Mercedes-Benz Actros (2011)
Lkw-Baureihe der Marke Mercedes-Benz der Daimler Truck AG
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Actros ist die Bezeichnung für eine Lkw-Baureihe der Marke Mercedes-Benz der Daimler Truck AG. Sie ist der Nachfolger des Actros von 1996. Im Jahr 2018 gab es umfangreiche Modellpflegemaßnahmen. Während der Hersteller diese Modelle jeweils als Neuen Actros bezeichnet, sind die Bezeichnungen Actros 4 (für das Modell 2011) und Actros 5 (für das Modell 2018) üblich.
| Mercedes-Benz Actros | |
|---|---|
| Hersteller | Daimler Truck |
| Verkaufsbezeichnung | Actros |
| Produktionszeitraum | 2011–heute |
| Vorgängermodell | Mercedes-Benz Actros |
| Nachfolgemodell | keines |
New Actros (Neuer Actros)
| 4. Generation | |
|---|---|
| Produktionszeitraum | 2011–2018 |
| Motoren | Dieselmotoren: OM 936 (7,7 l), OM 470 (10,7 l), OM 471 (12,8 l), OM 473 (15,6 l) |
| Zul. Gesamtgewicht | 18–41 t |
Zum Modelljahr 2011 wurde unter dem eingeführten Namen eine weitgehende Neuentwicklung auf den Markt gebracht, die auch vom Hersteller selbst nur als Neuer Actros (werksintern SFTP, Strategic Future Truck Program) benannt wurde. Im Rahmen der Messe Trailer 2011 im belgischen Kortrijk wurde der neue Actros Ende November 2011 von einer internationalen Fachjury aus 24 europäischen Ländern zum Truck of the Year 2012 gewählt.[1] Zur gleichen Zeit wurde der neue Actros mit dem Europäischen Transportpreis für Nachhaltigkeit 2012 ausgezeichnet.[2]
Am 15. April 2011 gab Daimler in einer Pressemitteilung bekannt, der neue Actros werde ab dem 1. Juli 2011 verkauft.[3] Am 21. Juni 2011 erfolgte auf der Messe in Brüssel die offizielle Präsentation des neuen Actros vor mehr als 500 internationalen Journalisten. Die Premiere in Deutschland erfolgte Anfang Juli 2011 im Rahmen des 26. Truck Grand-Prix am Nürburgring. Um Messebesuchern der 64. IAA Pkw die Technik moderner Lastwagen zu demonstrieren, hatte Mercedes-Benz den neuen Actros auf dem dortigen Freigelände ausgestellt. Besucher konnten sich vom 15. bis zum 25. September 2011 mit der Motorentechnik und anhand eines Schnittmodells (GigaSpace) mit den neuen Fahrerhäusern vertraut machen.[4]
Am 12. November 2011 stellte Mercedes-Benz den neuen Actros bei den Händlern der Öffentlichkeit vor. Bereits seit den genannten öffentlichen Vorstellungen wurden Fahrzeuge der neuen Serie im Rahmen einer 30-tägigen Kundenerprobung an 36 Speditionsunternehmen und andere Lkw-Betreiber als Testfahrzeuge abgegeben und waren so schon vereinzelt im Straßenbild zu sehen. Es handelte sich bei den eingesetzten Fahrzeugen um Vorserienproduktionen, die jedoch bereits weitestgehend über Serienteile verfügten. Im Rahmen der Erprobung verpflichteten sich die beteiligten Unternehmen dazu, innerhalb eines Monats im Minimum 10.000 km mit den Testfahrzeugen zu absolvieren.[5] Einige dieser Test-Lkw waren während der Erprobungsphase noch mit Tarnfolien beklebt. Seit Mitte November 2011 werden erste Fahrzeuge offiziell an Kunden ausgeliefert.
Im Gegensatz zu allen vorherigen Lkw-Baureihen von Mercedes-Benz wurde der neue Actros von Anfang an als reiner Fernverkehrs-Lastwagen konzipiert. Das Fahrzeug ist der erste Teil einer neuen Modellstrategie von Mercedes-Benz Trucks, die bis 2013 um zwei weitere Modelle ergänzt wurde. Diese decken die Einsatzbereiche im schweren Verteiler- (Baureihe Antos bis 2017) und Baustellenverkehr (Baureihe Arocs) ab und lösten zusammen mit dem Actros die bisherige Baureihe Axor ab. Die neue Modellpolitik ermöglicht den Fahrzeugentwicklern, Fahrerhäuser und Komponenten an das jeweilige Einsatzgebiet anzupassen.[6] Seit Juli 2012 ist der Actros in zwei Spezialversionen erhältlich: Volumer mit drei Metern lichter Ausbauhöhe und Loader mit reduziertem Leergewicht (durch Entfall verschiedener Komponenten, etwa der Kühlerjalousie, ca. 350 kg leichter als der Standard-Actros).
Seit der Markteinführung des Actros 1996 ist die 2011er Generation der erste Mercedes-Lkw, der neben neuen Motoren (nun Reihen- anstatt V-Motoren) auch neu entwickelte Fahrerhäuser und einen spezifischen Fernverkehrsrahmen mit breiterer Spur (834 mm statt zuvor 744 mm) erhält. Der neue Rahmen verfügt über ein 50-mm-Lochraster, der Aufbauherstellern die Montage erleichtert, und kann als Zwei- und Dreiachser (Fahrgestelle und Sattelzugmaschine) bestellt werden. Erhältlich sind vier (4×2-Sattelzugmaschine; 3550, 3700, 3850 und 4000 mm) bzw. elf verschiedene Radstände (4×2-Fahrgestelle; 3600 bis 6600 mm in 300-mm-Schritten). Die Aufsattelhöhe der 4×2- und 6×2-Sattelzugmaschinen liegt bei 1135 mm (Standardhöhe), bei niedrigem Rahmen bei 1017 mm und beim Lowliner bei 946 mm (letztere nur als 4×2). Für Fahrgestelle beträgt die Rahmenhöhe 973 mm (4×2 und 6×2 Standardhöhe) bzw. 885 mm (niedriger Rahmen).[7]
Technik
Die Technik dieses Modells wurde größtenteils neu entwickelt. Dies gilt sowohl für die Motoren als auch für die Auslegung des Rahmens und der Fahrwerkskomponenten. Verschiedene neue Nebenaggregate mit bedarfsabhängiger Steuerung senken den Kraftstoffverbrauch und Verschleiß.
Mit Blick auf eine saubere Führung der Hinterachse ersetzten die Entwickler die bislang verwendete Zweibalg-Luftfederung durch eine Vierbalg-Anlage. Sie erhöht die Tragfähigkeit der Achse und gewährleistet ein schnelleres und präziseres Ansprechen der Federung. Da die vier kleinen Bälge zudem weniger Platz beanspruchen als zwei große Bälge, konnte die Federspur vergrößert werden. Hinzu kommen die geänderten Wirklinien der Dreieckslenker, die sich nun weit hinter dem Differentialgehäuse schneiden und so die Querstabilität erhöhen.
Als Hinterachse kommt die vom Vorgänger übernommene Achse HL 6 (mit verändertem Hypoid-Satz) zum Einsatz, die jedoch für den neuen Actros überarbeitet und mit einer längeren Übersetzung (jetzt 2,611 : 1; zuvor 2,846 : 1) versehen wurde. Das senkt die Motordrehzahl bei Autobahntempo 85 km/h um etwa 100 Umdrehungen pro Minute. Wählbar sind Übersetzungen zwischen 2,533 und 3,077, für die Lowliner von 2,278 bis 2,733 (Serie 2,412). Die Vorderachse entspricht weitgehend der Vorgängerversion. Es sind nun Einblatt- und Zweiblatt-Parabelfederungen lieferbar. Die verwendete ZF-Lenkung wurde direkter übersetzt und besitzt nun eine verbesserte Kinematik. Diese Veränderungen gewährleisten ein exakteres Fahrverhalten und reduzieren die Zahl der notwendigen Korrekturen beim schnellen Spurwechsel.
Wie bisher stammt der Retarder von der Firma Voith, arbeitet nun allerdings nicht mehr mit Hilfe einer Ölfüllung, deren Abwärme über einen Wärmetauscher an die Fahrzeugkühlung abgegeben wurde. Der neue Sekundär-Wasser-Retarder[8] nutzt das Kühlwasser des Motors als Schmierstoff und für das Bremsmoment. Im Vergleich zum Vorgänger ist der neue Retarder etwa 35 kg leichter (65 kg zu rund 100 kg) und leistungsstärker. Er bietet eine maximale Verzögerungsleistung von 750 kW bzw. 3500 Nm Bremsmoment.
Neben dem neuen Voith-Retarder verfügt der 2011er Actros über eine verstärkte Dekompressionsbremse (Motorbremse), die in drei Stufen arbeitet und eine maximale Bremsleistung von 400 kW (544 PS) innerhalb von 150 Millisekunden zur Verfügung stellt. Die Betriebsbremse des neuen Actros baut auf der 1996 erstmals eingeführten und kontinuierlich weiterentwickelten Vierscheiben-Bremsanlage mit Hochdrucksystem und elektronischer Regelung des Vorgängers auf.[9]
Sicherheits- und Komfortausstattung

Erstmals gibt es für den Actros einen multifunktionalen Fahrzeugschlüssel (Sonderausstattung), der dem Fahrer den Abfahrtscheck (Scheinwerferprüfung, Anzeige von Reifendruck, Füllstände und Achslasten) aus der Entfernung ermöglicht. Der Schlüssel verfügt über ein 4,6 cm großes TFT-Farbdisplay. Die Stromversorgung erfolgt über einen Lithium-Ionen-Akku, der während der Fahrt über das Zündschloss aufgeladen wird. Zum Starten führt der Fahrer den Schlüssel in das elektronische Zündschloss ein und betätigt einen Start-Stopp-Knopf (vergleichbar mit dem Keyless-Go-System der Mercedes-Benz Cars). Der Multifunktionsschlüssel besitzt eine Reichweite von bis zu 100 Metern und übersteht einen Sturz aus maximal drei Metern Fallhöhe.
Der neue Schlüssel umfasst dabei folgende Funktionen:[10]
- Niveauregulierung, Radio, Zusatzheizung ein/aus, Standklima ein/aus, Lampen-Check, Arbeitsscheinwerfer, Ver-/Entriegeln Türen, Seitenfenster, Dachluke, Ladebordwandentriegelung, Steuerung Innenbeleuchtung (Nacht- und Innenlicht), Ambientebeleuchtung (optional), Statusanzeige Türen/Klappen (i. V. m. Alarmanlage)
- Anzeigbare bzw. einstellbare Funktionen: Anzeige Außen-/Innentemperatur, Gesamtkilometer, Tageskilometer, Betriebsstunden, Achslasten, Füllstände Kraftstoff, AdBlue, Anzeige Funkverbindung, Reifendruckkontrolle, Vorratsdruck Kreis 1 + 2, Batteriestatus, Türen- und Klappenkontrolle bei Alarmanlage, Fahrzeugbatterie, Schlüsselbatterie, Status Soft-/Hardware, Sprachen, Einstellung Display-Helligkeit, Einheiten (z. B. Grad Fahrenheit (F)), Timings (z. B. Stand-by-Modus)
- Mechanischer Schlüsselbart als entnehmbarer Notschlüssel integriert und gegen Verlieren oder Vergessen durch Sensierung und Anzeige geschützt
Daneben steht serienmäßig ein normaler Fernbedienungschlüssel zur Steuerung der Komfortschließanlage zur Verfügung. Er arbeitet wie der Multifunktionsschlüssel richtungsunabhängig, besitzt jedoch nur eine Reichweite von 30 Metern. Optional ist für beide Varianten eine Alarmanlage lieferbar.
Beim neuen Actros ist ein Elektronisches Stabilitätsprogramm (ESP) Teil der Serienausstattung (bisher gegen Aufpreis erhältlich). Ebenso wird serienmäßig bei einer Notbremsung automatisch die Warnblinkanlage aktiviert. Wie bisher bietet Daimler Truck auch im neuen Modell eine Vielzahl verschiedener Sicherheitssysteme. Inzwischen sind elf aufpreispflichtige Systeme erhältlich. Neu ist etwa der Abstandshalte-Assistent mit Stop-&-Go-Funktion, die das Fahrzeug bei weniger als 2 Sekunden Stillstand selbsttätig wieder anfahren lässt. Zudem ist der Assistent nun nicht mehr mit dem Retarder gekoppelt. Daneben sind im Neuen Actros folgende Sicherheitssysteme als Sonderausstattung erhältlich:[11]
Aktive Sicherheit
- Reifendruckkontrolle (auch für Trailer)
- Active Brake Assist (Notbremsassistent)
- Spurhalteassistent
- Wankregelassistent
Assistenz
- Sensierte Sattelkupplung mit Statusanzeige im Zentraldisplay
- Abstandshalteassistent mit Stop- -Go-Funktion für Staus (in den Mercedes-Benz PKW auch als Distronic bekannt)
- Regen- und Lichtsensor
- Rangierfunktion Spiegel (Spiegel fährt auf Knopfdruck um 10° nach außen)
- Abbiegelicht
Bremsen
- Neue Motorbremse mit max. 300/350/400/475 kW Bremsleistung (bei OM 936/OM 470/OM 471/OM 473)
- Neuer Wasserretarder mit max. 3500 Nm Bremsmoment (Sekundärretarder)
PowerShift 3
Beim Kauf besteht die Wahl zwischen zwei verschiedenen Fahrprogrammen. Das Programm Economy umfasst die Fahrmodi Manuell, Standard und Economy. Der Economy-Modus verzichtet auf die Funktion des Kickdown und nutzt im dauerhaft aktivierten EcoRoll-Modus die Schubabschaltung. Daneben steht der Modus Power zur Wahl, der neben den Modi Manuell und Standard den Power-Modus umfasst. Die Schaltstrategie dieses Fahrprogramms ist drehzahlintensiver und bietet die Möglichkeit des Kickdown, um kurzfristige Leistung abzurufen. EcoRoll-Modus ist hier deaktiviert. Im Vergleich zum Standard-Modus erfolgen Schaltvorgänge etwa 100 Umdrehungen später. Wird für eine Minute keine erhöhte Leistung abgerufen, wechselt das PowerShift-3-Getriebe (G211-12 und G281-12) selbsttätig zurück zum Standard-Modus, der neben EcoRoll auch einen Kickdown bietet. Im manuellen Modus schließlich kann der Fahrer selbst die Schaltvorgänge initiieren; etwa auf unbefestigtem oder glattem Untergrund. Durch Ziehen des Lenkstockhebels zum Lenkrad schaltet das Getriebe herauf, durch Wegdrücken herunter. Ein Umschalten zwischen den Modi erfolgt durch kurzes Drücken an der Stirnseite des Lenkstockhebels (Economy/Power und Standard) bzw. längeres Drücken (Manuell).
Motorisierungen

Mercedes-Benz bietet den Actros mit Reihen-Sechszylinder-Common-Rail-Motoren mit 7,7 (OM 936 LA), 10,7 (OM 470 LA), 12,8 (OM 471 LA) und 15,6 Litern Hubraum (OM 473 LA) in insgesamt 18 Leistungsstufen an. Alle Varianten der neuen Motorenfamilien sind auf eine um 20 % höhere Laufleistung – nun 750.000 (OM 936) bzw. 1,2 Millionen Kilometer (OM 470/471) – ausgelegt als die Vorgängerbaureihe.
Die Varianten des OM 471 mit 310 kW, 330 kW und 375 kW sind in Euro-5- und Euro-6-Ausführung erhältlich,[3] während die 350 kW-Version nur als Euro 6 verfügbar ist.[12] Mit Ausnahme des 375-kW-Sechszylinders stattet Mercedes-Benz den OM 471 mit der Top-Torque-Elektronik aus, sodass im größten Gang zusätzlich 200 Nm Drehmoment abgerufen werden können. Die Zylinder werden stets von einem Common-Rail-System mit X-Pulse-Technik versorgt. Sie gewährleistet die variable Verstärkung des Einspritzvordrucks von 900 bar auf bis zu 2100 bar, wobei die Motorelektronik je nach Motorauslastung entscheidet, ob die Verstärkung früher, später oder gar nicht erfolgt. Zugunsten einer hohen Durchzugskraft sind die Mitglieder der Mercedes-Benz-OM-47x-Motorenfamilie betont langhubig ausgelegt. Bei den kleineren Motoren OM 936 beträgt der Rail-Einspritzdruck maximal 2400 bar, X-Pulse kommt nicht zum Einsatz.
Der neue Motor OM 473 verfügt als Besonderheit über die sogenannte Turbo-Compound-Technik. Bereits seit Dezember 2007 läuft diese Baureihe bei Detroit Diesel in spezifischer Auslegung für den US-amerikanischen Markt unter der Bezeichnung DD16 (15,6 L) vom Band. Zusätzlich ist hier eine 14,8-Liter-Version (DD15) erhältlich, die für den deutschen Markt nicht vorgesehen ist. Im März 2010 begann die japanische Daimler-Truck-Tochter Mitsubishi Fuso Truck and Bus Corporation (MFTB) mit der Fertigung des 6R10 (OM 471).
Den Leistungsbereich zwischen 240 kW (326 PS) und 315 kW (428 PS) deckt seit Juli 2012 ein 10,7 Liter großer Reihensechszylinder (OM 470) ab. Als kleinstes Triebwerk fungiert ein neuer 7,7-Liter-Sechszylinder-Reihenmotor (OM 936), der zwischen 175 kW (238 PS) und 260 kW (354 PS) leistet und lediglich für die beiden kleinsten Fahrerhäuser (ClassicSpace und StreamSpace) lieferbar ist. Alle Motoren für den Actros werden im Mercedes-Benz-Werk Mannheim gebaut und sind in Euro-6-Homologation verfügbar. Der OM 471 ist zusätzlich auch als Euro-5- und EEV-Ausführung erhältlich. Einzelne Bauteile kommen dabei im Rahmen eines Produktionsverbundes aus Partnerwerken in Redford (USA) und Kapstadt (Südafrika).
Auf einer 10.000 km langen Verbrauchsfahrt im Pendelverkehr (Record Run[13]) zwischen Rotterdam und Stettin konnte der Actros 1845 LS mit StreamSpace-Fahrerkabine (2500 mm Breite) bereits beweisen, dass er durchschnittlich 7,6 % (Euro-5-Version) bzw. 4,5 % (Euro 6) weniger Dieselkraftstoff verbraucht[14] als sein direkter Vorgänger, der Actros 1844 LS MP 3 (L-Fahrerhaus) mit dem V6-Zylinder OM 501 LA III.
| Reihensechszylinder-Dieselmotor Mercedes-Benz | |||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Modell | Hubraum cm3 |
Bohrung × Hub mm |
Leistung kW (PS) bei min−1 |
Drehmoment Nm bei min−1 |
Leistungsplus Top Torque |
Lieferbare Abgas- Standards |
Kraftstoffaufbereitung Besonderheit |
| OM 936 LA | |||||||
| xx24 | 7698 | ø 110 × 135 | 175 (238) 2200 |
1000 1200–1600 |
nicht verfügbar | Euro 6 | Common Rail |
| xx27 | 200 (272) 2200 |
1100 1200–1600 | |||||
| xx30 | 220 (299) 2200 |
1200 1200–1600 | |||||
| xx32 | 235 (320) 2200 |
1300 1200–1600 | |||||
| xx35 | 260 (354) 2200 |
1400 1200–1600 | |||||
| OM 470 LA | |||||||
| xx33 | 10.677 | ø 125 × 145 | 240 (326) 1600 |
1700 1100 |
nicht verfügbar | Euro 5 Euro 6 |
Common Rail |
| xx36 | 265 (360) 1600 |
1800 1100 | |||||
| xx40 | 290 (394) 1600 |
1900 1100 | |||||
| xx43 | 315 (428) 1600 |
2100 1100 |
Euro 6 | ||||
| xx46 | 335 (456) 1600 |
2200 1100 | |||||
| OM 471 LA | |||||||
| xx42 | 12.809 | ø 132 × 156 | 310 (421) 1600 |
2100 1100 |
200 Nm oder 23 kW (31 PS) bei 1100 min−1 |
Euro 5 EEV Euro 6 |
Common Rail |
| xx45 | 330 (449) 1600 |
2200 1100 | |||||
| xx48 | 350 (476) 1600 |
2300 1100 |
Euro 6 | ||||
| xx51 | 375 (510) 1600 |
2500 1100 |
nicht verfügbar | Euro 5 EEV Euro 6 | |||
| xx53 | 390 (530) 1600 |
2600 1100 |
Euro 6 | ||||
| OM 473 LA | |||||||
| xx52 | 15.569 | ø 139 × 171 | 380 (517) 1600 |
2600 1100 |
nicht verfügbar | Euro 5 Euro 6 |
Common Rail |
| xx58 | 425 (580) 1600 |
2800 1100 | |||||
| xx63 | 460 (625) 1600 |
3000 1100 | |||||
Stellvertretend für sämtliche Modellbezeichnungen steht die 18-Tonnen-Variante, die etwa bei Sattelzügen zum Einsatz kommt.
Fahrerhäuser
Erstmals sind für den Actros elf verschiedene Fahrerhaus-Varianten mit einer Außenbreite von 2,30 Meter oder 2,50 Meter erhältlich. Die größte Variante, die unter dem Namen GigaSpace angeboten wird, verfügt bei 2,13 Metern Innenraumhöhe (mit ebenem Boden) über ein Volumen von 11,6 m³ und etwa 1000 Liter Stauraum.
Bei der Gestaltung der neuen Kabinen fällt die sehr große Kühlerblende auf, die durch die erhöhten Kühlluft-Anforderungen der Euro-6-Motoren notwendig ist. So beträgt die Kühlfläche nun knapp einen Quadratmeter. Allerdings hat der neue Actros zwei bedarfsgerecht gesteuerte Kühljalousien. Je nach Luftbedarf öffnet die Elektronik des Fahrzeugs eine der beiden Jalousien (oben oder unten), beide zusammen oder belässt sie im geschlossenen Zustand. Hierdurch wird die Aerodynamik des Lkw begünstigt, da der Wind im Falle geschlossener Jalousien glattflächig um die Front herum geleitet wird. Bedingt durch die große Kühlfläche wurde die Fahrerhauslagerung nach außen versetzt und somit die Federspur vergrößert, was zusammen mit einer geänderten Abstimmung der Lagerung die Wankbewegungen verringert und ein Aufschaukeln verhindert. Die Lagerung selbst kann in zwei verschiedenen Höhen angebracht werden (600 mm bei Fahrerhäusern mit Motortunnel und 765 mm bei solchen mit ebenem Boden).
Dem Käufer stehen drei unterschiedliche Federungsvarianten für die Fahrerhäuser zur Auswahl. Standardmäßig sind die Fahrerhäuser mit Motortunnel mit Standard-Stahllagerungen ausgestattet, während Kabinen mit ebenem Boden eine Komfort-Stahllagerung besitzen. Gegen Aufpreis ist eine Luftfederung mit vier Federbälgen möglich.
Das Radio ist nun in direkter Reichweite des Fahrers am Armaturenbrett angebracht. Optional ist ein spezielles Truck-Navigationssystem erhältlich. Am bisherigen Montageort über der Windschutzscheibe finden sich auch weiterhin ein optionales CB-Funkgerät und der Tachograph (Fahrtenschreiber/EG-Kontrollgerät). Ebenfalls über der Frontscheibe finden sich je nach Fahrerhausvariante verschiedene Staufächer. Um den Fahrerplatz herum bietet der Innenraum unterschiedlich große Aufbewahrungsmöglichkeiten für Jacken, 1,5-l-Getränkeflaschen, Papiere und Kleinteile.
Die im Motorraum angebrachte und vom Fahrerhaus entkoppelte Standheizung ist in zwei Varianten lieferbar. Zum Beheizen der Fahrerkabine alleine steht eine 3,8-kW-Version zur Verfügung, die größere 9-kW-Heizung erwärmt zusätzlich das Kühlwasser des Motors und verbessert so Startbarkeit und Betrieb in kalter Umgebung.
Die Fahrerhäuser des Actros 2011 im Überblick[15]
| Bezeichnung | Außenbreite | Höhe Motortunnel | Stehhöhe auf Motortunnel | Stehhöhe vor den Sitzen | Einsatz |
|---|---|---|---|---|---|
| CompactSpace | 2300 mm | 170 mm | 1250 mm | 1397 mm | Autotransport |
| 320 mm | 1065 mm | ||||
| ClassicSpace | 170 mm | 1460 mm | 1590 mm | Regionaler Fernverkehr | |
| 320 mm | 1310 mm | 1600 mm | |||
| Ebener Boden | Kein Motortunnel | 1590 mm | |||
| StreamSpace | 170 mm | 1785 mm | 1840 mm | Nationaler Fernverkehr | |
| 320 mm | 1635 mm | ||||
| Ebener Boden | Kein Motortunnel | ||||
| 2500 mm | 1830 mm | ||||
| BigSpace | 1910 mm | Internationaler Fernverkehr | |||
| GigaSpace | 2050 mm |
Arbeits- und Wohnbereich im Neuen Actros sind optisch getrennt. Für den Fahrersitz stehen vier verschiedene Sitzausführungen zur Auswahl (Starrsitz, Schwingsitz, Komfort- und Klima-Schwingsitz), für den Beifahrersitz drei (Funktionssitz, Komfort- und Klima-Schwingsitz). Ab 2012 wird ein Schwingsitz mit Massagefunktion (zehnminütige Pulsation durch sieben Luftkissen in der Rückenlehne) angeboten. Als Sitzbezug kann neben dem serienmäßigen Flachgewebe aus vier Ausführungen gewählt werden: Kunstleder, Leder, Velours und dem Alcantara ähnlichen Bezug Dinamica Star.
- Actros
- Actros 2842
- Actros Tanklastzug
- Actros 2548 mit Ladekran
- Actros 1845
- Interieur
Schwerlastzugmaschine SLT
Zum Modelljahr 2014 folgten die neuen Schwerlastzugmaschinen Actros SLT und Arocs SLT. Diese unterscheiden sich in zentralen Elementen wie den Motoren, der Kühlanlage, der Turbo-Retarder-Kupplung oder dem vollautomatisierten 16-Gang-Getriebe mit speziellen Fahrprogrammen für den Schwerlasteinsatz von den Standard-Varianten.
Ausgelegt auf ein Gesamtzuggewicht von 250 Tonnen, ist die SLT-Baureihe in zahlreichen Konfigurationen mit drei und vier Achsen auf der Basis von Actros oder Arocs verfügbar. Während die luftgefederten Actros-basierten SLT-Modelle nur mit 2500 mm breiten Fahrerhäusern (GigaSpace und BigSpace) erhältlich sind, können die stahlgefederten Arocs SLT (Basis: Arocs Grounder) zusätzlich in 2300 mm Breite geordert werden.[16]
Erhältlich sind folgende Versionen auf Actros-Basis:
- Actros SLT 6×4, Radstand 3400 mm oder 4000 mm
- Actros SLT 8×4, Radstand 4000 mm
Arocs-basierte SLT-Zugmaschinen sind in folgenden Varianten lieferbar:
- Arocs SLT 6×4, Radstand 3300 mm oder 3900 mm
- Arocs SLT 8×4, Radstand 3900 mm
- Arocs SLT 8×6, Radstand 4200 mm
- Arocs SLT 6×6, Radstand 3900 mm
- Arocs SLT 8×8, Radstand 4850 mm
Ausführungen des SLT mit Allradantrieb als 6×6, 8×6 und 8×8 folgen im April 2014. Für die neuen Schwerlastzugmaschinen kommt der größte Reihensechszylinder der Baureihe OM 47x, der OM 473, in drei unterschiedlichen Leistungsstufen zwischen 380 und 460 kW (517 bis 625 PS) zum Einsatz, alle in Euro-6-Homologation.[17]
Die Federführung bei der Entwicklung lag bei CTT (Custom Tailored Trucks) im Mercedes-Benz-Werk Molsheim (Frankreich), eng abgestimmt mit der Truck-Entwicklung in Stuttgart. Das Basisfahrzeug des SLT wird im Lkw-Werk Wörth produziert und in Molsheim fertig aufgebaut. Dies betrifft den Kühlturm hinter dem Fahrerhaus mitsamt den darin untergebrachten Komponenten, die Montage der gelenkten Vorlaufachse bei den vierachsigen Sattelzugmaschinen sowie die Anhängeböcke mit Schwerlastkupplungen vorn und hinten (die bis zu 1000 Tonnen Zuglasten verkraften), die verschiebbare Sattelkupplung, Abdrückplatte im Heck, den sogenannten Catwalk hinter dem Kühlturm sowie Arbeitsscheinwerfer.
- Schwerlastzugmaschine Actros 4163 SLT
- Kühlturm einer Arocs-SLT-Schwerlastzugmaschine
- Actros 4163 SLT in Linthe (August 2023)
Actros 5
| Actros 5 | |
|---|---|
| Produktionszeitraum | 2018–heute |
| Motoren | Dieselmotoren: OM 936 (7,7 l), OM 470 (10,7 l), OM 471 (12,8 l), OM 473 (15,6 l), Synchronmotoren: 330 kW |
Die nächste Generation wurde im Herbst 2018 vorgestellt.[18] Mercedes-Benz Trucks sprach auch bei dieser Markteinführung stets vom „neuen Actros“. Die Bezeichnung Actros 5[19] gilt als üblich. Seit 2024 gibt es den Actros auch als ProCabin mit verbesserter Aerodynamik.[20]
eActros
Seit 2022 wird der batterieelektrische Lkw eActros 300 bzw. eActros 400 als Sattelzugmaschine und Fahrgestell für den Verteilerverkehr angeboten. Akkus mit einer Gesamtkapazität von 336 kWh ermöglichen etwa 330 km Reichweite; 448 kWh ermöglichen etwa 400 km.[21] eActros 300 und eActros 400 werden ausschließlich mit dem M Classic Space-Führerhaus (ehemals Antos) ausgeliefert. Der Antriebsstrang besteht aus einem permanenterregten Synchronmotor mit 330 kW Dauerleistung und einem Vierganggetriebe (je zwei Vorwärts- und Rückwärtsgänge).
Ende November 2024 begann die Serienproduktion des eActros 600 mit einer Reichweite von bis zu 500 km mit einem 621 kWh-LFP-Akku.[22] Im Dezember 2024 wurden 50 Fahrzeuge an Käufer übergeben. Damals lagen rund 2000 feste Bestellungen und eine vierstellige Anzahl von Kauf-Absichtserklärungen vor.[23] Der eActros 600 hat ein aerodynamikoptimiertes Führerhaus auf Basis des Gigaspace, zwei 800 V Synchronmotoren mit je 330 kW Dauerleistung, ein Vierganggetriebe und eine Reichweite von 500 km.[24]
- eActros 600 auf der IAA Transportation 2024
- eActros 300 als dreiachsiges (6×2) Fahrgestell mit Kühlkoffer
- Antriebseinheit des eActros 300
Actros L
Im November 2021 begann die Produktion des Actros L. Hierbei handelt es sich um den Actros in der hochwertigsten Ausstattungsvariante.[25] Neben der klassischen Kabine ist der Actros L seit 2024 auch mit der ProCabin erhältlich. Die Kabine zeichnet sich durch eine längere Frontpartie und erweiterte Verkleidung aus, die aerodynamischen Eigenschaften des Fahrzeugs deutlich verbessern und den Kraftstoffverbrauch verringern.[26]
- Actros L mit klassischer Kabine
- Actros L mit ProCabin
Weblinks
- Offizielle Website Mercedes-Benz Deutschland, LKW
- eMagazine ROUTE und Transport für Lkw-Fahrer und Unternehmer. Viele Erfahrungsberichte. Offizielle Website Mercedes-Benz
- Daimler AG: Der neue Actros: Aufbruch in eine neue Dimension. In: Actros Webspecial 1. Juli 2011 Flash/HTML (abgerufen am 12. Juli 2011).
- Andreas Wolf: Mercedes-Benz Actros: Design mit aufgeräumtem Wesen. In: EuroTransport 21. Juni 2011 HTML und fortfolgend verlinkt.
- Motorengeneration OM 471 im Detail. In: Autosieger 20. März HTML (abgerufen am 20. März 2011).
- Daimler AG: Der neue Mercedes-Benz Actros. Pressemitteilung. Daimler Media 29. Juni 2011 HTML (abgerufen am 30. Juni 2011).
- Michael Kern u. a.: Mit breiter Brust – der Actros fährt vor. 24-seitiges Actros-Spezial. lastauto omnibus 8: S. 22–45. Siehe dazu auch das umfangreiche Actros-Webspecial, 21. Juni 2011 und fortfolgend.
- Michael Kern: Kabinenvergleich: Die Fahrerhäuser des neuen Actros. In: EuroTransport 20. Oktober 2011 HTML (abgerufen am 21. Oktober 2011).
- Manuael Hesser u. a.: SCR Technology for NOx Reduction: Series Experience and State of Development. Präsentation zur DEER-Konferenz (21. bis 25. August 2005). Online publiziert: PDF (abgerufen am 12. Dezember 2011).
- Bernd Bertsche, Gisbert Lechner: Weibullparameter einiger Maschinenelemente. In: dies. (Hg.) Zuverlässigkeit im Fahrzeug- und Maschinenbau: Ermittlung von Bauteil- und System-Zuverlässigkeiten. Springer, Berlin, Heidelberg 2004, ISBN 978-3-540-34996-9, S. 255–263; hier Kapitel 7, doi:10.1007/3-540-34996-0_7.
- Florian Oertel: Zwei neue Rekordhalter. Actros Record Run. Mercedes-Benz Transport 4: S. 12–17. Ebenfalls online verfügbar. 1. Juli 2011 HTML (abgerufen am 2. Juli 2011).