Wikiwand AI

Grives

französische Gemeinde From Wikipedia, the free encyclopedia

Grives (Aussprache [ɡʁiv], okzitanisch Grivas) ist eine französische Gemeinde mit 106 Einwohnern (Stand: 1. Januar 2023) im Département Dordogne in der Region Nouvelle-Aquitaine. Sie gehört zum Arrondissement Sarlat-la-Canéda und zum Gemeindeverband Communauté de communes Vallée de la Dordogne et Forêt Bessède. Die Bewohner werden Grivois und Grivoises genannt.

Schnelle Fakten Grivas ...
Schließen

Geografie

Bodenbedeckung, Hydrografie und Infrastruktur der Gemeinde (2018)

Grives liegt etwa 55 Kilometer südsüdöstlich von Périgueux, etwa 18 Kilometer südwestlich von Sarlat-la-Canéda und etwa 48 Kilometer ostsüdöstlich von Bergerac im Südosten des Départements in der Landschaft des Périgord noir im gleichnamigen, touristisch benannten Landesteil. Das Gemeindegebiet befindet sich im Einzugsgebiet der Dordogne und wird entwässert von den Flüsschen Vallée, Neufond, Fonbounou, Gaugeard sowie von einem kleineren Fließgewässer.

Das Département Dordogne liegt auf der Nordplatte des Aquitanischen Beckens und grenzt im Nordosten an einen Rand des Zentralmassivs. Es weist eine große geologische Vielfalt auf. Das Gelände ist in der Tiefe in regelmäßigen Schichten angeordnet, die von der Sedimentation auf dieser alten Meeresplattform zeugen. Das Département lässt sich daher geologisch in vier Stufen unterteilen, die sich nach ihrem geologischen Alter unterscheiden. Grives liegt auf der dritten Stufe von Nordosten, einer Hochebene aus heterogenem Kalkstein aus der Kreidezeit.[1] Die im Gemeindegebiet hervortretenden Schichten bestehen aus Oberflächenformationen aus dem Quartär und Sedimentgesteine teils aus dem Känozoikum, andere aus dem Mesozoikum.

Das Gemeindegebiet erstreckt sich über eine teilweise bewaldete Hügellandschaft, die durch die Täler der Vallée und des Fonbounou markant eingeschnitten wird. Der topografisch höchste Punkt liegt im äußersten Südosten mit 287 m Höhe an der Grenze zur Nachbargemeinde Saint-Laurent-la-Vallée. Der tiefste Punkt befindet sich im äußersten Nordwesten mit 132 m Höhe beim Austritt der Vallée aus dem Gemeindegebiet. Das Zentrum liegt im Tal der Vallée auf etwa 150 m Höhe.

Rund 60 % der Fläche der Gemeinde werden landwirtschaftlich, hauptsächlich heterogen genutzt, rund 41 % sind bewaldet.[2]

Grives wird von folgenden sechs Gemeinden umgeben:

Carves Veyrines-de-Domme
Castelnaud-la-Chapelle
Pays de Belvès Kompassrose, die auf Nachbargemeinden zeigt Saint-Laurent-la-Vallée
Doissat

Natürliche Risiken

Risikokarte des Quellungs/Schrumpfungsverhältnisses von Tonmineralen in Böden für Grives

Naturrisiken manifestieren sich in Grives neben den meteorologischen Risiken (Sturm, Gewitter, Schnee, extreme Kälte, Hitzewelle) vor allem als

Die Gemeinde ist der Gefahr von Waldbränden ausgesetzt. Im nahezu gesamten Gemeindegebiet besteht zur Vorbeugung von Waldbränden eine rechtliche Pflicht zur Beseitigung von Gestrüpp rund um Häuser, Straßen und andere Einrichtungen oder Geräten sowie eine zeitliche und räumliche Beschränkung von offenem Feuer, beispielsweise beim Verbrennen von Abfällen oder Pflanzen, beim Campen oder beim Feuerwerk.[3]

Wie die Risikokarte zeigt, sind etwa 60 % Gemeindegebiets, insbesondere im Norden, Süden und Westen, von einer mittleren bis starken Gefahr durch Bodensetzungen bei abwechselnden Dürre- und Regenperioden betroffen. Die Erdbebengefahr ist als relativ niedrig einzustufen, am Westrand des Zentralmassivs sind recht seltene Beben der Stärke 3 auf der Richterskala bekannt. Das Gemeindegebiet ist einer nur schwachen Radongefahr ausgesetzt und wird der Zone 1 von 3 zugeordnet.[4]

Etymologie und Geschichte

Der Name des Dorfes ist in einem Kirchenregister des 13. Jahrhunderts in der Schreibweise Grivas belegt, die sich kaum verändert hat. Sein Ursprung ist unklar. Eine Verbindung zwischen dem Namen des Dorfes und der Drossel (altokzitanisch griu, katalanisch Griva) wurde erstellt. Der Standort könnte ein Ort für vorbeiziehende Vögel dieser Gattung gewesen sein. Aber es gibt Hunderte von Orten, die den Namen der Drossel tragen, bei denen dies nicht der Fall ist. Eine überzeugendere Hypothese schlägt als Ausgangspunkt einen Personennamen germanischen Ursprungs, Griso, vor, gefolgt von villa (somit Grisa villa, das Landgut des Griso). Griso wurde von Gris gebildet, aus dem das französische und okzitanische gris (deutsch grau) kommt. Dieser Vorschlag geht mit der Toponymie des Départements überein, wo Ortsnamen germanischen Ursprungs verbreitet sind.[5]

Der Ort ist seit der Altsteinzeit besiedelt, wie die Entdeckung einer archäologischen Stätte innerhalb der Gemeindegrenzen belegt. Spuren gallorömischer Siedlungen wurden jedoch nicht gefunden. Auch aus dem Mittelalter sind nur wenige Überreste erhalten. Ein Terrakotta-Sarg, der an einem Ort namens Martelie oder Le Breuil gefunden wurde, beweist jedoch, dass der Ort im fünften Jahrhundert, also im Frühmittelalter, bewohnt war. Zudem ist eine romanische Kirche erhalten, die im Laufe der Zeit umfassend umgebaut wurde.

Grives scheint in den folgenden Jahrhunderten großen Wohlstand genossen zu haben. Tatsächlich verfügt die Gemeinde noch heute über eine beachtliche Anzahl an prächtigen Anwesen, darunter Herrenhäuser und Chartreuses.[6]

Bevölkerungsentwicklung

Grives: Einwohnerzahlen von 1793 bis 2020
Jahr  Einwohner
1793
  
520
1800
  
450
1806
  
485
1821
  
483
1831
  
500
1836
  
540
1841
  
578
1846
  
600
1851
  
605
1856
  
617
1861
  
563
1866
  
524
1872
  
487
1876
  
523
1881
  
458
1886
  
408
1891
  
386
1896
  
388
1901
  
387
1906
  
367
1911
  
312
1921
  
256
1926
  
269
1931
  
272
1936
  
280
1946
  
264
1954
  
229
1962
  
195
1968
  
183
1975
  
144
1982
  
128
1990
  
129
1999
  
135
2006
  
123
2013
  
134
2020
  
107
Quelle(n): EHESS/Cassini bis 1999,[7] INSEE ab 2006[8]
Anmerkung(en): Ab 1962 offizielle Zahlen ohne Einwohner mit Zweitwohnsitz

Sehenswürdigkeiten

  • Die einschiffige, insgesamt romanisch anmutende Pfarrkirche Saint-Étienne entstand im 13. oder 14. Jahrhundert; sie gehörte lange Zeit zum Priorat von Belvès und ist immer noch umgeben vom Friedhof des Ortes. Ihre von einem zweigeteilten Glockengiebel überhöhte, ansonsten jedoch schmucklose Fassade sowie die übrigen Außenwände sind – mit Ausnahme der Ecksteine – aus nur wenig behauenen Bruchsteinen gemauert. Das Eingangsportal wurde später verändert; darüber befindet sich ein Rundfenster.
Umgebung
  • Circa einen Kilometer südöstlich des Zentrums liegt die ehemalige Chartreuse Le Breuil, die im 17. und 18. Jahrhundert zu einem Landschlösschen umgebaut wurde. Die Anlage befindet sich in Privatbesitz, wurde jedoch im Jahr 2007 in die Liste der Monuments historiques aufgenommen.[9]

Wirtschaft

Erwerbstätigkeit

Im Jahre 2022 waren 57 Personen zwischen 15 und 64 Jahren in Grives erwerbstätig, entsprechend 78,9 % der Bevölkerung der Gemeinde in dieser Altersklasse, wobei der Anteil der Männer (75,6 %) niedriger war als bei den Frauen (83,3 %).[10]

Branchen und Betriebe

12 nicht-landwirtschaftliche Gewerbebetriebe waren im Jahr 2023 in Grives wirtschaftlich aktiv:[10]

Weitere Informationen Branche, Anzahl ...
Branche
Anzahl%
Gesamt12
Fertigung, Bergbau und andere Industrien18,3 %
Baugewerbe433,3 %
Groß- und Einzelhandel, Verkehr, Beherbergung und Gastronomie325,0 %
Fachbezogene, wissenschaftliche und technische Tätigkeiten sowie administrative und unterstützende Dienstleistungstätigkeiten325,0 %
Öffentliche Verwaltung, Bildung, menschliche Gesundheit und soziales Handeln18,3 %
Schließen

Landwirtschaft

Grives liegt in den Zonen mit geschützter Ursprungsbezeichnung (AOP) der Walnüsse des Périgord und des Nussöls des Périgord.[11]

Im Jahr 2020 lag die technisch-ökonomische Ausrichtung der Landwirtschaft der Gemeinde mit dem Fokus auf Kombinationen von Samenfressern (Schweine und Geflügel).[12] Die Zahl der aktiven landwirtschaftlichen Betriebe in der Gemeinde sank von 25 bei der Landwirtschaftszählung von 1988 auf 21 im Jahr 2000, auf 19 im Jahr 2010 und auf 12 im Jahr 2020, insgesamt ein Rückgang von 52 % in 32 Jahren. Die landwirtschaftlich genutzte Fläche verringerte sich von 580 Hektar im Jahre 1988 auf 396 Hektar im Jahre 2020. Die genutzte Fläche pro Betrieb stieg von 23,2 Hektar auf 33 Hektar.[13][14][15]

Verkehr

Grives liegt fernab von größeren Verkehrsachsen. Die Departementsstraße D 51 bildet die Hauptverkehrsstraße der Gemeinde. Sie führt vom Zentrum im Nordwesten in Richtung Pays de Belvès im Südosten in Richtung Saint-Pompon über Saint-Laurent-la-Vallée. Nachgeordnete Departementsstraßen und lokale Landstraßen verbinden das Zentrum mit den Weilern der Gemeinde und weiteren Nachbargemeinden.

Literatur

  • Chantal Tanet, Tristan Hordé: Dictionnaire des noms de lieux du Périgord. Éditions Fanlac, Périgueux 2000, ISBN 2-86577-215-2 (französisch).
Commons: Grives (Dordogne) – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

Related Articles

Timelines

Top Qs

Fact Checks