Église-Neuve-de-Vergt
französische Gemeinde
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Église-Neuve-de-Vergt (Aussprache [eɡˈliz nœv də ˈvɛʁ], okzitanisch Gleisa Nueva de Vern) ist eine französische Gemeinde mit 579 Einwohnern (Stand: 1. Januar 2023) im Département Dordogne in der Region Nouvelle-Aquitaine. Sie gehört zum Arrondissement Périgueux und zum Gemeindeverband Le Grand Périgueux. Die Bewohner werden Neuveglisiens und Neuveglisiennes genannt.
| Église-Neuve-de-Vergt | ||
|---|---|---|
| Staat | ||
| Region | Nouvelle-Aquitaine | |
| Département (Nr.) | Dordogne (24) | |
| Arrondissement | Périgueux | |
| Kanton | Périgord Central | |
| Gemeindeverband | Le Grand Périgueux | |
| Koordinaten | 45° 5′ N, 0° 44′ O | |
| Höhe | 148–247 m | |
| Fläche | 7,43 km² | |
| Einwohner | 579 (1. Januar 2023) | |
| Bevölkerungsdichte | 78 Einw./km² | |
| Postleitzahl | 24380 | |
| INSEE-Code | 24160 | |
| Website | www.eglise-neuve-de-vergt.fr | |
Bürgermeisteramt (Mairie) | ||
Die Gemeinde erhielt 2025 die Auszeichnung „Eine Blume“, die vom Conseil national des villes et villages fleuris (CNVVF) im Rahmen des jährlichen Wettbewerbs der blumengeschmückten Städte und Dörfer verliehen wird.[1]
Geografie

Église-Neuve-de-Vergt liegt etwa 11 Kilometer südsüdöstlich von Périgueux, etwa 44 Kilometer nordwestlich von Sarlat-la-Canéda und etwa 32 Kilometer nordöstlich von Bergerac in der Région naturelle des Périgord central, Teil des touristisch benannten Périgord blanc. Das Gemeindegebiet befindet sich im Einzugsgebiet der Dordogne, verfügt aber nur ein kleines, endorheisches Fließgewässer, das sich auf etwa 300 Meter Länge die südwestliche Gemeindegrenze säumt.
Das Département Dordogne liegt auf der Nordplatte des Aquitanischen Beckens und grenzt im Nordosten an einen Rand des Zentralmassivs. Es weist eine große geologische Vielfalt auf. Das Gelände ist in der Tiefe in regelmäßigen Schichten angeordnet, die von der Sedimentation auf dieser alten Meeresplattform zeugen. Das Département lässt sich daher geologisch in vier Stufen unterteilen, die sich nach ihrem geologischen Alter unterscheiden. Église-Neuve-de-Vergt liegt auf der dritten Stufe von Nordosten, einer Hochebene aus heterogenem Kalkstein aus der Kreidezeit.[2] Die im Gemeindegebiet hervortretenden Schichten bestehen aus Oberflächenformationen aus dem Quartär, einige Sedimentgesteinen aus dem Känozoikum, andere aus dem Mesozoikum.
Église-Neuve-de-Vergt erstreckt sich über eine teilweise bewaldete Hügellandschaft, die durch diverse Trockentäler eingeschnitten wird. Der topografisch höchste Punkt liegt mit 247 m im Südosten am Rande des Waldes Bois Lambert, der tiefste Punkt mit 148 m im äußersten Norden an der Grenze zur Nachbargemeinde Sanilhac. Das kleine Zentrum der Gemeinde liegt auf etwa 238 m Höhe.
Rund 54 % der Fläche der Gemeinde sind bewaldet, rund 39 % werden landwirtschaftlich, hauptsächlich heterogen genutzt, rund 5 % entfallen auf bebaute Flächen, rund 2 % auf Flächen mit Strauch- und/oder Kräutervegetation.[3]
Église-Neuve-de-Vergt wird von folgenden drei Gemeinden umgeben:
| Sanilhac | ||
| Chalagnac | ||
| Vergt |
Natürliche Risiken

Natürliche Risiken manifestieren sich in der Gemeinde Église-Neuve-de-Vergt neben den meteorologischen Risiken (Sturm, Gewitter, Schnee, extreme Kälte, Hitzewelle) vor allem als
- Dürren
- Waldbrände
- Bodensetzungen
Im gesamten Gemeindegebiet besteht zur Vorbeugung von Waldbränden eine rechtliche Pflicht zur Beseitigung von Gestrüpp rund um Häuser und Zufahrten und eine zeitliche und/oder räumliche Beschränkung von offenem Feuer, beispielsweise beim Verbrennen von Abfällen oder Pflanzen, beim Campen oder beim Feuerwerk. Der vom Staat erstellte Plan zur Verhütung von Waldbränden (PPRIF) definiert nicht bebaubare und vorbehaltspflichtige Bauzonen, um die Exposition von Gütern zu verringern.[4]
Wie die Risikokarte zeigt, ist das gesamte Gemeindegebiet von einer starken Gefahr durch Bodensetzungen bei abwechselnden Dürre- und Regenperioden betroffen. Die Dürreperioden in den Jahren 1989, 1991, 1992, 1997, 2005, 2011 und 2022 sind als Naturkatastrophen der Gemeinde klassifiziert worden.
Die Erdbebengefahr ist als relativ niedrig einzustufen, am Westrand des Massif Central sind recht seltene Beben der Stärke 3 auf der Richterskala bekannt. Das Gemeindegebiet ist nur einer geringen Radongefahr ausgesetzt und wird der Zone 1 von 3 zugeordnet.[5]
Etymologie und Geschichte
Der Name Église-Neuve (deutsch Neue Kirche) kommt nicht von der Errichtung einer neuen Kirche im 19. Jahrhundert, sondern ist bereits im 14. Jahrhundert in der latinisierten Form Ecclesia Nova d’Uschel (1346) belegt, danach als de Ussel (1365). Das Ortsnamenlexikon von Gourgues führt noch eine französisierte Form auf, wo aus de Ussel ein du Sel im Jahre 1539 geworden ist, sowie eine andere, partiell okzitanische Form Gleize Neuve aus dem 17. Jahrhundert. Noch im 19. Jahrhundert ist du Sel neben de Vergt, im Jahre 1862 angefügt, zu finden. Église, auch glise, im Altfranzösischen egleise, stammt wie das okzitanische gleize vom gesprochenen lateinischen °eclesia, im klassischen Latein ecclesia. Dieses lateinische Wort bezeichnete eine Versammlung, danach eine Versammlung der ersten Christen und schließlich das Gebäude, in dem sie sich versammelten, sehr viel später dann die um das Gebäude herum entstandene Siedlung. Meistens wird ein Adjektiv an Église gekoppelt. In diesem Fall ist Neuve im Zusammenhang mit einer anderen Kirche zu verstehen, die bereits im 14. Jahrhundert verschwunden ist. Uschel und Ussel, zu du Sel verändert, ist das gleiche Wort wie der Name der Gemeinde Ussel im Département Corrèze. Es führt das gallische °uxello- (deutsch hoch) fort, das zur erhöhten Lage des Dorfes passt.[6] Der Name Saint-Marie-du-Sel, der dem Dorf im 17. Jahrhundert vorübergehend gegeben wurde, weist auf eine Weihestätte der heiligen Maria zur Heilung bestimmter Krankheiten (Epilepsie und Chorea minor) hin.[7] Vergt ist hier als Unterscheidungselement der Name der Nachbargemeinde. Er hat seinen Ursprung im gallischen Wort vernh (deutsch Erle).[8]
Die Geschichte von Église-Neuve-de-Vergt ist eng mit der Geschichte des Périgords verbunden. Während des Hundertjährigen Krieges (1337–1453) litten die Dörfer des Périgords schwer unter den zahlreichen Feldzügen der Engländer und Franzosen. Am Ende des Krieges errangen die Franzosen entscheidende Siege und vertrieben die englischen Truppen aus dem Königreich Frankreich.
Im folgenden Jahrhundert entbrannten blutige Schlachten der Hugenottenkriege zwischen Katholiken und Protestanten. In der Schlacht von Vergt im Oktober 1562 wurden die Protestanten von Symphorien de Duras von den Katholiken unter Blaise de Monluc vernichtend geschlagen. Die vielen darauffolgenden Konflikte verarmten die Region und trieben die Bauern 1594 zum Aufstand. Später schürte diese Notlage, verbunden mit der Einführung neuer Steuern, erneut den Zorn der Périgord-Bauern. Dies war die Rebellion der Croquants, die von 1636 bis 1642 dauerte und in dem Pierre Grellety einer der Hauptführer in der Gegend war.[7]
Bevölkerungsentwicklung
| Église-Neuve-de-Vergt: Einwohnerzahlen von 1793 bis 2020 | ||||
|---|---|---|---|---|
| Jahr | Einwohner | |||
| 1793 | 252 | |||
| 1800 | 213 | |||
| 1806 | 252 | |||
| 1821 | 241 | |||
| 1831 | 308 | |||
| 1836 | 314 | |||
| 1841 | 308 | |||
| 1846 | 319 | |||
| 1851 | 286 | |||
| 1856 | 294 | |||
| 1861 | 496 | |||
| 1866 | 282 | |||
| 1872 | 302 | |||
| 1876 | 314 | |||
| 1881 | 338 | |||
| 1886 | 310 | |||
| 1891 | 303 | |||
| 1896 | 294 | |||
| 1901 | 301 | |||
| 1906 | 319 | |||
| 1911 | 280 | |||
| 1921 | 282 | |||
| 1926 | 258 | |||
| 1931 | 240 | |||
| 1936 | 218 | |||
| 1946 | 263 | |||
| 1954 | 221 | |||
| 1962 | 217 | |||
| 1968 | 250 | |||
| 1975 | 272 | |||
| 1982 | 272 | |||
| 1990 | 307 | |||
| 1999 | 326 | |||
| 2006 | 333 | |||
| 2013 | 494 | |||
| 2020 | 571 | |||
| Quelle(n): EHESS/Cassini bis 1999,[9] INSEE ab 2006[10][11][12] Anmerkung(en): Ab 1962 offizielle Zahlen ohne Einwohner mit Zweitwohnsitz | ||||
Gemeindepartnerschaft
Église-Neuve-de-Vergt unterhält über den ehemaligen Kanton Vergt seit 1996 eine Partnerschaft mit Saint-Jacques-de-Montcalm in der kanadischen Provinz Québec.[13]
Sehenswürdigkeiten
Pfarrkirche Saint-Barthélemy
Die frühere Pfarrkirche der Gemeinde befand sich im Weiler la Parélie, ca. 1,5 Kilometer nordwestlich des heutigen Zentrum von Église-Neuve-de-Vergt. Sie wurde im 18. Jahrhundert durch einen Brand zerstört. Die heutige Pfarrkirche ist ein Neubau aus dem Jahre 1867. Drei rundbogenförmige Fenster akzentuieren das Langhaus. Zwei abgerundete Fenster der flach abschließenden Apsis lassen Licht in den Chor fallen. Wie für die Bauweise des 19. Jahrhunderts typisch, gewährt eine Vorhalle mit dem darüberliegenden Glockenturm Eingang in das Gebäude.[14][15]
Das Kircheninnere birgt zwei Gemälde aus dem 17. Jahrhundert, die seit dem 5. März 1958 als bewegliche Objekte als Monument historique klassifiziert sind. Bei dem ersten Werk handelt es sich um eine Darstellung Marias mit Jesuskind. Bei dem rahmenlosen Ölgemälde könnte es sich um eine Kopie eines italienischen Originals handeln. Das zweite Werk ist das Altarbild und zeigt sie Szene der Kreuzabnahme mit der heiligen Maria Magdalena, dem Apostel Johannes, Josef von Arimathäa und dem heiligen Nikodemus. Die beiden Letztgenannten halten dabei den leblosen Körper von Jesus Christus. Bei dem Ölgemälde handelt es sich um eine Kopie eines verschwundenen Gemäldes von Hugo van der Goes. Im Jahre 2010 wurde dieses Werk von der Restauratorin Nathalie Legillon-Gavin restauriert.[16][17][14]
- Statue oberhalb des Eingangsportals
- Kirchenschiff mit Blick auf den Chor
- Bleiglasfenster mit der Darstellung des Cyprian von Karthago
Bildung
Die Gemeinde verfügt über eine öffentliche Grundschule (École élémentaire).[18]
Wirtschaft
Erwerbstätigkeit
Im Jahre 2022 waren 295 Personen zwischen 15 und 64 Jahren in Église-Neuve-de-Vergt erwerbstätig, entsprechend 81,4 % der Bevölkerung der Gemeinde in dieser Altersgruppe, wobei der Anteil der Männer (79,7 %) niedriger war als bei den Frauen (83,1 %). Die Zahl der Arbeitslosen war mit 17 Personen im Jahr 2022 identisch mit der im Jahr 2016. Die Arbeitslosenquote sank aufgrund der höheren Zahl an Beschäftigten von 6,1 % (2016) auf 5,6 % (2022). Die Zahl der Arbeitslosen in der Gruppe der 15- bis 24-Jährigen verringerte sich dabei um 13,4 %.[19]
Branchen und Betriebe
53 nicht-landwirtschaftliche Gewerbebetriebe waren im Jahr 2023 in Église-Neuve-de-Vergt wirtschaftlich aktiv:[19]
| Branche | ||
|---|---|---|
| Anzahl | % | |
| Gesamt | 53 | |
| Fertigung, Bergbau und andere Industrien | 3 | 5,7 % |
| Baugewerbe | 14 | 26,4 % |
| Groß- und Einzelhandel, Verkehr, Beherbergung und Gastronomie | 8 | 15,1 % |
| Information und Kommunikation | 2 | 3,8 % |
| Immobilien | 4 | 7,5 % |
| Fachbezogene, wissenschaftliche und technische Tätigkeiten sowie administrative und unterstützende Dienstleistungstätigkeiten | 4 | 7,5 % |
| Öffentliche Verwaltung, Bildung, menschliche Gesundheit und soziales Handeln | 10 | 18,9 % |
| Andere Dienstleistungen | 8 | 15,1 % |
Landwirtschaft
Im Jahr 2020 lag die technisch-ökonomische Ausrichtung der Landwirtschaft der Gemeinde mit dem Fokus auf Produktion von Gemüse oder Pilzen.[20] Die Zahl der aktiven landwirtschaftlichen Betriebe in der Gemeinde sank von 18 bei der Landwirtschaftszählung von 1988 auf 11 im Jahr 2000, auf 7 im Jahr 2010 und im Jahr 2020, insgesamt ein Rückgang von 61,1 % in 32 Jahren. Die landwirtschaftlich genutzte Fläche verringerte sich von 278 Hektar im Jahre 1988 auf 243 Hektar im Jahre 2020. Die genutzte Fläche pro Betrieb stieg hingegen signifikant von 15,4 Hektar auf 34,7 Hektar.[21][22][23]
Verkehr
Die Departementsstraße D 8 durchquert das Gebiet der Gemeinde von Nord nach Süd. Nach Norden bindet sie Église-Neuve-de-Vergt an die Route nationale 21 in Richtung Périgueux und an einen Anschluss zur Autoroute A 89, genannt La Transeuropéenne an. Nachgeordnete Departementsstraßen und lokale Landstraßen verbinden das Zentrum mit den Weilern der Gemeinde und weiteren Nachbargemeinden.
Regionalbusse einer Linie im Auftrag der Region Nouvelle-Aquitaine verbinden Église-Neuve-de-Vergt mit Périgueux und Bergerac.[24]
Literatur
- Chantal Tanet, Tristan Hordé: Dictionnaire des noms de lieux du Périgord. Éditions Fanlac, Périgueux 2000, ISBN 2-86577-215-2 (französisch).
