteren Calais war sie gar nicht erhältlich. Der einteilige, aus Kunststoff gefertigte Instrumententräger ist bei den Autos der ersten drei Modelljahre stark konkav geformt. Die Anzeigen sind breit verteilt. Ab 1974 gab es einen neu gestalteten Instrumententräger. Bei ihm sind der Geschwindigkeitsanzeiger und einige Warnanzeiger sind monitorartigen Schaukasten oberhalb der Lenksäule zusammengefasst, sodass sie zentral im Blickfeld des Fahrers liegen. Die Werbung beschrieb diese Anordnung als Space Age Instrument Panel (sinngemäß: Instrumententräger aus dem Raumfahrtzeitalter).[5] Die Sitze waren serienmäßig mit Stoff bezogen; Lederbezüge waren gegen Aufpreis erhältlich. An verschiedenen Stellen wurden Dekorflächen aus Holzimitatfolie eingebaut. Ihre Verteilung stieß in der Presse auf Kritik: Die Folien würden sich an Stellen finden, an denen Holz nicht sinnvoll zum Einsatz kommen könne.[6]

Motorisierung und Kraftübertragung

8,2-Liter-Motor von Cadillac

Die Cadillac DeVille dieser Generation waren ausschließlich mit großvolumigen Achtzylinder-V-Ottomotoren erhältlich, die es in dieser Form bei keiner anderen GM-Marke gab. Wie die unmittelbaren Konkurrenten erreichte auch Cadillac die jährlich strenger werdenden Grenzwerte für Verbrauch und Schadstoffausstoß vor allem durch eine Senkung der Motorleistung.

  • Von 1971 bis 1974 war im DeVille ein 7729 cm³ (472 cui) großer Achtzylinder-V-Ottomotor erhältlich. Diese Konstruktion war bereits in der vorherigen Generation das serienmäßige Triebwerk gewesen; im Vergleich zur 1970er-Version hatte Cadillac allerdings die Verdichtung von 10,0 : 1 auf 8,5 : 1 reduziert, was mit einer Verringerung der Motorleistung von 375 auf 345 SAE-PS (brutto) verbunden war. Später sank die Leistung weiter.
  • Ab 1975 kam serienmäßig ein Achtzylindermotor mit einem Hubraum von 8194 cm³ (500 cui) zum Einsatz, der fast quadratisch ausgelegt war (Bohrung × Hub: 109 × 109,3 mm) und den Cadillac bereits 1970 beim ersten frontgetriebenen Fleetwood Eldorado eingeführt hatte. Er war der bis dahin größte serienmäßig in einem Pkw eingebaute Motor der Nachkriegszeit.[7] Er leistete in der Vergaserversion 190 SAE-PS,[8] sodass die Literleistung lediglich bei 23 PS pro Liter Hubraum lag. Zum Modelljahr 1976 gab es gegen Aufpreis eine Version mit Kraftstoffeinspritzung von Bendix, deren Leistung 215 SAE-PS betrug.

Die Kraftübertragung übernahm in allen Modelljahren serienmäßig eine Dreigangautomatik.

Übersicht über die Motorisierungen[9][8]
Achtzylinder-V-Ottomotoren
Hubraumcui472500
cm³77298194
LeistungSAE-PS (brutto)345
SAE-PS (netto)223208190215
Modelljahr1971S
1972S
1973S
1974S
1975S
1976SO
S=Serienausstattung; O=aufpreispflichtige Option

Abmessungen und Gewichte

Der DeVille der Modelljahre 1971 bis 1976 gehörte zu den längsten und schwersten Serien-PKW der USA.

Der Radstand betrug für alle Karosserieformen des DeVille in allen Modelljahren 3302 mm. Die Außenlänge wuchs bis zur Produktionseinstellung 1976, bedingt durch die zwischenzeitlich eingeführten Sicherheitsstoßstangen, schrittweise um insgesamt 125 mm. Auch das Gewicht stieg an. Das Leergewicht des Coupés reichte von 2124 kg (1971) bis 2290 kg (1975), während der Viertürer 1971 mit 2146 kg und 1975 mit 2334 kg angegeben wurde. Der teurere und längere 60 Special war etwa 100 kg schwerer, der einfachere Calais war bei gleichen Abmessungen geringfügig leichter als der DeVille.

Abmessungen und Gewichte[9]
ModelljahrKarosserieformLeergewicht
(kg)
Länge
(mm)
1971Coupé DeVille21245735
Sedan DeVille2146
1972Coupé DeVille21245776
Sedan DeVille2160
1973Coupé DeVille22345804
Sedan DeVille2261
1974Coupé DeVille22345860
Sedan DeVille2283
1975Coupé DeVille2290
Sedan DeVille2334
1976Coupé DeVille2278
Sedan DeVille2325

Die einzelnen Modelljahre

1971

Cadillac Sedan DeVille (1971)

Der neue Cadillac DeVille kam im Sommer 1970 zum Modelljahr 1971 auf den Markt, ein Jahr nachdem die Konkurrenzmarke Lincoln ihre neue Continental-Generation vorgestellt hatte. Die Wagenflanken sind konturiert; die Auswölbung läuft zum Heck hin spitz zu. Im ersten Modelljahr sind die Doppelscheinwerfer vorn in eine in Wagenfarbe lackierte Blende eingefasst; zwischen den beiden Scheinwerfern ist ein stilisiertes Wappen angebracht. Die Blinkleuchten befinden sich in den vorderen Stoßfängern. Die Kühlermaske ist rechteckig und trägt ein viereckiges Gitter, das als Egg-Crate-Grill (sinngemäß: Eierkastengrill) bezeichnet wird. Sie durchbricht die waagerechte Linie der vorderen Stoßfänger. Die Gestaltung der hinteren Leuchteinheiten greift das traditionelle Cadillac-Design auf: Die schmalen senkrechten Rückleuchten befinden sich in einer Chromeinfassung am Ende der hinteren Kotflügel. Die Rückfahrscheinwerfer sind in die verchromte Verkleidung des unteren Heckabschlusses eingebettet. Als Antrieb diente wie schon beim Vorgängerfahrzeug der 7,7 Liter große Achtzylinder-V-Motor, der hier 345 SAE-PS (brutto) leistet.

Cadillac setzte im ersten Modelljahr der neuen DeVille-Generation etwas mehr als 66.000 Coupés und 69.300 Sedans ab und damit nahezu viermal so viele Autos wie Lincoln mit dem Continental. Damit war der DeVille die mit Abstand erfolgreichste Baureihe Cadillacs; allerdings blieb der Absatz mehr deutlich hinter dem Vorjahr zurück, als Cadillac mit der alten DeVille-Reihe noch mehr als 180.000 Autos hatte verkaufen können.

1972

Coupé DeVille (1972)

Zum Modelljahr 1972 gab es nur wenige Änderungen.

In technischer Hinsicht erfolgte bei Cadillac eine Umstellung der Messmethoden für die Motorleistung. Während bisher Bruttowerte veröffentlicht worden waren, nannte Cadillac wie alle anderen Hersteller nun die Nettoleistung, die nominell geringer war als die Bruttoleistung. Tatsächliche Leistungseinbußen waren mit dieser Umstellung allerdings nicht verbunden.[Anm. 1] Als Höchstleistung des technisch unveränderten 7,7-Liter-Motors gab Cadillac nun 223 SAE-PS (netto) an. Die stilistischen Änderungen beschränkten sich auf Details. So erhielt die Kühlermaske ein neu gestaltetes Gitter, das nun von waagerechten Streben bestimmt ist. Außerdem rückten die vorderen Blinker vom Stoßfänger in die Scheinwerfereinheit: Die Blinker liegen in diesem Jahrgang zwischen den beiden Frontscheinwerfern in einer in Wagenfarbe lackierten Einfassung.

1972 produzierte Cadillac insgesamt 195.000 Coupés und Sedans der DeVille-Reihe. Im gleichen Jahr entstanden 45.000 Lincoln Continental. Die Produktion von Chryslers Spitzenmarke Imperial lag noch unter der von Lincoln.

1973

Sedan DeVille (1973)

Zum Modelljahr 1973 wurde die Frontpartie des DeVille als Reaktion auf strenger gewordene Regeln zum Schutz der passiven Verkehrssicherheit neu gestaltet: Mit Blick auf einen Frontalaufprall waren ab 1973 für alle neu hergestellten Autos vorne Sicherheitsstoßfänger vorgeschrieben, die bei einem Aufprall mit einer Geschwindigkeit von bis zu fünf Meilen pro Stunde Karosserieschäden verhindern sollten.[10] Der DeVille erhielt daraufhin einen neu gestalteten vorderen Stoßfänger, der nun auf einer waagerechten Ebene über die ganze Wagenbreite reicht. Die Kühlermaske erhielt dadurch die Form eines liegenden Rechtecks. Die Verstrebungen des Gitters sind nun nicht mehr waagerecht, sondern senkrecht anordnet. Auch das Scheinwerferarrangement wurde erneut leicht verändert. Nun befinden sich auf jeder Seite des Fahrzeugs die beiden Scheinwerfer und die dazwischen angeordneten Blinker in einer einheitlichen verchromten Einfassung. Änderungen an der Antriebstechnik gab es nicht. Der Motor dieses Jahrgangs leistet weiterhin 223 SAE-PS.

Das Modelljahr 1973 war das erfolgreichste für diese DeVille-Generation. Es endete im August 1973,[Anm. 2] bevor die erste Ölpreiskrise ihre Auswirkungen zeigen konnte. Cadillac setzte in diesem Modelljahr insgesamt mehr als 215.000 DeVille Coupés und Sedans ab.

1974

Cadillac Coupé DeVille (1974)

Ab dem Modelljahr 1974 waren auch hinten für alle neu hergestellten Autos Sicherheitsstoßfänger vorgeschrieben. Bei Cadillac war ihre Einführung mit einem größeren Facelift verbunden. Die profilierten Wagenflanken zugunsten glattfächiger Flanken aufgegeben. Die hinteren Kotflügel der ab 1974 gebauten Modelle münden weiterhin in annähernd senkrecht stehende Abschlussteile aus Edelstahl. Sie fassen nun allerdings nicht mehr die Rückleuchten ein. Stattdessen sind die Rückleuchten der ab 1974 gebauten DeVilles waagerecht oberhalb der hinteren Stoßfänger untergebracht; über ihnen befindet sich der Kofferraumdeckel. Mit dem waagerechten Leuchtenarrangement, das zeitlich auch bei den teuren Coupés und Cabriolets der Fleetwood-Eldorado-Reihe eingeführt wurde, beendete Cadillac ein Designthema, das seit mehr als zehn Jahren als Erkennungszeichen der Marke verwendet worden war. Die Frontpartie wurde ebenfalls überarbeitet. Die Blinker und seitlichen Positionslichter reichen nun unmittelbar an die Scheinwerfer heran. Schließlich erhielt das Coupé ein neu gestaltetes Hardtop, bei dem die B-Säule vom Schweller bis zum Dach reicht. Zu den technischen Änderungen dieses Modelljahrs gehörte die Reduzierung der Motorleistung auf 208 SAE-PS (netto).

Bedingt durch die erste Ölkrise, die zum Ende des Kalenderjahres 1973 – und damit mitten im Modelljahr 1974 – ihre Auswirkungen zeigte, ging der Absatz der DeVilles wie der aller anderen großen und verbrauchsintensiven Autos zurück. Cadillac verkaufte im Modelljahr 1974 nur noch etwa 172.000 Coupés und Sedans der DeVille-Reihe, was einem Rückgang von etwa 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr entsprach. Cadillac war damit von der Ölkrise weniger betroffen als Fords Spitzenmarke Lincoln, bei der der Absatz des großen Continental um fast 40 Prozent einbrach.

1975

Sedan DeVille (1975)

Zum Modelljahr 1975 gab es Änderungen bei der Antriebstechnik. Der bisherige 7,7-Liter-Motor wurde durch den eine Variante mit 8194 cm³ Hubraum ersetzt, deren Leistung mit 190 SAE-PS angegeben wurde. Der DeVille gehörte wie seine Schwestermodelle damit zu den Autos mit der schwächsten Literleistung seines Jahrzehnts: Der Motor gab nur 23 PS pro Liter Hubraum ab. Auch in stilistischer Hinsicht gab es neuerliche Änderungen: Die viertürige Limousine erhielt ein neu gestaltetes Hardtop, bei dem ein trapezförmiges Opera Window in die C-Säule eingelassen ist. Dieses Designmerkmal teilt sich der Sedan DeVille mit dem preiswerteren Calais Sedan,[Anm. 3] nicht aber mit dem exklusiven Sixty Special, der nach wie vor mit einer voll verkleideten C-Säule ohne Fenster ausgeliefert wurde. Alle großen Cadillacs erhielten zudem vorn rechteckige Doppelscheinwerfer; die Cadillacs dieses Jahrgangs gehörten zu den ersten Autos aus US-amerikanischer Produktion, die damit ausgestattet wurden.

Im Modelljahr 1975 führte Cadillac die mittelgroße Luxuslimousine Seville ein, die 50 cm kürzer und nahezu 450 kg leichter war als der DeVille, dafür aber einen fast 40 Prozent höheren Grundpreis hatte.[11] Auswirkungen auf den Absatz von Cadillacs Standardmodell DeVille hatte der Seville nicht. Er konkurrierte vielmehr mit den teuren europäischen Importen wie der S-Klasse von Mercedes-Benz und dem BMW 2500 oder 2800 und erschloss der Marke neue Käuferschichten. Die Produktion des DeVille lag dementsprechend mit 173.500 Autos annähernd auf dem Niveau des Vorjahrs. Dem stehen 55.000 Lincoln Continentals und 8.800 Imperial LeBarons gegenüber.

1976

Cadillac Sedan DeVille (1976)

Das Modelljahr 1976 war der letzte Jahrgang dieser DeVille-Generation. Chrysler hatte mit Ablauf des Modelljahrs 1975 das Konkurrenzmodell Imperial LeBaron eingestellt und trat in diesem Segment nun mit dem weitgehend baugleichen, aber deutlich günstiger verkauften Chrysler New Yorker Brougham an; bei Lincoln gab es weiterhin den auf das Jahr 1970 zurückgehenden Continental. Cadillac nahm beim DeVille für 1976 nahezu keine stilistischen Änderungen mehr vor. In technischer Hinsicht wurde dem aus dem Vorjahr übernommenen 8,2-Liter-Motor mit Vergasern und 190 SAE-PS Höchstleistung eine Variante mit Benzineinspritzung zur Seite gestellt, die 215 SAE-PS leistete. Bis zur Produktionseinstellung im Spätsommer 1976 entstanden noch einmal etwa 180.000 DeVille und damit mehr als doppelt so viele Autos wie Lincoln und Chrysler in dieser Klasse zusammen produzierten.

DeVille d’Elegance

Coupe DeVille d’Elegance mit optionalem Cabriolet Roof Treatment (1976)

Zum Modelljahr 1974 führte Cadillac für den DeVille und den 60 Special das aufpreispflichtige Ausstattungspaket d’Elegance ein, das für beide Karosserievarianten gleichermaßen erhältlich war. Beim Coupé DeVille ließ sich das Paket auf Wunsch und gegen weiteren Aufpreis mit dem Cabriolet Roof Treatment, dem auf den hinteren Dachteil beschränkten Vinylbezug des Dachs, kombinieren. Zum Ausstattungsumfang des d’Elegance gehörten speziell gestaltete Sitzbezüge aus einem Mardi Gras genannten Veloursstoff in den Farbtönen Schwarz/Weiß, Bernstein, Terracotta und Dunkelblau. Hinzu kamen zusätzlich verkleidete Seitenteile der Türen, Taschen in den Rückseiten der Vordersitze, besonders dicke Teppiche und Fußmatten im Innenraum, ein durchsichtiges Cadillac-Wappen am vorderen Ende der Motorhaube und farblich abgestimmte Dekorstreifen an den Wagenflanken.[12]

In den Modelljahren 1975 und 1976 behielt Cadillac das d’Elegance-Paket weiter im Angebot; lediglich die Farbkombinationen der Sitzbezüge änderten sich jährlich. Auch für die ab 1977 verkauften kleineren Nachfolger gab es regelmäßig d’Elegance-Pakete.

Produktion

Der Cadillac DeVille der Modelljahre 1971 bis 1976 wurde in General Motors’ Detroit Assembly in Detroit, Michigan, sowie im Linden Assembly in Linden, New Jersey, hergestellt.

Von 1971 bis 1976 entstanden insgesamt 1.074.829 Coupés und Limousinen der DeVille-Reihe. Die Produktion des DeVille und seiner Schwestermodelle Calais und 60 Special verteilte sich wie folgt auf die einzelnen Modelljahre:

Produktion[8]
ModelljahrCadillac CalaisCadillac DeVilleCadillac 60 Special
CoupéSedanCoupéSedanSedan
19713.3603.56966.08169.34515.200
19723.9003.87595.28099.53120.750
19734.2753.798112.849103.39424.800
19744.5592.324112.20160.41918.250
19755.8002.500110.21863.35218.755
19764.5001.700114.48267.67724.500

Cadillac Mirage

Das Karosseriebauunternehmen Traditional Coachworks aus Chatsworth, Kalifornien, baute 1975 und 1976 etwa 250 DeVille-Coupés in zweitürige Pick-ups um. Die Autos haben eine für Pick-ups ungewöhnliche B-Säule, in die ein Seitenfenster eingelassen ist. Die Fahrzeuge wurden als Cadillac Mirage Pick-up verkauft. Einzelnen Quellen zufolge erfolgte der Umbau mit Zustimmung von General Motors.[13][14]

Literatur

  • Georg Amtmann: Cadillac. Lechner Verlag, Genf 1990, ISBN 3-85049-071-8
  • Albert R. Bochroch: American Cars of the Seventies. Warne’s Transport Library, London 1982, ISBN 0-7232-2870-1.
  • James M. Flammang, Ron Kowalke: Standard Catalog of American Cars 1976-1999, Krause Publishing, Iola (1999), ISBN 0-87341-755-0.
  • Richard M. Langworth: Encyclopedia of American Cars 1930–1980, New York (Beekman House) 1984, ISBN 0-517-42462-2.
  • Mary Sieber, Ken Buttolph: Standard Catalog of Cadillac 1903–1990. Krause Publications, Iola 1991, ISBN 0-87341-174-9.
Commons: 1971-1976 Cadillac DeVille – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen

  1. Bis 1971 wurden SAE gross horsepower („brutto SAE-HP“) nach den Standards J245 und J1995 der Society of Automotive Engineers (SAE) angegeben, die auf dem Motorenprüfstand ohne den Betrieb von Lüfter, Wasserpumpe, Lichtmaschine, Luftfilter und Schalldämpfer gemessen wurden. Aufgrund dieser praxisfernen Methode ergaben sich Leistungswerte, die bis zu 25 % über den europäischen Werten lagen. Seit 1972 wird die Leistung nach den Richtlinien SAE J1349 und SAE J2723 in SAE net horsepower („netto SAE-HP“) angegeben, sodass auch die üblichen und unvermeidbaren Leistungsverluste durch den Betrieb von Nebenaggregaten in die Leistungsangaben einfließen. Diese Umstellung führte bei vielen Käufern zu der subjektiven Einschätzung, dass die Leistungswerte neuer Autos gesunken seien. Vgl. Kraftfahrtechnisches Taschenbuch. 19. Auflage. Robert Bosch GmbH, 1984, ISBN 3-18-418005-0, S. 331, und Understanding Gross Versus Net Horsepower Ratings auf ateupwithmotor.com (abgerufen am 12. April 2026)
  2. Die zeitliche Zuordnung von Automobilen erfolgt in den USA in erster Linie anhand von Modelljahren. Modelljahre weichen von Kalenderjahren in der Regel ab. Bei den meisten Herstellern beginnt bereits im Spätsommer eines Jahres nach den Werksferien, in denen Fertigungsstraßen den neuen Modellen angepasst werden, ein neues Modelljahr. Üblicherweise liegt dies im September oder Oktober.
  3. Beim Calais Sedan war das Dach allerdings nicht mit Vinyl bezogen, sondern in Wagenfarbe lackiert.

Einzelnachweise

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