Cyclocross-Weltmeisterschaften 2021
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Die Cyclocross-Weltmeisterschaften 2021 fanden am 30. und 31. Januar im belgischen Ostende statt. Die 72. Austragung dieser Wettkämpfe seit 1950 war stark von der weltweiten Corona-Pandemie beeinflusst, unter anderem fand sie deshalb ohne Zuschauer vor Ort und ohne Junioren-Wettkämpfe statt. Bei den Frauen gewann Lucinda Brand, bei den Männern zum vierten Mal Mathieu van der Poel.
Ablauf
Der belgische Radsportverband hatte sich Anfang 2017 an potenzielle Ausrichter gewandt, um die WM ins Land zu holen, und sich schließlich für den Küstenort entschieden; auch Boom hatte sich beworben.[1][2] Ein Jahr später akzeptierte die Leitung des Radsport-Weltverbands UCI die belgische Kandidatur.[3] Organisator in Ostende war das Veldritcomité Hooglede-Gits, das bereits für die Cyclocross-Weltmeisterschaften 2007 verantwortlich gezeichnet hatte.[4]
Die Wettbewerbe wurden auf dem Hippodrom Wellingtonrenbaan und dem anliegenden Strand ausgetragen. Eine Runde auf der Wettkampfstrecke hatte dabei eine Länge von ca. 2.900 m mit 205 m Asphalt, 404 m Asche, 565 m Sand und 1.326 m Gras; 400 m verliefen auf Brücken, die die beiden Abschnitte Rennbahn und Strand verbanden. Auf den Brückenrampen wurde ein maximaler Gradient von 21 % erreicht. Auf dem Strand verlief die Strecke unmittelbar an der Wasserlinie, so dass die Fahrer teilweise durch die auslaufenden Wellen fuhren.[5][6]
Die Ausgaben für die Veranstaltung betrugen drei Millionen Euro, wovon eine Million gemeinsam durch die Gemeinde Ostende, die Provinz Westflandern sowie die nationale Lotterie getragen wurde. Zu Beginn der weltweiten Pandemie hatte die flämische Regierung einen weiteren Zuschuss von 400.000 Euro gewährt, um die Veranstaltung abzusichern.[7] Dennoch blieb die Austragung angesichts der hohen Infektionszahlen in Belgien bis zuletzt auf der Kippe. Erst wenige Tage vor dem Termin wurde die Durchführung endgültig bestätigt, mit strengen Verhaltensmaßregeln für alle Beteiligten.[8] Schon zuvor war beschlossen worden, keine Zuschauer vor Ort zuzulassen[9] und dass keine Juniorenweltmeister gekürt würden.[10] Es fanden daher von den ursprünglich geplanten sechs Wettbewerben nur vier statt, in den Kategorien Elite sowie U23. Der Zeitplan war wie folgt:
- 30. Januar: Männer U23 (13:30), Frauen Elite (15:10)
- 31. Januar: Frauen U23 (13:30), Männer Elite (15:10)
Unter den gegebenen Umständen war die Beteiligung geringer als in den Vorjahren; es nahmen 166 Fahrer und Fahrerinnen aus 18 Ländern teil. Von außerhalb Europas beteiligten sich Australien, Kanada und die Vereinigten Staaten. Die Teilnahmeregeln waren etwas angepasst worden und lauteten nun für alle Kategorien gleich: Die ersten drei Verbände der jeweiligen Nationen-Rangliste konnten je sieben Fahrer entsenden, die drei folgenden je sechs, alle anderen je fünf. Zusätzlich waren die Titelverteidiger, die kontinentalen Meister und die Sieger des UCI-Cyclocross-Weltcups persönlich qualifiziert.[11]
Ergebnisse
Männer U23
| Platz | Name | Zeit (min) |
|---|---|---|
| 1 | 49:47 | |
| 2 | + 0:08 | |
| 3 | + 0:14 | |
| 4 | + 0:19 | |
| 5 | + 0:31 | |
| 6 | + 0:33 | |
| 7 | + 0:55 | |
| 8 | + 1:01 | |
| 9 | + 1:20 | |
| 10 | + 1:21 |
Am Start waren 45 Fahrer aus 11 Ländern, es wurden sechs Runden absolviert. In der Strandpassage der dritten Runde attackierte der Niederländer Pim Ronhaar, verfolgt von den Belgiern Timo Kielich und Emiel Verstrynge. In der fünften Runde stieß Titelverteidiger Ryan Kamp zu den Verfolgern, die er zugunsten Ronhaars aber nicht unterstützte. Eingangs der Schlussrunde hatte Ronhaar 20 Sekunden Vorsprung, und Kamp griff nun die Verfolger an, um sich die Silbermedaille zu sichern. Verstrynge musste schnell abreißen lassen, Kielich blieb an Kamp dran, bis er kurz vor Ende in einer Kurve ausglitt. Außer den Belgiern und Niederländern kam nur der Brite Ben Turner unter die ersten Zehn.[12][13]
Frauen Elite
| Platz | Name | Zeit (min) |
|---|---|---|
| 1 | 46:53 | |
| 2 | + 0:08 | |
| 3 | + 0:19 | |
| 4 | + 0:52 | |
| 5 | + 1:04 | |
| 6 | + 1:12 | |
| 7 | + 1:13 | |
| 8 | + 1:43 | |
| 9 | + 2:07 | |
| 10 | + 2:08 |

Das Rennen fand bei Regen statt, der vor allem die Strecke auf der Rennbahn aufweichen ließ. Die 40 Starterinnen aus 14 Ländern hatten fünf Runden zu absolvieren. Schon nach der ersten hatten sich die späteren Medaillengewinnerinnen vom Rest des Felds abgeschieden: Denise Betsema hatte sich auf der Strandpassage einen Vorsprung erarbeitet, wenige Sekunden hinter ihr folgten Weltcupsiegerin Lucinda Brand und Annemarie Worst. Mitte der dritten Runde schlossen die beiden zu Betsema auf.
In den folgenden zwei Runden machten alle drei Fahrerinnen gelegentliche Fehler, doch die Gruppe blieb letztlich zusammen. In der Schlussrunde verlor Betsema auf dem Strand den Anschluss, Brand und Worst gingen gemeinsam in die letzte halbe Runde. Die Vorentscheidung fiel, als Brand auf der Innenseite einer Kurve überholte, Worst mit ihr kollidierte und fiel. Brand wurde nach drei Medaillen in den Vorjahren erstmals Weltmeisterin, Worst wie im Vorjahr Zweite. Mit Betsemas Bronzemedaille war das Podium wiederum vollständig niederländisch besetzt.[14]
Titelverteidigerin Ceylin del Carmen Alvarado kam auf den sechsten Platz, die Ex-Weltmeisterinnen Sanne Cant und Marianne Vos auf den achten bzw. zwölften Rang.
Frauen U23
| Platz | Name | Zeit (min) |
|---|---|---|
| 1 | 36:59 | |
| 2 | + 0:03 | |
| 3 | + 0:09 | |
| 4 | + 0:27 | |
| 5 | + 0:54 | |
| 6 | + 0:56 | |
| 7 | + 1:04 | |
| 8 | + 1:10 | |
| 9 | + 1:53 | |
| 10 | + 2:11 |
Zu Beginn des zweiten Tags gingen 37 Fahrerinnen der U23 an den Start, vier Runden waren zu absolvieren. Nach der ersten Runde war Inge van der Heijden, die Siegerin von 2019, in Führung, dicht gefolgt von der U23-Weltcupsiegerin Kata Blanka Vas sowie zwei weiteren Niederländerinnen in Person von Fem van Empel und Aniek van Alphen. In der dritten Runde kamen die vier Fahrerinnen zusammen. Eingangs der Schlussrunde fiel van der Heijden zurück, während Vas in der Strandpassage an Boden verlor. Van Empel gewann vor van Alphen und Vas.
Titelverteidigerin Marion Norbert-Riberolle kam auf den 10. Platz, die angeschlagen ins Rennen gegangene Juniorenweltmeisterin des Vorjahrs, Shirin van Anrooij, gab auf.[15]
Männer Elite
| Platz | Name | Zeit (min) |
|---|---|---|
| 1 | 58:57 | |
| 2 | + 0:37 | |
| 3 | + 1:24 | |
| 4 | + 1:37 | |
| 5 | + 2:05 | |
| 6 | + 2:14 | |
| 7 | + 2:18 | |
| 8 | + 2:23 | |
| 9 | + 2:41 | |
| 10 | + 3:15 |

Zum Abschluss fand das Rennen der Männer-Elite mit 44 Fahrern aus 15 Nationen statt. Es wurden acht Runden absolviert. Im Weltcup hatten sich die beiden dreimaligen Weltmeister Mathieu van der Poel und Wout van Aert einen Schlagabtausch geliefert, so dass sie als Favoriten galten.
Bereits in der ersten Strandpassage setzten sich die beiden vom Rest des Felds ab. In der zweiten Runde machte van der Poel einen Fahrfehler und wurde vom Rad geschleudert. Er kam jedoch ohne Schäden davon, und als van Aert in der folgenden Runde eine Reifenpanne hatte, konnte er diesen überholen. Nach der vierten Runde hatte van der Poel einen Vorsprung von etwa 10 Sekunden, mit deutlichem Abstand folgten Toon Aerts, dann Thomas Pidcock, schließlich eine Gruppe von vier belgischen Fahrern. In der zweiten Rennhälfte gab es keine entscheidenden Änderungen mehr. Van der Poel baute seinen Vorsprung in jeder Runde etwas aus und wurde zum vierten Mal Weltmeister, womit alle vier Goldmedaillen der Weltmeisterschaften in die Niederlande gingen. Pidcock schloss in der fünften Runde zu Aerts auf, wurde aber alsbald wieder distanziert; Aerts holte zum dritten Mal in Folge die Bronzemedaille.[16]
Weblinks
- Website der Veranstaltung ( vom 10. März 2021 im Internet Archive)
- Berichte und Ergebnisse auf CyclingNews
- Offizielle Resultate bei ChronoRace
- Cyclocross-Weltmeisterschaften 2021 in der Datenbank von Cyclocross24.com
- Cyclocross-Weltmeisterschaften 2021 in der Datenbank von ProCyclingStats