Dürre und Hitze in Europa 2026
Hitzewellen in Europa im Jahr 2026
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Die Dürre und Hitze in Europa 2026 ist eine Wetteranomalie mit unterdurchschnittlichen Regenmengen, überdurchschnittlichen Temperaturen und mehreren Hitzewellen, die gerade in Westeuropa von einer außergewöhnlichen Intensität und Dauer gekennzeichnet waren. Infolge dieser Hitzewellen, die in diversen Regionen zahlreiche Allzeit- bzw. Monatsrekorde brachen, kam es zu großen wirtschaftlichen und gesundheitlichen Auswirkungen und zehntausenden Hitzetoten. Begleitet wurden die Hitzewellen durch Dürren, teils schwere Waldbrände, insbesondere in Südwesteuropa, Niedrigwasser in Flüssen und Seen und eine Energiekrise in Südosteuropa durch wegbrechende Stromerzeugung.

Verlauf
Mai 2026
Die erste Hitzewelle trat bereits im Mai auf. Mit 40,3 °C wurde in Portugal ein neuer Mai-Rekord gemessen.[1] Auch in Frankreich, wo die Hitzewelle vom 21. bis am 30. Mai dauerte, wurde mit 37,8 °C in Angoulême-La Couronne am 28. Mai ein neuer nationaler Höchstwert für den Mai registriert. Von Météo-France, dem staatlichen Wetterdienst, wurde diese Hitze als „beispiellos, historisch, außergewöhnlich“ für den Monat Mai eingestuft.[2] In Großbritannien wurden 34,8 Grad gemessen, womit der bisherige Mairekord von 32,8 Grad Celsius, der 1922 und 1944 erreicht wurde, um 2 °C übertroffen wurde.[3] Am 28. Mai wurde in der Schweiz mit 34,8 °C in Biasca der höchste Wert erreicht, der jemals im Mai auf der Alpensüdseite (Schweiz) gemessen wurde. Er lag nur 0,3 °C unter dem nationalen Mai-Rekordwert der Schweiz (35,1 °C in Sion am 25. Mai 2009).[4] In Österreich begann die Hitzewelle am 24. Mai und dauerte fünf bis neun Tage.[5]
Juni 2026
Im Juni 2026 kam es zu einer langanhaltenden Hitzewelle in Europa, die weite Teile des Kontinents betraf. Beginnend um den 18. Juni stiegen die Temperaturen infolge einer Omegalage stark an und führten in zahlreichen Staaten zu neuen Temperaturhöchstwerten, tropischen Nächten und zahlreichen hitzebedingten Todesfällen.
In Frankreich dauerte die erste Hitzewelle vom 17. bis am 30. Juni.[6]
In Deutschland erstreckte sich die Hitzewelle vom 18. bis 28. Juni; der Deutsche Wetterdienst gab zwölf Tage in Folge Hitzewarnungen heraus, so lange wie nie zuvor.[7] An 467 von 488 Messstationen wurden neue Allzeit- oder Monatsrekorde der Höchsttemperatur und an 339 Stationen Rekorde der wärmsten Nachttemperatur registriert.[7] Am 27. Juni wurde in Möckern-Drewitz mit 41,8 °C der bisherige deutsche Allzeitrekord von 41,2 °C aus dem Jahr 2019 übertroffen; im Deutschlandmittel lagen die über sieben Tage gemittelte Tageshöchsttemperatur bei 33,0 °C und die entsprechende nächtliche Tiefsttemperatur bei 17,5 °C.[7] In Österreich dauerte die Hitzewelle in den Niederungen 18 bis 35 Tage.[5] Am 30. Juni wurde in Ungarn mit 42 °C in Szécsény ein neuer Landesrekord verzeichnet.[8]
Die extreme Hitze entstand unter einer ungewöhnlich stabilen Omega-Wetterlage; die Hochdruckgebiete Gorgias und Hartmut, der Zustrom sehr warmer Luft aus Nordafrika, großräumig absinkende Luft und nahezu ungestörte Sonneneinstrahlung zur Zeit der maximalen Tageslänge wirkten dabei zusammen.[7]
Die Weltmeteorologiebehörde sprach von einer „außergewöhnlichen Hitzewelle“, die zahlreiche Rekorde gebrochen habe und unter anderem große Auswirkungen auf menschliche Gesundheit, Ökosysteme, Landwirtschaft, Infrastrukturen und Arbeitsproduktivität gehabt habe. Insgesamt seien mehr als 150 Millionen Menschen betroffen gewesen.[9]
Der Deutsche Wetterdienst hielt fest, dass es sich bei der Hitzewelle um ein Extremereignis gehandelt habe, das „ohne Umschweife als historisch eingestuft werden“ könne. Dabei verwies er u. a. darauf, dass es in Deutschland und auch weiten Teilen Europas noch nie seit Aufzeichnungsbeginn „eine solch lange und intensive Hitzewelle so früh im Sommer gegeben“ habe.[10]
Für Gesamtdeutschland war der heißeste Tag der Hitzewelle der Attributionsanalyse zufolge 3,0 °C (Unsicherheitsbereich 1,3 bis 4,8 °C) und das höchste über sieben Tage gemittelte Tagesmaximum 3,2 °C (1,2 bis 4,9 °C) wärmer als in einem vorindustriellen Klima.[7] Ein quantitativer Faktor für die Erhöhung der Eintrittswahrscheinlichkeit gegenüber dem vorindustriellen Klima konnte nicht bestimmt werden, weil ein Ereignis dieser Intensität in einem 1,3 °C kühleren Klima in den Beobachtungsdaten und vielen Klimamodellen statistisch nicht möglich war.[7]
Die Weltgesundheitsorganisation nannte die Hitzewelle eine „Generalprobe“ für zukünftige europäische Sommer, die „noch schwieriger“ würden, und erklärte, dass es während der Hitzewelle zu Rekordzahlen bei Rettungsdiensteinsätzen gekommen sei.[11]
Juli 2026
Wie bei der Hitzewelle im Juni wurde wieder heiße Luft aus Nordwestafrika über die Iberische Halbinsel nach Europa geführt. Wiederum wurde diese nach Norden bis Nordosten fließende Strömung zwischen einem Tiefdruckgebiet im Westen (mit Stand 29. Juli lag es östlich der Azoren über dem Atlantik) und einem Hoch im Osten (dessen Kern, langsam ostwärts ziehend, lag an jenem Tag über Korsika und Sardinien) gebildet.[12]
In Frankreich dauerte die zweite Hitzewelle vom 4. bis am 19. Juli.[13] Auch in Spanien kam es Anfang Juli zu einer Hitzewelle, bei der u. a. Barcelona am 8. Juli mit 40,5 °C die höchste Temperatur seit Beginn der Aufzeichnungen verzeichnete.[14]
In Frankreich begann am 28. Juli eine neue Hitzewelle,[15] die auch Deutschland erfasste.[16] In Bernburg wurden 40,5 °C erreicht – die bisher höchste Temperatur, die in einem Juli in Sachsen-Anhalt gemessen wurde.[17] Auch an weiteren Orten wurde die 40-Grad-Marke erreicht bzw. überschritten.[18] Die Schweiz wurde um den 29. Juli von der Hitzewelle erfasst.[19] An diesem Tag wurden an mehreren Messstationen im Land neue Juli-Rekorde bei der Tageshöchsttemperatur erreicht.[20] Am 30. Juli wurden an mehreren Messstationen neue Allzeitrekorde verzeichnet, so z. B. in Basel/Binningen mit 39,7 °C, womit zudem der bisherige Rekord für die Alpennordseite (Schweiz) vom 7. Juli 2015 aus Genf egalisiert wurde.[21]
Auch Österreich war wieder betroffen, wo am 31. Juli in Wieselburg mit 40,3 °C der langjährige Österreich-Julirekord (39,7 °C in Dellach im Drautal am 27. Juli 1983) übertroffen wurde. Am gleichen Tag verzeichnete Österreich an weiteren Messstationen neue Juli- bzw. Allzeitrekorde.[22]
August 2026
In Österreich wurden im Zeitraum zwischen dem 3. und 6. August unzählige Temperaturrekorde gebrochen. 63 Messstationen verzeichneten ein neuer Stationsrekord in Bezug auf die Maximaltemperatur.[23] Am 4. August wurden in Wien-Stammersdorf 41,0 °C gemessen und der langjährige Österreich-Allzeitrekord vom 8. August 2013 (40,5 °C in Bad Deutsch-Altenburg) übertroffen.[24] Sieben weitere amtliche Wetterstationen registrierten an diesem Tag Höchstwerte zwischen 40,0 und 40,7 °C.[23] Schon einen Tag später wurde der gerade erst aufgestellte, neue Hitzerekord noch einmal überboten: 41,2 °C waren es in Bad Deutsch-Altenburg.[25] Mit Ausnahme jenes 8. August 2013 lagen die Temperaturen in Österreich vor den Hitzewellen des Jahres 2026 stets unter 40 °C; 2026 wurde diese Temperaturmarke jedoch mit Stand 5. August an gleich sechs Tagen erreicht oder überschritten, darunter an drei Tagen hintereinander.[26] Mit Stand 7. August war der Sommer 2026 in Vorarlberg der wärmste seit Beginn der dortigen Aufzeichnungen.[27] In der dortigen Stadt Bludenz, in der in durchschnittlichen Sommern ein „sehr heißer Tag“ (Höchsttemperatur ≥ 35 °C) auftritt, gab es im Sommer 2026 bis zum 15. August schon 13 davon.[28][29]
Am 6. August wurde in der Slowakei mit 42,2 °C in Dolné Plachtince ein neuer Allzeit-Hitzerekord verzeichnet. Der bisherige Landesrekord wurde erst am Vortag in Kamenica nad Hronom mit 41,4 °C registriert.[30]
Am 13. August wurde in Großbritannien mit 38,1 °C in Kew Gardens der bis dahin heißeste Tag des Jahres und der fünftheißeste Tag seit Beginn der Aufzeichnungen registriert.[31]
In der Schweiz wurden am 13. und 14. August an mehreren Messstationen neue August-Rekorde verzeichnet.[32] Mit Stand vom 16. August 2026 wurden in Biasca im Tessin seit Anfang des Jahres bereits 68 Hitzetage (Höchsttemperatur ≥ 30 °C) registriert[33] und damit bereits mehr als im gesamten Rekordjahr 2022, als es dort während des ganzen Jahres 67 Hitzetage gab.[34] An mindestens 44 Messstationen von MeteoSchweiz wurden die im Jahr 2003 (mit Hitzewelle in Europa) jeweils erreichten Anzahl Hitzetage bereits übertroffen.[33] Auch die Anzahl sogenannter Wüstentage (Höchsttemperatur ≥ 35 °C) wurde in der Schweiz im Vergleich zum Sommer 2003 bereits an einigen Messstationen übertroffen.[35] Im Sommer 2026 wurden in Locarno-Monti bis am 10. August bereits 47 Tropennächte (Tiefsttemperatur ≥ 20 °C) verzeichnet, ein neuer Landesrekord.[36]
Auch im Mittelmeer liegen die aktuellen Wassertemperaturen extrem hoch: im westlichen Mittelmeer etwa vier Grad über dem langjährigen Durchschnitt. Anfang August wurde von einer Messboje vor Mallorca eine Wassertemperatur von 33,02 °C gemessen, vorläufigen Daten zufolge der höchste jemals in spanischen Gewässern gemessene Wert.[37] Im südlichen Tyrrhenischen Meer sowie der nördlichen Adria lagen Spitzenwerte zwischen 30 und 32 °C.[38]
Auswirkungen
Gesundheitliche Folgen
In Westeuropa war es im Juni und Juli 2026 mit einer Durchschnittstemperatur von 21,62 °C heißer als in jedem Juni und Juli seit Beginn der Aufzeichnungen.[39] Durch die Hitze kam es in zahlreichen Staaten zu schweren gesundheitlichen Auswirkungen einschließlich zahlreicher Todesfälle. Erste wissenschaftliche Schätzungen vom Juli 2026 gehen davon aus, dass allein während der Juni-Hitzewelle mehr als 20.000 Menschen in Europa ums Leben gekommen sein könnten.[40]
In Deutschland starben bis zum 2. August rund 12.500 Menschen an der Hitze,[41] mit Stand vom 26. Juli waren es noch rund 11.900. Davon entfielen etwa 9.600 Hitzetote auf die extrem heiße Woche vom 22. bis zum 28. Juni, während der vielerorts Temperaturen über 40 °C erreicht wurden. Am stärksten betroffen waren Senioren über 85 Jahren, jedoch gab es auch 1.100 Hitzetote von Menschen unter 65 Jahren und 1.800 Hitzetote in der Altersklasse 65 bis 74 Jahre.[42] Teils gerieten Rettungsdienste und Notaufnahmen durch das erhöhte Patientenaufkommen an ihre Belastungsgrenze.[43] Der staatliche österreichische Wetterdienst bezeichnete Hitze in einer Aussendung von 2026 als „die tödlichste Naturgefahr“ in Österreich.[44] Die am 12. Juli ausgetragene Etappe der Tour de France wurde, nachdem die Teilnehmer in den Tagen zuvor schon Temperaturen von bis zu 35 °C ausgesetzt waren, von 185,5 km auf 155,5 km gekürzt. Erstmals in der langjährigen Geschichte des Radrennens war Hitze der Grund für eine Änderung der Tourplanung.[45]
Greenpeace nahm seit Juni 2026 in zwölf Wohnungen in Wien regelmäßige Messungen vor und stellte dort Temperaturen von 29 bis 34 °C fest. Die Volkshilfe forderte gezielte Entlastungsmaßnahmen für armutsgefährdete Menschen, die wenig mobil sind, kaum Mittel für bauliche Maßnahmen (z. B. Jalousien) haben oder sich keinen Schwimmbadbesuch leisten können.[46]
Der Leiter der österreichischen Telefonseelsorge gab an, die Menschen seien in einer Hitzeperiode „dünnhäutiger“ und wissen weniger, wie sie körperlich mit der Hitze umgehen sollen. Zwar werde die Telefonseelsorge im Sommer ohnehin am meisten beansprucht; im Sommer 2026 war sie jedoch ganz besonders gefragt.[47]
In Frankreich gab es vorläufigen Berechnungen der Gesundheitsbehörden zufolge allein in der Juni-Hitzewelle mehr als 5700 Hitzetote, wobei etwa die Hälfte der Menschen zwischen dem 25. und 27. Juni starben.[48]
In England und Wales starben gemäß UK Health Security Agency allein durch die Hitzewellen im Mai und Juni fast 2900 Menschen und damit fast so viele wie im Gesamtjahr 2022, dem Jahr mit der bislang größten hitzebedingten Übersterblichkeit.[49][50]
Laut einer Analyse der Nichtregierungsorganisation Global Witness lagen die Ozonwerte an 59 Stationen (36 %) der 159 im Zeitraum vom 21. bis am 28. Juni 2026 in Europa untersuchten Messstationen so hoch wie niemals zuvor in einem Juni. Ozon ist nach Feinstaub der zweitgefährlichste Luftschadstoff in der EU. Es kann Entzündungen der Lunge, der Augen, der Nase und des Rachens hervorrufen und Asthmaanfälle auslösen.[51]
Italien rief am 6. August 2026 erstmals die höchste Alarmstufe Rot für alle 27 Städte seines nationalen Hitzewarnsystems aus.[52] Diese Alarmstufe bedeutet ein Gesundheitsrisiko für die gesamte Bevölkerung.[53]
Dürre

Meteorologie
Im Sommer 2026 kam es in weiten Teilen Europas zu Dürre.[54] Betroffen waren mit Stand August 2026 vor allem Teile der Iberischen Halbinsel, Frankreichs, Deutschlands, Österreichs, Ungarns und Großbritanniens.[55] Die Dürre entwickelte sich als zusammengesetztes Ereignis aus länger anhaltenden Niederschlagsdefiziten und extremer Hitze; im Osten bestanden Niederschlagsdefizite teils bereits seit 2025, während die Dürre im Westen nach einem überwiegend feuchten Jahresbeginn vor allem ab April rasch einsetzte.[54] Die hohen Temperaturen steigerten die atmosphärische Verdunstungsnachfrage und entzogen Böden und Vegetation zusätzliche Feuchtigkeit.[54] Dadurch können Niederschlagsdefizite, die in einem kühleren Klima noch keine Dürre ausgelöst hätten, unter den heutigen Temperaturen zu ausgeprägten landwirtschaftlichen und ökologischen Dürrebedingungen führen.[54]
Für die westliche Untersuchungsregion, die England und Wales, Frankreich, Italien sowie die Iberische Halbinsel umfasste, ließ sich bei den Niederschlägen von April bis Juni kein klarer Einfluss des Klimawandels nachweisen; die hohe potenzielle Evapotranspiration (PET), ein Maß für die atmosphärische Verdunstungsnachfrage, wurde dagegen etwa 80-mal wahrscheinlicher und rund 7 % intensiver.[54] In der östlichen Untersuchungsregion, zu der Deutschland und große Teile Mittel- und Osteuropas gehörten, wurden die von Januar bis Juni beobachteten hohen PET-Werte durch den menschengemachten Klimawandel etwa 40-mal wahrscheinlicher und rund 8 % intensiver.[54] Die beobachtete Bodenfeuchtedürre wurde gegenüber einem 1,4 °C kühleren Klima in der westlichen Region etwa fünfmal und in der östlichen Region auf der Sechsmonatsskala etwa elfmal wahrscheinlicher.[54] Diese Werte beziehen sich auf großräumig zusammengefasste Gebiete und Zeiträume und lassen sich daher nicht unmittelbar auf einzelne Orte oder kürzere Phasen übertragen.[54]
In Deutschland bestand seit November 2025 mit Ausnahme des ungewöhnlich nassen Februars ein Niederschlagsdefizit; nach der extremen Hitze Ende Juni lag die Bodenfeuchte in der südwestlichen Landeshälfte deutlich unter dem für Juli üblichen Niveau.[54]
Ähnlich betroffen war Österreich, wo es seit Oktober 2025 – mit Ausnahme des Februars 2026 – zu wenig Niederschlag gab.[56] Im landesweiten Mittel fiel das Niederschlagsdefizit in der ersten Jahreshälfte 2026 mit 27 % fast gleich hoch aus wie 2003 mit 30 % und 1993 mit 29 %.[57] In der Periode vom 23. Februar bis am 9. August 2026 fiel das Niederschlagsdefizit sogar höher aus als im gleichen Zeitspanne der Jahre 2003 und 2015. Der Zeitraum von August 2025 bis Juli 2026 werde in Österreich laut Klimaforscher Klaus Haslinger von der GeoSphere Austria als die trockenste 12-Monats-Periode seit Messbeginn 1850 in die Geschichte eingehen.[58]
In der Schweiz waren die Niederschlagsmengen bereits im vergangenen Winter (Dezember 2025–Februar 2026) verbreitet unter dem Durchschnitt der Referenzperiode 1991–2020, wobei das Niederschlagsdefizit im landesweiten Durchschnitt bei rund 30 % lag.[59] Der Frühling 2026 (März–Mai) zählte in der Schweiz im landesweiten Mittel zu den zehn trockensten Frühlingen seit Messbeginn 1864. Extrem trocken war der April, im Schweizer Mittel der vierttrockenste April seit Messbeginn 1864.[60] Auch im Juni lag die monatliche Niederschlagssumme verbreitet unter der Referenzperiode.[61] Bei einem Großteil der Messstationen von MeteoSchweiz wurde im Juli 2026 ein Niederschlagsdefizit von 30 bis 70 % im Vergleich zur aktuellen Normalperiode (1991–2020) verzeichnet.[62]
Schwer durch geringe Niederschläge bei gleichzeitig hohen Temperaturen getroffen waren auch ein Großteil Englands[63] sowie ganz Wales: in diesen Teilen Großbritanniens wurde am 11. August 2026 offiziell eine Dürre erklärt[64]. Für 23 Millionen Engländer und Waliser wurden Bewässerungsverbote erlassen. Insgesamt war der Juli 2026 nach provisorischen Daten des Met Office der trockenste Juli in England seit Beginn der Aufzeichnungen; im Landesschnitt fielen nur etwa 7 % des üblichen Niederschlags, in manchen Regionen im Süden nur 1 %,[65] womit Südengland sogar den trockensten Monat seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1836 erlebte. In Wales wurde nach provisorischen Daten der trockenste Juli seit Messbeginn verzeichnet.[66]
Folgen für Land-, Vieh- und Forstwirtschaft

Infolge der Dürre wurden Ernteausfälle erwartet, etwa beim Mais.[67] in Deutschland ging der Bauernverband Anfang August von einer leicht unterdurchschnittlichen Ernte bei Getreide und Raps aus, während es bei späten Früchten noch zu früh für eine Bewertung war.[68] Jedoch sei gerade die Situation bei Spätkulturen wie Zuckerrüben, Kartoffeln und Mais angespannt, deren wichtigsten Wachstums- und Ertragsphasen in die trockensten und heißesten Monate fielen.[69] Problematischer sei die Situation beim Grünland, wo es zu Problemen bei der Futterversorgung für die Tierhaltung kam. So mussten gemäß Bauernverbandes über ein Drittel der deutschen Landwirte Futtermittel zukaufen.[68]
Österreichische Milchbauern trieben ihre Kühe teilweise bereits mitten im Sommer in die Ställe und gaben ihnen Winterfutter, da zu wenig Gras auf den Weiden nachwuchs.[70] Auch Wassermangel, vor allem auf höhergelegenen Almen, machte den Bergbauern zu schaffen; teilweise wurde das Wasser für die Weidetiere schon aufwendig mit Tankwagen hinauftransportiert, da eine Alpkuh 70 bis 80 Liter Wasser pro Tag braucht.[71] In den letzten Wochen bis Mitte August sind dreimal soviele Schlachtkühe wie gewöhnlich gehandelt worden, um der Futterknappheit zu entkommen.[72] Die Österreichische Hagelversicherung bezifferte die im Land durch die Dürre ausgelösten Schäden mit Stand 10. August auf 1 Milliarde Euro. Das ist das Zehnfache des Vorjahres. Der Vorsitzende der Hagelversicherung erwartet eine deutliche Verschlechterung der Eigenversorgung Österreichs mit Lebensmitteln, eine höhere Abhängigkeit von Importen und höhere Lebensmittelpreise.[73]
Auch in der Schweiz wurde das Futter auf vielen Betrieben knapp und die Ernteerträge bei den Ackerkulturen fielen tiefer aus als üblich. Infolge wurden u. a. durch das Bundesamt für Landwirtschaft die Zölle auf Heuimporte per 1. August 2026 aufgehoben[74] und die Schweizer Armee flog Wasser mit Superpumas u. a. auf die Freiburger Alpen.[75] Mancherorts endete von daher die Almsaison mehrere Wochen früher als üblich.[76] Auf einer in einem Skigebiet liegenden Alm in Graubünden wurden die für die Beschneiung vorhandenen Wasserleitungen zum Befüllen von Viehtränken benutzt.[77]
In England waren am 11. August mehr als 70 % der Landesfläche von Dürre betroffen[78], in Wales das ganze Landesgebiet.[79] Landwirte und Experten warnten vor Dürreschäden bei der Landwirtschaft und Preiserhöhung insbesondere bei gesunden Nahrungsmitteln wie Gemüse. Auch die Wasserversorgung geriet unter Druck, da die Wasserreserven schneller verbraucht wurden, als sie sich regenerieren. Vielerorts war auch die Vegetation ausgetrocknet, was das Waldbrandrisiko erhöhte.[63] Im August hatten fünf Wasserspeicher in England und Wales extrem niedrige Wasserstände.[80]
Im Burgund begann bereits am 8. August die Ernte für den Schaumwein Crémant, fünf Tage früher als beim bislang frühsten Erntebeginn. In Languedoc-Roussillon wurden die ersten Trauben sogar schon im Juli geerntet. Andere Weinernten wurden durch Hitze und die Dürre jedoch verzögert, da diese das Pflanzenwachstum und Traubenreife verzögerten.[81]
Niedrigwasser in Flüssen und Seen



In verschiedenen Flüssen kam es zu Niedrigwasser, darunter Donau, Rhein und Elbe, wodurch u. a. der Gütertransport auf Wasserstraßen nur noch eingeschränkt möglich war.[67] Ende Juli war die Schifffahrt auf Rhein und Donau so stark limitiert, dass Schiffe nur noch einen Bruchteil ihrer Ladung aufnehmen konnten und die IHK vor Versorgungsengpässen bei Rohstoffen wie Kohle, Rohöl und Erdgas warnte.[83] Auch die Stromerzeugung aus Wasserkraft ging zurück.[84]
Am 1. August erreichte der Rhein bei Köln mit 68 cm den niedrigsten Pegel seit Beginn der Aufzeichnungen, noch einen Zentimeter tiefer als während des Dürrejahres 2018, während er in Kaub und Duisburg-Ruhrort wieder genau die Niedrigststände von 2018 erreichte.[85] Am 3. August erreichte Rhein bei Kaub mit 24 cm den niedrigsten Pegel seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1905,[86] bevor am 5. August mit 19 cm erneut ein Tiefststand erreicht wurde.[87] In den kommenden Tagen sank der Pegel Kaub immer weiter, bis zuletzt (Stand: 17. August 2026, 05:45 Uhr) auf 5 cm.[88] Am Abend des 8. August erreichte der Pegel Köln mit 59 cm einen neuen Tiefststand,[89][90] der sich bis am 16. August weiter auf 45 cm senkte.[91] In Düsseldorf wurde am 7. August mit einem Pegel von erst 14 cm,[92] dann 13 cm ein neuer Tiefststand erreicht. Inzwischen liegt er bei 1 cm (Stand: 14. August, 12:00 Uhr).[93] In den Niederlanden erreichte der Rhein am Pegel Lobith ebenfalls den niedrigsten Wasserstand seit Beginn der Aufzeichnungen.[94]
Der Durchfluss der Donau am Pegel Baziaș an der serbisch-rumänischen Grenze sank bis zum 12. August auf 1350 Kubikmeter Wasser pro Sekunde[95] und unterbot damit den im Jahr 1985 erreichten Niedrigstwert (1400 m³/s). Der Durchschnitt im Juli liegt bei 4750 Kubikmetern, im August bei 3900 m³/s pro Sekunde.[96] Am Elbe-Pegel Magdeburg-Strombrücke wurde am 9. August ein Wasserstand von 41 Zentimeter gemessen; noch einmal 4 cm weniger als der bisherige niedrigste Stand aus dem Sommer 2019.[97] Am 17. August waren es nur noch 35 cm.[98]
Viele weitere Gewässer führten Niedrigwasser. So erreichte z. B. der Neusiedler See um den 13. August einen Wasserstand von 115,05 Meter über Adria, wobei der Allzeit-Augustrekord bei 114,95 Metern über Adria und der Allzeitrekord über alle Monate hinweg aus dem Oktober 2022 bei 114,87 Meter über Adria liegt.[99] Der Zürichsee erreichte mit einem Pegel von 405,73 m ü. M. (Stand: 31. Juli, 12:20 Uhr) einen so tiefen Wasserstand wie noch nie in einem Juli. Im August erreichte der Zürichsee mit einem Pegel von 405,46 m ü. M. (Stand: 16. August, 21:20 Uhr) einen so tiefen Wasserstand wie noch nie in einem August, womit der Allzeitrekord über alle Monate hinweg vom 17. März 1952 mit einem Pegel von 405,46 m ü. M. egalisiert wurde.[100] Dem Bodensee am Pegel Bregenz, am Obersee, fehlten im Vergleich zum für diese Zeit des Jahres üblichen Wasserstand bereits 1,22 m, mit weiter fallender Tendenz. Der dort am 29. Juli gemessene Wasserstand lag somit schon um 16 cm unter dem bisherigen, seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1864 registrierten Minimum.[101] Weitere Seen in der Schweiz erreichten den tiefsten jemals in einem Juli gemessenen Pegel, so der Zugersee[102] der Walensee und der Baldeggersee, wobei der Walensee bereits auch einen neuen Augusttiefststand erreichte und der Baldeggersee den bisherigen Augusttiefststand vom 22. August 1949 egalisierte.[103][104] Die Wassertemperatur der Aare an der Messstation in Bern erreichte am 14. Juli 2026 mit einem Tagesmaximum von 24,82 Grad einen neuen Allzeitrekord.[105]

Im Juragebirge verzeichnete das Grenzgebiet zwischen Frankreich und der Schweiz im Sommer 2026 eine ausserordentliche Trockenperiode. Die Areuse und ihre Zuflüsse im Schweizer Kanton Neuenburg waren fast ganz trocken und der Fluss führte den geringsten seit Messbeginn 1959 je gemessenen Wasserabfluss; die Wasserkraftwerke an der Areuse stellten den Betrieb ein.[106] Aus den Karstmassiven floss kaum mehr Grundwasser zu den Flussquellen im Gebirge, und im Juli 2026 versiegte der Doubs an seinem Oberlauf auf einer Strecke zwischen Pontarlier und Morteau im Département Doubs vollständig; das Flussbett war auf einer Länge von mehreren Kilometern ausgetrocknet. Wegen des Wassermangels mussten einige französische Gemeinden durch Tankwagen mit Trinkwasser versorgt werden.[107] Unterhalb von Morteau erhielt der Doubs noch etwas Wasser aus weiteren Quellaufstössen.[108] Der See Lac des Brenets (Lac de Chaillexon), der teilweise in Frankreich und teilweise im Schweizer Kanton Neuenburg liegt, trocknete bis auf ein Rinnsal des Doubs, der ihn durchquert, aus. Weil auch der Bergbach Rançonnière, ein Zufluss des Lac des Brenets aus der Schweiz, trockenfiel, sank der Seespiegel noch stärker und erreichte einen Tiefstand von neun Metern unter dem Normalniveau.[109] Die hydrologische Messstation am See fiel wegen des zu tiefen Pegels aus. Betroffen war auch der Schiffsverkehr, der die sonst üblichen Exkursionen zum Wasserfall Saut du Doubs einstellen musste. Auch die Felsstufe beim Wasserfall lag trocken. Aufnahmen vom trockengefallenen See mit den gestrandeten Booten wurden nach Agentur-Reportagen von mehreren internationalen Medien wie der Times, Asian News International, The Straits Times in Singapur, oder AOL News in den USA als Symbolbilder für die extreme Trockenheit in Mitteleuropa verbreitet.[110][111]
Funde im Niedrigwasser
In vielen Gewässern waren die Pegel so niedrig, dass lange Zeit verschwundene Schiffswracks sowie Sperrmüll und Altmunition zum Vorschein kamen. In der Nähe der bulgarischen Stadt Ruse fanden Wissenschaftler im trockengefallenen Teil des Donau-Flussbetts Überreste eines Wollmammuts, darunter mehrere Knochen.[112] In Budapest fand man im Flussbett deutsche Panzerabwehrminen, ein Wehrmachts-Motorrad und die Überreste zweier deutscher Soldaten mit Erkennungsmarken. Die Soldaten sollen auf der Kriegsgräberstätte Budaörs begraben werden. Bei Prahovo in Serbien tauchten im Fluss zahlreiche Wracks von Kriegsschiffen der deutschen Schwarzmeerflotte, teils noch mit Munition an Bord, auf. Diese waren dort im September 1944 versenkt worden, um den Vormarsch der Roten Armee zu verlangsamen.[113] Am Nussensee entsorgte der Entminungsdienst insgesamt 200 kg Altmunition, darunter Zünder, Granaten sowie vier Sprengsätze, die insgesamt 8 kg TNT enthielten.[114][115] Eine 250 kg schwere Fliegerbombe wurde in der Elbe bei Heidenau/Pratzschwitz gefunden und am 17. August entschärft.[116]
Algenwachstum
Durch die intensive Sonnenstrahlung wurde in vielen Flüssen und Seen das Algenwachstum beschleunigt, was zu einer Belastung an den Randgebieten der Gewässer unter anderem mit der für Menschen gesundheitgefährlichen Blaualge führte.[117] In Italien trat die Mikroalge Ostreopsis ovata an mehreren Küstenabschnitten auf, was teilweise Badeverbote nach sich zog.[118]
Reaktionen
Aufgrund des Niedrigwassers auf mehreren Wasserstraßen beschlossen mehrere Bundesländer (Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz, das Saarland, Thüringen, Berlin und Brandenburg) eine Aufhebung des Lkw-Wochenendfahrverbots, um so die in der Schifffahrt wegfallenden Kapazitäten zu kompensieren.[119][120] Zum Schutz der Fische und anderer Wasserlebewesen schränkten mehrere Schweizer Kantone auf Grund von Niedrigwasser den Zugang zu den meisten Fließgewässern ein, so das Baselbiet und der Kanton Solothurn.[121][122] Zur Eindämmung von Fischsterben wurden vielerorts Notabfischungen durchgeführt,[123] u. a. in der Emme.[124] Es gibt aber auch Kantone, die grundsätzlich auf Notabfischungen verzichteten, etwa Freiburg und Solothurn.[125][126] Auf dem Rhein stellte u. a. die St. Alban-Fähre (ab 10. August) der Basler Fähren den Betrieb bis auf Weiteres ein.[127]
Infrastruktur und Energieversorgung
Energieversorgung
Aufgrund der niedrigen Pegel in vielen Flüssen kam es zu erheblichen Einbrüchen bei der Stromproduktion aus Kernkraftwerken und bei der Wasserkraft, die insbesondere in Ungarn und Rumänien zu einer Stromversorgungskrise führten. Während in der Vergangenheit öfter Kernkraftwerke gedrosselt werden mussten, um Flüsse nicht zu sehr mit Abwärme aufzuheizen, genügten die Wassermengen in der Donau im August 2026 zum Kühlen der Kraftwerke oft nicht. Insgesamt standen in der ersten Augustwoche in Südosteuropa nur 60 % der normalen Stromerzeugungskapazitäten zur Verfügung. Einzig Bulgarien konnte in Südosteuropa dank Solarenergie und starken Investitionen im Bereich Batteriespeicher trotz des Niedrigwassers noch Strom exportieren, obwohl auch dort ein Kernkraftwerk wegen Niedrigwasser abgeschaltet werden musste.[128]
Frankreich
In Frankreich wurden am 13. Juli 6400 Megawatt Atomkraftwerksleistung abgeschaltet, da die zur Kühlung genutzten Flüsse zu warm wurden. Das entsprach etwa 14 % des Strombedarfs Frankreichs. Dennoch konnte das Land sogar Strom exportieren.[129] Ein weiteres Kernkraftwerk wurde am 9. August durch Schwärme von Quallen, die sich bei erhöhten Wassertemperaturen bevorzugt in Küstennähe aufhalten, lahmgelegt. Die vier in Betrieb befindlichen der insgesamt sechs Blöcke des Atomkraftwerks Gravelines fuhren automatisch herunter, nachdem zuviele Quallen in die Filter der Kühlwasserpumpen gelangten.[130]
Österreich
Auch Österreich, das aufgrund der gebirgigen Topographie einen großen Anteil seines Stroms aus Wasserkraft gewinnt, erfuhr drastische Einbußen: Die normalerweise um diese Zeit des Jahres zur Verfügung stehende, gesamte Wasserkraftwerksleistung von 5000 bis 5500 MW war am 3. August auf weniger als die Hälfte geschrumpft.[131] Das Land konnte diese Ausfälle jedoch durch Strom aus Photovoltaik, Wind und Pumpspeicherkraftwerken, den abendlichen Einsatz von Gaskraftwerken sowie durch Importe in einer Größenordnung, die für das Leitungsnetz problemlos ist, kompensieren.[132]
Rumänien
In Rumänien erklärte die Regierung für den gesamten August den Notstand und erklärte, dass gezielte, temporäre Stromabschaltungen in Vorbereitung seien, falls nicht genug Strom gespart werde. Sie begründete diese angedachten Maßnahmen mit der Stromknappheit infolge des Donauniedrigwassers. Nachdem der Block 1 des einzigen rumänischen Kernkraftwerkes, des Werks in Cernavodă, bereits zu Beginn der letzten Juliwoche heruntergefahren worden war, versuchte man, Wasser durch einen Kanal umzuleiten, um wenigstens Block 2 in Betrieb halten zu können. Dies funktionierte nur bedingt. Anfang August sprengte das rumänische Militär einen die Donauschifffahrt störenden Felsen, den man seit bereits 30 Jahren vergeblich zu beseitigen versuchte.[133] Vier ausgediente Lastkähne wurden mit den Trümmern beladen und in einem anderen Donauarm versenkt. Diese Unterwasserbarriere soll das Wasser aufstauen und in einen 60 km langen, zum Kraftwerk führenden Kanal lenken.[134] Mit dieser Maßnahme konnte der Betrieb von Block 2 bis zum 13. August aufrechterhalten werden. Dann wurde auch er ausgeschaltet, womit die Anlage zum ersten Mal seit dem Dürresommer 2003 komplett stillsteht.[135] Zur Kompensation des Ausfalls des Kernkraftwerks wurde ein 330 MW-Kohlekraftwerk in Betrieb genommen.[136]
Die Autohersteller Dacia und Ford legten ihre Werke in Rumänien bis voraussichtlich zum 19. August still und entlasteten das Stromnetz somit um 200 MW.[137]
Schweiz
In der Schweiz wurde das Kernkraftwerk Beznau aufgrund zu hoher Temperaturen der zur Kühlung genutzten Aare bereits mehrere Male vorübergehend gedrosselt und komplett heruntergefahren.[138][139] Die Laufwasserkraftwerke entlang der Flüsse produzierten im langjährigen Vergleich deutlich weniger Strom, das Defizit konnte aber durch den in den letzten Jahren vorgenommenen starken Ausbau der Photovoltaik kompensiert werden.[140]
Slowakei
Wegen der geringen Wasserführung der Donau lief am 8. August im größten slowakischen Wasserkraftwerk Gabčíkovo nur noch eine von acht Turbinen.[141]
Ungarn
In Ungarn stand das bereits während der Junihitze aufgrund der aufgeheizten Donau gedrosselte Kernkraftwerk Paks wegen niedriger Pegelstände des Flusses Anfang August kurz vor dem vollständigen Herunterfahren. Nachdem der ungarische Premierminister Péter Magyar die Abschaltung des – ohnehin nur noch mit stark reduzierter Leistung arbeitenden – Werks am 2. August angekündigt hatte, gelang es Ingenieuren einen Tag später, den Kühlwasserbedarf zu reduzieren und das gänzliche Herunterfahren vorerst zu vermeiden.[142] Mit Stand 7. August lieferte es nur noch 12 % seiner Nennleistung.[143] Magyar warnte vor Engpässen bei der Stromversorgung, da auch ein Gaskraftwerk nach einem Defekt nicht betriebsbereit sei.[144] Er sprach von einer „beispiellosen Energiekrise“, zumal eine Hitzewelle mit 40 °C erwartet werde, die das Stromnetz sehr stark belasten werde. Er rief Unternehmen, die öffentliche Verwaltung und die privaten Haushalte zum Stromsparen auf. Einkaufszentren sollten Klimaanlagen drosseln, Städte und Kommunen sowie Kirchen dekorative Beleuchtung abschalten. Zudem soll der Schienengüterverkehr in den besonders kritischen Abendstunden für mehrere Stunden eingestellt werden.[145] Magyar warnte, dass das Kraftwerk in Paks, welches normalerweise 30 % des Strombedarfs in Ungarn deckt, über Wochen stillstehen könnte. Befürchtet wurden durch die Energiekrise auch hohe Kosten für Stromimporte aus dem Ausland.[142][146] Noch während der Krise erklärte Magyar eine Abkehr von der Energiepolitik seines Vorgängers Viktor Orban, die er für die Energiekrise verantwortlich machte, und kündigte Investitionen in Batterie-Speicherkraftwerke, Stromnetze und die unter Orban verbotene Windenergie an.[147]
Weitere Infrastruktur- und Wirtschaftsschäden
In Deutschland verursachte die Junihitze Schäden an Autobahnen und kommunalen Straßen, beeinträchtigte den lokalen und überregionalen Schienenverkehr und führte durch Brände in Trafostationen zu Stromausfällen.[7]
Um ein bis drei Meter unter dem Durchschnittspegel liegende Grundwasserspiegel führten in der österreichischen Stadt Dornbirn zu Straßenabsenkungen von bis zu 20 Zentimetern. Nachdem Linienbusse bereits auf diesen Buckelpisten aufsetzten, musste die Stadt Sofortreparaturen vornehmen.[148]
Die Wasserstände auf dem Rhein waren in der zweiten Augustwoche so gesunken, dass Schiffe mit nur noch knapp 20 % ihrer Tragfähigkeit beladen werden konnten.[149] Die Frachtkosten für Tankschiffe von Rotterdam nach Karlsruhe stiegen dadurch von 45 auf fast 160 € pro Tonne.[150] In Teilen Westdeutschlands, die über den Rhein versorgt werden, verteuerten sich Kraftstoffe, da Benzin in Tanklagern knapp wurde. Auch Erdölraffinerien drohten Probleme, da ohne die Möglichkeit, anfallendes Schweröl in Richtung Nordsee abzutransportieren, der Betrieb gedrosselt oder ganz eingestellt werden muss.[151] Des Weiteren wurden in mindestens 110 deutschen Kommunen Allgemeinverfügungen ausgesprochen, die die Wasserentnahme stark einschränken.[152]
Nachdem in der Ostschweizer Gemeinde Uzwil Aufrufe zum Wassersparen nicht den erwünschten Nutzen gebracht haben, kündigte die Gemeinde am 12. August an, das Freibad bereits am 16. August zu schließen, zwei Wochen früher als geplant. Mit dieser Maßnahme können täglich bis zu 150.000 Liter Frischwasser eingespart werden.[153] Insgesamt riefen mehr als 194 Gemeinden in der Schweiz ihre Bevölkerung zum Wassersparen auf und mindestens 151 Gemeinden erließen Verbote für bestimmte Wassernutzungen, wie Pools zu befüllen, Gärten zu bewässern oder Autos zu waschen.[154]
Die Sommerskigebiete stellten den Betrieb wegen der anhaltenden Hitze bereits früher als geplant ein, als letztes schloss am 15. August der Skibetrieb auf dem Stilfser Joch.[155]
Wald- und Flächenbrände
Während der Hitzewelle brachen in Spanien und Frankreich mehrere große Wald- und Flächenbrände aus, aufgrund derer alleine im Juli zusammen rund 375.000 Menschen evakuiert werden mussten, davon rund 260.000 in Frankreich.[156] Sowohl Frankreich als auch Spanien baten um internationale Unterstützung zur Bekämpfung der Brände.[157]
Zu den Brandbedingungen trug nicht nur die austrocknende Hitze bei: In mediterranen Gras- und Buschlandschaften kann ein feuchter Winter zunächst mehr Biomasse entstehen lassen, die in einem heißen und trockenen Sommer als zusätzlicher Brennstoff wirkt.[54] Dieses oft auch als „whiplash effect“ bezeichnete Phänomen, bei dem sich nasse und trockene Extremwetterereignisse ablösen, trat 2026 sowohl in Frankreich als auch Spanien auf und wird durch den menschengemachten Klimawandel ausgelöst.[158]
Laut dem Europäischen Waldbrandinformationssystem (European Forest Fire Information System; EFFIS) verbrannten bei Waldbränden in der Europäischen Union seit Beginn des Jahres und bis um den 29. Juli bereits 434.976 Hektar (ha) Fläche, was deutlich über den 346.836 ha lag, die im Jahr 2025 (dem bisher schlimmsten Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 2006) im gleichen Zeitraum verbrannten.[159] Allein in Frankreich waren von Anfang des Jahres bis um den 30. Juli bereits 91.016 ha verbrannt, weit mehr als im bisherigen Rekordjahr 2022, als dort während des ganzen Jahres 66.337 ha verbrannten.[160]
Belgien
Am 14. August brach in der Hochmoor- und Heidelandschaft des Hohen Venn ein Brand aus, der rapide wuchs und für schwere Rauchbelastung bis nach Deutschland sorgte.[161] Binnen eines Tages breitete sich das Feuer auf 1600 Hektar aus.[162] Bis zum 16. August 2026 verbrannte das Feuer eine Fläche von rund 3000 Hektar und ist damit der mit Abstand größte in Belgien registrierte Flächenbrand seit Beginn der Aufzeichnungen.[163]
Deutschland

In Deutschland kam es durch die extreme Trockenheit bei gleichzeitig heißen Temperaturen zu außergewöhnlichen Feuerwetterbedingungen, die bei Vorhandensein einer Zündquelle wie einer weggeworfenen Zigarette hervorragende Voraussetzungen für die rasche Ausbreitung von Bränden boten. Es kam zu schweren Bränden, bei denen teils Tausende Menschen evakuiert werden mussten, was für Deutschland bislang außergewöhnlich ist.[164]
Im Juli 2026 brannte es im Müritz-Nationalpark mehrere Tage lang.[165] Etwa 400 Hektar waren betroffen.[166]
Im August 2026 kam es im hessischen Rodenbach zu einem großen Waldbrand, der insgesamt 55 ha Wald zerstörte. Mehr als 700 Feuerwehrleute aus Hessen und dem benachbarten Bayern waren im Einsatz. Im mehreren Nachbargemeinden rief der Wasserversorger die Bevölkerung auf, den Wasserverbrauch auf ein Minimum zu reduzieren, um die Löschwasserversorgung sicherzustellen. Der Waldbrand war der größte in der Region seit vielen Jahren und der größte in Hessen binnen eines Jahrzehnts.[167]
Auch im Landkreis Mayen-Koblenz wurde ein Wald- und Wiesenbrand mit einer Fläche von 50 ha gemeldet, der zeitweise die Orte Langenfeld und Arft bedrohte. Die Anwohner von Netterhöfe mussten zwischenzeitlich evakuiert werden.[168]
Nahe Waldaschaff brach am 15. August ein Vegetationsbrand aus, der etwa 29 ha Wald- und Wiesenlandschaft verbrannte und auf die Wohnbebauung überzugreifen drohte. Zeitweise mussten mehrere angrenzende Häuser evakuiert werden. Feuerwehr und Hilfsorganisationen waren mit etwa 600 Einsatzkräften vor Ort, zudem kamen drei Löschhubschrauber zum Einsatz.[169]
Am 13. August brach im Kreis Düren (Nordrhein-Westfalen) der Waldbrand im Hürtgenwald aus, der sich bis zum 14. August auf eine Fläche von 300 Hektar ausbreitete. Bewohner des Kreises wurden aufgefordert, sich sofort in geschlossene Räume zu begeben, um sich vor dem Rauch zu schützen.[170] Etwa 2300 Bewohner aus dem Hürtgenwaldner Ortsteil Gey wurden evakuiert. Der Brand, der sich sowohl als Boden- als auch als Wipfelfeuer ausbreitete und teils auch unterirdisch fortbewegte, ist der bislang größte Waldbrand in der Geschichte Nordrhein-Westfalens.[171]
Frankreich

Frankreich erlebte die bei weitem schwerste Brandsaison seit Beginn der Aufzeichnungen. Bereits Ende Juli waren etwa 100.000 Hektar verbrannt und damit mehr als in jeder anderen Saison bzw. fünfmal so viel wie in durchschnittlichen Jahren, obwohl typischerweise die Waldbrandsaison erst im August richtig beginnt.[172] Mitte Juli kam es im Wald von Fontainebleau zu einem Großbrand, der etwa 20 Quadratkilometer Wald in Mitleidenschaft zog. Ermittelt wird gegen insgesamt sieben Personen wegen vorsätzlicher oder fahrlässiger Brandstiftung, darunter einen Feuerwehrmann.[173]
Im weiteren Monatsverlauf kam es in der Nähe von Bordeaux zu extremen Bränden, bei denen sogar eine Pyrocumulonimbus-Wolke entstand, eine vom Feuer selbst geschaffene Gewitterwolke, die unter anderem ihr eigenes Wetter auslösen und damit die Lage unberechenbar machen kann. Gemäß dem französischen Feuerwehrverband war eine solche Wolke nie zuvor in Frankreich beobachtet worden; sie sei vor allem aus besonders waldbrandgefährdeten Regionen wie Australien oder Kanada bekannt.[156]
Österreich
Im Föhrenwald in St. Egyden am Steinfeld kam es ab dem 5. August zu einem Großbrand, der auf etwa 100 ha Fläche wütete und erst nach fünf Tagen gelöscht werden konnte. Große Trockenheit, Wind und zahlreiche Glutnester erschwerten die Brandbekämpfung. Ausgelöst wurde er nach Angaben der Polizei höchstwahrscheinlich durch phosphorhaltige Munitionsreste aus dem Zweiten Weltkrieg. Im Laufe der Jahrzehnte wurde der Phosphor freigesetzt sowie zersetzt und entzündete sich in der großen Hitze.[174][175] Am 14. August brach in einem anderen Bereich des Föhrenwaldes ein Feuer aus. 700 Feuerwehrleute konnten dieses jedoch vorerst unter Kontrolle bringen.[176]
Spanien

In Spanien verbrannten bis Mitte August fast 200.000 Hektar, nach 2022 und 2012 der dritthöchste Wert seit Beginn der Aufzeichnungen.[177] Besonders betroffen war die Region um die Gebirgszüge Sierra de Guadarrama und Gredos, beide westlich von Madrid gelegen.[178] Am 24. Juli rief Spanien erstmals in seiner Geschichte aufgrund von Waldbränden den nationalen Notstand aus, nachdem sich zwei große Brände nahe Madrid vereinigt hatten und bei großer Hitze, starken Winden und ausgedörrter Vegetation unkontrolliert ausbreiteten.[157] Es kam zu drei Großbränden; einer davon wurde von einem Bürgermeister der rechtsextremen Vox-Partei verursacht, der mit einem Mähdrescher Funkenschlag auslöste. Ein anderer Brand soll laut Aussagen von Dorfbewohnern von einem bekannten Klimawandelleugner und Sympathisanten dieser Partei verursacht worden sein. Beide ignorierten Verbote zur Nutzung schwerer Landmaschinen. Das dritte Feuer entstand durch ein in Brand geratenes Auto.[178] Mit einer Fläche von bislang geschätzt 470 km² wäre das Feuer in der Provinz Ávila der größte Flächenbrand in der Geschichte Spaniens; der bislang größte Brand war das Feuer von Larouco, das 2025 rund 380 km² Land verwüstete.[179]
Aufgrund des russischen Überfalls auf die Ukraine, die zu Wirtschaftssanktionen gegen Russland führten, konnten in Spanien acht russische Löschhubschrauber des Typs Kamow Ka-32 nicht eingesetzt werden, da Ersatzteile fehlen und russische Techniker die Maschinen nicht mehr warten dürfen.[180] Die letzten drei dieser Hubschrauber kamen 2023 noch zum Einsatz; ab 2024 standen alle still.[181] Verglichen mit mittelschweren Löschhubschraubern, die für gewöhnlich 1000 bis 1300 Liter Löschwasser tragen, können die schweren Ka-32 bis zu 4500 Liter,[180] nach spanischen Angaben sogar über 5000 Liter abwerfen.[182] Das Ausfallen der Hubschrauber wurde von russischen Staatsmedien breit thematisiert, um die EU-Sanktionen zu kritisieren.[183] Spanische Quellen kritisieren, dass die (nach ihrer Angabe zehn) Ka-32-Hubschrauber bei der Brandbekämpfung fehlen. Mit ihren gegenläufigen Rotoren können sie präzise manövriert werden und seien zusammen mit ihrer hohen Tragfähigkeit nur schwer zu ersetzen. Schon in der Waldbrandsaison 2025 war ihr Ausfall ein Problem, was die spanische Regierung auch einräumte. Einem Antrag der Sumar-Fraktion an die Regierung, sie solle in Brüssel eine Aufhebung der Sanktionen gegen diese Hubschrauber erwirken, folgte letztere nicht. Die Beschaffung von Alternativen zum Ka-32 sei zudem bei Weitem nicht so schnell, wie die Regierung es ankündigte, vorangekommen.[182][184]
Weitere Staaten
Ende Juli brachen auch in Griechenland während einer Hitzewelle schwere Waldbrände aus, bei denen mindestens drei Feuerwehrleute starben.[185] Gemäß dem griechischen Regierungschef Kyriakos Mitsotakis kam es zu einer „äußerst schwierigen“ Lage mit „extremen“ Wetterbedingungen. Zudem kollidierten zwei Löschhubschrauber, wobei zwei Piloten starben. Die Brände bedrohen unter anderem die Stadt Megara.[186]
Wegen der hohen Waldbrandgefahr wurde in der Schweiz in mehreren Kantonen ein absolutes Feuerverbot im Freien ausgesprochen;[187] Liechtenstein tat dies am 8. Juli. Mit Stand vom 12. August gilt in der Schweiz inzwischen bereits in 21 Kantonen ein absolutes Feuerverbot, in den restlichen fünf ein Feuerverbot im Wald.[188]
Im Juli 2026 brachen in England und Wales 393 Wald- bzw. Flächenbrände aus, der höchste Wert seit Beginn der Aufzeichnungen. Dadurch kam es zu einer starken Beanspruchung von Feuerwehrleuten und Material.[65]
Unwetter
Am Abend des 19. Juni zog ein heftiges Gewitter mit Starkniederschlag über die Stadt Zürich und verursachte zahlreiche Schäden. Eine Person verlor durch einen herabfallenden Ast ihr Leben.[189][190]
Unwetter führten am Abend des 29. Juli in den Ötztaler Alpen zu mehreren Murenabgängen, die schwere Schäden an der dortigen Infrastruktur verursachten. Eine Mure verschüttete die Kläranlage in Sölden und legte sie voraussichtlich für Monate lahm. An den Rofenhöfen wurden mehrere Autos verschüttet und ein Gasthof beschädigt. Auch im Pitztal verlegte eine Mure eine Straße.[191]
Eine Kaltfront, die am 6. August von Nordwesten gegen die Ostalpen zog und die extreme Hitze in Österreich vorübergehend unterbrach, erzeugte heftige Gewitter mit lokal intensiven Niederschlägen. Dadurch kam es im Pinzgau, vor allem in Uttendorf, zu Überschwemmungen und mehreren Murenabgängen, die ebenfalls erheblichen Schaden anrichteten.[192][193]
In der Schweiz wurde die Albulalinie der Rhätischen Bahn (RhB) nach einem Erdrutsch im Val Bever, offenbar ausgelöst durch ein lokales Gewitter vom Abend des 12. August, wegen einer teils massiven Gleisunterspülung bis am Abend des 14. August unterbrochen.[194]