Moto Guzzi 750 SP

Italienisches Motorrad der Kategorie Tourer 1989–1993 From Wikipedia, the free encyclopedia

Die Moto Guzzi 750 SP ist ein als leichter Tourer ausgelegtes Motorrad, das der italienische Hersteller Moto Guzzi von Ende 1989 bis 1993 in Mandello del Lario baute. Die Endung „SP“ steht im Italienischen für Super Protezione, auf Deutsch „Superschutz“, also für die Vollverkleidung. Die 750 SP wurde im Herbst 1989 zusammen mit dem sportiv aussehenden Modell Targa 750 vorgestellt, ab Anfang 1990 ausgeliefert und ist die direkte Nachfolgerin des von 1986 bis 1989 produzierten Sporttourers V75.

Schnelle Fakten 750 SP, Motordaten ...
Moto Guzzi
750 SP
Hersteller Moto Guzzi
Produktionszeitraum 1990 bis 1993
Klasse Motorrad
Bauart Sportmotorrad
Motordaten
luftgekühlter V2-90°-Viertaktmotor, längs eingebaut
Hubraum 744 cm³
Leistung 35/48 kW/PS
Drehmoment 59 Nm
Höchst­geschwin­digkeit 170 km/h
Getriebe 5-Gang
Antrieb Kardanantrieb
Bremsen Integralbremssystem. Vorn: Doppelscheibe Ø270 mm, Doppelkolbensättel
hinten: Scheibe Ø235 mm, Doppelkolbensattel
Radstand 1480 mm
Maße (L × B × H, mm): 2155 × 750 × 1405
Leergewicht trocken: 180 kg
Vorgängermodell V75
Nachfolgemodell Norge 850 (indirekt, ab 2008)
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Das Modell in der mittleren Hubraumklasse ergänzt das Tourenmotorrad-Angebot von Moto Guzzi unterhalb des ähnlich aussehenden Schwestermodells 1000 SP III, das allerdings vom sogenannten „Big-Block“-Aggregat angetrieben wird und eine stark unterschiedliche Grundkonstruktion hat.

Technisch gleicht die 750 SP weitgehend der Targa 750. Frontverkleidung, Tank, Sitzbank, Seitenpaneele und Heckaufbau unterscheiden sich stark. Mit dem höheren, breiteren Lenker ist die Sitzposition tourengerecht aufrechter. Die „SP“ war wahlweise mit Seitenkoffern lieferbar[1] und in den Metallic-Lackierungen Dunkelgrau, Silbergrau und Blaugrün erhältlich.

Nach dem Produktionsende 1993 hatte Moto Guzzi keinen vollverkleideten Tourer oder Sporttourer mehr im Angebot, bis die Norge 1200 im November 2005 auf der Zweiradmesse EICMA in Mailand präsentiert wurde. 2008 kam mit der davon abgeleiteten Norge 850 wieder ein Sporttourer in der mittleren Hubraumklasse.

Technik

Antrieb

Der gesamte Antrieb ist mit dem des Sportlers Targa 750 identisch. Der längs eingebaute, fahrtwindgekühlte Viertakt-Zweizylinder-V-Motor basiert auf dem ab 1977 in den unterschiedlichen V35-, V50- und V65-Modellen verwendeten Aggregat, das international „Small Block“ genannt wird. Seine Entwicklungsstufe ist die gleiche wie bei der parallel eingeführten NTX 750.[1] Er hat, wie alle V-Motoren von Moto Guzzi seit 1967, einen Zylinderwinkel von 90 Grad. Pro Zylinder werden je ein Ein- und ein Auslassventil von einer untenliegenden Nockenwelle über Stößel, Stoßstangen und Kipphebel gesteuert (sogenannte OHV-Steuerung). Die Zylinder haben eine Bohrung von 80 mm Durchmesser, die Kolben einen Hub von 74 mm. Daraus ergibt sich ein Hubraum von 743,9 cm³. Das Verdichtungsverhältnis ist 9,7 : 1. Die Nennleistung von 35 kW (48 PS) wird bei einer Drehzahl von 6600 min−1 erreicht,[2] das maximale Drehmoment von 59,4 Nm bei 3200 min−1.[3]

Das Gemisch bilden zwei Vergaser von Dell’Orto vom Typ PHBH 30 B.[2] Die elektronische Zündung lieferte der spanische Zulieferer Motoplat.[3] Am vorderen Ende der Kurbelwelle wird die Lichtmaschine, die eine maximale Stromstärke von 20 A erzeugt, direkt angetrieben.[2] Der Kraftstofftank fasst 16 Liter.[3] Bei einem Durchschnittsverbrauch von 5,8 l / 100 km gemäß Herstellerangabe[2] ergibt sich eine theoretische Reichweite von ca. 270 km.

Die Einscheiben-Trockenkupplung wird mechanisch über Seilzug betätigt. Das Getriebe hat fünf Gänge.[2] Ein Kardanantrieb überträgt die Kraft an das Hinterrad.

Die Abgasnachbehandlung besteht aus je einem ungeregelten Katalysator direkt vor jedem langen, konischen Schalldämpfer,[4] die gesamte Auspuffanlage besteht aus verchromtem nichtrostendem Edelstahl.

Rahmen und Fahrwerk

Baugleich zwischen der 750 SP und dem Schwestermodell Targa 750 sind der Doppelschleifenrahmen aus Stahlrohr mit geschraubten Unterzügen sowie alle Fahrwerkskomponenten. Das Vorderrad wird von einer hydraulisch gedämpften, nicht einstellbaren Guzzi-Teleskopgabel mit Druckausgleich (Ölleitung zwischen den Standrohren), 38 mm Standrohrdurchmesser und 136 mm Federweg geführt.[2]

Am Hinterrad gibt es eine Zweiarmschwinge aus Aluminium mit (entspannt) 330 mm langen Koni-Federbeinen.[2] Der Federweg beträgt 68 mm, die Federvorspannung ist in 3 Stufen mit Hakenschlüssel einstellbar, die Druckstufendämpfung werkzeuglos in 4 Stufen.[2] Die Kardanwelle ist im rechten Schwingarm integriert. Wie bei allen Guzzi-Modellen mit der „Small-Block“-Antriebskonstruktion ist die Schwinge drehbar gelagert direkt am Getriebegehäuse angeschraubt.[5]

Vorn wie hinten hat die 750 SP Leichtmetall-Gussfelgen vom Typ MT in grau lackiertem Fünf-Doppelspeichen-Design, die den Einsatz schlauchloser Reifen ermöglichen. Die Radgrößen sind 18″×2,50″ vorn und 18″×2,75″ hinten.[2] Die Reifendimensionen sind vorn 100/90 V 18 und hinten 120/80 V 18.[3]

Das Motorrad ist serienmäßig mit Haupt- und Seitenständer ausgestattet.

Bremsanlage

Das Integralbremssystem hat hydraulisch betätigte Scheibenbremsen: am Vorderrad zwei schwimmend gelagerte Bremsscheiben mit einem Durchmesser von 270 mm und axial geschraubten Doppelkolben-Festsätteln von Brembo; am Hinterrad eine schwimmend gelagerte Bremsscheibe mit 235 mm Durchmesser und einen Brembo-Doppelkolben-Festsattel. Alle Bremskolben haben einen Durchmesser von 32 mm.[2]

Einzelnachweise

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