Kleinreuth hinter der Veste
Stadtteil von Nürnberg
From Wikipedia, the free encyclopedia
Kleinreuth hinter der Veste (nürnbergisch: Glaareid[1]) ist der Name des statistischen Distrikts 741 der kreisfreien Stadt Nürnberg (Mittelfranken, Bayern).[2] Kleinreuth liegt im Statistische Bezirk 74 (Thon).
Kleinreuth hinter der Veste Statistischer Distrikt 741 Kreisfreie Stadt Nürnberg | |
|---|---|
| Koordinaten: | 49° 29′ N, 11° 4′ O |
| Höhe: | 312 m ü. NHN |
| Eingemeindung: | 1. Januar 1899 |
| Postleitzahl: | 90425 |
| Vorwahl: | 0911 |
Lage der Gemarkung 3436 Kleinreuth hinter der Veste in Nürnberg | |

Geographie
Gemarkung
Die Gemarkung 3436 Kleinreuth h.d.Veste hat eine Fläche von 0,804 km². Sie ist in 1185 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Fläche von 678,72 m² haben.[3][4]
Lage
Der Distrikt 741 ist der nordöstliche Teil des statischen Bezirks Thon. Er besteht aus einem nördlichen Teil zwischen Thon und Marienbergpark, nördlich der Kilianstraße und einem südlichen Teil, dem Stadtteil Nordbahnhof.[5]
Geschichte
Der Ort entstand auf einer Rodung, die im 11./12. Jahrhundert vom Nürnberger Königshof durchgeführt wurde.[6] 1335 wurde er als „Rewt“ erstmals schriftlich erwähnt. 1347 wurde er „wenigen Riute“ genannt zur Unterscheidung vom benachbarten (Groß-)Reuth. Der Zusatz „hinder der festen“ (1426), der zur Unterscheidung von Kleinreuth bei Schweinau nötig wurde, weist auf die Lage außerhalb der Stadtmauern, nördlich der Burg hin. Im Zweiten Markgrafenkrieg (1552/54) wurden Groß- und Kleinreuth abgebrannt.[7]
Gegen Ende des 18. Jahrhunderts bestand Kleinreuth hinter der Veste aus 38 Anwesen. Das Hochgericht übte die Reichsstadt Nürnberg aus, was aber vom brandenburg-bayreuthischen Oberamt Baiersdorf bestritten wurde. Die Dorf- und Gemeindeherrschaft hatte das Landpflegeamt der Reichsstadt Nürnberg. Grundherren waren das Kastenamt Cadolzburg (1 Wirtshaus, 1 Gut, 2 Gütlein, 2 Häuser), das Spitalamt der Reichsstadt Nürnberg (1 Halbhof, 2 Güter, 4 Gütlein) und die Nürnberger Eigenherren von Fürer (2 Güter, 1 Gütlein), von Grundherr (1 Gut), von Haller (1 Gütlein), von Holzschuher (1 Gütlein), von Praun (2 Viertelhöfe), von Scheurl (1 Gut), von Stromer (1 Gut), von Tucher (5 Güter, 6 Gütlein, 1 Schmiede). Das Hirten- und das Schulhaus unterstanden der Gemeinde.[8]
1796 kam Kleinreuth hinter der Veste an Preußen und wurde vom Justiz- und Kammeramt Erlangen verwaltet, 1810 kam es an Bayern.[6] Im Rahmen des Gemeindeedikts wurde 1813 der Steuerdistrikt und die Ruralgemeinde Großreuth hinter der Veste gebildet, zu dem bzw. zu der auch Kleinreuth hinter der Veste gehörte. Mit dem Zweiten Gemeindeedikt (1818) entstand die Ruralgemeinde Kleinreuth.[9] Sie war in Verwaltung und Gerichtsbarkeit dem Landgericht Erlangen zugeordnet und in der Finanzverwaltung dem Rentamt Erlangen. In der freiwilligen Gerichtsbarkeit unterstanden 2 Anwesen von 1822 bis 1834 dem Patrimonialgericht (PG) Almoshof (v. Holzschuher), 1 Anwesen von 1822 bis 1828 dem Patrimonialgericht (PG) Almoshof (v. Praun), 1 Anwesen von 1821 bis 1848 dem PG Gebersdorf, 1 Anwesen von 1821 bis 1836 dem PG Leyh, 14 Anwesen von 1823 bis 1835 dem PG Lohe und 1 Anwesen von 1822 bis 1835 dem PG Lohe und Behringersdorf. 1826 wurde Kleinreuth dem Landgericht Nürnberg (1879 in Amtsgericht Nürnberg umbenannt) und dem Rentamt Nürnberg überwiesen (1919 in Finanzamt Nürnberg umbenannt). Spätestens 1836 kam Neuhaus von der Gemeinde Großreuth hinzu.[10] Ab 1862 gehörte Kleinreuth hinter der Veste zum neu geschaffenen Bezirksamt Nürnberg.[11] Die Gemeinde hatte 1888 eine Gebietsfläche von 1,007 km².[12]
Am 1. Januar 1899 wurde Kleinreuth in die Stadt Nürnberg eingegliedert.[13][14]
Baudenkmäler
Im statistischen Bezirk Kleinreuth h.d.Veste gibt es acht Baudenkmäler:[15]
- Gallostraße 3: Waschhaus
- Gallostraße 5: Wohnhaus
- Mittelstraße 6: Wohnhaus mit Scheune
- Mittelstraße 24: Scheune und Reste der Einfriedung einer ehemaligen Bauernhofanlage
- Mittelstraße 37, 38, 40, 63: Wohnhäuser
- ehemalige Baudenkmäler
- Lohestraße 1: Eingeschossiges Sandsteinhaus mit zweigeschossigem Giebel, Stockwerksgesimsen und profilierten Fensterbänken, Mitte des 19. Jahrhunderts; Fenster, Haustüre und Dacherker modern erneuert.[16]
- Mittelstraße 4: Eingeschossiges Wohnhaus, erste Hälfte des 19. Jahrhunderts; mit Stall und Fachwerkscheune, Fenster erneuert.[16]
- Mittelstraße 7: Eingeschossiger Sandsteinbau, erste Hälfte des 19. Jahrhunderts, mit zweigeschossigem Giebel; Stall und Backofen verändert. Fenster und Dachgauben erneuert.[16]
- Mittelstraße 8: Eingeschossiges Haus des 18. Jahrhunderts mit verputztem Fachwerkgiebel und Schopfwalm. Fenster erneuert.[16]
- Mittelstraße 10: Hofanlage des 18. Jahrhunderts. Eingeschossiges Wohnhaus mit dreigeschossigem Sandsteingiebel; Stall, Schupfen, Scheune und profilierte Sandsteintorpfeiler.[16]
- Mittelstraße 39: Eingeschossiges Wohnhaus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts; erneuert.[16]
- Mittelstraße 41: Eingeschossiges Wohnhaus des 18./19. Jahrhunderts, mit dreigeschossigem Giebel und verkröpftem Traufgesims sowie ein- bzw. zweigeschossigem Anbau; modernisiert. Sandsteinscheune mit verputztem Giebel.[16]
- Mittelstraße 48: Eingeschossiges verputztes Wohnhaus mit zweigeschossigem Giebel und Stallgebäude, erste Hälfte des 19. Jahrhunderts[16]
- Mittelstraße 49, 49a, 51, 53, 57: Kleine eingeschossige verputzte Giebelhäuser des 18./19. Jahrhunderts; teilweise modernisiert.[16]
- Mittelstraße 56: Hofhaus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts aus Sandstein; mit Volutengiebel und Kugelaufsätzen; teilweise modernisiert.[16]
- Sebaldusstraße 3: Eingeschossiges Wohnhaus mit dreigeschossigem erneuertem Fachwerkgiebel, im Kern 18. Jahrhundert.[16]
Einwohnerentwicklung
Gemeinde Kleinreuth hinter der Veste
Ort Kleinreuth hinter der Veste
Religion
Kleinreuth ist seit der Reformation evangelisch-lutherisch geprägt und war ursprünglich nach St. Sebald gepfarrt, später nach St. Johannis[8] und aktuell nach St. Andreas. Die Katholiken sind nach St. Clemens gepfarrt.[29]
Literatur
- Johann Kaspar Bundschuh: Kleinreuth. In: Geographisches Statistisch-Topographisches Lexikon von Franken. Band 3: I–Ne. Verlag der Stettinischen Buchhandlung, Ulm 1801, DNB 790364301, OCLC 833753092, Sp. 159 (Digitalisat).
- Dorothea Fastnacht: Nürnberg : ehemaliger Stadtkreis (= Historisches Ortsnamenbuch von Bayern, Mittelfranken. Band 9). Michael Laßleben, Kallmünz 2022, ISBN 978-3-7696-6594-9, S. 314–317.
- Günter P. Fehring, Anton Ress, Wilhelm Schwemmer: Die Stadt Nürnberg (= Bayerische Kunstdenkmale. Band 10). 2. Auflage. Deutscher Kunstverlag, München 1977, ISBN 3-422-00550-1, S. 362–363.
- Wiltrud Fischer-Pache: Kleinreuth h.d.V. In: Michael Diefenbacher, Rudolf Endres (Hrsg.): Stadtlexikon Nürnberg. 2., verbesserte Auflage. W. Tümmels Verlag, Nürnberg 2000, ISBN 3-921590-69-8, S. 546 (online).
- Hanns Hubert Hofmann: Nürnberg-Fürth (= Historischer Atlas von Bayern, Teil Franken. I, 4). Kommission für Bayerische Landesgeschichte, München 1954, DNB 452071224, S. 131 (Digitalisat). Ebd. S. 241 (Digitalisat).
- Georg Paul Hönn: Kleinreuth hinter der Veste. In: Lexicon Topographicum des Fränkischen Craises. Johann Georg Lochner, Frankfurt und Leipzig 1747, OCLC 257558613, S. 492 (Digitalisat).
Weblinks
- Kleinreuth hinter der Veste in der Ortsdatenbank von bavarikon, abgerufen am 19. August 2021.
- Kleinreuth hinter der Veste im Geschichtlichen Ortsverzeichnis des Vereins für Computergenealogie, abgerufen am 5. September 2025.
