Moto Guzzi California II
Italienisches Motorrad der Kategorie Cruiser 1981–1987
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Die Moto Guzzi California II ist ein Motorrad der Bauart Cruiser, das vom italienischen Hersteller Moto Guzzi von Ende 1981 bis 1987 in Mandello del Lario gebaut wurde und in Deutschland zu den bestverkauften Guzzis gehört.[1] Die Verkaufsbezeichnung California wird von Moto Guzzi seit der Ur-California von 1971 für große Motorräder mit langem Radstand, breitem Lenker und Trittbrettern verwendet.
| Moto Guzzi | |
|---|---|
California II, Bj. 1986 | |
| California II | |
| Hersteller | Moto Guzzi |
| Verkaufsbezeichnung | California II V1000 California II |
| Produktionszeitraum | 1981 bis 1987 |
| Klasse | Motorrad |
| Bauart | Cruiser |
| Motordaten | |
| luftgekühlter V2-90°-Viertaktmotor, längs eingebaut | |
| Hubraum | 949 cm³ |
| Leistung | 49/67 kW/PS |
| Drehmoment | 76 Nm |
| Höchstgeschwindigkeit | 158 km/h |
| Getriebe | 5-Gang |
| Antrieb | Kardanantrieb |
| Bremsen | Integralbremssystem. Vorn: zwei 300 mm-Scheiben, Doppelkolbensättel hinten: 242 mm-Scheibe, Doppelkolbensattel |
| Radstand | 1565 mm |
| Maße (L × B × H, mm): | 2370 × 890 × 1570 |
| Sitzhöhe | 77 cm |
| Leergewicht | trocken: 250 kg / vollgetankt: 279 kg |
| Vorgängermodell | 850 T3 California |
| Nachfolgemodell | California III |
Geschichte
1968 entstand auf Betreiben des US-Importeurs Berliner Motor Corp. eine Polizei-Version der ein Jahr zuvor eingeführten V7, die zunächst vom LAPD in Los Angeles in Dienst genommen wurde. Diese Version mit großer Scheibe und Verkleidung stieß bald auf starkes Interesse seitens der privaten Motorradfahrer, so dass Moto Guzzi die zivile Version V7 California entwickelte. Über zwei Zwischenmodelle mit wachsendem Hubraum kam es zu dieser vierten Generation California II.[2] Die Typfreigabe durch das italienische Verkehrsministerium erfolgte am 7. September 1981,[3] ausgeliefert wurden die Maschinen ab Anfang 1982.
Während die Vorgängerinnen nur Ausstattungsvarianten von vorhandenen Baureihen waren, wurde die „Cali II“ erstmals als eigenständiges Modell konstruiert.[3] Optisch unterscheidet sie sich relativ wenig von ihrer direkten Vorgängerin 850 T3 California: Der Tank stammt von den „T“-Modellen, die breite schwarz-weiße Sitzbank hat zwar eine deutliche Stufe für den Sozius, ist aber noch ähnlich, der breite Lenker ist ähnlich schwungvoll nach oben geformt. Die weiterhin verchromten Kotflügel sind hingegen erheblich voluminöser, ähnlich denen der V 850 California und Eldorado (1972–1974) und in der jeweiligen Farbe des Motorrads teillackiert.[3] Wie bei der „T3 Cali“ gehören eine sehr große Frontscheibe, ein verchromter Gepäckträger, Sturzbügel vorn und hinten sowie schwarze Kunststoff-Seitenkoffer vom deutschen Zulieferer Schuh[4] zur Serienausstattung.[1] Erhältlich war das Motorrad in den Lackierungen Anthrazit, Weiß und Weinrot. In Deutschland betrug der Listenpreis bei der Markteinführung 11.590 DM.[4]
1985 wurden 25 Exemplare der Variante „P.A.“ für die italienische Polizei mit entsprechender Ausstattung gebaut. P.A. steht im Italienischen für Pubbliche Amministrazioni, wörtlich „öffentliche Verwaltungen“, d. h. Behörden.[5]
Im Juli 1987 wurde die direkte Nachfolgerin California III vorgestellt.[6]
- Produktionszahlen
Insgesamt wurden ca. 9800 Stück California II produziert. Davon waren in Deutschland Ende 1990 noch weit mehr als 2000 Einheiten zugelassen.[3]
| Jahr | 1981 | 1982 | 1983 | 1984 | 1985 | 1986 | 1987 |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Stückzahl[5] | 150 | 2338 | 2341 | 1714 | 1497 ∗ | 1226 | 518 |
Technik
Antrieb
Der Motor der California II gleicht dem des Tourers 1000 SP NT von 1980. Auffälligster Unterschied ist die 1981 mit dem Sportler 850 Le Mans III eingeführte neue Form von Zylinderkopf und Zylinder. Bei diesem sogenannten „eckigen Motor“ sind die Kühlrippen nicht mehr rund bzw. oval, sondern rechteckig mit abgeschnittenen Ecken geformt und bringen eine bessere Kühlung des Motors. Es war der erste Guzzi-Motor, der gemäß den verschärften Emissionsbestimmungen im US-Bundesstaat Kalifornien entwickelt wurde.[6] Diese Bestrebung führte zum Verzicht auf rund 9 PS Nennleistung im Vergleich zur „Le Mans III“ trotz 105 cm³ mehr Hubraum aus einer um 5 mm größeren Bohrung.
Der längs eingebaute, luftgekühlte Viertakt-Zweizylinder-V-Motor hat, wie alle V-Motoren von Moto Guzzi seit 1967, einen Zylinderwinkel von 90 Grad. Die Zylinder haben eine Bohrung von 88 mm, die Kolben einen Hub von 78 mm, woraus sich der Hubraum von 948,8 cm³ ergibt. Das Verdichtungsverhältnis beträgt 9,2 : 1. Pro Zylinder wird je ein Ein- und Auslassventil von einer untenliegenden Nockenwelle über Stößel, Stoßstangen und Kipphebel gesteuert. Zwar hat der Motor die neuen „eckigen Zylinder“ der „Le Mans III“, aber die kleineren Ventile (Einlass Ø 41 mm, Auslass Ø 36 mm) aus den parallel verkauften Touring-Modellen 1000 SP NT und 850 T4.[3] Das Gemisch bilden zwei Dell’Orto-Flachstromvergaser vom Typ VHBT 30 C mit Rechteckschieber.[3]
Durch diese konstruktiven Änderungen hat die „Cali II“ mit 67 PS (49 kW) bei 6700/min eine 14 % höhere Nennleistung und ein deutlich besseres Durchzugsvermögen aus niedrigen Drehzahlen als die Vorgängerin „T3 Cali“: Das maximale Drehmoment von 76 Nm wird schon bei 5200/min erreicht.[3]
Am vorderen Ende der zweifach gelagerten Kurbelwelle wird die Lichtmaschine (14 V, 20 A) direkt angetrieben.[7] Die Batteriezündung besteht aus zwei Zündspulen und Doppelunterbrecherkontakten.
Auf dem hinteren Kurbelwellenstumpf befindet sich eine mechanisch mit Seilzug betätigte Zweischeiben-Trockenkupplung, über die die Motorkraft an ein separates, schrägverzahntes Fünfganggetriebe weitergeleitet wird, das unverändert von der „Le Mans III“ übernommen wurde.[1] Wegen der Trittbretter für den Fahrer ist der linke Fußhebel jedoch als Schaltwippe ausgeführt: hinten treten zum Hochschalten, vorne zum Herunterschalten. Mit dem Hinterrad ist das Getriebe durch eine Kardanwelle verbunden.
Die gesamte Auspuffanlage mit zwei Endschalldämpfern besteht aus rostfreiem Edelstahl und trägt dazu bei, die verschärften US-Abgasvorschriften und EG-Geräuschnormen zu erfüllen. Neben dem neukonstruierten Ansaugtrakt steckten die Guzzi-Techniker unter der Leitung von Umberto Todero (1922–2005) viel Aufwand in die Entwicklung der doppelwandigen Krümmer und Vorschalldämpfer, die hohe Laufruhe und Drehmoment bringen.[4]
Der Kraftstofftank aus lackiertem Stahlblech fasst ca. 24 Liter, davon sind ca. 3 Liter Reserve. Der Benzinverbrauch nach CUNA beträgt 5,8x l/100 km, womit sich eine theoretische Reichweite von ca. 410 km ergibt. Die Höchstgeschwindigkeit wird teilweise mit 190 km/h angegeben: mit serienmäßig werkseitig angebauter Frontscheibe und Seitenkoffern beträgt sie je nach Quelle 157 oder 158 km/h,[3] das hohe Drehmoment bei geringer Drehzahl lässt die schwere Maschine in 6,0 Sekunden von null auf 100 km/h beschleunigen.[4]
Rahmen und Fahrwerk
Wie (als erstes Modell) die V7 Sport von 1971 baut die California II auf dem sogenannten „Tonti-Rahmen“ auf, einem Doppelschleifenrahmen aus Stahlrohr mit geschraubten Unterzügen, der vom damaligen technischen Direktor Lino Tonti (1920–2002) entworfen worden war, durch seine hohe Steifigkeit ein stabiles Fahrverhalten auch bei hoher Geschwindigkeit ermöglicht und zum Standard-Rahmen der bis 1993 eingeführten großen Guzzi-Modelle wurde.[5][8]
Das Vorderrad wird von einer hydraulisch gedämpften Teleskopgabel „Patent Moto Guzzi“ aus Aluminiumguss mit 35 mm Standrohrdurchmesser geführt. Der Federweg beträgt 125 mm, der Lenkkopfwinkel 62,5°, der Nachlauf 95 mm.
Am Hinterrad gibt es eine Zweiarmschwinge aus Stahlrohr, die von zwei Federbeinen von Paioli bzw. ab 1985 von Koni mit (entspannt) 330 mm Länge, progressiver Federrate und Druckluftunterstützung gedämpft wird.[5] Die Federvorspannung ist in fünf Stufen verstellbar.[9] Die Schwinge ist gegenüber der 850 T3 California deutlich länger und wurde deshalb mit einer zusätzlichen Querversteifung zwischen den Schwingenholmen verstärkt.[3] Der Radstand ist von 1470 auf 1565 mm erheblich gewachsen,[1] der Federweg beträgt 95 mm.
Beide 18″-Räder sind standardmäßig Aluminiumgussräder in 6-Doppelspeichen-Design in der Größe WM 3/2,15×18″ CP 2.[9] Wie für andere Teile der „Cali II“ stammt das Design dieser Räder vom Fahrzeugdesigner Marcello Gandini, der ab 1980 für Moto Guzzis Inhaber Alejandro de Tomaso arbeitete.[4] Die Reifenabmessungen sind vorne wie hinten 120/90 H18.
Integralbremssystem
Auch die California II ist mit der 1975 weltweit erstmalig in Großserie eingeführten, hydraulischen Verbundbremse ausgestattet, von Moto Guzzi „Integralbremssystem“ genannt, bei der die linke Vorderrad- und die Hinterradbremse bei variabler Bremskraftverteilung miteinander mit dem (wegen des Trittbretts großen und nach vorn verlagerten) Bremspedal betätigt werden. Vorn gibt es zwei 300-mm-Bremsscheiben, hinten eine 242 mm Scheibe.[1] An allen drei Bremsen sind die Scheiben schwimmend gelagert und die Bremssättel von Brembo mit je zwei 38-mm-Kolben sind axial fest montiert.[7]
Literatur
- Dirk Mangartz, Stephan H. Schneider: Moto Guzzi California - Die Touring-Legende aus Italien. 1. Auflage. Delius Klasing Verlag, Bielefeld 2018, ISBN 978-3-667-11258-3 (240 S.).
Weblinks
- Verkaufsprospekt Moto Guzzi V1000 California II, 850 T5. (PDF) Moto Guzzi / Deutsche Motobécane GmbH, 1983, abgerufen am 31. März 2026.
- Verkaufsprospekt Moto Guzzi California II. (PDF) SEIMM Moto Guzzi S.p.A., abgerufen am 31. März 2026 (englisch).
- Videorundgang der California II aus dem Moto-Guzzi-Museum in Mandello auf YouTube
- Bildersammlung zur California II auf der Website guzzitek.org (französisch)