Cadillac Sixty Special (1971–1976)
Automodell
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Der Cadillac Sixty Special der Modelljahre 1971 bis 1976 ist ein viertüriges Oberklassefahrzeug, das der US-amerikanische General-Motors-Konzern unter der Marke Cadillac produzierte. Seine Verkaufsbezeichnung lautete Sixty Special Fleetwood Brougham. Diese Baureihe wird üblicherweise als zehnte und letzte Generation der Sixty-Special-Familie angesehen. Der Sixty Special ist das besser ausgestattete und geringfügig längere Schwestermodell des zeitgenössischen Cadillac DeVille, mit dem er sich die Technik und im Wesentlichen auch die Karosserie teilt. Er war zeitweise der längste Serien-Pkw aus US-amerikanischer Fertigung und gilt als typischer Vertreter der Malaise Era.
| Cadillac | |
|---|---|
Sixty Special (Fleetwood Brougham) von 1974 | |
| Sixty Special | |
| Produktionszeitraum | 1971–1976 |
| Klasse | Oberklasse |
| Karosserieversionen | Limousine |
| Motoren | Ottomotoren: 7,7–8,2 Liter |
| Länge | 5812–5936 mm |
| Breite | 2027 mm |
| Höhe | 1405–1412 mm |
| Radstand | 3378 mm |
| Leergewicht | 2400 kg |
| Vorgängermodell | Cadillac Sixty Special (1965–1970) |
| Nachfolgemodell | Cadillac Fleetwood Brougham |
Modellgeschichte
Cadillacs Modellpalette bestand seit 1959 aus Einheitskonstruktionen, die durch unterschiedliche Ausstattungs- und Preisgestaltungen in verschiedene Modellreihen aufgefächert wurden. Anfang der 1960er-Jahre bildete die Series 62 das Einsteigermodell, das 1965 durch den an gleicher Stelle positionierten Calais ersetzt wurde. Darüber rangierte die äußerlich und technisch weitgehend gleiche, aber teurere und besser ausgestattete DeVille-Reihe, und das Spitzenmodell war der wie üblich etwas längere und sehr teure Cadillac Sixty Special.

Als Cadillac zum Modelljahr[Anm. 1] 1971 neue Versionen seiner Full-Size-Modelle auf den Markt brachte, kam auch eine neue Sixty-Special-Generation heraus, die wiederum teuerste Cadillac-Linie im Bereich der Standardmodelle. Mit dieser neuen Auflage vereinfachte Cadillac die Sixty-Special-Reihe. Während es bis 1970 zwei Untermodelle gegeben hatte – einen Sixty Special Sedan als Basis- und einen Sixty Special Fleetwood Brougham als Spitzenmodell –, bestand die zehnte Generation nur noch aus einer einzigen Ausstattungslinie, die die Verkaufsbezeichnung Sixty Special Fleetwood Brougham erhielt. Ab 1974 kamen allerdings zusätzliche Ausstattungspakete hinzu, die eine weitere Individualisierung ermöglichten.
Die zehnte Generation des Sixty Special stand zusammen mit ihren Schwestermodellen Calais und DeVille bis 1976 im Programm. Ihre Konkurrenten waren der Lincoln Continental des Ford-Konzerns und der Imperial LeBaron von Chrysler, die jeweils weit hinter dem Produktionsumfang des Cadillac zurückblieben. Als Cadillac 1977 eine neue, kompaktere Baureihe im Full-Size-Segment herausbrachte, wurde die traditionelle, auf das Jahr 1938 zurückgehende Bezeichnung Sixty Special aufgegeben. Die Rolle des bisherigen Sixty Special übernahm der Fleetwood Brougham.
Modellbeschreibung
Plattform und Fahrwerk
Die Sixty Special dieser Generation basieren ebenso die wie Schwestermodelle Calais und DeVille auf der C-Plattform von General Motors. Sie ist eng mit der etwas kürzeren B-Plattform verwandt. Die Autos haben einen Kastenrahmen, dessen Grundmerkmale mit denen der vorherigen Generation übereinstimmen. Zu den Neuerungen der ab 1971 gebauten Generation gehören die vordere und hintere Aufhängung, die neu konstruiert wurden und die Autos „weicher“[1] machten. Der Rahmen ist um 76 mm länger als beim Calais und beim DeVille.
Karosserie

Der Cadillac Sixty Special hat eine Karosserie aus Stahlblech, die mit dem Rahmen verschraubt ist. Stilistisch entspricht sie nahezu vollständig dem Aufbau der zeitgenössischen Calais- und DeVille-Modelle. Allerdings war der Sixty Special ausschließlich als viertürige Stufenhecklimousine mit Hardtop erhältlich. Im Gegensatz zu seinen viertürigen Schwestermodellen hat der Sixty Special eine fest stehende B-Säule, die vom Fahrzeugboden bis zum Dach durchgeht. Außerdem ist der Sixty Special geringfügig länger als seine Schwestermodelle. Der verlängerte Radstand wirkt sich ausschließlich im hinteren Passagierraum aus: Hier ist der Fußraum länger. In den ersten beiden Modelljahren waren die vorderen und die hinteren Türen des Sixty Special baugleich mit denen der Calais- und DeVille-Limousinen; die Verlängerung des Radstands machte hier eine in Wagenfarbe lackierte Blende zwischen den Vorder- und den Hintertüren erforderlich. Ab 1973 wurden vorn längere Türen eingebaut, die die Blende überflüssig machten.
Designdetails wie Leuchten und Dekorteile änderten sich nahezu jährlich. Größere Modifikationen kamen 1973 mit der Einführung sogenannter Sicherheitsstoßstangen an der Frontpartie und im folgenden Jahr mit entsprechenden Anpassungen am Heck. Im Zuge dieses Facelift wurden die profilierten Wagenflanken zugunsten glattfächiger Flanken aufgegeben. Die hinteren Kotflügel der ab 1974 gebauten Modelle münden wie bisher in annähernd senkrecht stehende Abschlussteile aus Edelstahl. Sie fassen nun allerdings nicht mehr die Rückleuchten ein. Stattdessen sind die Rückleuchten der ab 1974 gebauten Autos waagerecht oberhalb der hinteren Stoßfänger untergebracht; über ihnen befindet sich der Kofferraumdeckel. Mit dem horizontalen Leuchtenarrangement, das zur gleichen Zeit auch bei den teuren Coupés und Cabriolets der Fleetwood-Eldorado-Reihe eingeführt wurde, beendete Cadillac das Designmuster senkrecht stehender Rückleuchten, das seit mehr als zehn Jahren als Erkennungszeichen der Marke verwendet worden war. Die Frontpartie wurde 1974 ebenfalls überarbeitet. Die Blinker und seitlichen Positionslichter reichen nun unmittelbar an die Scheinwerfer heran. Ab 1975 gab es rechteckige Doppelscheinwerfer.
- Sixty Special Fleetwood Brougham 1971
- Sixty Special Fleetwood Brougham 1973
- Sixy Special Fleetwood Brougham d’Elegance (1974)
- Sixty Special Fleetwood Brougham 1976
Motorisierung und Kraftübertragung

Die Cadillac Sixty Special dieser Generation waren ausschließlich mit großvolumigen Achtzylinder-V-Ottomotoren erhältlich, die es in dieser Form bei keiner anderen GM-Marke gab. Wie die unmittelbaren Konkurrenten erreichte auch Cadillac die jährlich strenger werdenden Grenzwerte für Verbrauch und Schadstoffausstoß vor allem durch eine Senkung der Motorleistung.
- Als Antrieb diente anfänglich der 7729 cm³ (472 cui) großer Achtzylinder-V-Ottomotor, der bereits beim Vorgänger zur Serienausstattung gehört hatte. 1971 leistete er 345 SAE-PS (brutto); nach der Umstellung auf Nettowerte zum Modelljahr 1972 gab Cadillac die Leistung mit 223 bzw. im Modelljahr 1974 mit 208 SAE-PS an.
- Ab 1975 kam serienmäßig ein Achtzylindermotor mit einem Hubraum von 8194 cm³ (500 cui) zum Einsatz, der bis dahin größte serienmäßig in einem Pkw eingebaute Motor der Nachkriegszeit.[2] Er leistete in der Vergaserversion 190 SAE-PS[3] und mit einer 1976 wahlweise erhältlichen Kraftstoffeinspritzung von Bendix 215 SAE-PS.
Ausstattungspakete
Zum Modelljahr 1974 führte Cadillac für den 60 Special zwei aufpreispflichtige Ausstattungspakete ein, die in leicht abgewandelter Form auch 1975 und 1976 erhältlich waren. Sie betrafen in erster Linie den Innenraum und machten das Auto „plüschig“.[4] Kritiker waren der Ansicht, dass das „schwülstige Luxusimitat“ vor allem dazu diente, die Käufer davon abzulenken, dass sich unter dem Blech vielfach einfachste Technik verbarg.[5] Insofern waren die Sixty-Special-Modelle der 1970er-Jahre typische Vertreter der Malaise Era.[6]
Fleetwood d’Elegance
Das Ausstattungspaket d’Elegance, das in ähnlicher Aufmachung auch beim DeVille erhältlich war – nicht aber beim Calais –, umfasste speziell gestaltete Sitzbezüge wahlweise aus einem „noch weicheren Leder“[7] oder aus einem Veloursstoff, der beim Sixty Special Medici hieß, während er beim DeVille als Mardi Gras verkauft wurde. Die vordere Sitzbank ließ sich im Verhältnis 40/60 – ab 1975: 50/50 – verschieben; auf der Fahrerseite war serienmäßig eine elektrische Sitzverstellung eingebaut. Hinzu kamen mit besonderem Material verkleidete Seitenteile bei Türen, Taschen in den Rückseiten der Vordersitze, besonders dicke Teppiche und Fußmatten im Innenraum sowie farblich abgestimmte Dekorstreifen an den Wagenflanken.[7]
Fleetwood Talisman

Die exklusivste Ausstattungsvariante war das Talisman-Paket, das ebenfalls 1974 eingeführt wurde. Im Gegensatz zum d’Elegance war es nur beim Sixty Special erhältlich und nicht bei der einfacheren DeVille-Reihe. Zum Talisman-Paket gehören vordere Einzelsitze, die durch eine Mittelkonsole voneinander getrennt sind, ferner Sitzbezüge in speziellen Stoffen oder Leder, ein besonders strukturiertes Vinyldach (Elk Grain Vinyl Roof) sowie Drahtspeichenräder.[7] Das Talisman-Paket war sehr teuer: Der Aufpreis gegenüber dem Basismodell des Sixty Special betrug im Modelljahr 1974 fast 2.000 US-$ in der Variante mit Stoffbezügen und 2.400 US-$ mit Sitzbezügen aus Leder.[8] Der Aufpreis entsprach dem Gegenwert eines fabrikneuen AMC Gremlin. Jährlich entstanden nur 1200 bis 1900 Autos mit Talisman-Ausstattung.[8]
Preise
Die Sixty-Special-Limousinen waren in den 1970er-Jahren (abgesehen von Cadillacs Series 75) die teuersten Viertürer aus US-amerikanischer Serienproduktion. Ihre Basispreise lagen zwischen 1.300 und 1.700 US-$ über denen des weitgehend baugleichen Sedan DeVille. Lincolns Continental war jeweils einige hundert US-$ günstiger als der Cadillac Sixty Special. Mit dem Talisman-Paket erreichte der Sixty Special annähernd den Preis der Repräsentationslimousine aus der Series-75-Reihe. Ein importierter Mercedes-Benz 280 erreichte in den USA 1975 annähernd den Preis eines Fleetwood Brougham Talisman.
| Preise der Full-Size-Cadillacs (US-$)[3] | |||
| Modelljahr | Sixty Special | Sedan DeVille | Calais Sedan |
| 1971 | 7.763 | 6.498 | 6.075 |
| 1972 | 7.637 | 6.390 | 5.938 |
| 1973 | 7.765 | 6.500 | 6.038 |
| 1974 | 9.537 | 8.100 | 7.545 |
| 1975 | 10.414 | 8.801 | 8.377 |
| 1976 | 10.935 | 9.265 | 8.825 |
Produktion
Der Cadillac Sixty Special der Modelljahre 1971 bis 1976 wurde wie seine Schwestermodelle in General Motors’ Detroit Assembly in Detroit, Michigan, sowie im Linden Assembly in Linden, New Jersey, hergestellt.
Von 1971 bis 1976 entstanden insgesamt 122.255 Sixty Special. In der gleichen Zeit baute Cadillac 1.074.829 Coupés und Limousinen der DeVille-Reihe.
| Produktion Cadillac 60 Special | ||
| Modelljahr | Insgesamt[3] | davon Talisman[8] |
| 1971 | 15.200 | – |
| 1972 | 20.750 | – |
| 1973 | 24.800 | – |
| 1974 | 18.250 | 1.898 |
| 1975 | 18.755 | 1.238 |
| 1976 | 24.500 | 1.200 |
Literatur
- Georg Amtmann: Cadillac. Lechner Verlag, Genf 1990, ISBN 3-85049-071-8
- Albert R. Bochroch: American Cars of the Seventies. Warne´s Transport Library, London 1982, ISBN 0-7232-2870-1.
- James M. Flammang, Ron Kowalke: Standard Catalog of American Cars 1976-1999, Krause Publishing, Iola (1999), ISBN 0-87341-755-0.
- Richard M. Langworth: Encyclopedia of American Cars 1930–1980. Beekman House, New York 1984, ISBN 0-517-42462-2
- Mary Sieber, Ken Buttolph: Standard Catalog of Cadillac 1903-1990, Krause Publications, Iola 1991, ISBN 0-87341-174-9
Weblinks
Anmerkungen
- Die zeitliche Zuordnung von Automobilen erfolgt in den USA in erster Linie anhand von Modelljahren. Modelljahre weichen von Kalenderjahren in der Regel ab. Bei den meisten Herstellern beginnt bereits im Spätsommer eines Jahres nach den Werksferien, in denen Fertigungsstraßen den neuen Modellen angepasst werden, ein neues Modelljahr. Allgemein liegt dies im September oder Oktober.