Devrouze
französische Gemeinde
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Devrouze [] ist eine französische Gemeinde im Département Saône-et-Loire in der Region Bourgogne-Franche-Comté. Sie gehört zum Arrondissement Louhans und zum Kanton Pierre-de-Bresse. Der Ort hat 327 Einwohner (Stand 1. Januar 2023)[1], sie werden Devrouziens, resp. Devrouziennes genannt und als Übername mit Les Ébaqués gefoppt[2].
| Devrouze | ||
|---|---|---|
| Staat | ||
| Region | Bourgogne-Franche-Comté | |
| Département (Nr.) | Saône-et-Loire (71) | |
| Arrondissement | Louhans | |
| Kanton | Pierre-de-Bresse | |
| Gemeindeverband | Bresse Revermont 71 | |
| Koordinaten | 46° 46′ N, 5° 9′ O | |
| Höhe | 187–212 m | |
| Fläche | 14,64 km² | |
| Einwohner | 327 (1. Januar 2023) | |
| Bevölkerungsdichte | 22 Einw./km² | |
| Postleitzahl | 71330 | |
| INSEE-Code | 71173 | |
Geografie


Die Gemeinde liegt in der Landschaft Bresse, im nördlichen Drittel des Arrondissement Louhans und grenzt im Süden an den Kanton Louhans. Die Ostgrenze der Gemeinde wird durch den Ruisseau Briant[3] gebildet, das südliche Gemeindegebiet wird durch den Ruisseau de la Chassaigne[4] entwässert. Er nimmt etliche Biefs auf, künstliche Wasserläufe, die zur Bewirtschaftung der Étangs dienen. Im nördlichen Gemeindegebiet entspringen zudem La Florence[5] und Le Colombier[6]. Offiziell werden sechs Étangs in der Gemeinde aufgeführt. Östlich von Devrouze zieht sich in Nord-Süd-Richtung die Departementsstraße D996[7] durch das Gemeindegebiet, südlich des Ortes die Departementsstraße D24[8], die beiden Straßen kreuzen sich im Weiler Quain. Das nördliche Gemeindegebiet weist einen ausgeprägten Waldgürtel auf, der südliche Teil wird fast ausschließlich landwirtschaftlich genutzt. Die Gemeinde ist stark zersiedelt, zu ihr gehören folgende Weiler und Fluren: la Barrière, le Bouchat, Champ-Morey, la Chassagne, Diombe, l’Epinglier, les Euvrards, les Henrys, Meix-Colin, Montflin, Moulin-Mercey, Quain, les Quatre-Chemins, Ronfand, les Trois-Demoiselles, Voite, les Vyons[9].
Klima
Das Klima in Devrouze ist warm und gemäßigt. Es gibt das ganze Jahr über deutliche Niederschläge, selbst der trockenste Monat weist noch hohe Niederschlagsmengen auf. Die Klassifikation des Klimas nach Köppen und Geiger ist Cfb ((Gemäßigtes) Ozeanklima). Die Temperatur liegt im Jahresdurchschnitt bei 12,0 °C. Der wärmste Monat ist der Juli mit einer Durchschnittstemperatur von 21,2 °C, der kälteste der Januar mit 3,3 °C. Über ein Jahr verteilt summieren sich die Niederschläge auf 1081 mm, dabei ist der November mit 117 mm der niederschlagsreichste, während Juli als trockenster Monat 72 mm aufweist. Über das ganze Jahr werden etwa 2764 Sonnenstunden gezählt.
| Devrouze | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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| Klimadiagramm | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Monatliche Durchschnittstemperaturen und -niederschläge für Devrouze
Quelle: climate-data.org Daten 1991 – 2021 | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
Toponymie
Der Ort wird erstmals 1454 als Debvrouse erwähnt. Die Herkunft des Namens ist nicht klar, allenfalls kann er auf den keltischen Begriff Dubro für fließendes Wasser zurückgeführt werden.
Es ist davon auszugehen, dass der Ort Devrouze nicht die älteste Siedlung im Gemeindegebiet ist, bereits 1364 wird Dyombes (heute Diombe) erwähnt. 1374 tauchen Cuens auf (heute Quain) und Hugue de Vartes (heute Voite) wird genannt. 1376 wird zudem Ronfand erstmals erwähnt.
Geschichte
Die Herrschaft Devrouze gehörte zur Baronie Mervans, zusammen mit Diconne und war im Besitz von verschiedenen Familien. Zu Beginn des 16. Jahrhunderts gehörte sie Léonarde de Beaumont, die 1530 Jean Bataille heiratete. Später gelangte sie an Hugues de Mâlain, dann an Jeanne de Mâlain, die sie 1579 ihrem Neffen Jérôme de Biollet vermachte. In der Folge übernahmen die Fyot 1660 die Herrschaft. Nach weiteren Besitzerwechseln innerhalb der Familie wurde Claude Fyot, Graf von Bosjean, Eigentümer. Er war der erste Präsident des Parlement von Burgund, zu seinen Gunsten wurde 1736 sein Besitz in ein Marquisat erhoben. 1804 wurde die Herrschaft aufgeteilt in Diconne und Devrouze. Devrouze war ein Kirchensprengel von Diconne, 1863 wurde die Kirche erbaut und dem Heiligen Martin geweiht[10]. Im Weiler Henrys bestand zudem eine Kapelle. Ronfand bildete eine eigene Herrschaft. Einer der Besitzer, Arnoux de Ronfand ließ dort ein modernes Schloss erbauen, das 1863 vollständig neu erbaut wurde. Der Bahnhof St-Germain-Devrouse wurde 1997 geschlossen. In den Weilern Quain und Mercey bestanden Mühlen am Flüsschen Briant, im Ort und in Quatre Chemins bestanden Schmieden. In Quain bestand ein Betrieb der Hühnerfedern verarbeitete und einer der Mauersteine herstellte, die zum Bau der bressanischen Häuser benötigt wurden. 1901 wurde die Mairie-École erbaut. 1988 wurden noch 24 Landwirtschaftsbetriebe gezählt.
Die Herren von Devrouze
Das Gebiet gehörte den de Vienne und den d’Antigny, die es als Afterlehen weitergaben. Diconne und Devrouze gehörten damals noch zusammen, sie wurden erst 1804 getrennt und sie gehörten zur Baronie Mervans.
1450 übernahm Nicolas Rolin, Chancelier des Burgund, die Baronie von Mervans zu Lehen. Er war bereits Herr von Authumes, wo er ein Schloss besaß. Sein Sohn, Antoine Rolin d’Emery gab die Herrschaft zurück an Philipp von Hachberg-Sausenberg, womit sie wieder bei der Familie de Vienne war.
Später wurden das Lehen verkauft an Claude Fyot III. de la Marche, Kommendatarabt des Klosters Saint-Étienne in Dijon, der seit 1680 Herr von Bosjean war. Sie gehörte weiterhin der Familie Fyot de la Marche (Nicht zu Verwechseln mit den Grafen de la Marche).
Seit dem 12. Jahrhundert gehörten weitere Lehen der Familie de la Marche, die in Villegaudin ein Schloss besaß. Antoine de la Marche ist einer der ältesten bekannten Besitzer. Er wohnte im Schloss La Marche, nach dem die Familie sich benannte (Im heutigen Gemeindegebiet Saint-Martin-en-Bresse, im äußersten Osten der Gemeinde, 500 Meter östlich des Weilers Villegaudin an der D162, Route de la Marche, heute Schreinerei Petit Pascal).
Einige Herren de la Marche waren Vögte und Marktvögte von Chalon-sur-Saône. Philippe de la Marche war Gruyer de Bourgogne[A 1] und 1434 Gouverneur des Château de Joux. Er heiratete Jeanne Bouton, verstarb 1437. Sein Sohn war Olivier de la Marche, einer der berühmtesten Söhne der Bresse. Ein Nachkomme, René de Lenoncourt heiratete Marguerite Fyot. Ihre Tochter, Reynette verkaufte 1636 die Herrschaft de la Marche an ihren Onkel. Damit waren die Lehen vereint bei den Fyot de la Marche.
1736 wurde die Herrschaft zum Marquisat de la Marche erhoben, zu Ehren von Claude Philibert Fyot, Graf von Bosjean, Baron von Mervans und Montpont, erster Präsident des Parlement des Burgunds. Nach dem Tod seines Sohnes, Jean Philippe Fyot de la Marche (* 20. August 1723, † 11. Oktober 1772), gelangten das Marquisat de la Marche, die Baronie Mervans und die Grafschaft Bosjean an einen Neffen, Jean Philippe Fyot de la Marche (* 7. August 1744, † 11. April 1822), Comte de Dracy, Marquis de la Marche, Herr von Clémencey.
Das Marquisat de la Marche umfasste die Gebiete von: Mervans, Devrouze, Diconne, Saint-Martin-en-Bresse und damit rund 94 Quadratkilometer.
Mit der Französischen Revolution 1789 wurden die Vorrechte des Adels abgeschafft, sie behielten lediglich noch ihre Titel.
Heraldik
Die Gemeinde verwendet ein geviertes Wappen, wobei der Schildkopf vom Wappen des Départements Saône-et-Loire übernommen wurde. Darunter rechts (heraldisch) ein steigender silberner Löwe, links (heraldisch) eine goldene bewurzelte Eiche. Das Wappen ist neuzeitlich und wurde von Jean-François Binon[11] geschaffen[12].
Der Löwe, der König der Tiere, gilt allgemein als Symbol von Macht, Tapferkeit und Mut, während die Eiche Kraft, Beständigkeit und Kampf, aber auch Fruchtbarkeit symbolisiert. Der Hermelinlöwe bezieht sich hier auf die Gegend, in der der Ort liegt, nämlich die Bresse, deren inoffizielles regionales Wappen der steigende Hermelinlöwe auf Blau ist[13].
Bevölkerung

| Devrouze: Einwohnerzahlen von 1793 bis 2020 | ||||
|---|---|---|---|---|
| Jahr | Einwohner | |||
| 1793 | 900 | |||
| 1800 | 897 | |||
| 1806 | 965 | |||
| 1821 | 904 | |||
| 1831 | 976 | |||
| 1836 | 858 | |||
| 1841 | 819 | |||
| 1846 | 811 | |||
| 1851 | 800 | |||
| 1856 | 808 | |||
| 1861 | 789 | |||
| 1866 | 802 | |||
| 1872 | 796 | |||
| 1876 | 767 | |||
| 1881 | 800 | |||
| 1886 | 793 | |||
| 1891 | 825 | |||
| 1896 | 807 | |||
| 1901 | 783 | |||
| 1906 | 796 | |||
| 1911 | 785 | |||
| 1921 | 694 | |||
| 1926 | 685 | |||
| 1931 | 643 | |||
| 1936 | 588 | |||
| 1946 | 575 | |||
| 1954 | 527 | |||
| 1962 | 510 | |||
| 1968 | 435 | |||
| 1975 | 341 | |||
| 1982 | 305 | |||
| 1990 | 275 | |||
| 1999 | 251 | |||
| 2006 | 273 | |||
| 2009 | 289 | |||
| 2014 | 317 | |||
| 2020 | 317 | |||
| Quelle(n): EHESS/Cassini bis 2006,[14] ab 2009 INSEE[15] Anmerkung(en): • Ab 1962 offizielle Zahlen ohne Einwohner mit Zweitwohnsitz • Höchste Einwohnerzahl 1831 mit 976, tiefste Einwohnerzahl 1999 mit 251 (37,3 % vom Maximum) | ||||
| Bevölkerungsstruktur | Anzahl Einwohner | männlich | weiblich | davon Ausländer | Anteil % |
|---|---|---|---|---|---|
| 323 | 166 | 157 | 23 | 7,3 |
| Männer | Alterstufe | Frauen |
|---|---|---|
0 |
0 | |
19 |
13 | |
28 |
33 | |
25 |
33 | |
34 |
28 | |
25 |
16 | |
32 |
31 |
Die Bevölkerungsstruktur ist nahezu ausgeglichen, wobei die Männer 51 % der Bevölkerung ausmachen. Dabei sind 51 % der Bevölkerung jünger als 45 Jahre sind. Demgegenüber sind 30 % der Einwohner älter als 60 Jahre und damit im Rentenalter.
| Wohnstruktur | Anzahl Wohneinheiten | davon Häuser | Wohnungen | sonstige |
|---|---|---|---|---|
| 169 | 168 | 1 | ||
| davon Hauptwohnsitz | 141 | |||
| Zweit- oder Ferienwohnsitz | 24 | |||
| vakant | 4 |
Wirtschaft und Infrastruktur
Unternehmen, Betriebe, Ladengeschäfte und Einrichtungen
In der Gemeinde befinden sich nebst Mairie und Kirche folgende Unternehmen nach Branchen:
| Branche | Anzahl Betriebe |
|---|---|
| Industrie und verarbeitendes Gewerbe | 2 |
| Baugewerbe | 1 |
| Groß- und Einzelhandel, Verkehr, Beherbergung und Gastronomie | 3 |
| Information und Kommunikation | |
| Finanz- und Versicherungsdienstleistungen | |
| Grundstücks- und Wohnungswesen | 2 |
| Freiberufliche, wissenschaftliche und technische Dienstleistungen | 2 |
| Öffentliche Verwaltung, Unterricht, Gesundheits- und Sozialwesen | |
| Sonstige Dienstleistungen | 1 |
| Land- und Forstwirtschaftsbetriebe[18] | 8 |
In der Gemeinde befinden zwei Autogaragen, eine Schreinerei/Zimmerei und ein Elektriker. Für die Güter des täglichen Bedarfs versorgen sich die Einwohner in Mervans oder Saint-Germain-du-Bois[19].
Geschützte Produkte in der Gemeinde
Als AOC-Produkte sind in Devrouze Crème et beurre de Bresse[20][21], Volaille de Bresse[22][23][24] und Dinde de Bresse[25] zugelassen.
Bildungseinrichtungen
In der Gemeinde besteht eine École primaire[26] (École maternelle und École élémentaire), die der Académie de Dijon[27] untersteht und von 36 Kindern besucht wird. Für die Schule gilt der Ferienplan der Zone A[28].
Persönlichkeiten
- Maurice Blanchot (* 22. September 1907 im Weiler Quain; † 20. Februar 2003 in Paris-Yvelines) war ein französischer Journalist, Literaturtheoretiker und Schriftsteller.
Literatur
- Claude Courtépée (1721–1781): Description historique et topographique du Duché de Bourgogne. Band 5. Chez Causse, Dijon 1780 (französisch, google.fr [abgerufen am 3. Februar 2026]).
- Lucien Guillemaut (1842–1917): Histoire de la Bresse Louhannaise. Les temps anciens et le Moyen Âge. Band 1. Imprimerie Auguste Romand, Louhans (französisch, google.com [abgerufen am 3. Februar 2026]).
- Lucien Guillemaut (1842–1917): Histoire de la Bresse Louhannaise. Les temps modernes jusqu’à 1789. Band 2. Imprimerie Auguste Romand, Louhans (französisch, google.com [abgerufen am 3. Februar 2026]).
- Lucien Guillemaut (1842–1917): Armoiries et familles nobles de la Bresse louhannaise: armoiries ouvrières, armoiries particulières et de familles. Vve L. Romand, Louhans 1909 (französisch, bnf.fr [abgerufen am 3. Februar 2026]).
Weblinks
- Devrouze. auf INSEE. Institut national de la statistique et des études économiques, abgerufen am 5. Februar 2026 (französisch).
- Devrouze. Présentation de la commune. Ministère de la Culture, 2008, abgerufen am 5. Februar 2026 (französisch).
- Devrouze. in der POP Plateforme ouverte du patrimoine. Ministère de la Culture, abgerufen am 5. Februar 2026 (französisch).
- Devrouze. in Patrimoine en Bourgogne-Franche-Comté. Direction Culture, Sport et Jeunesse, abgerufen am 5. Februar 2026 (französisch).
- Webpräsenz der Gemeinde. Devrouze. Mairie de Devrouze, abgerufen am 5. Februar 2026 (französisch).
Anmerkungen
- Ein Gruyer ist ein Beamter mit eigener Gerichtsbarkeit, der ab dem 13. Jahrhundert im Auftrag eines hohen Gerichtsherrn die Staatswälder betreut. Er scheidet die Jungwaldgebiete aus, kontrolliert das Verhalten in den Wäldern und urteilt in erster Instanz über Vergehen, die in den Wäldern und Flüssen seines Bezirks, der gruerie begangen werden, angefangen bei Sachbeschädigungen oder bäuerlichem Missbrauch. Dieser Titel wurde sehr lange in Burgund, der Franche-Comté, der Bretagne und auch in Lothringen verwendet, wo die Grueries bis 1747 bestanden. Die Reform der Wälder setzte dieser Funktion oder vielmehr dieser Bezeichnung ein Ende.
Siehe auch
- Geschichte der Bresse
- Römerstraßen in der Bresse
- Bresse, Geografie, Geomorphologie, Wirtschaft
- Bresse bourguignonne, Beschreibung der Bresse als Naturlandschaft
