Marquay (Dordogne)

Gemeinde im Département Dordogne, Frankreich From Wikipedia, the free encyclopedia

Marquay (Aussprache [maʁˈkɛ], okzitanisch Marcais) ist eine französische Gemeinde mit 588 Einwohnern (Stand: 1. Januar 2023) im Département Dordogne in der Region Nouvelle-Aquitaine. Sie gehört zum Arrondissement Sarlat-la-Canéda und zum Gemeindeverband Communauté de communes Sarlat-Périgord Noir. Die Einwohner werden Marquayais und Marquayaises genannt.

Schnelle Fakten
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Die Gemeinde erhielt 2025 die Auszeichnung „Eine Blume“, die vom Conseil national des villes et villages fleuris (CNVVF) im Rahmen des jährlichen Wettbewerbs der blumengeschmückten Städte und Ortschaften verliehen wird.[1]

Geografie

Bodenbedeckung, Hydrografie und Infrastruktur der Gemeinde (2018)

Marquay liegt etwa 42 Kilometer südöstlich von Périgueux, etwa neun Kilometer nordwestlich von Sarlat-la-Canéda und etwa 52 Kilometer ostnordöstlich von Bergerac in der Landschaft des Périgord noir, im gleichnamigen, touristisch benannten Landesteil. Das Gemeindegebiet befindet sich im Einzugsgebiet der Dordogne und wird entwässert von der Grande Beune, der Petite Beune sowie von einem kleineren Fließgewässer.

Das Département Dordogne liegt auf der Nordplatte des Aquitanischen Beckens und grenzt im Nordosten an einen Rand des Zentralmassivs. Es weist eine große geologische Vielfalt auf. Das Gelände ist in der Tiefe in regelmäßigen Schichten angeordnet, die von der Sedimentation auf dieser alten Meeresplattform zeugen. Das Département lässt sich daher geologisch in vier Stufen unterteilen, die sich nach ihrem geologischen Alter unterscheiden. Marquay liegt auf der dritten Stufe von Nordosten, einer Hochebene aus heterogenem Kalkstein aus der Kreidezeit.[2] Die im Gemeindegebiet hervortretenden Schichten bestehen aus Oberflächenformationen aus dem Quartär, die aus dem Känozoikum stammen, sowie Sedimentgesteine aus dem Mesozoikum.

Marquay erstreckt sich über eine vergleichsweise bewaldete Hügellandschaft, die durch die Täler der genannten Flüsse eingeschnitten wird. Der topografisch höchste Punkt befindet sich mit 298 m im östlichen Gemeindegebiet in der Nähe des Lieu-dit les Hauts de Marquay. Der tiefste Punkt mit 80 m ist im Westen beim Austritt der Grande Beune aus dem Gemeindegebiet anzutreffen. Das Zentrum der Gemeinde befindet sich auf etwa 226 m Höhe.

Rund 63 % der Fläche der Gemeinde sind bewaldet, rund 38 % werden landwirtschaftlich, in erster Linie heterogen, genutzt (Stand: 2018).[3]

Marquay wird von folgenden fünf Gemeinden umgeben:

Peyzac-le-Moustier Tamniès
Les Eyzies Kompassrose, die auf Nachbargemeinden zeigt Sarlat-la-Canéda
Saint-André-d’Allas

Klima

Die klimatischen Bedingungen in Marquay werden als warm und gemäßigt eingestuft. Marquay verzeichnet im Jahresverlauf eine beträchtliche Niederschlagsmenge. Dies gilt selbst für den trockensten Monat Juli. Nach der Köppen-Geiger-Klassifikation werden die vorherrschenden Wetterbedingungen in diesem Gebiet als Cfb (Gemäßigtes Ozeanklima) eingeordnet. Die durchschnittliche Jahrestemperatur in Marquay beträgt 13,3 °C, die niedrigste Durchschnittstemperatur im Januar mit 5,4 °C, die höchste im Juli mit 21,5 °C. Die jährliche Niederschlagsmenge beträgt gemäß den meteorologischen Aufzeichnungen etwa 947 mm.[4]

Natürliche Risiken

Risikokarte zur Quellung/Schrumpfung von Tonmineralen in Böden für Marquay

Naturrisiken manifestieren sich in Marquay als

  • Waldbrände
  • Bodensetzungen
  • Bodenbewegungen

Marquay ist durch den starken Baumbestand der starken Gefahr von Waldbränden ausgesetzt. Im nahezu gesamten Gemeindegebiet besteht deshalb zur Vorbeugung eine rechtliche Pflicht zur Beseitigung von Gestrüpp rund um Häuser und Zufahrten und eine zeitliche und/oder räumliche Beschränkung von offenem Feuer, beispielsweise beim Verbrennen von Abfällen oder Pflanzen, beim Campen oder beim Feuerwerk. Der vom Département erstellte Plan zur Verhütung von Waldbränden (PPRIF) definiert nicht bebaubare und vorbehaltspflichtige Bauzonen, um die Exposition von Gütern zu verringern.[5]

Wie die Risikokarte zeigt, ist nur ein kleiner Teil des südlichen Gemeindegebiets von einer mittleren Gefahr durch Bodensetzungen bei abwechselnden Dürre- und Regenperioden betroffen. Die Dürreperioden in den Jahren 1989 und 2011 sind als Naturkatastrophen der Gemeinde klassifiziert worden. Die Erdbebengefahr ist als niedrig einzustufen. Das Gemeindegebiet ist nur einer schwachen Radongefahr ausgesetzt und wird der Zone 1 zugeordnet.

Bodenbewegungen umfassen eine Reihe von Verschiebungen des Bodens oder Untergrunds, manche abrupter als andere. Die dabei auftretenden Volumina können von wenigen Kubikmetern bis zu mehreren Millionen Kubikmetern reichen. Diese Verschiebungen können langsam (einige Millimeter pro Jahr) bis sehr schnell (einige hundert Meter pro Tag) erfolgen. Im Allgemeinen verlaufen Bodenbewegungen mit einem signifikanten Volumen relativ langsam. Eine solche Bodenbewegung im Jahr 1999 ist als Naturkatastrophe der Gemeinde klassifiziert worden. In Marquay besteht die Gefahr von Bodenbewegungen als Senkungen und Einstürzen anthropogenen Ursprungs, natürlich entstandene unterirdische Hohlräume, deren Decken einsturzgefährdet sind.[6]

Etymologie und Geschichte

Der Name des Dorfes ist im 13. Jahrhundert in der Schreibweise Marquais erstmals belegt, die anschließend 1365 zu Marcaych wurde. Im 14. Jahrhundert gab es außerdem drei verschiedene latinisierte Formen: Marqaysium (1320), Marquesium (1386) und Marcasium (1397). Die Herkunft des Namens bleibt in der Diskussion. Eine Hypothese bringt ihn in Zusammenhang mit dem altfranzösischen marchais (auch maresc, marais) (deutsch Sumpf), das nämlich Marquay im Département Pas-de-Calais seinen Namen gegeben hat. Jedoch wurde dieses Wort germanischen Ursprungs zu maresc im okzitanischen Sprachraum und ist im Süden nur von den Namen der Flüsse Maresque im Département Aveyron und Marés im Département Haute-Garonne vertreten. Außerdem spricht die geografische Situation des Dorfes auf einer Kammlage gegen diesen Ansatz, denn sumpfiges Land gibt es heute nur im Tal der Beune. Die Ursprünge von Marquay wurden auch in einer Ableitung vom altfranzösischen marque, ebenfalls germanischen Ursprungs, gesehen, in der Bedeutung eines „vom Dorf weit abgelegenen Lands“. Jedoch ist die Form marque nur im 15. Jahrhundert belegt. Das Altfranzösische kennt nur marc, merche und marc und man würde eher an das okzitanische Wort marca, merca denken, aber die angegebene Verwendung scheint nicht zu existieren. Jüngst schlägt Jacques Gans, das Modell von Studien zu Ortsnamen in der Bretagne herangezogen, den Namen als Zusammensetzung eines keltischen Worts in der Form °mar- (deutsch groß) und °ceton- (deutsch Wald) vor. Die Autoren Tanet und Hordé denken jedoch, dass die phonetischen Regeln diese Hypothese wenig wahrscheinlich stützen. Sie bleiben bei einem anderen Vorschlag, der mit der Phonetik und dem Alter des Dorfes übereinstimmt. Marquay könnte demnach von einem gallorömischen Personennamen, Marcasius, kommen.[7]

Die Region beherbergt bedeutende prähistorische Stätten, darunter den Felsunterstand Cap Blanc, der zum UNESCO-Welterbe gehört. Er wurde 1908 entdeckt und barg Skulpturen und ein weibliches Skelett aus der Magdalénien-Zeit. Ein weiterer Felsunterstand, Laussel, lieferte ebenfalls wertvolle Funde, insbesondere verzierte Steinblöcke. Der berühmteste von ihnen ist die Venus von Laussel aus dem Gravettien (vor 25.000 bis 30.000 Jahren).[8]

Im 13. Jahrhundert gehörte die Seigneurie und Burg Puymartin der ehemaligen Abtei Saint-Sacerdos in Sarlat-la-Canéda. 1271 vergab der Abt das Lehen an die Familie Serviens. Im Zuge des Hundertjährigen Kriegs wurde die Burg im Jahr 1357 von den Engländern erobert und 1358 zerstört. Um 1450 wurde die Anlage wiedererrichtet. Während der Hugenottenkriege (1562–1598) diente sie als Stützpunkt der Katholiken.[9][10]

Bevölkerungsentwicklung

Marquay: Einwohnerzahlen von 1793 bis 2020
Jahr  Einwohner
1793
 
800
1800
 
602
1806
 
941
1821
 
855
1831
 
991
1836
 
985
1841
 
975
1846
 
1.005
1851
 
1.022
1856
 
1.017
1861
 
1.032
1866
 
1.030
1872
 
930
1876
 
921
1881
 
932
1886
 
973
1891
 
876
1896
 
816
1901
 
765
1906
 
755
1911
 
737
1921
 
607
1926
 
606
1931
 
570
1936
 
544
1946
 
551
1954
 
532
1962
 
514
1968
 
442
1975
 
406
1982
 
419
1990
 
473
1999
 
477
2006
 
548
2013
 
573
2020
 
582
Quelle(n): EHESS/Cassini bis 1999,[11] INSEE ab 2006[12]
Anmerkung(en): Ab 1962 offizielle Zahlen ohne Einwohner mit Zweitwohnsitz

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Urgeschichtliche Fundstätten

Die Venus von Laussel

Im Weiler La Grèze am Rand des Gemeindegebiets gibt es eine Höhle mit Felszeichnungen aus der Altsteinzeit. Die Höhle wurde früh entdeckt und seit 1914 nutzte der Prähistoriker Henri Breuil die Felszeichnung eines Bisons aus dieser Höhle für sein Datierungssystem. Die Höhle befindet sich heute im Privatbesitz und ist seit 2009 als Monument historique eingeschrieben.

Etwas südwestlich von La Grèze befindet sich die urgeschichtliche Fundstätte von Laussel, an der schon 1897 erste Grabungen durchgeführt wurden. Dieser Fundort ist seit 2007 als Monument historique eingeschrieben. Er befindet sich heute im Besitz einer privaten Vereinigung.

Eine weitere Höhle mit Felszeichnungen ist die Höhle von Puymartin. Sie beherbergt ein Flachrelief eines Pferdes. Die Höhle ist im Privatbesitz und ist seit 1995 als Monument historique eingeschrieben.

Romanische Wehrkirche von Marquay

Zwischen der Höhle von La Grèze und der Burg Laussel befindet sich der Abri des Cap Blanc. Vom Parkplatz der Fundstätte aus blickt man über das Tal der Beune zum Château de Commarque hinüber. Der Staat Frankreich kaufte den im Jahr 1908 entdeckten Abri im Jahr 2006. Im Abri gibt es einen skulpturierten Fries, der dreizehn Meter lang ist und aus zwei Abschnitten besteht, die insgesamt vierzehn Figuren als Hoch- oder Flachrelief zeigen. Acht der Figuren stellen Pferde dar. Auf den Figuren befinden sich Reste von Farbe. Es handelt sich hierbei um den einzigen urgeschichtlichen Skulpturenfries, der der Öffentlichkeit zugänglich ist. Er wird auf das mittlere Magdalénien datiert und kann ganzjährig besichtigt werden. Der Abri ist in Teilen seit 1910 als Monument historique klassifiziert, seit 1926 in weiteren Teilen und zusätzlich als UNESCO-Welterbe denkmalgeschützt.[13] Bei der Entdeckung fand man in der Höhle das Skelett einer Frau im Alter von 25 bis 35 Jahren. Die Gebeine wurden 1926 an das Field Museum of Natural History in Chicago verkauft. Heute wird am Fundort ein Faksimile gezeigt.[14]

Kirche Saint-Pierre-ès-Liens

Die am Rand von Marquay an der Durchgangsstraße liegende romanische Wehrkirche des Ortes stammt aus dem 12. und 13. Jahrhundert. Eine Besonderheit ist das Querhaus, dessen Arme Apsidialkapellen bilden. Um das Kirchenbauwerk herum gruppieren sich ansehnliche Häuser im typischen Stil des Périgord. Das Gebäude ist seit 1910 als Monument historique klassifiziert.[15]

Schloss Puymartin

Schloss Puymartin

Das mit Scharwachttürmen und Kurtinen bestückte Schloss Puymartin wurde etwa 1269 erbaut. Die zwei Wohngebäude sind mit Türmen und Maschikulis verbunden. Im großen Saal sind der Kamin und Wandbehänge erhalten geblieben.[9] Etwa 1890 wurde das Schloss restauriert. Im Schloss gibt es mehrere denkmalgeschützte Möbel und Kunstwerke aus dem 16. bis 18. Jahrhundert.[16] Die Anlage kann von April bis November besichtigt werden.[10]

Bildung

Die Gemeinde verfügt über eine öffentliche Grundschule (École élémentaire) mit 42 Schülerinnen und Schülern in zwei Klassen im Jahr 2025.[17]

Wirtschaft

Erwerbstätigkeit

Im Jahre 2022 waren 255 Personen zwischen 15 und 64 Jahren in Marquay erwerbstätig, entsprechend 80,7 % der Bevölkerung der Gemeinde in dieser Altersklasse, wobei der Anteil der Männer (79,6 %) niedriger war als bei den Frauen (81,9 %). Die Zahl der Arbeitslosen war mit 21 Personen im Jahr 2022 niedriger als im Jahr 2016 (32). Die Arbeitslosenquote sank entsprechend von 12,6 % (2016) auf 8,2 % (2022).[18]

Branchen und Betriebe

53 nicht-landwirtschaftliche Gewerbebetriebe waren im Jahr 2023 in Marquay wirtschaftlich aktiv:[18]

Weitere Informationen Branche, Anzahl ...
BrancheAnzahl%
Fertigung, Bergbau und andere Industrien35,7 %
Baugewerbe815,1 %
Groß- und Einzelhandel, Verkehr, Beherbergung und Gastronomie2139,6 %
Information und Kommunikation11,9 %
Finanzen und Versicherungen11,9 %
Immobilien47,5 %
Fachbezogene, wissenschaftliche und technische Tätigkeiten sowie administrative und unterstützende Dienstleistungstätigkeiten713,2 %
Öffentliche Verwaltung, Bildung, menschliche Gesundheit und soziales Handeln47,5 %
Andere Dienstleistungen47,5 %
Gesamt53
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Landwirtschaft

Marquay liegt in den Zonen der geschützten Ursprungsbezeichnungen (AOP) der Walnüsse des Périgord und des Nussöls des Périgord.[19]

Im Jahr 2020 lag die technisch-ökonomische Ausrichtung der Landwirtschaft der Gemeinde mit dem Fokus auf Polykulturen und/oder Mischbetriebe in der Tierhaltung.[20] Die Zahl der aktiven landwirtschaftlichen Betriebe in der Gemeinde sank von 48 bei der Landwirtschaftszählung von 1988 auf 39 im Jahr 2000, auf 27 im Jahr 2010 und auf 19 im Jahr 2020, ein Rückgang von 60,4 % in 32 Jahren. Die landwirtschaftlich genutzte Fläche vergrößerte sich von 927 Hektar im Jahre 1988 auf 1164 Hektar im Jahre 2020. Die genutzte Fläche pro Betrieb erhöhte sich signifikant von 19,3 Hektar auf 61,3 Hektar.[21][22][23]

Fernwanderweg

Verkehr

Marquay liegt fernab von größeren Verkehrsachsen. Die Departementsstraße D 48 bildet die Hauptverkehrsader. Sie verbindet Marquay mit Les Eyzies im Westen und mit Tamniès im Nordosten. Die D 47, die die Verbindung nach Sarlat-la-Canéda herstellt, verläuft auf etwa einem Kilometer Länge im südlichen Gemeindegebiet. Nachgeordnete Departementsstraßen und lokale Landstraßen verbinden das Zentrum der Gemeinde mit den Weilern und weiteren Nachbargemeinden.

Regionalbusse einer Linie im Auftrag der Region Nouvelle-Aquitaine verbinden Marquay mit Sarlat-la-Canéda und mit Les Eyzies.[25]

Literatur

  • Susanne Böttcher (Hrsg.): Périgord, Dordogne, Limousin. (= Der Grüne Reiseführer.) Travel-House-Media, München 2006, ISBN 3-8342-8995-7, S. 304.
  • Jean-Luc Aubarbier, Michel Binet: Liebenswertes Périgord. Ouest-France, Rennes 1990, ISBN 2-7373-0299-4, S. 77.
  • Chantal Tanet, Tristan Hordé: Dictionnaire des noms de lieux du Périgord. Editions Fanlac, Périgueux 2000, ISBN 2-86577-215-2 (französisch).
Commons: Marquay (Dordogne) – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

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