Allylhalogenide

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Allylhalogenide sind eine Stoffgruppe der organischen Chemie, deren Vertreter ein Halogenatom in allylischer Stellung aufweisen, das heißt, an ein Kohlenstoffatom gebunden ist, das selbst direkt an eine Doppelbindung gebunden ist. Im engeren Sinne sind es monohalogenierte Derivate des Propens, also das Allylfluorid, Allylchlorid, Allylbromid und Allyliodid.

Allylhalogenide
Allgemeine Struktur der Allylhalogenide
Struktur der Allylhalogenide, die Reste R1 bis R5 können beispielsweise Wasserstoff oder Organylgruppen sein. Halogenierte Allylgruppe in rot, X = F, Cl, Br oder I

Herstellung

Die selektive Bromierung von Alkenen in Allylstellung ist durch die Wohl-Ziegler-Bromierung möglich.[1] Ein alternatives Reagenz ist N-Brom-tert-butylamin.[2] Allylische Chlorierung von Alkenen ist möglich mit N-Chlorsuccinimid und Phenylselenylchlorid[3] oder radikalisch mit tert-Butylhypochlorit unter Lichteinwirkung[4] oder, bei terminalen Alkenen mit Cer(III)-chlorid und Natriumhypochlorit unter Umlagerung der Doppelbindung.[5] Allylische Iodide können aus Allylalkoholen hergestellt werden, indem diese mit Natriumiodid / Bortrifluorid-Etherat oder mit Natriumiodid / Trimethylsilylchlorid umgesetzt werden.[6] Allylfluoride können ausgehend von Allylalkoholen hergestellt werden, wobei das bei weitem am häufigsten eingesetzte Reagenz ist Diethylaminoschwefeltrifluorid. Seltener genutzte Alternativen sind Yarovenkos Reagenz; N,N-Diisopropyl-1-fluor-2-methylpropenamin; ein Reagenz aus Iodpentafluorid, Fluorwasserstoff und Triethylamin; oder Schwefeltetrafluorid. Eine Substitution von Chlor- oder Bromatomen oder Tosylgruppen durch Fluor ist ebenfalls möglich, unter anderem mit Tetrabutylammoniumfluorid oder Blei(II)-fluorid. Die allylische Fluorierung von Alkenen ist mit elektrophilen Fluorierungsmitteln möglich, beispielsweise Acetylhypofluorit, N-Fluorpyridiniumtriflat, diversen anderen N-fluorierten Pyridiniumverbindungen sowie Accufluor und Selectfluor. Weiterhin können Allylfluoride unter Aufbau der Doppelbindung hergestellt werden, beispielsweise durch Horner-Wadsworth-Emmons-Reaktion von α-fluorierten Aldehyden und Ketonen. Schließlich ist auch die Reduktion der entsprechenden Propargylverbindungen möglich.[7]

Eine Methode zur Herstellung primärer Allylhalogenide ist die Reaktion eines Ketons mit Vinylmagnesiumbromid in Tetrahydrofuran und anschließende Halogenierung des erhaltenen Allylalkohols mit einem Carbonsäurehalogenid (Acetylchlorid oder Acetylbromid) in Dichlormethan.[8]

Reaktionen

Allylhalogenide können in entsprechende Organometallverbindungen umgewandelt werden, mit welchen Carbonylverbindungen zu Homoallylalkoholen allyliert werden können. So sind Barbier-artige Reaktionen[9] oder solche mit niedervalentem Chrom[10] möglich. Daneben können Allylhalogenide wie Allylchlorid, Allylbromid und Allyliodid in Grignard-Reagenzien umgewandelt werden, mit denen ebenfalls die Herstellung von Homoallylalkoholen möglich ist. Durch Einsatz einer katalytischen Menge Titanocendichlorid kann eine Wurtzkupplung als Nebenreaktion vermieden werden.[11]

Allylische Iodide (gegebenenfalls in situ generiert) eignen sich für die Generierung eines nucleophilen Allylierungsreagenzes (Umsetzung mit Zink, Umpolung und anschließende Barbier-artige Reaktion) oder direkt als elektrophiles Allylierungsmittel. Sie können mit Natriumazid in allyische Azide umgewandelt werden sowie in ungesättigte Nitrile (mit Cyanid) oder in Phenylsulfone.[6]

Allylbromide können mit Natriumhexamethyldisilazid und Iodoform zu Iodalkinen homologisiert werden.[12] Allylfluoride können in vielen Reaktionen eingesetzt werden, die für Alkene typisch sind, darunter Cycloadditionen, Epoxidierung, Dihydroxylierung, Ozonolyse, Bromierung oder Hydrierung.[7]

Allylhalogenide können eingesetzt werden, um Allyl-Metall-Komplexe herzustellen, beispielsweise von Eisen, Nickel, Cobalt, Palladium und Platin.[13]

Einzelnachweise

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