Wikiwand AI

Cyclocross-Weltmeisterschaften 2016

Sportsaison From Wikipedia, the free encyclopedia

Die Cyclocross-Weltmeisterschaften 2016 fanden am 30. und 31. Januar im belgischen Heusden-Zolder statt. Es war nach 1970 und 2002 die dritte Austragung an diesem Ort. Negative Bekanntheit erlangte die Veranstaltung durch den Fund eines Fahrrads mit unerlaubtem Hilfsmotor bei der U23-Fahrerin Femke Van Den Driessche.

Ablauf

Mathieu van der Poel während des Rennens

Die Union Cycliste Internationale hatte die Veranstaltung drei Jahre zuvor an Zolder vergeben; weitere Kandidaturen hatte es nicht gegeben.[1][2] Die Wettkämpfe wurden auf dem Circuit Zolder ausgetragen, auf dem auch jährlich der Cyclocross Zolder stattfand. Der 3,2 km lange Rundkurs war ähnlich wie 2002, mit den Steigungen auf den Sacramentsberg und zur Sterrenwacht, allerdings gab es viele Änderungen im Detail. Insbesondere wurden die Steigungen in umgekehrter Reihenfolge gefahren und auch die Start-Ziel-Gerade des Circuits in umgekehrter Richtung benutzt.[3] Fünf Wochen vor den Weltmeisterschaften wurde ein Weltcup-Rennen am gleichen Ort abgehalten, das Sanne Cant bzw. Mathieu van der Poel gewannen.

Erstmals gab es ein Weltmeisterschaftsrennen für die Kategorie der Frauen U23, dessen Einführung im Jahr zuvor beschlossen worden war.[4] Diese Kategorie wurde zu Beginn der Saison 2015/2016 ins Regelwerk aufgenommen und die Richtzeit auf 40 Minuten festgesetzt.[5] Damit erweiterte sich das Programm auf folgende fünf Rennen:

  • 30. Januar: Junioren (11 Uhr), Frauen U23 (13 Uhr), Frauen Elite (15 Uhr)
  • 31. Januar: Männer U23 (11 Uhr), Männer Elite (15 Uhr)

Es beteiligten sich 265 Fahrer aus 25 Nationen, was einen neuen Rekord darstellte.[6]

Ergebnisse

Junioren

Weitere Informationen Platz, Name ...
Platz Name Zeit (min)
1NiederlandeNiederlande Jens Dekker43:05
2FrankreichFrankreich Mickaël Crispin+ 0:35
3FrankreichFrankreich Thomas Bonnet+ 1:00
4Schweiz Kevin Kuhn+ 1:17
5Vereinigtes Konigreich Thomas Pidcock+ 1:22
6ItalienItalien Jakob Dorigoni+ 1:27
7Belgien Jappe Jaspers+ 1:32
8SpanienSpanien Iván Feijoo+ 1:34
9FrankreichFrankreich Mathieu Legrand+ 1:38
10Deutschland Niklas Märkl+ 1:39
Schließen

Das Juniorenrennen über fünf Runden fand bei andauerndem Regen statt. Ein steiler Abhang mit anschließender Kurve führte bei diesen Verhältnissen zu mehreren Stürzen. Abgesehen davon war der Rennverlauf sehr einfach: Europameister und Weltcupsieger Jens Dekker lag bereits zum Ende der ersten Runde in Führung, gefolgt von Mickaël Crispin. Dahinter entledigte sich Thomas Bonnet in der dritten Runde der verbliebenen Konkurrenten um die Bronzemedaille. An diesen Positionen änderte sich bis zum Schluss nichts mehr.[7]

Frauen U23

Weitere Informationen Platz, Name ...
Platz Name Zeit (min)
1Vereinigtes Konigreich Evie Richards41:34
2Tschechien Nikola Nosková+ 0:35
3Niederlande Maud Kaptheijns+ 0:47
4Schweiz Sina Frei+ 0:53
5Osterreich Nadja Heigl+ 1:30
6Vereinigte Staaten Ellen Noble+ 1:42
7Italien Alice Maria Arzuffi+ 1:47
8Frankreich Juliette Labous+ 1:50
9Vereinigtes Konigreich Alice Barnes+ 2:01
10DeutschlandDeutschland Jessica Lambracht+ 2:22
Schließen

Die erste U23-Weltmeisterschaft der Frauen fand unter strömendem Regen über vier Runden statt. Evie Richards übernahm gegen Ende der ersten Runde die Führung und gab sie nicht mehr ab. Am Ende der zweiten Runde hatten auch Nikola Nosková und Maud Kaptheijns ihre Plätze gefunden. Die meisten anderen Fahrerinnen waren zu diesem Zeitpunkt bereits einzeln unterwegs, und es gab kaum noch Änderungen im Klassement.[8]

Das eigentliche Renngeschehen wurde bald darauf von der Nachricht überschattet, dass während des Wettkampfs ein Fahrrad mit verbotenem Hilfsmotor gefunden worden war. Dieses war im Materialdepot für die Mitfavoritin Femke Van Den Driessche bereitgehalten worden, die unterwegs aufgegeben hatte.[9][10] Schon die Bereitstellung und nicht erst die Benutzung eines solchen Rads gilt als Regelverstoß.[11] Nach einer Untersuchung sperrte die UCI die Fahrerin, die inzwischen ihren Rücktritt bekanntgegeben hatte, für sechs Jahre und legte ihr eine Geldstrafe von 20.000 Schweizer Franken auf.[12]

Frauen Elite

Weitere Informationen Platz, Name ...
Platz Name Zeit (min)
1Niederlande Thalita de Jong41:03
2Frankreich Caroline Mani+ 0:14
3Belgien Sanne Cant+ 0:24
4Niederlande Sophie de Boergl. Zeit
5Vereinigtes Konigreich Nikki Harris+ 0:32
6Niederlande Sabrina Stultiens+ 0:36
7Italien Eva Lechner+ 0:46
8Vereinigte Staaten Kaitlin Antonneau+ 1:12
9Luxemburg Christine Majerus+ 1:25
10Niederlande Sanne van Paassen+ 1:44
Schließen

Bis zum Start des Frauenrennens hatten die Regenfälle nachgelassen, doch hatten sie bereits einen großen Teil des Untergrunds in Matsch verwandelt. Nicht unter den 39 Fahrerinnen war die siebenmalige Weltmeisterin Marianne Vos, die wegen Verletzungen eine längere Pause eingelegt hatte.[13] Die niederländischen Hoffnungen ruhten daher auf der Landesmeisterin Thalita de Jong, die ihre erste längere Cyclocross-Saison fuhr. Als Favoritin galt jedoch Sanne Cant nach einer dominanten Saison.

Zu Beginn des Rennens bildete sich ein Spitzenquartett mit Cant, Nikki Harris, Caroline Mani und Sophie de Boer. De Jong war zu Beginn des Rennens aufgehalten worden und schaffte gegen Ende der dritten von vier Runden den Anschluss. In der Schlussrunde hatte de Jong die größten Reserven, fuhr die schnellste Runde des Rennens und gewann mit deutlichem Abstand vor Mani und Cant.[14][15]

Männer U23

Weitere Informationen Platz, Name ...
Platz Name Zeit (min)
1Belgien Eli Iserbyt51:18
2Tschechien Adam Ťoupalík+ 0:01
3Belgien Quinten Hermans+ 0:05
4Belgien Thijs Aerts+ 0:11
5Frankreich Clément Russo+ 0:12
6Spanien Felipe Orts+ 0:15
7Italien Gioele Bertolinigl. Zeit
8Niederlande Martijn Budding+ 0:24
9NiederlandeNiederlande Sieben Wouters+ 0:29
10Belgien Daan Soete+ 1:07
Schließen

Der Regen des Vortags hatte nachgelassen, und der Kurs war in besserem Zustand, als das 55-köpfige Feld der Männer U23 an den Start ging. In einer abwechslungsreichen ersten Rennhälfte führte erst Daan Soete, dann Sieben Wouters und schließlich Europameister Quinten Hermans mit Adam Ťoupalík, bevor in der fünften von sechs Runden noch Gioele Bertolini und Weltcupsieger Eli Iserbyt aufschlossen.

Gegen Ende der fünften Runde verschaffte sich Ťoupalík eine Lücke und sprintete Richtung Ziel, da er diese Runde für die letzte hielt und sich schon als Weltmeister wähnte. Während seines Jubels zogen die anderen vorbei, Bertolini stürzte jedoch schon bald. Ťoupalík fand während der Schlussrunde noch zu Iserbyt und Hermans zurück und bog als erster auf die Zielgerade ein, wurde jedoch von Iserbyt übersprintet.[16][17]

Männer Elite

Weitere Informationen Platz, Name ...
Platz Name Zeit (h)
1Belgien Wout van Aert1:05:52
2Niederlande Lars van der Haar+ 0:05
3Belgien Kevin Pauwels+ 0:35
4Belgien Sven Nys+ 0:39
5Niederlande Mathieu van der Poel+ 0:47
6Niederlande David van der Poel+ 1:03
7Belgien Laurens Sweeck+ 1:11
8Belgien Tom Meeusen+ 1:23
9Tschechien Radomír Šimůnek+ 1:37
10Deutschland Marcel Meisen+ 1:43
Schließen

Titelverteidiger Mathieu van der Poel, Weltcupsieger Wout van Aert und Europameister Lars van der Haar fuhren durch eine schnelle erste Runde 15 Sekunden Vorsprung heraus. Danach sackte das Tempo etwas, und fünf weitere belgische und niederländische Fahrer konnten anschließen. In der fünften von acht Runden erhielt van der Haar eine Lücke, als van der Poel absteigen musste und dabei mit dem Fuß in den Speichen von van Aerts Vorderrad steckenblieb. Letzterer musste seinen Konkurrenten aus dieser Lage befreien, beide Fahrer verloren gut 20 Sekunden und eine Reihe von Plätzen.

Van Aert fasste sich schnell, überholte Fahrer um Fahrer auf der Jagd nach van der Haar, der inzwischen allein in Führung lag, bis er diesen in der vorletzten Runde einholte. Van der Poel schien zunächst gehemmt, doch beim letzten Zieldurchgang lag er wieder in Schlagweite, auf dem dritten Platz mit 15 Sekunden Rückstand. Die beiden Führenden lieferten sich auf der Schlussrunde ein Duell, bis van der Haar auf der letzten Steigung den Kürzeren zog. Van Aert wurde Weltmeister, im Alter von 21 Jahren.[18][19]

Van der Poel fiel auf der letzten Runde noch um zwei Plätze zurück. Bronze ging an Kevin Pauwels, Vierter wurde Ex-Weltmeister Sven Nys, der sich nach über 20-jähriger Karriere auf der Zielgeraden vom Publikum verabschiedete. Auch der Name Radomír Šimůnek stand mit einem neunten Platz zum letzten Mal in den Ergebnissen; zusammen mit seinem gleichnamigen Vater hatte er seit 1979 die WM-Geschichte geprägt. Nach dem Rennen entschuldigte sich der belgische Verband für das unsportliche Verhalten etlicher Anhänger gegenüber den niederländischen Fahrern.[20]

Einzelnachweise

Related Articles

Timelines

Top Qs

Fact Checks